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Jüdische Zeitung · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 28 Schule Anzahl der Lehrerseminar Schüler 44 Bezalel (Subvention) 90 Talmud-Thora? Jaffa: 2 Kindergärten 142 Knabenschule 85 Rechowoth: Kolonieschule 68 Hebron: Talmud-Thora 72 Saf ed: Kindergarten 114 Haiffa: Kindergarten 68 Beirut Kindergarten 102 Tiberias: Kindergarten 76 Redaktionelle Mitteilung. Herr Ingenieur Robert Stricker bat aus Gründen privater Natur am 1. Juli d. J. die redaktionelle Leitung der „Jüdischen Zeitung“ niedergelegt, wird jedoch auch weiterhin an dem Blatte mitarbeiten. Eine Schenkung von 30.000 Mark für den Jüdischen Nationalfonds. Wir sind in der angenehmen Lage, den Gesinnungsgenossen und allen Freunden unserer Institution eine sehr erfreuliche Mitteilung zu machen. Auf Veranlassung des verdienstvollen Direktors des JNF. und Leiters der russischen Sammelstelle, Herrn Dr. E. Tschlenow in Moskau, hat sich dieser Tage eine hochherzige Dame aus Odessa, Frau Rebekka Isaakowna Klur, beim Vorsitzenden des Direktoriums, Herrn Dr. Bodenheimer in Köln, eingefunden und demselben eine Spende für den JNF. im Betrage von 30.000 Mark persönlich übergeben. Zwischen der Spenderin und Herrn Dr. Tschlenow als Bevollmächtigtem des Direktoriums wurden bereits seit längerer Zeit Verhandlungen wegen der Bedingungen dieser Schenkung geführt, deren Ergebnisse nunmehr in einer Schenkungsurkunde niedergelegt sind. Die wichtigsten Bestimmungen dieser Urkunde sind die folgenden: 1. Der JNF. deponiert den von Frau Klur gespendeten Betrag in Pfandbriefen sicherer Hypothekenbanken oder mündelsicheren Staatspapieren und verwaltet das Kapital und zwei Drittel seines Zinsertrages bis zum Ablauf von 500 Jahren als festes Depot. Ein Drittel des Zinsertrages kann schon jetzt für die Zwecke des JNF. verwendet werden. . 2. Nach Ablauf von 500 Jahren ist der JNF. berechtigt, das ganze Kapital mit allen angewachsenen Zinsen gemäß seinen Statuten im Namen der Schenkgeberin für seine Zwecke zu verwenden. Falls jedoch der Zweck des JNF. durch Aufwendung eines größeren Kapitals erzielt werden kann, oder wenn aus irgendwelchen Gründen zu befürchten ist, daß das Depot für die Zwecke des JNF. nicht verwendbar wäre, falls es nicht sofort in die freie Verfügungsgewalt des JNF. gelangt, ist dessen Generalversammlung berechtigt, sobald zwei Drittel derselben es für notwendig halten, auch vor Ablauf der Frist von 500 Jahren jederzeit über die Schenkung gemäß den Statuten der Genossenschaft im Namen der Frau Rebekka Isaakowna Klur frei zu verfügen. 3. Das geschenkte Kapital soll zur ewigen Erinnerung an die Spenderin und ihren verewigten Gemahl, Herrn Aron Gregorewitsch Klur dienen. Die edle Spenderin hat durch diese großzügige Stiftung ihren Namen dauernd mit der hohen Institution des JNF. und mit der Zukunft unseres Volkes auf dem Boden der Urheimat verknüpft und kann der Dankbarkeit aller national gesinnten Juden und aller Freunde Zions versichert sein. Hoffentlich ist durch diese großzügige Spende das Eis gebrochen und unsere Reichen lassen sich nicht länger durch den Opfermut unserer Armen, die bisher durch hellerweise Spenden den größten Teil des NF.