Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 30 (23.7.1909)
- Date
- 1909-07-23
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 6 Parteinachrichteri. Aufruf. . l Atis Anlaß des 60.' Geburtstages unseres hochverehrten Altmeisters Mät Nordäu ünd um eiiTdauerndes Andenken an 'diesen ifir den' Ziönismus'-BÖ denkwürdigen' Tag festziihalteri, hät das: Engere ’Aktföriskomitee beschlosseri, iil Palästina ein Mikro-Biologisches Institut zu schaffen, das einem der dringendsten Bedürfnisse der schon bestehenden, der zu bildenden Kolonien, wie auch der Landesbevölkerung im allgemeinen entspricht Das Arbeitsgebiet des Instituts ist die Erforschung der ansteckenden Krankheiten, sowohl der Menschen als auch der Haus- und Nutztiere und der Kulturpflanzen. Tierseuchen und Pflanzenkrankheiten haben der Kolonisation bereits schweren Schaden zugefügt Einer wirksamen Bekämpfung stand als erstes Hindernis in den meisten Fällen die Unkenntnis der Krankheitserreger und ihrer Verbreitungsbedingungen entgegen. Aufgabe des Mikro-Biologischen Instituts soll es sein, über diese Punkte Licht zu verbreiten und Mittel zu finden, einer Erneuerung ähnlicher Heimsuchungen vorzubeugen. Welche Bedeutung dies für das Gedeihen der bestehenden und der künftigen Kolonien und für das Land im allgemeinen gewinnen kann, bedarf keiner Ausführung. Durch dieses Institut in dem der Zionismus wieder eines jener Werke geschaffen haben wird, die Erez Israel erneuern und verjüngen, werden die Kultur und die Wohlfahrt des Landes kräftig gefördert werden. Das Institut soll den Einwohnern Palästinas und der Welt zeigen, wie ernst es uns mit unserem Bestreben ist, in Erez Israel als Kulturbringer und Pioniere der wissenschaftlichen und ökonomischen Fortschritte aufzutreten und zu wirken. Wir richten an alle, die Herz und Sinh für die Kolonisation und den Aufschwung Palästinas haben, den Aufruf, sich an der Schaffung dieses neuen Werkes des Fortschritts und der modernen Entwicklung tatkräftigst zii beteiligen, und hegen die zuversichtliche Hoffnung, daß unser Werk in den breitesten Kreisen einen großen Anklang finden wird. Das Aktionskomitee David Wolffsohn, j.H.Kann, Prof. Dr. Warburg. Für das Mikro-Biologische Institut sind bereits folgende Beträge gezeichnet: David Wolffsohn-Köln.Mk. 1000.— J, H. Kann-Haag..„ 1000.— Prot Dr. Warburg-Berlin.„ 500 — Dr. Charles Dreyhiß-Manchester . . . „ 400.— Vorläufige Sammlungen in Oesterreich: Johann Kremenezky.Kronen 3000.— Kaiserlicher Rat Alois Schweiger . „ 500.— Dr. Stand, Reichsratsabgeordneter . „ 100.— Dr. Mahler, Reichsratsabgeordneter „ 100.— Prof. Dr. Kellner. „ 100.— Dr. Silberberg. „ 300.— Ing. Josef Seidener. „ 100.— Dr. Schnirer. „ 100.— Heinrich Lederer. „ 200.— Kaiserlicher Rat C. Hirsch. „ 300.— Ing. Gebian M. „ 100.— Max Frank. „ 100.— Leo Weiß, Klosterneuburg .... „ 100.— I. Wiener Jüdischer Turnverein . . „ 100.— Zionistischer Frauenverein..... „ 100.— Direktor Schwarzkopf .. „ 100.— Dr. Gabriel Lewy. „ 200.— M. Bentheim. Mark 100.— Frau Käthe Rieß ..Kronen 100.- Dr. Süchestow. 100.- Direktor Pinter. 100.— Direktor Aschner. 100.- Bankier Ad. Brecher. 100.- Anton Glaser.. 100.— Prof. Weleminsky. 100.- 100.- Kom.-Rat Anhauch.'. 300.— Verein Makkabäa. 100.- Lippmann Bloch. 100.- Frau Elisabeth Perutz, Teplitz- "Schönau.. . 150.- 4 Vorstandsmitglieder, Teplitz- ~ Schönau . . 100.- Kaiserl. Rat Landau. 150.— Isidor J-öwit .,.. . . . . . . . . . 200.- Geometer L. Rosenblatt...... 100.- von Inwald .. n 150.— S. Ältmann ... . Kronen 300.— Dr. Oswald Weiß' . . . '. . . . „ 2001— Julius Egger .. . . . . .. „ 300.— M. Workmann . .. . . ..... . 500.— Jüdischer Volksverein „Ziori“, Tepiitz- .Schönau ............ 