Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · p. Seite 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2438141-2438220-2438247--1278-2440859
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 27 hat und welehes gewissermaßen nur ein geduldeter Gast in den verschiedenen Ländern ist Das Schicksal dieses Volkes steht beispiellos in der Geschichte da und die Legende vom „Ewigen Juden“ ist die symbolische Darstellung einer Tatsache. Oft geschmäht, vielfach verfolgt, spielt dieses vaterlandslose Volk dank seinen besonderen Eigenschaften eine bedeutende Rolle in der modernen Weit.“ An einen Ausspruch Nietzsches anknüpfend» konstatiert der Verfasser, daß die Juden den Wunsch haben, sich festzusetzen. Wenn der Wunsch der Juden, eine Heimat zu erlangen, sich mit dem Interesse eines Staates, seine Grenzen zu öffnen, begegnet, dann sind in diesem Verhältnisse viele Elemente vorhanden, die eine nutzbringende Verständigung beider Teile ei möglichen. Ein zerstreutes Volk, das seine ethnographische Homogenität bewahrt hat, hat das Bedürfnis, seine zerstreuten Mitglieder zu vereinigen. Aus diesem Bedürfnis wuchs der Zionismus hervor. Er ist der Ausdruck eines ethnologischen Gefühles, welches Victor Cousin folgendermaßen definiert: „Ein Volk, eine Rasse, das ist ein gewisser, überall, in Sprache, Religion, Einrichtungen, Sitten zum Ausdruck gelangender Geist. Wenn sich dieser Geist ändert, an sich verzweifelt, ein anderes Volk zum Beispiel nimmt, ist die Nation in Gefahr. Sie muß ihr Selbstbewußtsein wiedereriangen, die Kette ihrer Erinnerungen zusammenschließen und sich wieder in das Geleise der Weltgeschichte einfügen.“ So dachten die ersten Sprecher, die Apostel des Zionismus, unter welchen die erste Stelle Dr. Herz!, ein Mann von klarem Geist und großem Herzen, einnahm. Sie träumten nicht von der Herstellung eines Königreiches Israel, wie man es allgemein glauben machen wollte. Sie machten sich auch über die Haltung ihrer Glaubensgenossen aus der Hochfinanz keine Illusionen. Sie verfolgten in selbstloser Weise einen menschenfreundlichen Zweck. Es handelte sich bloß darum in einem Winkel der Erde die Beni-Israel anzusiedeln, welche in vielen Ländern von einer Antipathie verfolgt werden, welche über sie die Leiden vergangener Jahrhunderte heraufbeschwört. Welchen Erdenwinkel sollte man wählen? Wohltätige jüdische Männer boten Geld an, um in Amerika oder Afrika Kolonien zu begründen und manche Zionisten hätten diesen Vorschlag gerne angenommen. Aber die wahren Zionisten richteten hre Blicke zur verlorenen Heimat, nach Palästina. Wer könnte an diesem Patriotismus etwas aussetzen? Die Türkei war den Juden immer freundlich gesinnt Beweis dessen ist die jüdische Kolonie in Saloniki, welche diesen Zufluchtsort zur Blüte gebracht hat. Beweis dessen sind die zahlreichen Juden, welche in dem türkischen Reiche wichtige Posten bekleiden und bekleideten. Kein Wunder, daß der erste Zionistenkongreß in Basel den Wunsch ausgedrückt hat, in Palästina eine öffentliche rechtliche Heimstätte zu begründen. Diesbezügliche Schritte wurden unternommen. Sie blieben erfolglos, weil unter dem alten Regime die verlangten Garantien nur durch einen speziellen Charter zugunsten der Kolonisten erteilt werden konnten. Abdul Hamid hätte vielleicht im Hinblicke auf persönliche Vorteile dem Verlangen nachgegeben und wir wissen, daß er eine Zeit hindurch für gewisse Vorschläge ein geneigtes Ohr hatte, aber sein Argwohn opperierte ihm nicht um die Gründung eines Staates im Staate. Die Zionisten haben nie einen derartigen Ehrgeiz besessen. Sie wollten bloß, daß ihre Stammesgenossen ohne Verneinung ihrer Nationalität in Palästina leben als loyale und treue Bürger des türkischen Staates gleich den Armeniern und den Griechen. Der Artikel schließt: „Die neue Türkei hat Interesse auf dem Wege der Naturalisation die jüdischen Kolonisten aufzunehmen, welche durch ihre Abstammung, Traditionen, Sitten und Gebräuche den Arabern in Palästina verwandter sind als irgendein anderes Volk.