Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 29 (16.7.1909)
- Date
- 1909-07-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 29 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 5 geführte Sammlung für den Herzlwald, von Haus zu Haus, zeitigte bereits ein sehr erfreuliches Ergebnis von weit über 200 Kronen, Die Sammlung wird Montag abgeschlossen, worauf sofort der Ausweis in der „Jüdischen Zeitung“ erfolgt. * * ♦ Prag. Die vereinigten zionistischen Korporationen Prags veranstalteten am 4. Juli die Herzl- Gedenkfeier im Hotel Zentral. Herr Dr. G. Witkowsky aus Berlin sprach in deutscher Spr che namens des Prager Gg. Dr. Ludwig Singer, in tschechischer Sprache. Unter dem Eindiucke der Reden ergab die vorgenommene Oelbaumsammlung ungefähr 90 Oelbäume im Herzlwald. Ihr Fernbleiben von der Gedenkfeier hatten unter andern Präsident Dr. Arnold Rosenbacher und Prof. Dr. Franz Krejci entschuldigt. * * * Brüx. Der jüdische Volksverein „Zion“ veranstaltete am 30. Juni im Cafe „Sparkasse' eine Herzlgedenkfeier, die der Obmann Herr Bermann mit der Begrüßung aller Anwesenden, der Präsidentin des Komotauer zionistischen Mädchenklubs und Mitglieds des Vereines der jüdischen Hochschüler B a r- Kochba in Prag phil. Oskar Stein eröffnete. Reicher Beifall lohnte den Redner, der den Abend mit Vorlesung einiger Gedichte und der „Selbstbiographie“ Herzls schloß. * * * Krems. Der hiesige Verein „Zion“ veranstaltete am 8. d., 8 Uhr abends, anläßlich der fünften Wiederkehr des Todestages unseres Führers Theodor Herzl in der Synagoge eine Gedenkfeier. Herr Rabbiner Dr. Jakob Diamant hielt die Gedenkrede und forderte zum Schlüsse derselben die Versammlung auf, im Sinne des großen Toten tätig zu sein. Zum Schlüsse trug Herr Kantor Sigm. Recht den Trauerpsalm molc rachmim in ergreifender Weise vor. Für den Herzlwald wurden (drei Bäume) K 21 gesammelt. * ■ » * Iglau. Die jüd.-akad. Verbindung „Makkabäa“, Wien, veranstaltete am 8. d. M. eine Herzl-Trauerfeier, welche zahlreich besucht war. Herr Dr. Siegmünd Werner (A. H. „Makkabäa“) hielt die ergreifende Trauerfestrede. Auf Namen des Gg. Prof. Dr. Max Eisler pflanzte die Jugend eine Anzahl Oelbäume für den Herzlwald. * . * Zagreb (Agram). Der jüdischnationale-akad. Verein „J u d ä a“ beschloß seine diesjährige Tätigkeit mit einer solennen Herzlfeier, die den 8. d. M. im Vortragssaale der israelitischen Kultusgemeinde abgehalten wurde. Die Feier wurde mit der tiefempfundenen Ansprache S. P i n t o eröffnet, worauf Gg. Herr Dr. A. C o r a i n i k die Gedenkrede hielt. Die formvollendete Rede wurde vom distinguierten Publikum sehr beifällig aufgenommen. * * s Storozynetz. Am 11. d. fand eine vom ho. Vereine „Poale-Zion“ veranstaltete Herzl-Trauerfeier statt. Nach Begrüßung der zahlreich erschienenen Trauergäste durch den Obmann des Vereines Herrn Simon L e w i n hielt Rechtshörer S o k a 1 (Czernowitz) die Trauerrede. Für den Herzlwald sammelte Frl. Eva Luttinger. Jar-Schoischanem. Ein jüdisches Studentenheim in Wien. Ankauf des Bauplatzes. In aller Stille, ohne Tamtam, ist Freitag den 9. d. ein großes Werk in Angriff genommen worden. Der Ankauf eines Baugrundes für das Jüdische Studentenheim wurde in der konstituierenden Generalversammlung beschlossen. An einer günstig gelegenen Stelle, Seegasse, in der Nähe der liehen und.'gesellschaftlichen Hemmnissen macht sich in den jüdischen Einwanderungszentren Nordamerikas und Englands auch eine immer stärkere wirtschaftliche Sättigung in Hinsicht auf die Aufnahmefähigkeit des stets wachsenden jüdischen Emigrantenstroms ganz unzweideutig bemerkbar. Als sicheres Symptom dieser Sättigung erscheint die antisemitische und asemitische Bewegung, die in letzter Zeit und besonders in Nordamerika immer häufiger bemer„bar wird. All diese Momente führen mich zu dem Ergebnis, daß die bisherige jüdische Wanderung die judenfrage nicht gelöst sondern vielmehr vervielfältigt hat, da sie durch jene auch in den Immigrationsläneern