100,— Dr. Bergmann, Pardubitz ..'... „ 100.— Josef J. Leinkauf ...... . . „ 100.— L.Götz ... . . . . i...-. .... „ 200.— Rab. Dr, S. .Friedmann, Troppau , . „ 100.— Kommerzialrat M. Doctor . : . . . „ 200.— Weitere Spenden nehmen entgegen: The Jewish Colonial Trust (Jüdische Kolonialbank), Ltd. Brook House, Walbrook, London E. C., sowie seine sämtlichen Zahlstellen, sämtliche Sammelstellen des Jüdischen Nationalfonds, sowie die Redaktion der „W eit“, Köln, Karo 1 ingerring 6. * * ♦ Jüdisches Studentenheim. Freitag, den 9. Juli fand eine Vorbesprechung des Vereinskomitees und am Abend die konstituierende Generalversammlung statt, welche zahlreich besucht war. ln der von Herrn Lucian Brunner geleiteten Generalversammlung wurden die Statuten genehmigt und der vom Vorsitzenden erstattete Bericht über die vorbereitenden Schritte zum Ankäufe des Platzes mit großer Begeisterung zur Kenntnis genommen. Hernach wurde der Vorstand gewählt. Die Wahlen in das Kuratorium ergaben folgendes Resultat: Lucian Brunner, Bankier; kaiserl. Rat Arnold Mandl, Großindustrieller; Dr. M. Hajek, Universitätsdozent; Dr. Alfred Lanzer, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr. Karl Po llak, Arzt; Felix Salten, Schriftsteller; Dr. Isidor Schalit, Arzt; Dr. Julius Schnitzler, Universiiätsprofessor; Adolf Stand, Reichsratsabgeordneter; und Dr. Ludwig Werner. Als Vertreter der Studentenschaft wurden gewählt: Hugo Eben, Führenberg, Grünfeld, Emil Kugel, Otto Krasny, H. Nagler, Otto Pollack, Z. Rosenberg, A. Singer und Moses Waldmann. Hierauf wurde von der Generalversammlung dem Vorstand die Vollmacht erteilt, die Realität, IX., Seegasse 26 und Rügergasse 5 gelegen, um den Betrag von, 220.000 Kronen für den Verein anzukaufen. Herr Ärch. Dr. Karplus erläuterte an der Hand von Plänen und Entwürfen, das von ihm entworfene Projekt und schilderte eingehend, wie er sich die Ausgestaltung desStüdentenheimes vorstellt. Nach der Generalversammlung fand eine Vorstandssitzung statt, in welcher zum Obmann Herr Lucian Brunner, zum Obmann-Stellvertreter Herr kaiserl. Rat Arnold Mandl, zum Schriftführer Herr Moses Waldmann, und zum Kassier Herr Dr. Alfred Lanzer gewählt würden. Die Jahresversammlung der Jewish Colonisation Association (IGA.) Am 11. d. M. hielt die ICA. unter Vorsitz des Präsidenten Herrn Narcisse Leven und bei Anwesenheit der Komiteemitglieder Paul Errera (Brüssel), Karl Netter (Berlin), Dr. Arnold Netter (Paris), H. G. Lousada (London), Dr. Blau (Frankfurt), Franz P h i 1 i p p s o n (Brüssel) und Salomon Reinach (Paris) statt. Das Mitglied Claude Montefiore entschuldigt seine Abwesenheit. Aus dem Berichte des Präsidenten heben wir folgende Punkte hervor: Kolonien in Argentinien und Brasilien. Die Kolonisation in Argentinien wächst von Jahr zu Jahr. Am 31. Dezember 1908 war die Bevölkernng unserer dortigen Familien auf 2875 Familien angewachsen; mil 15.771 Personen, das sind 500 Familien mit 2500 Personen mehr als 1907. Alle Kolonisten sind in der Landwirtschaft tätig. Im Jahre 1908 bebauten sie 84.507 Hektar Landes und die befriedigenden Resultate ihrer Arbeit setzten sie instand, uns Frcs. 879.204 als Ämortisationsqüoten ihrer Schuld an die ICA. zurückzuzahlen. Die ICA. organisiert, administriert den Elementarunterricht, dessen Kosten sie trägt. Alle anderen Institutionen werden von den Kolonisten selbst verwaltet. Die Kolonisten sind in Genossenschaften organisiert. Die Zahl der Neuankömmlinge wächst von Jahr zu Jahr. 1908 waren es 5362. Sie verstreuen sich über das Land und finden leicht Unterhalt. Viele arbeiten in unseren ■ Kolonien und siedeln sich dort an. Im Jahre 1908 taten dies mehr als 400 neue Familien, so däß