-Vermögens aufgebracht haben, beschämen. Es besteht Aussicht, daß bald durch eine Spende aus Oesterreich der Vorsprung, den diesmal unsere russischen Brüder gewonnen, wieder eingeholt wird. _ Aufruf. Ein jüdischer Sportklub ist in Bildung begriffen, der einem längst fühlbaren Mangel im Sportleben Wiens abhelfen will. Allgemein bringt man diesem Plane das lebhafteste Interesse entgegen. Es soll insbesondere das Fußballspiel, dann Leichtathletik (wie Laufen, Springen etc.) und auch Schwerathletik gepflegt werden. Erstklassige Spieler und Freunde des Sports, zahlreiche unterstützende und ausübende Mitglieder sind bereits gewonnen. Zwei komplette Mannschaften sind bereit, ihre jungen Kräfte im Training zu stählen. Diesem Verein die ersten Schwierigkeiten zu ebnen und sein Bestehen zu sichern, fordern die Unterzeichneten Proponenten alle diejenigen, welche an der vornehmen Arbeit der körperlichen Hebung des jüdischen Volkes teilnehmen wollen, auf, dem jüdischen Sportklub als ausübende oder unterstützende Mitglieder beizutreten. Dr. Fritz Löhner, L. W e i ß, J. R u f e i s e n, S.” Weinberger. Zuschriften sind zu richten an S. Weinberger, Beamter, Wien, II. Rembrandstraße 19, Tür 9. Herr Josef Szold hat dem Klub einen Fußball und 50 Kronen gespendet, wofür ihm das Komitee bestens dankt. DerjüdischeKolonisationsverein in Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sehr geehrte Redaktion! Ich habe seinerzeit in Ihrem Blatte Kritik an dem Vorgehen des jüdischen Kolonisationsvereines geübt. Unter anderem habe ich den vermeintlichen Plan des Vereines, eine städtische Kolonie bei Jaffa zu gründen, getadelt. Die Vermutung, daß ein solcher vorliegt, war eine allgemeine, als der Verein eine dürftige Notiz versendete, daß er durch zwei Stunden einen Plan einer städtischen Kolonie bei Jaffa ausstelle. Daß jener Plan von Herrn Baurat Stiaßny für Achuzat Beith verfaßt war, konnte niemand ahnen. Dies wird erst jetzt bekannt. Nachdem die Vermutung, daß der Verein selbst eine städtische Kolonie gründen will, damit vorläufig hinfällig wird, so werden meine diesbezüglichen Bemerkungen natürlich gegenstandslos. Sie wären unterblieben, wenn der Verein nicht eine so gänzlich untunliche Geheimniskrämerei betreiben würde, selbst seinen eigenen Mitgliedern gegenüber Die anderen Teile meiner Kritik, sofern sie sich darauf bezogen, daß der Verein seit Bestand, d. i. seit drei Jahren weder eine Generalversammlung abhielt, noch seinen Mitgliedern irgend einen Bericht vorlegte, bleiben selbstverständlich in vollem Umfange aufrecht. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß Adolf Böhm. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Berichte. Wien. (Jüdisch-akademische Verbindung „Unitas“.) Das Sommersemester wurde am 3. Juli geschlossen. Zum Ferialleiter wurde Bb. Leo Schick, I. Wipplingerstraße 35, gewählt. Wien. Die jüd. akad. Verbindung „Maccabäa“ Wien, hat am 3. d. M. ihr XXIV. Semester geschlossen. Zum Ferialleiter wurde arch. Max Pollak ernannt. Zuschriften sind auf die Bude, III., Reisnerstraße 23, oder in das Kouleurkaffee, Cafe Gartenbau, I., Parkring 10, zii richten. Boskowitz. Montag, den 5. Juli, sprach hier in einer Herzl-Trauerfeier ein Freund und Mitarbeiter unseres großen Führers Dr. M. Berkowicz, der uns in schönen Worten an den großen Mann erinnerte. Die Trauerversammlung, einberufen von Herrn Samuel Zobel, folgte gespannt den interessanten Ausführungen- Mit großer Freude kann von unserer Seite dieser Vortrag begrüßt werden, als erster in Boskowitz nach langer Pause. Er hat uns gezeigt, daß