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Jüdische Zeitung · 1909-07-30 · 31 (30.7.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
31 (30.7.1909)
Date
1909-07-30
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 31 Der „Israelit“, Frankfurt Nr.29 —polemisiert mit dem in unserem Blatte ausgedrückten Wunsch, die jüdischen Abgeordneten müssen dazu beitragen, die zionistische Gesamtorganisation in Oesterreich wieder herzustellen. Der „Israelit“ scheint nicht zu wissen, um was es sich handelt, da er schreibt, wir forderten daß die Galizianer die Geschicke ihres religiösen und Gemeindelebens in die Hände der Wiener Herren zu legen. Es ist wohl überflüssig, dieser Konfusion gegenüber ein Wort zu verlieren. — Eine Korrespondenz aus Jaffa berichtet über die Umwandlung der Tachkemous Mittelschule, die bekanntlich auf religiöser Grundlage ruht. „Unser Leben“, Warschau vom 25. Juli. — Ein Bericht Bialiks über Palästina hebt drei erfreuliche Momente hervor: die Schaffung eines jüdischen Bauerntypus, die Verschmelzung der aus verschiedenen Ländern eingewanderten Juden zu einer neuen Einheit und das Aufleben der hebräischen Sprache als jüdische Nationalsprache. Weiters bemerkt er, daß die jüdische Jugend in Palästina sich vollständig akklimatisiert hat und natürlich und gesund ist. Als Hauptforderung der vorläufigen Täligkeit im Lande betrachtet er die Gründung und Erhaltung guter Schulen. Heed-hasman. Wilna, vom 24. Juli 1909, berichtet von einem Prozeß in Wilna. Angeklagt war der Poale-Zionist Kassriel Schuw, wegen seiner Zugehörigkeit zur „revolutionären, staatsgefährlichen“ Partei: Poale-Zion. Schuw, welcher während der Untersuchungshaft einen Fluchtversuch gemacht hatte, wurde freigesprochen. Dem Advokaten gelang es nämlich zu beweisen, daß das Ziel der Poale-Zion nicht Rußland, sondern Palästina ist. — In derselben Nummer ist ein interessanter Auszug aus einem Artikel des gewesenen Redakteurs der Salonikier „Epoca“, nunmehriger Chefredakteur des „Journal de Salonique“, veröffentlicht, in welchem der Redakteur über eine Zusammenkunft mit Dr. Herzl in Wien berichtet, und Angaben über das Verhältnis des Exsultans Abdul Hamid zu Dr. Herzl und dem Zionismus macht. Ein Geheimdokument der russischen Regierung. Im Dezember 19C6 wurde im Schoße des! russischen Ministerrates ein Bericht über die Juden- frage ausgearbeitet, der von Stolypin und seinen; Kollegen unterzeichnet und dem Zaren zur Begut- . achtupg vorgelggt worden war. DenZar-erklärt sich mit dem Bericht, der weitgehende Konzessionen an die Juden in Rußland vorschlug, vollständig einverstanden und ordnete dessen Empfehlung an die Duma an. Aus irgendwelchen Gründen wurde in- , dessen der Akt niemals der Duma vorgelegt, sondern er verblieb in den Geheimarchiven der Regierung. „Jewish Chronicle“ ist nun in den Besitz einer Abschrift des Dokuments gelangt, das er im Wortlaut veröffentlicht. Die nachstehenden Punkte beweisen, wie verhältnismäßig weitgehend die Vorschläge Stolypins im Jahre 19C6 gewesen waren: 1. Aufhebung der gegenwärtigen Gesetze über den Aufenthalt der Juden in gewissen Dörfern und Städten und Bewegungs- und Ansiedlungsfreiheit für die Juden in Städten, Orten und Dörfern der Gouvernements von Bessarabien, Wilna, Witebsk, Wolhynien, Grodno, Jekaterinoslaw, Kiew, Kowno, Minsk, Mohilew, Podolien, Poltawo, Cherson, Tschernigow und Russisch-Polen. 