Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 32 (6.8.1909)
- Date
- 1909-08-06
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 32 Vorbildung und weiten Spielraum in der Wahl des Beiufes gewähren. — N. W. Goldstein, New-York, spricht über die Bedeutung des jüdischen Proletariats für die englische Indust r. i e. Auf seine Schlüsse kommen wir an anderer Stelle zurück. Frankfurter Zeitung, vom 24. Juli 1909. Im Feuilleton: „Das moderne Neuseeland“ von Gustav Maier, tindet sich im Absätze über die gesellschaftliche Stellung der einzelnen Volksschichten folgender Satz: „Auch die Juden, insgesamt 20CO an der Zahl — wenngleich sie Tüchtigkeit und Reichtum, Bürgermeister werden und, in sehr seltenen Fällen — ins Parlament kommen, haben doch keine ■entsprechende Stellung.“ Wschöd, Nr. 30. Dr. Samuel Rappaport gibt in einem längeren Schlußartikel ein Bild über die unmenschliche Behandlung der jüdischen Kranken und der jüdischen Kaufleute in galizischen Kurorten. Er hebt besonders die Verhältnisse im größten galizischen Kurorte Iwoniez hervor, dessen Verwaltung voriges Jahr einem jüdischen Komitee das Versprechen gegeben hatte, die Uebelstände zu beheben und woher heuer neuerdings Klagen über Zurücksetzungen und Schikanierungen einlangen. — In einer längeren Notiz polemisiert der Wschöd gegen den assimilatorischen „Dziennik polski“ welcher das Märchen ausheckte, die Zionisten hätten ein großes, dem Grafen Potocki gehöriges Gut angekauft, um es zu parzellieren. Das ’.Moschkoblatt sieht darin eine Annektierung „polnischer Erde“. Der Wschöd dementiert die Nachricht und erklärt den „nationalen Boden“ den Moschkos überlassen zu wollen. £2 Jednosc, Lemberg, Nr. 30. Dieses Assimilantenblatt ärgster Sorte bringt einen Artikel über Tischobeab und eine Kritik von Bedas Satyren: „Getaufte und Baldgetaufte“. In beiden Aufsätzen ist ein gutjüdisch-nationaler Geist unverkennbar. So wirkt das national-gewordene jüdische Leben auf die verbissendsten Assimilanten und zwingt sie in den Bann der modernen jüdischen Bewegung! Der Faind, Petersburg, Nr. 153, vom 21. Juli 1609 berichtet, daß der Chacham-Baschi den großen Stern des Medidschje-Ordens bekommen hat. Er reproduziert die von der „Jüdischen Zeitung“ gebrachte Notiz über den IX. Zionistenkongreß; in einer anderen Notiz gibt er seiner Freude über die Gründung des Jüdischen Studentenheimes Ausdruck. Rasswjet, Nr. 28. Wladimir Zabotynski weist auf den Zusammenhang aller in der letzten Zeit gegen den Zionismus unternommenen Schritte hin. Zuerst kam Goldbergers Anrempelung, dann die Nachricht in der „Politischen Korrespondenz“, dann der Artikel des J. Cohen im Konstantinopler „Stamboul“; das Interview mit Chacham-Baschi, Rabbi Nahoum und zum Schlüsse der Artikel des Levy im „Journal de Salonique“ über „Abdul-Hamid und Herzl.“ Die Reihenfolge dieser versteckten Angriffe zwingt zur Annahme, daß die „israelitische“ Allianz ihre Hand im Spiel habe. „L’Aurore“, Konstantinopel, Nr. 6, berichtet von Festlichkeiten, die in Konstantinopel und Smyrna zur Feier der jungtürkischen Siege und der Beteiligung der Juden daran von jüdischen Vereinigungen begangen wurden. „Haolam“, Wilna. Die in Wilna erscheinende hebräische Wochenschrift „Haolam“ veröffentlicht in ihrer neuesten Nummer folgende Ausführungen ihres als zuverlässig und gut informiert bekannten Konstantinopeler Korrespondenten: „ln letzter Zeit ist verschiedentlich behauptet worden, daß im Verhältnis der türkischen Regierung zur jüdischen Kolonisation in Palästina ein ungünstiger Umschwung eingetreten sei. Die erste Alarmnachricht stammte vom Konstantinopeler Korrespondenten des „Jewish