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Jüdische Zeitung · 1909-07-09 · 28 (9.7.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
28 (9.7.1909)
Date
1909-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redakti on, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. sarsctistttuctea täglich von 11—12 Uhr vormittags nnä 4—5 Dhr nachmittags. Manuskripte werden nicht zuriickgestellt. Erscheint wöchentlich. , _ ~ Abonnementspreise: CSlJlJU In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K IO-— halbjähr. K 5'—, Vierteljahr. K 3 — ln Deutschland: Ganzjähr. Alk. IO— halbjähr. Mk. 5'—, Vierteljahr. Alk. 3‘— Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15 — Einzelexemplare 20 Heller. Nr. 28. Wien, Freitag den 9. Juli 1909. ——■» III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Sein Sterbetag. Die Wahl in Böbrka. Lieber feig als dumm? Dem toten Führer. Feuilleton: Erinnerungen an Dr. Theodor Herzl. Von Otto Hauser. Aus dem'jüdischen Leben. Palästina. Parteinachrichten. Vereinsnachrichten. Ueberläufer. Veranstaltungen anlässM des Todestages nnseres Fnirers THEODOR HERZL. Anläßlich der fünften Wiederkehr des Todestages weiland Dr. THEODOR HERZLS finden folgende Veranstaltungen statt: Samstag den 10. Juli 1909 eine Gedenkversamnilung in welcher Gesinnungsgenosse Reichsratsabgeordneter Adolf Stand die Gedenkrede halten wird. Hotel Stephanie, II., Taborstr. 12 Beginn 8 Uhr. Regiebeitrag 50 h. Sonntag den 11. Juli 1909, 10 Uhr vormittags: Besuch des Grabes am Döblinger Friedhof. Die Poale Zion marschieren in geschlossenem Zuge von ihrem Vereinslokale, XX., Mathildenplatz 7, um ‘/ilO Uhr vorm, zum Grabe. Verein „Jüdisches Studentenheim“. Freitag den 9- Juli 1909 8 Uhrabds. findet IX, Liechtensteinstr. 11 (Parterre) die konstituierende Generalversammlung des Vereines statt. TAGES-ORDNUNG. 1) Vorlage der'von der Statthalterei genehmigten Statuten 2) Wahl des provisorischen Vorstandes und des Kuratoriums 3) Vollmachtserteilung für Ankauf einer Realität 4) Anfragen. Für die Proponenten des Vereines: kais. Rat Arnold Mandl Lucian Brunner Dr. Alfred Lanzer Sein Sterbetag. Sein Sterbetag ein Trauertag? Als der schwarze Zug der Leidtragenden am 3. Juli 1904 die Gruft am Döblinger Friedhofe verlassen hatte, stieg aus Theodor Herzls Gruft ein Symbol auf, stieg höher und höher, strahlend, wie das unvergeßliche Auge des Führers, und wenn man heute den Namen „Herzl“ nennt, sieht man froh bewegt dieses Sinnbild der Erlösung über dem Haupte des Volkes schweben. Alle erfrischen sich daran, alle lernen, dieweil sie hinaufblicken, aufrechtgeh’n und der letzte nennt ein Fünkchen mutigen Stolz sein eigen, seitdem ihm dieser Leitstern immer voller erglänzt. * « ♦ Wir haben Distanz gewonnen und sehen das Leben Theodor Herzls klar vor uns. Er stand im besten Mannesalter, ein überlegen lächelnder Philosoph und ein still wirkender Künstler. Wie von ungefähr sprach er das Wort vom Zionismus aus. Mancher andere hat es vor ihm und gleichzeitig mit ihm ausgesprochen. Vielleicht sogar eindringlicher und kräftiger als er im Judenstaat“. Jedenfalls aber aus engerem Zusammensein mit dem Volke heraus. Und doch hat nur ihn die große Welle der Bewegung, die die Volksselle längst durchflutete, hinaufgetragen. Ein Jahr später war er der designierte Führer. Und der Instinkt der Masse, die sich ihn zum Werkzeug ihres Willens erzwang, hat sich wunderbar bewährt, als er diesen Mann aus der stillen Schreibtischecke hervorholte und ihm befahl: Jetzt leite das zersprengteste, bestgehaßte und verfolgteste Volk der Erde. Du bist verantwortlich und kannst nicht mehr zurück 1“ Ein anderer wäre zusammengebrochen unter dieser Last. Er aber wuchs riesenhaft