2. Aufhebung einiger besonderen Einschränkungen in bezug auf das Recht des Aufenthaltes außerhalb der ihnen bisher zugewiesenen Reservationen: a) Russische Juden, die ein permanentes oder vorübergehendes Recht zum Wohnen außerhalb oder innerhelb ihrer Reservation besitzen, ebenso ihre Eltern sollen sich desselben Rechtes im ganzen Reiche in Städten und Dörfern erfreuen, ausgenommen jene Orte, die speziell angeführt werden, -b) Jüdische Handwerker, Branntweinbrenner, Brauer und andere Arbeiter sollen permanente Rechte auf freien Aufenthalt im ganzen Reiche haben. Die Frauen, Kinder und anderen direkten Nachkommen, unmündige Brüder und Schwestern, die die Nachkommen der in a) und b) Genannten sind und mit diesen wohnen, sollen dieselben Privilegien erhalten. 3. Aufhebung der Einschränkungen in bezug auf die Erzeugung alkoholischer Getränke und spezielle Regulationen bezüglich des Handels. 4. Aufhebung der Einschränkung in Bezug auf Pachtung und Bewirtschaftung von Land. Russische Juden sollen in den Orten, in denen sie permanent wohnen, das Recht erhalten, in Städten Land zu erwerben, nicht aber außerhalb der Städte. Dieses letztere Verbot trj streckt sich aber nacht auf die Orte innerhalb des Distriktes, in denen ihnen durch vorherige Gesetze die Erlaubnis zum Erwerb von Land bereits ge- ■ geben wurde. 5. Punkt' 2 und 3 erstrecken sich auch auf die Juden in Russisch-Polen. Die beste-! henden Gesetze, über Landerwerbung in Polen bleiben aber in Kraft. 6. Punkt 2 erstreckt sich ' auch auf die Kosakenreservationen in Don, Kuban und Twer. 7. Allgemeine Einschränkungen gegen Personen nichtchristlicher Konfession fallen unter die Verfügungen 3 und 4. 8; Artikel 395 des Armeegesetzes, der die jüdische Gemeinde für jeden Fall von Desertion haftbar macht,- tritt außer Kraft. 9. In den Pässen usw. -der getauften Juden soll seine frühere Angehöiigkeit zum Judentum nicht mehr hervorgehoben werden, auch sollen die Einschränkungen gegen jüdische Familien, die ihr Oberhaupt nach Sibiren begleiten, aufgehoben werden. 10. Die Statuten von Gesellschaften, die die Teilnahme von Juden an ihnen verhindern, können auf Ansuchen der betreffenden Gesellschaften durch ministerielle Verfügung annulliert,werden. 11. Schwebende Angelegenheiten, durch die neuen Aktien reguliert werden. 12. Der Kriegsminister wird ersucht, im Einvernehmen mit den beteiligten Departements die Aufhebung jener Bestimmungen zu erwägen, die die juden, denen durch diesen Akt der Aufenthalt in den Kosakenreservationen gestattet wird, hieran verhindert. ] Diese Konzessionen sind aber nie zum Gesetz geworden. Anscheinend sind die echt russischen Leute einflußreicher als der gesamte Ministerrat und ihre Wünsche ausschlaggebender als die Entschließungen des „Väterchens Zar.