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Jüdische Zeitung · 1909-07-02 · 27 (2.7.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
27 (2.7.1909)
Date
1909-07-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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VI Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. Sprechstunden täglich toi U—12 Uhr vormittags nnd 4—5 ühr nachmittags. Manuskripte werden nicht zurttckgestelit. Erscheint wöchentlich. Abonnementspreise: ln Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10’— halbjähr. K 5‘—, vierteljähr. K 3’— In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10'— halbjähr. Mk. 5’—, vierteljähr. Mk. 3'— Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. I5-— Einzelexemplare 20 Heller. Nr. 27. Wien, Freitag deii 2. Juli 1909. III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Aus der Budgetrede des Reichr.-Abg. Dr. Benno Sträuchen Parlamentsdämmerung, jüdisch-türkische Denunziation. Die nächsten Aufgaben II. Ein Türke über den Zionismus. Brief aus Galizien. Feuilleton: Aus einem Briefe des Professors O. Warburg. Aus dem jüdischen Leben. Palästina. Vereinsnachrichten. Ueberläufer. JüdiTche Volksgenoffen! Der „Jüdische Nationalverein in Oesterreich“, weleher ein Sammelpunkt volkstreuer Juden ist, fordert hiermit alle modem-jüdiseh und modern - demokratisch gesinnten Volksgenossen in ganz Oesterreich zum Beitritt auf. Jahresbeitrag 4 Kronen. Beitrittserklärungen sind zu richten an das Sekretariat Wien IX., Liechtensteinstraße 11. * * * Der jüdische Nationalverein plant in der nächsten Zelt eine Reihe von Versammlungen in Böhmen, Mähren und Schlesien abzuhaiten und bittet alle Gesinnungsgenossen in diesen Ländern, die Versammlungen wünschen, sich betreffs Thema, sowie Termin mit dem Sekretariat, IX., Liechtensteinstraße 11, in Verbindung zu setzen. Die „Jüdische Zeitung“ kostet: vierteljährlich . . . K 3.— halbjährlich . . . . „ 5.— für 1 Jahr ..... „ 10.— Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und für ihre Verbreitung unablässig tätig zu sein. Adressen von Personen, an die mit Aussicht auf Erfolg Probenummern gesendet werden können, sind stets erwünscht. An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Ueberweisung der rückständigen Beträge, da sonst eine Unterbrechung in der Zusendung der „Jüdischen Zeitung“ eintreten müßte. Oie Verwaltung der „Jüdischen Zeitung“, Geselisch. m. b. H. Veranstaltimgen anlässlich aas Todestages unseres Führers THEODOR HERZL. Anläßlich der fünften Wiederkehr des Todestages weiland Dr. THEODOR HERZLS finden folgende Veranstaltungen statt: Donnerstag den 8. Jttli 1909, ’/a 8 Uhr abends: Traiiergottesdienst (Hesped) im Gemeindetempel I., Seitenstettengasse. Samstag den 10. Juli 1909 eine Gedenkversammlung in welcher Gesinnungsgenosse Reichsratsabgeordneter Adolf Stand die Gedenkrede halten wird. (Ort u. Zeit werden rechtzeitig bekanntgegeben.) Sonntag den 11. Juli 1909, 10 Uhr vormittags: Besuch des Grabes am Döblinger Friedhof. Aus der Budgetrede des Reichsr.