aufgerollt wird. Und darin besteht eben ner tragische innere Widerspruch der neuesten- Periode der jüdischen Wanderungen: Einerseits wächst in steigendem Maße das Emigration s b e d ü r n i s in den unteren Schichten desosteu ropäischenjudentums, andererseits aber wird die Immigrationsmöglichkeit in die bisherigen jüdischen Einwanderungszentren immer beschränkter. Der große jüdische Wanderungsstrom stößt immer härter an Elisabethpromenade, wird in einigen Monaten mit dem Bau des Studentenheimes begonnen werden, welches einen Mittelpunkt für das jüdische Leben zu werden verspricht. Ein großer Versammlungssaal wird einem in der jüdischen Oeffentlichkeit lange gehegten Bedürfnisse Rechnung tragen. Der Jüdische Turnverein soll dort ein ständiges Heim finden. Das Gebäude selbst wird ein Wahrzeichen des zu neuem Selbstbewußtsein erwachten Judentums darstellen. Die überall gehetzten, nirgends aufgenommenen, armen jüdischen Studenten werden dort gastliche und freundliche Aufnahme finden. Durch den Ankauf des Baugrundes ist die Errichtung des Studentenheimes nunmehr nur ein Frage der Zeit. Der rührige Vorstand, an dessen Spitze Herr Lucian Brunner steht, welchem das Studentenheim eine Herzensangelegenheit ist, gedenkt sich an die breite Öffentlichkeit um Unterstützung zu wenden und wird hoffentlich überall werktätige Förderung seiner Bestrebungen finden. Die jüdische Oeffentlichkeit, welche so oft fremde Institutionen unterstützt, ist verpflichtet, der studierenden Jugend in dieser wichtigen Frage zu helfen. Der Tag der Einweihung des Studentenheimes wird im Leben der jüdischen Studentenschaft und mittelbar in dem der Wiener Judenheit bedeutungsvoll und freudig sein. Damit dieser Tag bald komme, muß jeder, der ehrlichen Willens und guten Herzens ist, das bereits so schön begonnene Werk nach Kräften fördern. Sommereisen nach Palästina. Immer mehr verbreitet sich die Erkenntnis, daß auch im Sommer Reisen nach dem Süden und auch nach dem Orient nicht nur durchführbar, sondern sagar mit manchen Vorteilen verbunden sind, zu welcher insbesondere gehören die in dieser Jahreszeit fast immer ruhige Seefahrt, die den Zwecken des Reisens förderlichen langen Tage, die billigeren Preise in den Hotels für Wagen, Reittiere etc. So wächst auch die Zahl derjenigen Zionisten, weiche ihre Urlaubszeit im Sommer zu einer Fahrt nach Palästina benützen. Um diese Reisen noch mehr zu erleichtern, hat über Ersuchen des Zionistischen Zentralbureaus für Westösterreich der Oesterreische Lloyd sich bereit erklärt Passagieren, welche sich mit einem von diesem Bureau ausgestellten Empfehlungsschreiben ausweisen, während der Monate Juni, Jul: und August für die Fahrt von Triest nach Jaffa und zurück (resp. Beirut oder Haiffa) eine 25 prozentige Ermäßigung auf die vollen Preise einzuräumen. Diejenigen Passagiere, welche die Fahrt nur einfach, d. h. nur bis Jaffa oder einem der anderen obenerwähnten Häfen machen, genießen eine 30 prozentige Ermäßigung aut den Fahrpreis exklusive der Verpflegung. Die ermäßigten Preise stellen sich demnach einschließlich Bett und Verpflegung. Aufstellung. Triest-Alexandrien per Eillinie, Port-Said Jaffa Syrischelinie I. Klasse Frs. 294-80, II. Klasse Frs. 202-i0. eine stets höher werdende Mauer von ökonomischen, rechtlichen und sozialen Hemmnissen. Das Problem wird immer zugespitzter und brennender. W o i s t ein Ausweg aus dieser Sackgasse? Welches ist die Li nie des kleinsten Widerstandes für die fernere Richtung der jüdischen Wan de rung?WelcheTendenzen machen sich in ihrTselbst bemerkbar? Alle diese Fragen bilden augenblicklich den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses innerhalb des osteuropäischen und des amerikanischen Judentums, und sie stehen auch in erster Reihe auf der Tagesordnung sämtlicher jüdischen Parteien und Gruppen. Eins steht jedoch außer Zweifel: Es handelt sich hier um eine Frage, von deren Lösung das Schicksal der nationalen Entwickelung der Juden überhaupt und des jüdischen Sozialismus insbesondere in ganz bedeutenden Maße abhängt. i Triest-Jaffa pr. Syrische Linie f. Klasse Frs. 24ü'20i II. Klasse Frs. 168'80. Triest-Alexandrien per Eillinie, Port-Said-Jaffa- Triest per Syrische Linie L Klasse Fr. 515’60, II. Kl. Frs. 352-10. Triest-Jaffa-Triest per Syrische Linie I. Klasse Frs. 448-10, II. Klasse Frs. 309*35. Wegen der Empfehlungsbriefe wende man sich an das Zionistische Zentralbureau Wien, IX., Türkenstraße 9. Vereinsu. V er sammlungs- Nachrichten. Wien. (Poalei Zion.) Parteilokal,; XX., Mathildenpl. 