“ Aufruf. Ein jüdischer Sportklub ist in Bildung begriffen, der einem längst fühlbaren Mangel im Sportleben Wiens abhelfen will. Allgemein bringt man diesem Plane das lebhafteste Interesse entgegen. Es soll insbesondere das Fußballspiel, dann Leichtathletik, (wie Laufen, Springen etc.) und auch Schwerathletikgepflegtwerden. Erstklassige Spieler und begeisterte Freunde des Sports, zahlreiche unterstützende und ausübende Mitglieder sind bereits gewonnen. Zwei komplette Mannschaften sind bereit, ihre jungen Kräfte in Training zu stählen. Diesem Verein die ersten Schwierigkeiten zu ebnen und sein Bestehen zu sichern, fordern die Unterzeichneten Proponenten alle diejenigen, welche an der vornehmen Arbeit der körperlichen Hebung des jüdischen Volkes teilnehmen wollen, auf, dem jüdischen Sportklub als ausübende oder unterstützende Mitglieder beizutreten. Dr. Fritz Löhner, L. Weiß, J. Ruf eisen. S. Weinberger. Zuschriften sind zu richten an S. Weinberger, Beamter, Wien, II., Rembrandtstraße 19, Tür 9. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Rede- und Lesehalle jüd. Hochschüler). Ein Komitee bestehend aus A. H. A. H. und Mitgliedern der Rede- und Lesehalle veranstaltet am Samstag, den 3. Juli d. J., im Lokale des zionistischen Zentralvereines,. IX., Türkenstraße 9, präzise 7 Uhr abends eine Versammlung, in welcher dringende Angelegenheiten der Rede- und Lesehalle zur Besprechung gelangen werden. Alle Förderer A. H A. H., Mitglieder und Interessenten werden um pünktliches Erscheinen gebeten. Wien. (Verein „Theodor Herzl“.) Samstag, den 3. Juli, findet ein Vorfrag unseres eben aus Palästina angelangten A. H. Dr. Ernst Müller über Fragen Palästinas statt. Beginn präzise V2S Uhr. Ort: Vereinslokal VIII., Alserstraße7. — Gäste willkommen. — Zu Ferialleitern wurden bestimmt: Dr. Zuckermann, Weil, Ullmann. Die Adresse in den Ferien lautet: Cafe- Brammer, IX., Liechtensteinstraße 1. Prag. Sonntag, den 4. Juli, veranstalten die vereinigten zionistischen Korporationen Prags um 7« 11 Uhr vormittags im Hotel Zentral ein Herzl Gedenkfeier, bei der Herr Dr. G. Witk o w s k y aus Berlin und Herr Dr. L. Singer (Prag) die Gedenkreden halten werden. Berichte. Wien. (Vereinigung jüdischer Hochschüler aus Galizien „Bar Kochba“.) Samstag, den 26. Juni fand die letzte Plnnarversammlung im Sommersemester statt. Zu Ferialleitern wurden bestimmt: M. Waldmann, M. Stöckel und M. Rottenberg. Prag. Samstag, den 26. Juni, veranstaltete die freie zionistische Vereinigung mit der Verbindung Barrissia im kleinen Saal des Hotel Central einen Vortrag des Herrn Chaim Katz aus Wilna, der in einem verständlichen Jargon über die Lage der Juden in Osteuropa und die Idee des Zionismus sprach. Reichenberg. Am 26. Juni a. c. veranstalteten die Reichenberger Zionisten im Saale des Hotels zum goldenen Löwen eine Herzlgedenkfeier. Nachdem Herr Deutsch die Erschienenen auf das herzlichste willkommen geheißen hatte, ergriff Herr J. UC. Herbert Birnbaum von der Prager „Barissia“ das Wort zur Gedenkrede. Er zeigt die ganze, große Bedeutung Herzlscher Ideen für das Judentum und das jüdische Leben im Osten wie im Westen; er zeigt, wie unser toter Führer in seiner großzügigen Genialität die einzige Lösung der Judenfrage gefunden hat, deren Bedeutung sich heute niemand verschließen kann, und die sich auch dort aufgesetzt hat, wo sie zuerst mit allen Mitteln bekämpft wurde. Die begeisternden Ausführungen des Redners ernteten reichen Beifall. Es folgten nun einige Rezitationen und Musikvorträge der Herren Popper, Tedesko, Goldschmid, Weiseles, die ihren wohlverdienten Beifall fanden. Das Verdienst am Gelingen dieser Feier in' dem für den Zionismus schwer zugänglichen Reichenberg ist hauptsächlich den dortigen jungen Zionisten zuzuschreiben. Den Erfolg, den die Bewegung in Reichenberg damit errungen hat, darf man nicht unterschätzen. Für den galizischen Reichsratswahlfonds gingen ein: L. B., Wien. K 500.