“ Mitteilung der N. F. Kommission. Das Hauptbureau des J. N. F. in Köln erläßt folgende Verlautbarung. Die Eintragung Max Nordaus ins Goldene Buch anläßlich' seines 60. Geburtstages durch die zionistische Welt-Organisation. Im Sinne unserer Mitteilung in Nr. 17 der „Welt“ d. J. bringen; wir hierdurch nochmals zur Kenntnis, daß die Nationalfondsverwaltung beschlossen hat, die zahlreichen Spendenbeträge, die aus den verschiedensten Ländern für die Eintragung Max Nordaus ins Goldene Buch anläßlich -se i n c-'s60. GeburtstageS ein- Iaufen, zu einer G esa m t e i n t ra gu n g des Jubilars durch die zionistische Weltorganisation zusammenzufassen. Bisher sind für diesen Zweck — abgesehen von den zahlreichen Vollzahlungen, welche in ' die obengenannte Gesamteintragung nicht mit .einbezogen werden können, ca. 1500 Mk. eingegangen. Da in den Publikationsorganen unserer Landessammelstellen fortgesetzt neue Spenden in großer Anzahl und beträchtlicher Höhe für die Eintragung des Jubilars ausgewiesen werden, sehen wir uns veranlaßt, d i e Frist für die Vollziehung obiger Ei ntragung bis zum L September d. J. auszudehnen. Wir richten demgemäß an die Spender und lokalen Nationalfondskommissäre in allen Ländern die höfliche Bitte, die für die Eintragung Max Nordaus anläßlich seines 60. Gebuitstages bestimmten Spendenbeträge unverzüglich an die zuständige Landessammelstelle abzuliefern, damit sie rechtzeitig ausgewiesen und der geplanten Gesamt-Eintragung angeschlossen werden können. Diejenigen Körperschaften und Einzelpersonen, die zu dieser Eintragung mindestens K. 120.— beitragen, werden eine Abschrift des betreffenden Goldenen - Buch - Diploms erhalten. Wir sind übezeugt, daß die Gesinnungsgenossen in allen Ländern eifrig bestrebt sein werden, die Eintragung Dr.. Max Nordaus durch eine möglichst umfassende Beteiligung sämtlicher Organisationen und die außerordentliche Höhe der Beiträge zu einer würdigen Kundgebung unserer Wertschätzung für den hochverehrten Jubilar zu gestalten. * * * Die Aufstellung der für den Herzhvald anläßlich des Todestages Herzls gesammelten Spenden wird in der nächsten Nummer veröffentlicht. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Poale-Zion, Parteilokal XX. Mathildenplatz 7, Hof) Samstag den 31. Juli Vereinsabend mit Vortrag von Gen. Jurist Heinrich Schiff mann über: „Die Geschichte der Juden i m XIX. Jahrhundert.“ Beginn 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Berichte. Wien. Der jüdische Verein „E i n h e i t“ übersiedelte mit seiner unter Aufsicht des ehrwürdigen Herrn Rabbiners S. Fürst, „Adass Jisroel“ (Schiffschule), stehenden, streng rituellen Küche, die seit fast drei Jahren eine Wohltat für Hunderte und Hunderte armer Glaubensgenossen ist, Sonntag den 25. Juli d. J. in das provisorische Lokal II. Große S ch i f f g a s s e 21, um im November d. J. ein neues, für seine Zwecke gebautes, aus großen Sälen bestehendes und mit allen hygienischen und komfortablen 'Erfordernissen ausgestattetes Lokal, II. Malzgasse 12, zu beziehen. Die ganze Organisation und Administration wird geändert und unter Beibehaltung des sneng Rituellen und Billigen eine moderne, sehr reine und kultivierte Volksrestauration nach besten ausländischen Mustern geschaffen. Ung.