Chronicle“. Darauf verbreiteten auch Wiener Blätter falsche Mitteilungen über diese Angelegenheit. Zur Steuer der Wahrheit sei hier nun folgende Aufklärung gegeben: All’ jene Lügenmären rühren vom „Jewish Chronicle“-Korrespondenten her. Es verlohnt sich daher — so unwichtig und uninteressant auch dies an und für sich ist — die Persönlichkeit dieses „Korrespondenten“ zunächst etwas näher zu beleuchten. Der Konstantinopeler Korrespondent des „Jewish Chronicle“ ist der Sohn des Herausgebers eines kleinen Blättchens, welches den Assimlantenkreisen und der Alliance Israelite Universelle sehr nahe steht. Jener „Korrespondent“ ist von Beruf Kommissionär; jedenfalls hat er keinerlei Beziehungen in den Regierungssphären und er schöpft seine Informationen aus zweiter und dritter Quelle — meist in „Alliance“- Kreisen. Dieser Herr, ein Zögling und Schrittmacher -der „Alliance“, haßt den Zionismus und den jüdischen Nationalismus. Und als in der Konstantinopeler Presse mehrere Artikel für den Zionismus erschienen waren — wurde er vom Schrecken ergriffen und verfaßte seine bekaneten Ausführungen im „Jewisch Chronicle“. Der Herausgeber dieses Blattes, der, wie es scheint,’ seinen Konstantinopeler Korrespondenten nicht kennt, richtete in seiner Bestürzung an diesen ein dringendes Telegramm „im Namen der jüdischen Organisation“, worin es hieß, daß die Juden keinerlei separate Ziele in der Türke* verfolgen, daß die dorthin einwandernden Juden türkische Staatsbürger werden sollen und daß „die Organisationen keinem Lande den Vorzug geben“. Der Korrespondent veröffentlichte sofort dieses JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Telegramm, in den hiesigen Zeitungen. Merkwürdigerweise ist aber der letzte Passus, wegen der uNichtbevorzugung eines Landes“, in dem von seinem Vater herausgegebenen Blatte nicht wiedergegeben! Und Wie ich zuverlässigst erfahre, hat der Korrespondent selbst, nicht der Herausgeber des „J. Ch.“, den betreffenden Passus verfaßt! Und das alles, um den bösdn Zionisten ein Bein zu stellen . . . Tatsächlich ist ln den Ansichten der Regierung über die jüdische Ansiedelung in Palästina keineswegs ein ungünstiger Umschwung eingetreten. Im Gegenteil, zahlreiche hohe Beamte heben offen den großen Nutzen hervor, den die Juden dem heiligen Lande und der Türkei bringen würden. Ein Kongreß für hebräische Sprache und Kultur. Vom Komitee zur Vorbereitung eines hebräischen Kongresses geht uns folgende Zuschrift zu: Mach einem langwährendem Stilstand iu den Lebensäusserungen der hebräischen Sprache haben die das Judentum aufrüttelnden letzten Dezennien auch darin einen tiefwurzelnden und hochbedeutsamen Umschwung gebracht. Unsere Generation ist Zeugin dessen, wie aus demselben historischen Prozeß, der im jüdischen Leben ungeahnte Strebungen nach nationaler Regenerierung schafft, zugleich nicht nur eine umfangreiche und vielversprechende Literatur erwächst, sondern auch die hebräische Sprache frische Kräfte schöpft, um auf den jüdischen Organismus befruchtend zurückzuwirken. Noch sind es mühevolle Anfänge, tastende Versuche, in deren Dienst viele junge Talente ihre Individualität stellen, aber auch schon jetzt entwickelt sich neben einer allgemeinen hebräischen Presse, die allein Zehntausenden Juden die Güter des Geistes bringt und die jüdischen Volksinteressen kozentriert, neben einer im Aufblühen begriffenen Belletristik und einer auf alien Lebenswie Zeitprableme reagierenden Publizisiik ein ausgedehntes hebräisches Schulwesen, das hie und da in Osteuropa, namentlich aber in Palästina die Sprache der Väter zur Unterrichtssprache erhebt, weiter ausbildet und zu einem lebensfähigen