-Abg. Dr. Benno Sträuchen Wir bringen aus der großangelegten Budgetrede unseres Gg. Dr. Straucher nachstehendes: „So, verehrte Herren, eile ich nun zum Schlüsse und will nur noch getreu meiner Pflicht, getreu meinem Volke und getreu meinem politischen Programme einige Beschwerden Vorbringen. Wenn Sie Gerechtigkeit üben wollen, dann tun Sie Ihre Pflicht! Zunächst möchte ich mir erlauben, die Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß seine Exzellenz der Herr Ministerpräsident vor einigen Monaten einen Erlaß gegen den nationalen Boykott gerichtet hat. Die ganz gleichen und vielleicht noch stärkeren Erwägungen sprechen aber auch dafür, daß dieser Erlaß auch gegen den konfessionellen Boykott, richtiger gegen die wirtschaftliche Boykottierung der Juden ausgedehnt wird. Ich verweise auf eine Entscheidung, und zwar auf eine Plenarentscheidung des Obersten Gerichtshofes vom 27. Oktober 1896, Nr. 1988 und 1989 zu §303 St.G.B., welcher ausdrücklich besagt, daß als Feindseligkeit auch der Boykott anzusehen ist; auch feindselige Gesinnung und die Geneigtheit, diese feindselige Gesinnung zu betätigen, entspricht dieser Interpretation. Es ist daher die gesetzliche Handhabe vorhanden, daß dieser so oft, so vielfach und so ungerecht betriebene Boykott gegen die Judenschaft von autoritativer Stelle im Wege der Verordnung strenge untersagt wird. Die, Juden dürfen nicht wirtschaftlich vogelfrei sein! Ich mache ferner darauf aufmerksam, daß die Judenschaft eine ebenso empfindliche als verletzende Zurücksetzung im Staatsvoranschlage erfährt. Ich gebe zu, daß es prinzipiell nicht gerechtfertigt ist, daß aus allgemeinen Steuergeldern Zuwendungen für religiöse Zwecke an Konfessionen gemacht werden. Solange aber aus den allgemeinen Steuergeldern der Bevölkerung für Kirchen und andere Kultuszwecke Geld zugewendet werden, ist es eine gerechte Forderung der Judenschaft, daß auch für ihre Kultuszwecke gleichfalls aus den allgemeinen Steuergeldern, von seiten der Staatsverwaltung die erforderlichen Zuwendungen geleistet werden. Nach den Staatsgrundgesetzen ist niemand FEUILLETON Aus einem Briefe des Professors O. Warburg Leiter des Palästina-Ressorts der zionistischen Organisation *) Sehr geehrter Herr! Auf ihre werte Anfrage erlauben wir uns Ihnen folgendes höflichst zu erwidern. I. Vereine junger Leute treiben Palästinakunde am besten auf die Weise, daß ein jedes Mitglied des betreffenden Vereines über ein Thema, daß seinem Wissen und seinen Neigungen am meisten entspricht, vor seinen Kollegen ein Referat hält, welches zum Gegenstand der darauffolgenden Diskussion dient. II. Opfer- und arbeitsfreudige junge Leute können in der Diaspora dem Zionismus am meisten dadurch nützen, daß sie durch Veranstaltungen von *) Herr Jur. Heinrich Fast in Lemberg stellt uns diesen Brief des Palästinaressorts zur Verfügung. Versammlungen, durch Vorträge und durch aufklärende Artikel die Idee des Zionismus verbreiten und verfechten, sowie ganz besonders die zur Wiedergeburt Palästinas ins Leben gerufenen diversen Institutionen popularisieren. Einen praktischen Nutzen würde die Kolonisation Palästinas durch die Tätigkeit unserer jungen Freunde dann erfahren, wenn sie sich beispielsweise mit dem Vertrieb der Aktien der Palest ine Land Development Company befassen würden, welche Gesellschaft sich bekanntlich zur Aufgabe gestellt hat, durch allmähliche Seßhaftmachung minderbemittelter jüdischer Arbeiter einen und systematisch ausgebildeten Bauernstand in Palästina zu schaffen. III. Diejenigen jungen Leute, die über ein Vermögen von mindestens 3000 K verfügen, können sich für den landwirtschaftlichen Beruf in Palästina vorbereiten. Da Palästinas Zukunft bekanntlich auf dem Gartenbau beruht, so müssen sich diejenigen, die ihre Existenz in Palästina begründen wollen, vorwiegend diesem Berufe zuwenden. Wenn man auch mit einem Vermögen von mindestens 3000 K nur eine sehr

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