7 (Hof). ' Samstag, den 17. d. M. beginnt Genosse iur. Heinrich Schiffmann seinen Zyklus: „Die Geschichte d.er Juden im XIX. Jahrhundert.“ Beginn halb 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. Die jüd.-akad.Verbindung „Ivria“ hat das laufende XXXVI. Semester geschlossen und mit der Ferialleitung Bb. ing. Julius Schallinger betraut. Briefe sind an die Bude IX., Glasergasse 4 a, zu richten. Proßnitz. Der Jüdische Turnverein veranstaltet am 22. August d. J. ein Gartenfest, bei dem — nach längerer Pause — wieder ein Schauturnen stattfinden soll. Die Vorbereitungen hiezu sind im vollen Gange, die Männer-, Damen- und Schülerriege erscheinen vollzählig bei den Uebungen und das Interesse des Publikums für das Fest ist schon jetzt ein so großes, daß dessen guter Verlauf bereits gesichert erscheint Die Nationalfonds-Woehe. Das NF-Hauptbureau in Köln, diese-- uins.'die Hebung der uns allen teuersten-zionistischen Schöpfung so verdiente Zentralstelle, hat die Parole ausgegeben, die Woche des 9.- Ab (heuer 25. bis 31.Juli) fortan als Nationalfondswoche allerwelt zu begehen. Viele Landessammelstellen haben große Vorkehrungen getroffen, durch außerordentliche Spendensummen die Parteizucht und -treue ihrer Mannschaft zu bekunden. Wir vertrauen — nicht zuletzt in Hinblick auf den schönen Erfolg unserer Herzlwald-Agitation — den österreichischen Gesinnungsgenossen voll und ganz, daß sie auf die bloße Verlautbarung unserer Parole hin frohbereit ihre Pflicht tun und auch diesmal Oesterreich hinter den anderen Landsmannschaften nicht werden zurückstehen lassen. Wir hoffen und erwarten dies um so mehr, als die NF-Woche der Ehrung des 60. Geburtstages ist, den der große Schriftsteller und Zionist Dr. MaxNordau am 29. Juli feiert. Nordau war Herzls Freund und Mitkämpfer; dies sagt uns alles, und Nordaus zionistische Schriften, die eben vom Aktionskomitee ediert worden sind, lehren uns, wie wichtig es ist, Nordau durch den Beweis unserer Dankbarkeit zu unermüdlicher Arbeit für die heilige Volkssache anzuspornen. Daher soll in dieser NF-Woche der Ertrag aller Sammelmittel der Eintragung Nordaus insGoldencBuch gewidmet werden, damit das dem Jubilar vom Direktorium des JNF zu überreichende Diplom eine Summe aufweise, die unser und seiner würdig ist. Jede Person, bezw. Sammelgruppe, welche zu dieser Ehrung den Mindest bet rag von K120beiträgt, erhält eine Ab sch r i f t j e n e s D i p 1 om s. Die soeben ausgegebene prächtige Nordaumarke, welche die männlichen Züge des Jubilars zeigt, soll in Massen bei uns besteilt und verbreitet werden; diese Marke, für Oesterreich in blauer Farbe, ist nur in ganzen Heftchen zu 60 Stück um K 1.20 zuzüglich Porto erhältlich. Mit der Ausgabe der neuen NF-Marken im 2 h-Werte ist das NF-Hauptbureau dem Verlangen — zumal der galizischen Gesinnungsgenossen, entgegengekommen. Zeigen wir uns dankbar! Ein illustriertes Tischcbow-Flugblatt, heuer vorerst nur deutsch, ist bei uns kostenlos erhältlich. Wir erinnern an die alte Anregung in den nationalen Trauertagen vor und am 9. Ab, sich gewohnter Genüsse (Trinken, Rauchen) tunlichst zu enthalten und das ersparte Geld dem NF zuzuführen. Ferner stimmen wir der trefflichen und dort schon bewährten Anregung aus Czortköw zu, am 9. Ab auf den Friedhöfen NF-Büchsen bereitzuhalten und die Juden, welche den schönen Brauch des Gräberbesuches pflegen, zu Opfergaben aufzufordern. W GEDENKET DES HERZL WALDES!