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Jüdische Zeitung · 1909-06-25 · 26 (25.6.1909) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
26 (25.6.1909)
Date
1909-06-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 IÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 26 häitnisse den geänderten Umständen Rechnung getragen, hat Fühlung mit den Führern der Freiheitbewegung genommen und absolut keine unmöglichen Forderungen gestellt Es ist allgemein bekannt, wie entgegenkommend jene Staatsmänner, welche heute tatsächlich die Macht in der Türkei repräsentieren, sich über den Zionismus geäußert haben. Die gemeldeten Aussprüche können nur von Männern der nationalistischen Opposition stammen, doch hat auch dieser gegenüber den Zionismus nichts getan, was ihre spontane Gegnerschaft liervorrufen konnte. Einzig und allein die grobschlächtige Politik Zangwills, der mit einer schlechten Kopie des zionistischen Programms und ohne die leiseste Ahnung politischer Taktik heute in Konstantinopel einen Charter für Mesopotamien fordert, kann Ursache der gemeldeten Erregung in nationalistischen Kreisen sein. Nun ist es aber endlich an der Zeit, mit Zangwill abzurechnen. Es geht nicht an, daß er uns in der Türkei mit seiner Ungeschicklichkeit und ahnungslosen Draufgängerei verdirbt, was wir in langsamer, stetiger und bedachtsamer Weise aufgebaut haben. Entweder er unterordnet sich selbst mit seinem mesopotamischen Projekt — dem jüdischen Volkswillen oder er muß als ärgster Feind und Schädling gebrandmarkt werden. Für zwei Sachwalter der jüdischen Sache, für zweierlei jüdische Politik ist der Türkei gegenüber kein Platz! Hands . off, Mr. Zangwill! _ Die Nationalitätenfrage in Oesterreich und die Juden. Von Dr. K. Der Universitätsprofessor D r. K r e j ci, einer der Wortführer der tschechisch-r ealistischen Partei hielt jüngst in Prag in einer von seinen Parteigenossen veranstalteten Versammlung einen äußerst interessanten Vortrag über die Judenfrage. Die in demselben zum Ausdruck gebrachten Anschauungen haben gerade im gegenwärtigen Moment der Zuspitzung der nationalen Gegensätze in beiden Reichshälften eine aktuelle Bedeutung. Professor Dr. Krejci betrachtet es als eine ethische Pflicht der Juden, an ihrem eigenen Volke festzuhalten und meint des weiteren, „daßdie nationalselbstbewußten, kulturell hoch entwickelten Juden in dem verheerenden Nationalitätenkampfe in Oesterreich eine edlere Rolle spielen würden.“ Sie sollten eine neutrale Stellung einnehmen und die einzig heilbringenden ethischen Grunddiese Weise tiefer, als wenn er ihn als ebenbürtigen Gegner in ernstem Waffengange abgeführt hätte. Bedas Art bewirkte darum mehr als alle früheren Methoden. Wir haben den Mauschel zu ernst genommen. Das war verfehlt. Im Kampfe gegen ihn, ist nur eine Methode entsprechend: man muß ihn lächerlich machen. Und das tat Beda ausreichend. Jeder Tag machte ihn mit einem neuen Typus bekannt Und jeden Typus konterfeite er ab. Als eine ganze Kollektion von Mauschelbildem beisammen war, tat sie Beda in ein ominöses Büchlein und präsentierte es anspruchslos dem Publikum. Die erste in der Sammlung „Getaufte und Baldgetaufte“, die zweite in den „Israeliten und andere Antisemiten“. „Getaufte und Baldgetaufte“ haben einen förmlichen Siegeszug absolviert. In Tausenden Exemplaren flogen sie ins Land und taten ihre Wirkung. Zugleicherzeit bahnten sie für die neue erschienene zweite Sammlung „Israeliten und andere Antisemiten“ einen Weg. Die zweite Sammlung ist gleich der ersten, vornehmlich Mauschel gewidmet Außerdem enthält sie auch einige ernste Gedichte und einige Momentaufnahmen aus der christlichsozialen Spießergesellschaft Die besten Gedichte in der neuen Sammlung sätze der Gleichberechtigung hochhaltend, die Vermittlerolle übernehmen. Die Schlichtung der nationalen Zwistigkeiten in Oesterreich hängt in nicht geringem Maße eben von den Juden ab. Wer objektiv die Situation in den gemischtsprachigen Gebieten des Donaureiches, sowie im österreichischen Abgeordnetenhause und ungarischen Reichstage überblickt, muß diese Ausführungen billigen, die sich übrigens mit dem Programme des jüdischen Nationalvereines, sowie der „Jüdischen Zeitung“ decken. „Nicht gegen die Deutschen, nicht gegen die Slawen, sondern für unser jüdisches Volk“ lautet die jungjüdische Devise. In Böhmen und Mähren müssen also die Juden im deutsch-tschechischen Streite, in Galizien im polnisch-ruthenischen Konflikte und insbesondere in Ungarn im Kampfe