die Nr. 3p Zahl der Landarbeiter in den Kolonien auf 4279 Personen ängewachsen ist. Daiik dieser Rekrütieningsmethöde gedeihen utisere Kolonien vorzüglich. Außerhalb unsere Kolonien haben wir viele Far milien, die selbständig werden wollten, angesiedelt. In B r a s i l i e n waren unsere kölonisatiönsversuche erfolgreich. Die Kolonisten in PHiiippsön erhalten keine Unterstützung mehr, sondern erhalten sich selbst. Die Einwohnerzahl wächst. Die Gesamtbevölkerung betrug 327, das kultivierte Land 400 Hektar, der Viehbesitz 1044 Stück. Vereinigte Staaten und Kanada. Hier gibt es sowohl vereinzelte Farmer als auch Gruppen, zusammen 2000 Familien, mit 12.000 Personen. Die Kolonisten erhalten von uns durch die Vermittlung der American Society Darlehen. Wir sind bestrebt, die Einwanderer, so weit sie Landwirtschaft treiben wollen, in äüsgewählteri Gegenden zu konzentrieren. In Kanada beträgt der Besitz der jüdischen Kolonisten (deren Zahl wird nicht angegeben. Änm. d. Red.) 19.393 Hektar, wovon 6972 unter dem Pflug sind. Der Wert des Gesamtbesitzes ist 769.845 Dollars (fast vier Millionen Kronen). Palästina und Türkei. Die palästinensischen Kolonien, 20 an der Zahl, haben eine Bevölkerung von über 6000 Seelen. Von Baron Rotschild gegründet, litten sie unter der administrativen Bevormundung. Mit diesem System mußte gebrochen werden. Jedem Kolonisten wurde so viel Land gegeben, daß er sich erhalten kann. Diese Maßnahme hatte einen erfreulichen Umschwung zur Folge und war von glücklichster Einwirkung auf die Kolonisten begleitet. Diese bilden Genossenschaften, wie zum Beispiel jene zum Verkauf von Wein aus den Kellern von Rischon und Zichron Jacob. Die Kolonien prosperieren heute viel besser als unter der Administration. Auch hier hat sich gezeigt, daß die beste Regierung die Selbstregierung ist. Die Kolonisten sind mit dem Stande der Dinge ebenso zufrieden wie wir. Sie arbeiten tüchtig und die Kolonien prosperieren gut. In Kleinasien würden zwei kleine, von rumänischen Immigranten gegründete Kolonien, Karäja und .Säzilar, zugrunde gegangen sein, wenn wir uns ihrer nicht angenommen und sie in den Stand gesetzt hätten, sich zu erhalten. Aber wir hoffen, noch viel Besseres in derTürkei zu erreichen. In unserer Ackerbauschule Or Jehouda erziehen wir Landarbeiter, welche bisher zur Auswanderung gezwungen waren. Unter dem neuen Regime in derTürkei, glauben wir, daß sie im eigenen Lande bleiben können. Diese Angelegenheit beschäftigt uns schon lange. Schon vor mehr als zwei Jahren sandten wir eine Kommission nach Ci 1 icien und Mesopotamien, deren Berichte die Möglichkeit einer erfolgreichen Kolonisation in diesen Gegenden bezeugen. Wir sind geneigt, Versuche zu machen. Rumänien, Rußland und Galizien. In Rumänien subventionierten wir 31 Schulen mit 7121 Schulen. In Rußland unterstützten wir 51 Elementarschulen mit ca. 8000, ferner 21 technische Schulen mit 1333 und 17 Mädchenschulen mit 972 Schülern. Unsere Tätigkeit für die landwirtschaftlichen Kolonien ist beschränkt, weil ihnen die Ausdehnung trotz Bevölkerungszuwachses verboten wurde. ■ Unsere verschiedenen Institutionen, Landwirtschaftsschulen, Leihkassen etc. kommen 1,046.518 Menschen zugute. Im Jahre 1908 betrugen die Darlehen 10 Millionen Rubel, während 9 Millionen zurückgezahlt wurden. In Galizien errichteten wir die ersten Leihkassen, heute 20 an der Zahl, mit 14.453 Mitgliedern. im Jahre 1908 betrugen die Darlehen 21/* Millionen Kronen. Vereinsü. V ersammlühgs- Nächrichten. Wien. (Poalei Zion.) Parteilokal, XX., Mathildenplatz 7. (Hof) Samstag den 24. d,, M. §gricht bei uns Herr Prof. Dr. Ernst Müller über seine Palästinareise, Beginn 8 Uhr abends, — GäSte Willkommen 1