unter ihrem Drucke und trug sie königlich. ln diesem Adeligen, der es sofort erlernte, mit Diplomaten zu verhandeln, Papst und Kaiser zu sprechen und ein Volksparlament zu organisieren, hatten sich die besten Kräfte der Rasse potenziert: die Fähigkeit zu grenzenloser Selbstaufopferung, verbunden mit angeborenem Pflichtgefühl und geniale Begabung, getragen von einem eisernen Willen. Er verzettelte sich nicht in Proklamationen und Disputen — erbetrachtete, wie er selbst sagte, die Sache nur als solche, in der man handeln, nicht aber disputieren müsse — und ließ sich durch frivoles Spötteln, Kritisieren und durch die verbohrteste Gegnerschaft nicht beirren: „Ich lasse die Leute ruhig reden“, schrieb er einmal, „und gehe meiner Wege“. Dem toten Führer.*) Ein Sonett. Von Moriz Freundlich. Als du erkannt die Leiden deiner Brüder, Ihr tiefes Weh und auch der Völker Hassen, Da konnte es dein edles Herz nicht fassen, Dein Herz so rein und schlicht und bieder. Und schwer empfandest du es immer wieder Dein frohes Menschenbild sahst du erblassen, Wenn du gedacht ans Leid der Judengassen, An ihre tiefen sehnsuchtsvollen Lieder. Du dachtest an ein freies Judenland, Ein Heim sollt’s sein für deine armen Brüder, Die zwei Jahrtausend flüchtig und ver- -;- bannt. *) Aus dem demnächst im Verlage für Literatur in Leipzig erscheinenden Gedichtband „Judenlieder“, mit Genehmigung des Autors. Und hast du auch dein Herzblut hingegeben, Das freie Land, du sahst es nimmer wieder. — Und Juda trauert um ein Heldenleben. Erinnerungen an Dr. Theodor Herzl. Von Otto Hauser. Gern erfülle ich den an mich von Dr. Scherlag gerichteten Wunsch und schreibe hier zu Theodor Herzls fünftem Todestage jene Erinnerungen an ihn auf, die mir dessen wert scheinen. Es war im September 1899, als ich, damals ein dreiundzwanzigjähriger stud. theol. ev., mein erstes Manuskript an die „Neue freie Presse“ sandte, drei Erzählungen aus Dänemark, die zu meinen ersten eigenen Produktionen gehören, soweit ich solche veröffentlicht oder aufbewahrt habe. Sie fanden den Beifall der Redaktion, und ein Brief Dr. Herzls gab mir davon umgehend Kunde; ich wurde zum Besuch der Redaktion eingeladen. Etwa nach einem Monat, nachdem die drei kleinen Geschichten noch im September abgedruckt worden waren, suchte ich Theodor Herzl auf. Ich fand einen Mann, der mir damals groß von Gestalt vorkam; ich selbst wuchs in der Folge noch um ein ziemliches Stück und erschien mir später nicht oder nur um ein weniges kleiner als Dr. Herzl. Er war demnach ein Mann von mittlerer Größe oder etwas darüber. Sein Typus war von jenem der wenigen Juden, die ich bis dahin kennengelernt hatte, wesentlich verschieden, und ich fand ihn auch später nicht wieder, nur auf dem Bilde einer Deputation von Juden aus dem Kaukasus fiel mir die Aehnlichkeit auf und ein eigentümlicher jüdischer Apokalyptiker aus Persien, der in seiner orientalischen Tracht eines Tages in der Lehranstalt für orientalische Sprachen erschien und an unserer Stunde teilnahm, sah wie ein Nächstverwandter von ihm aus. Mehrfach ist mir gesagt worden, Herzls äußere Erscheinung müsse erst in orientalischer Tracht zur vollen Geltung kommen. Ich habe dafür eine Vorstellung, die nicht nur bloße Phantasie ist. Es bedurfte aber der romantischen Kleidung nicht, daß man von Herzl den Eindruck eines bedeutenden Menschen hatte. Herzl war, während viele hervorragende Juden dem blonden Typus angehören (Heine, Sarah Bernhardt, Catulie Mendes, Arthur Schnitzler, Ernst Rosmer) auffallend brünett; dies und der reine, monumentale Schnitt seines Gesichtes erweckten jene Gedanken an den „beduinischen König“, ln seinen Umgangsformen

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