-Hradisch. (A c h i w a 1.) Die Chargenwahlen tür das W. S. und S. S. 1909/10 hatten folgendes Ergebnis: jur. Siegf. Groß licht x, jur. Hugo Klein >;x, jur. Wladimier Tauß x>°<. Brody. Der Verein jüd. Hochschüler „Tcchijah“ zu Brody hielt am 21. Juli a. c. seine VII. ordentliche Generalversammlung ab. Die vorgenommenen Neuwahlen fürs Jahr 1909/10, ergaben folgendes Resultat : cand. mcd. Anczel S t r o in vv a s s e r, Präses, stud. iur. Keon Lomrower, Vizepräses, stud. iur. Josef Schweig, Sekretär. Boskowitz. Die Vollversammlung des „Boskowitzer Turnvereines“ beschloß einstimmig, dem Verbände jüdischer Turnvereine beizutreten. Prosnitz. Die Herzl-Feier wurde ant 12. d. M. von den vier, jüd.-nationalen Vereinen gemeinsam abgehalten. HerrRabb. Dr. Leopold Goldschmied hielt die Gedenkrede, Gg.'Friedrich Löw rezitierte Gedichte von Morris Rosenfeld, die Herren A. Bergl, Heinrich Gottlein, Dr. Jul. Korner und Wilhelm Lösegeld sangen, zwei Quartette. Die Sammlung für den Herzl-Wald ergab 98 Kronen. Proßnitz. (Ferial verein jüd. Hochschüler „Giskala“.) Die Chargenwahl ergab folgendes Resultat: cand. ing. Athür S t ec k 1 m a c h e r, Präses, cand. med. Arnold Wasservoge), Vize- Präses, stud. med. Daniel Mandl, Schriftführer. Göding. („Ga mala“). Am 19. Juli fanden die Chargenwahlen statt, die folgendes Resultat ergaben: cand. ing. Lipmann B ramm er x, canding. Julius Goldschmidt xx F x, cand. phil. . Oskar Sabl :>ooc. Arbeitsausschuß mähr.-schles. Ferialverbindung. Der Studententag der jüdischen Hoclischüler aus Mähren und Schlesien findet anfangs .September in L e i p n i k statt. Referate m üssen ehestens angemeldet werden bei med. Rosner Rud. B>i e 1 i tz Bauergasse 1. Personalnachricht. Die Tochter unseres Gg. Johann Kre mene zky, ehemaliges Mitglied des EAC. und erster Direktor des Jüdischen Nationalfonds, Fräulein Lotte Kremenezky hat sich mit Gg. Dr. Hans Gideon Hcyniann-Berlin verlobt. Wir gratulieren aufs herzlichste. Wie wir erfahren, haben die Eltern des Brautpaares anläßlich der Verlobung 300 Oelbäume gestiftet. _ Warnung. Der jüdische Verein „Einheit“ bringt zur geneigten Kenntnis, daß derzeit niemand für diesen Verein in Galizien Beträge sammelt. Geneigte Zur- Wendungen wollen gefl. direkt an unseren Obmann, Herrn Bernhard Hofbauer, I. Tuchlauben 20, gesendet werden. Der Vorstand. Liste der Ueberläufer. (Vom 21. Juli bis 28. Juli 1909.) Erwin Hirsch, 1891, Wien, ledig. Abiturient, XIII. Trautmannsdorfgasse 3. Gustav Huth, 1885, Proßnitz, verh., Privatbeamter, II. Pazmanitengasse 25. Fritz Kerner, 1882, Wien, ledig, Ingenieur, I. Rudolfsplatz 1. Richard Langer, 1884, Wien, ledig, Pfründner, XX. . Klosterneuburgerstraße 85. Julius! Löwenstein, 1878, Wien, verh., Buchhalter, VII. Andreasgasse 1. Koloman Lippa, 1879, Budapest, verh., Kaufmann, VII. Kaiserstraße 63. Adele Konrad, 1891, Wien, ledig, Kunstblumenarbeiterin, XVI. Kirchstettengasse 13. Wilma Hofmann, 1887, Wien, ledig, Sprachlehreriu, IV. Schleifmühlgasse 2. Feige Fränkel, 1885, Przywaücka, Galizien, ledig, XX. Vorgartenstraße 67. Fritz Ploss, 1875, Wien, ledig, Kaufmann, IX. Liechtensteinstraße 17. Wilhelm Bass, 1889, Wien, ledig, Kellner, VII. Urban Loritzplatz 5. Gabriele Schrenzei, 1895, Wien, ledig, Private, V. Ramhartgasse 6. Josef Otto Mandl, 1891, Krakau, ledig, Privater, III. Dapontegasse 2. Irma Kende, 1876, Wien, ledig, Private, VI. Gumpendorferstraße 28.

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