es in Boskowitz wieder eine begeisterte zionistische Jugend gibt. (Zwi Hasch). Pilsen. Donnerstag, den 24. Juni, hielt hier im Verein des tschechischen „Freien Gedankens“ Herr J. U.C. Scharfspitz einen Vortrag über die nationale Stellung der Juden, in dem er auf Grund der Broschüre Dr. Schulhofs beweisen wollte, daß die Juden keine Semiten und kein Volk sind. Herr J.U.C. G o 1 d s t e i n, Mitglied des Vereines der jüdischen Hochschüler Bar Kochba in Prag, erwiderte in einer glänzenden, weil durchaus vornehmen und sachlichen Weise, indem er die Widersprüche der Beweisführung des Referenten aufdeckte, der einmal sage, das Rassentum komme für die Frage der Nationalität überhaupt nicht in Betracht, dann aber, den Juden fehle die reine Rasse, sie seien kein Volk, müßten aber doch ihr Volkstum durch die Assimilation vernichten usw. Herr Goldstein wies auch auf die sympathische Stellungnahme Professor Krejäis für den Zionismus hin. Seine treffliche Rede wurde durch die klaren Ausführungen der Herren Dr. Löwenstein und Klein noch ergänzt. Die Versammlung hat sicher aufklärend gewirkt. Prag. Der Verein der jüdischen Hochschüler„Bar- Kochba“ versendet einen Bericht über seine erfolgreiche, weite Gebiete umfassende Tätigkeit im abgelaufenen Jahr (32. und 33. Semester), die wohl allen zionistischen Vereinen und Verbindungen als Muster dienen kann. Dem Berichte entnehmen wir folgendes: Unser Verein arbeitet systematisch darauf hin, unsere jungen Mitglieder einzuführen in die lebendige Geschichte unseres Volkes, die eine Nationalgeschichte ist. So wird das Geschichtsseminar, das für alle jungen Bundesbrüder obligat ist, eine ständige Einrichtung unserer Korporation. Di Seminarmethode ist eine rein wissenschaftlich objektive, untendenziöse. Zusammenfassende Vorträge, die größere Gebiete umfassen, oder der seminaristischen Behandlung nicht zugänglich sind, werden an einem andern Tage der Woche beim Vereinsabend gehalten. Diese Vereinsabende sind unseren Freunden, sind allen denen, die für jüdische Fragen intensives Interesse haben, zugänglich. Die Vereinsabende unterscheiden sich von den Seminarvorträgen dadurch, daß dabei nicht so sehr auf detaillierte Kritik und Untersuchung aller Seiten des Problems der Wert gelegt wird, sondern auf die anschauliche Darstellung weiter Zusammenhänge, tiefgreifender Probleme. So wurden zum Beispiel an Vereinsabenden Themen behandelt, wie: Jüdische Renaissance; Nationalfeste; Martin Buber; Felix Salten und die Assimilationsfrage,- Die innere und die äußere Assimilation; Ein Minimalprogramm; Palästinavorträge; Die wirtschaftliche Judenfrage; Der Abfall der Intelligenz; Achad Haam und Dubnow u. a. An einem Tage der Woche leitet einer unserer vorgeschrittenen Bundesbrüder das Seminar der hebräischen Sprache, das die Kenntnis des modernen Hebräisch, durch einen systematischen Unterricht, durch Lesen neuhebräischer Bücher und Zeitschriften vermittelt. Unsere intensiv innere Arbeit wurde uns möglich gemacht, durch unsere V e r e i n s b i b 1 i o t h e k, die besonders in der Abteilung der Judaica und der Literatur der jüdischen Moderne ganz gut ausgestattet ist und durch eine ununterbrochene Ergänzung auf diesem Niveau erhalten wird. Außer der Bibliothek legen wir Gewicht auf eine halbwegs zureichende Zeitschriftenabteilung. Es liegen im Vereinslokale auf: 17 jüdische Zeitschriften, 22 Zeitschriften allgemeinen