Element adelt. Drüben im Osten gibt es schon gauze Scharen von Kindern, denen das Hebräische zur Muttersprache geworden, die im Hebräischen ihre psychische Vereinheitlichung stählen und auch in der Alltäglichkeit ihre Wiedergeburt voll erleben. Derselbe Orient kennt bereits ganze Gebiete, in denen die durch ihre Geburt sprachiich getrennten Judenteile natürlicherweise nur im Hebräischen ein Verständigungsmittel finden, und beweist mit zwingender Logik, daß die Sprache der Bibel mit ihren weiteren Formierungen das natürliche einigende Band der Gesamtjudenheit zu werden berufen ist. Nur wer dem sich erneuernden Volksorganismus fernsteht, vermag immer noch den an seiner Trivialität dahinwelkenden Gedaekcn weiterzutragen, daß das Hebräische, gleich dem Lateinischen und Griechischen, nur noch die Sprache des Wissens und Ge: betes, nicht aber die des Lebens und der siegenden Zukunft sei. Selbst in jenen Ländern, in denen das Hebräische eiuem verwüsteten Indifferentismus zum Opfer gefallen ist, fühlt man leise sich durchdringende, bald bewußte, bald unbewußte Strebungen, ein merklich erwachendes und steigendes Interesse für die totgeglaubte und aufgegebene Sprache unserer Väter. Wo aber, wie in den Ländern der großen Judenmassen, das Interesse in der Tat sich umgesetzt hat, da haben die positiven Ergebnisse bereits ihre Geschichte hinter sich und sind eine Folge mannigfacher Unternehmungen und Notwendigkeiten. Allein, was alle diese über die ganze Welt zerstreuten Kräfte schaffen, spiegelt nur das Sehnen des jüdischen Volkswillens nach Wiederaufbau der zerstörten Werte wieder, entbehrt aber der Einheitlichkeit, des programmatischen Zieles, der kraftschaffenden und richtunggebenden Zentralisation. Aus der Erkenntnis erwuchs der Gedanke an die Unentbehrlichkeit eines Kongresses für hebräische Sprache und Knltur, der sich mit den kurz gestreiften Problemen eingehend befassen und der Konsolidierung der hebräischen Kräfte organisatorisch dienen soll. Diese Erkenntnis hat auch das Unterzeichnete Komitee veranlaßt, von einer Spezialkonferenz die Aufgabe der vorbereitenden Schritte zu diesem Kongreß mit Freuden zu übernehmen, von der Hoffnung getragen, daß dieser Anfang zum Ausgangspunkt weiterer Entwickelungsmöglickeiten werden wird. Wir berufen alle, die gleich uns ihre Notwendigkeit erkannt haben, zu einem Kongreß für hebräische Sprache und Kultur, der im Dezember dieses Jahres stattfinden wird. Die Aufgabe des Kongreßes wird darin bestehen: 1. Die Grundlagen und das Programm einer Gesamtorganisation zur Föderung der lebendigen hebräischen Sprache, der hebräischen Literatnr und der hebräisch-sprachlichen Erziehung auszuarbeiten. 2. Eine sichere reale Basis — etwa in der Form der Begründung eines Fonds — zu finden, die allen Teilen dieser Tätigkeit den Bestand sichern soll. Der hebräische Kongreß ist nicht die Versammlung dieser oder jener Gruppe und Partei, sondern eine allgemein nationale Versammlung, und jeder Jude, der die hebräische Sprache als unsere Nationalsprache betrachtet und an einer organischen Arbeit im Dienste ihrer Wiedergeburt mitzuwirken wünscht, kann daran teilnehmen. Die Tagesordnung und die in Aussicht genommenen Referate, sowie die genauen Angaben über Zeit und Ort werden demnächst mitgeteilt werden. Zentralkomitee der „Ibria“. Zentralkomitee des Lehrerverbandes in Palästina. Hebräischer Lehrerverband in Rußland. Hebräischer Lehrerverband in Oesterreich. „Hasomir“ in Warschau. Das vorbereitende Komitee in Berlin. Dozent Dr. E. Baneth. Rüben Brainin. Dr. Martin Buber. Berthold Feiwel. S. J. Hurwitz. Dr. Schmarja Levin. Rabbiner Dr. Emil Levy. Dr. Heinrich Löwe. Privatdozent Dr. Eugen Mittwoch. A. L. Motzkin. Rabbiner Dr. M. Warschauer. Dr. L. Wilensky, Das Sekretariat: B. Gottlieb. Josef Lin. Adresse: Herrn Dozenten Dr. E. Baneth, für Kulturkongreß-Komitee, Berlin C., Rosenthalerstr. 