—, Dr. Margulies K 20.—, Dr. Lanzer K 20.—, Ben Hug. K 10.—, Van Young K 10.—, Anton G., Prag, K 5.—, Dr. Jakob Kohn K 5.—, Nebenzahl K 2.—, Heinrich Ziffer, Orlau, K 2.—, Josef Thorn K 2.—, „Nation“ K 2.-. Liste der Ueberläufer. (Vom. 23. bis. 30. Juni 1909.) Dr. Emil Kann, 1872, Wien, verheiratet, Hofu. Gerichtsadvokat, I., Lichtenfelsgasse 7. Edith Elsa geb. Lederer Kann, 1880, Wien, verheiratet, Advokatensgättin, I., Lichtenfelsgasse Nr. 7. Dr. Friedrich Grotte, 1882, Wien, ledig, Arzt, 11., Schüttelstraße 156. Irene geb. Neumann Klein, 1881, Wischau (Mähren), verheiratet, VI.. Stumpergasse 2a. Elsa Ipkar, 1892, Wien, ledig, Private, VI:, Loquaiplatz 12. . Hermine Kornfeld, 1881, Budapest, ledig, Private, VI., Ufergnsse 8. Karl Rosehzweig, 1873, Wien, ledig, Versicherungsbeaniter; Krakau. Friedrich Broch, 1889, Wien, ledig, Techniker, 1., Gonzagagasse 7. . Blanka Rottenberg, 1895, Wien, ledig, Mayerhofen (Bezirkshauptm.' Melk). Berta Stößl, 1882, Wien, ledig, Bureauleiterin, XII., Schwenkgasse 25. Katharina Hoffenreich, 1881, Preßburg, ledig, Private, XIII., Hietzinger Kai 5. Karoline Hoffenreich, 1876, Wien, ledig, Private, XIII., Hietzinger Kai. 5. Vilma geb. Löroy Ullmann von Ereny, 1849, Budapest, verwitwet, Private, IV., Wohllebengasse Nr. 19. Marie Franziska Stiasny, 1887, ledig, Private, XVIII., Pötzleinsdorferstraße 90. Hermann Broch, 1886, Wien, ledig, Privatier, 1., Gonzagagase 7. Stephan Eissler, 1891, Wien, ledig, Hochschüler, I. Rathausstraße 7. iCcfccm* ©nift $kiiü riupfrljlcit fidj nt« 2Jrrlobtc. Intti 1909. tiorucubinrg-UTirn. l§3i JÜDISCHER NATIiMJÖlS Sammelstelle für Oesterreich Wien IX., Türkenstrasse 9. Telephon Nr. 14.199. — Postspark.-Konto 100.208 Allgemeine Spenden. Jeder Jude soll bei allen Anlässen des J. N. F. gedenken. Bohorodczany, S. G.: Per NFK. Rapaport: Gerner 2.—, Schulz 0.50, Langermann 0.30, Thaler 0.20 K 3.— Boryslaw, S. G.: Per NFK. Schmer: Slg. Glas-Grad a. Hochz. Bernstein-Goldenberg: Ehepaar Goldenberg, Hutter ä 1.—, Glück, Barchasch ä 0.50, Eisenstein ä 0.40, Langsam, Landau, H. u. A. Bloch, D. u. N. Kirschenbaum, Leiserowicz, Langinger, Wilf, Wechselberg, Fr. Glück, Sigmann, Gleicher, Scheer, Schalter, Fr. Tillemani], Streiner, Fürst ä 0.20, 8 ä 0.10 K 8.80 Buczacz, S. G.: Per NFK. Last: Slg. Ester Gottfried ab Spez. 0.05 „Bar-Bochba“ K 2.03 Slg. N. Lonenfeld „P o a 1 e Z i o n“ K 0.66 Czernowitz, Bu.: Per „Zephyrah“: Frl. Tauber (Storozynetz) 2.50, Kulla-J. Ebner Wette 1.—, Dr. Diamant u. Dr. M. Kinnsbrunner K 3.50 Gablonz, B.: * Ferd. Karpeles 12.82, Theodor Herzl 9.—, Rothschild 5.—, H. Nettei, Ludw Hojtasch, Siegfr. Weil ä 4.—, J. Feigl 3.70, Heinr. Duschak: Frl. G. Bohrer, A. Politzer ä 3.—, S. Weiser, F. Holzer ä 2.—, M. Altmann 1.— Herrn. B a n e t h K 56.52 Janow, Pod.: „Tikwah Zion“ K 0.50 Kimpolung, B.: Per O. Kreindler: Dr. Zaloscer verl. Wette b. Dr. Zalmann 5.—, Dr. Zalmann st. Telegr. z. Hochz. Dr. Schajowicz-Dora Berger Czernowitz 1.— Osias u. Sch. Kreindler K 6.— Komotau, B.: * anl. Promotion Dr. Oskar König: Jüd. Mittelschüler 1.—, H. Hirsch, Df. E. Löwy, Dr. H. Löw ä 0.50 „Theodor Herzl“ K 2.50 Lemberg, O. G.: Per Tagblatt: Slg. Frl. J. Barasch-Frl. Horowitz a. Hochz. Hader, Puköw K 2.80 N. Czaczke weg. eines unliebs. Vorfalles in der Verwaltung des Lemberger Tagblattes K 5.— Marienbad, B.: * Slg. b. Familienabenden über Intervention Sr. Ehrw. Rabb. Dr. Philipp Goldberger K 9.— Prag, B.: Slg. R. Weißbach b. Hochz. Flaschner-Pollak Ortsgruppe d. soz. Arbeiterp a rt e i „P o a 1 e Z i o n“ K 2.53 wm- GEDENKET DES HERZLWALDES!

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.