Inhaltes (Tagesblätter und Revuen). Außerdem Fachzeitschriften. Ebenso wichtig wie die innere Arbeit, die Arbeit an uns selbst, für uns selbst, ist uns die äußere Arbeit. Uusere Arbeit erstreckte sich auch in den verflossenen zwei Semestern nicht nur auf Prag, sondern auch auf die meisten Städte Böhmens, sowohl im deutschen, als auch tschechischen Sprachgebiete. Die Arbeit des Vereines nach außen war eine besonders weitreichende eben deshalb, weil wir als der einzige jüdische und zionistische Studentenverein, der auch tschechisch redende Mitglieder zählt, die Verpflichtung fühlten, einen gewissen Teil unserer Kräfte in der äußeren Propaganda unter den tschechisch sprechenden Stammesgenossen anzulegen. Und wir freuen uns, sagen zu können, daß wir durch eine intensive Tätigkeit den Boden soweit vorbereitet haben, üniini Herbst an “die Oeffentlichkeit mit der Aufforderung zur Unterstützung des gesinnungsgenössischen Studentenvereines tschechischer Umgangssprache herantreten zu können. , Unser Verein delegierte im Laufe des Jahres fast in jede Stadt Böhmens, wo es eine Arbeit zu leisten galt, wo man uns brauchte, einen oder mehrere Bundesbrüder; mehrere Bundesbrüder fuhren im Aufträge des löblichen zionistischem Distriktskomitees für Böhmen als Redner bei verschiedenen Anlässen in die Provinz. Größere Veranstaltungen fanden statt: Am 18. November 1908 mit dem Thema „Die Lage der Juden in Böhmen". Es sprachen die Herren Reichsratsabgeordneter Doz. Dr. Arthur Mahler, Dr. Emil Margulies und jur. Angelo Goldstein, letzterer in tschechischer Sprache. Am 20. Jänner sprachen Felix Salten über den Abfall vom Judentum und Martin Buber über den Sinn des Judentums. Schließlich ein Vortrag unseres Gesinnungsgenossen Herrn Davis Trietsch (Jaffa-Berlin) über den Zionismus und die Lage im Orient. An zionistischen Abgaben leistete der Verein K 1061.43. Meran. Das Genesungsheim, Asyl für mittellosse kranke Israeliten, wurde am 16. Mai 1909 geschlossen. In der Zeit vom 26. Jänner bis 16. Mai 1909, durch 110 Tage, wurden 101 Kranke in 7624 Tagen verpflegt. Die Heilerfolge waren sehr günstig. 30% wurden als geheilt oder wesentlich gebessert, 65% gebessert, 5% wurden als ungebessert enllassen, 1 Kranker starb in den letzten 8 Tagen. Aus Oesterreich-Ungarn stammten 76 Kranke, und zwar aus Wien 41, aus Böhmen 15, Mähren und Schlesien -8, aus dem übrigen Oesterreich 12. Aus Deutschland wurden uns zugewiesen 22, aus Berlin 3, aus Frankfurt 8, aus Hamburg 3, aus Cassel 2 und aus dem übrigen Deutschland 6. Aus Rußland wurden uns 3 zugewiesen. Der Beschäftigung nach waren 51 Kranke aus dem Handelsstande, 8 Studenten, 5 Studentinnen, 3 Lehrer, 11 Schneiderinnen, 2 Vorbeter, 21 Patienten hatten die verschiedenartigsten Berufe. Das Asyl wird streng rituell geführt und sind Gesuche schon jetzt längstens Ende August nach Meran einzusenden, da die nächste Saison schon am 26. September beginnt. Der unbedeckte, durch Mitgliedsbeiträge und Spenden aufzubringende Zuschuß beträgt jährlich an 60.000 K. Wir richten an alle unsere Glaubensgenossen und alle Menschenfreunde die Bitte, sie mögen uns behilflich sein, unsere Kranken zu ernähren, sie mögen bei allen Gelegenheiten, in' Freud und Leid der armen Kranken gedenken, die in Meran Gesundheit und neue Kraft erlangen, um in ihrem MT GEDENKET DES HERZLWALDES!

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