25. Palästina. Am 26. Juli tagte in Berlin die zweite Sitzung der Palästina-Agrarkredit-Kommission. Es wurden verschiedene Berichte vorgelegt, der Plan der weiteren Tätigkeit festgestkllt und Maßnahmen getroffen, um die gefaßten Beschlüsse auszuführen. * . * Die Zeitschrift „Palästina“. Wir hatten neulich getadelt, daß eine zionistische Zeitschrift einen Artikel brachte, in welchem der Autor, Prediger Kieferndorf, über den Kirchenstreit zwischen griechisch-orthodoxen Griechen und Arabern berichtet und die Forderungen der Araber scharf kritisierte. Herr Kieferndorf, Jerusalem, schickt uns daraufhin eine lange Zuschrift, in welcher er sagt, daß der erwähnte Streit, sowie alles Wichtige, was in Palästina vorgeht, die zionistische Oeffentlichkeit interessieren müsse, daß auch die mohammedanischen Araber ihrer christlichen Brüder unterstützt hätten, also eine nationalarabische Bewegung vorliege, daß die Haltung der Araber gegen die Juden immer feindseliger werde und der mit Hilfe jüdischer Stimmen gewählte Deputierte von Jerusalem Said Effendi Elruchani im türkischen Parlament einen Antrag auf Verbot der Einwanderung von Juden nach Palästina eingebracht hätte, daß er ferner in seinem Artikel Licht und Schatten zwischen Griechen und Arabern gerecht verteilt habe. Das alles hat aber mit dem Kern unserer Kritik nichts zu tun. Unser Tadel, daß die Zeitschrift „Palästina“ einen Artikel aufgenommen hat, in welcher ein christlicher Autor über Berechtigung oder Nichtberechtigung rein kirchl.'cher Forderungen der Araber scharf urteilt, bleibt aufrecht. Das ist zumindest eine grobe Taktlosigkeit, mögen die Privatansichten des Herrn Predigers Kieferndorf richtig sein oder nicht. Damit ist ist diese Angelegenheit für uns endgiltig erledigt. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (P o a I e -Z i o n, Parteilokal XX. Mathildenplatz 7, Hof). Samstag den 7. d. M. findet eine Vereinsversammlung statt, in welcher Genosse Ernst Kohnberger über das Thema: „Der Arbeiter-Palästinafonds“ referieren wird. Beginn 8 Uhr abends. Die Gesinnungsgenossen wollen zahlreich erscheinen. Preßburg. (Bl'au-we i ß e s Sommerfest.) Der Verein Ahawath Zion in Preßburg veranstaltet am Sonntag den 8. August d. J. ein großangelegtes zionistisches Sommerfest, dessen eventueller Reinertrag zionistischen Zwecken zufallen wird. Der Verein lädt alle Gesinnungsgenossen aus Wien ein, an diesem Feste teilzunehmen. Das Fest, welches im Prachtetablissement „Bellevue“ stattfindet, wird um 3 Uhr nachmittags beginnen. Diejenigen Gesinnungsgenossen, welche daran teilnehmen wollen, können das am Sonntag früh von Wien abgehende Lokalschiff, welches um 10 Uhr vormittags in Preßburg anlangt, benützen. Berichte. Friedek. Jüd.-akad. Ferialversindung „H a sm o n ä a“. Die Chargenwahlen für das laufende Jahr ergaben folgendes Resultat: med. Emil Trainer x, jur. Hermann Gruber jur. Fritz Singer -x^0«. Mähr.-Ostrau. Die Chargenwahl der jüd.-akad. Ferialverb. „Hessiana“ pro 1909 ergab folgendes Resultat: phil. Siegfried Schmitz *, iur. Ernst Hornung XK, ing. Otto Braun Saybusch-Zablocie. Hier fand Sonntag den 1. August im Kasino des Zablocier Lesevereines eine Herzlfeier statt, welche, obwohl die erste zionistische Veranstaltung in Saybusch überhaupt, doch einen über alles Erwarten günstigen Verlauf nahm. Die Begrüßungsrede hielt Herr Dr. Nehmer in j lnischer Sprache, worauf der selbstverfaßte Fest-