der Magyaren mit den Deutschen, Slawen und Rumänen bie Neutralität bewahren. Die Juden müssen in Zis- sowie in Transleithanien alles unterlassen, was den Nationalitätenhader (und damit auch den Rassenantisemitismus) fördern könnte oder es irgend einer Nation ermöglicht, andere Nationalitäten zu vergewaltigen oder zu unterdrücken. Dies ist ein Gebot der Selbsterhaltung für die Juden. Die Forderung nach eigenem gleichen Rechte wie nach dem aller übrigen Nationen in beiden Reichshälften ist gleichmäßig ein Postulat jüdischer, wie demokratischer und modern österreichischer Politik. Oesterreich als Gesamtmonarchie, sowie seine beiden Reichshälften können nur auf Basis der nationalen, religiösen und wirtschaftlichen .Gleichberechtigung gesunden; nur als internationaler und interkonfessioneller Kultur- und Wirtschaftsstaat, aufgebaut auf den Prinzipien der nationalen Autonomie, Demokratie, sowie der sozialen Gerechtigkeit, kann das Donaureich seine historische Mission in Europa erfüllen. Jedes Abweichen von diesen Grundprinzipien fördert gleichmäßig den Antisemitismus wie das Anti Österreich ertum, die beide dem gemeinsamen Urquell des nationalen Chauvinismus entspringen. Das immer noch nicht begriffen zu haben, zeigt das geringe Verständnis für die Zusammenhänge der österreichischen Politik von Seite der jüdischen Assisind diejenigen, die sich mit Mauschel befassen: wie der „Aufruf“ und „Wir Christen“. Manch glückliche Wendung prägt sich unwillkürlich für immer dem Gedächtnis ein. Die Verse „Und sei deutsch aus ganzer Seele Gleichsam bechol nafschechoh“ oder „Die auf großem Zinsfuß leben Konfessions- und skrupellos“ sind bereits zu geflügelten Worten geworden. Von den ernsten Gedichten seien besonders „Seitenstetten“ und „Jüdisch“ erwähnt. Uebrigens erkennt man fast in jedem Gedichte, daß Beda ein Sprach- und Formkünstler ist Freilich stört auch manche Wendung, welche leicht hätte ausgemerzt werden können. Doch tiefernst ist die Absicht des Verfassers, Mauschel zu verspotten, ihn erkennbar und so vom echten Juden unterscheidbar zu machen. Und diese Absicht ist trefflich durchgeführt. Dafür sei Beda herzlicher Dank gesagt. Wir wünschen bloß, daß die Zeit bald kommen möge, wo er auch um ein Heinesches Wort zu gebrauchen, „seine Flammen für weit ernstere Brände verwenden möge.“ W. m i 1 a n t e n im deutschen, tschechischen, polnischen, italienischen, sowie magyarischen Lager. Sie leisten jetzt wieder Heeresfolge den deutschbürgerlichen Antisemit e n, deren Organe, wie*auf Kommando, alle Tschechen und Südslawen des Panslawismus verdächtigen, ganz nach dem Muster, wie früher von slawischer Seite man hinter allen deutschen Aktionen die „Preußenseuche“ und den „Hohenzollernkultus“ entdeckte und wie noch immer im magyarischen Blätterwalde alle nichtmagyarischen Bestrebungen als „Pangermanismus“, Panslawismus“, „Dakoromanismus“ hingestellt werden. Mit diesem Systeme gegenseitiger Denunziationen, die seit der Petersburger Reise einzelner slawischer Führer und seit dem Agramer Hochverratsprozeß wieder Platz gegriffen hat, muß gebrochen werden. Die überwiegende Mehrheit der Reichsbevölkerung ist entschieden österreichisch gestimmt, sie ist nicht Gegnerin des Staates, sondern der jetzigen Staats v e r f a s s u n g, sie kämpft um Gleichberechtigung i m Staate. Speziell in Kroatien macht sich jetzt, trotz der jahrzehntelangen Fehler, der Auslieferung des serbo-kroatischen Volkes an die magyarische Gewaltherrschaft, eine austrophile Strömung sowie ein Abschwenken von den Wegen der Fi um an er Resolution immer fühlbarer. Die Bundesgenossenschaft der Kroaten, sowie der übrigen nicht magyarischen Völker braucht aber Oesterreich im Kampfe gegen jene magyarische Oligarchie, deren Vertreter nach Belgrad pilgerten und m i t schuldig ist am A g r a m e r Hochverratsprozesse, jene magyarische Koalition, welche die Südslawen ebenso betrogen, wie die ungarischen Juden, die ihr zur Macht verhalfen. Ganz nach derselben Methode buhlten ja auch jene patent-deutschen Blätter um die Stimmen der Wiener Tschechen, die jetzt alle tschechischen Postulate als „tschechische Raubpolitik“ bezeichnen. Auf diese Weise bekämpft man nicht den Panslawismus, recte Panrussismus, sondern man züchtet ihn. Das ist keine österreichische, sondern eine reaktionäre Parteipolitik. Eine wirkliche österreichische Politik, die dem Panrussismus den Boden entziehen, und dem österreichischen Reichsgedanken befestigen will, setzt eine Verfassungsrevision voraus im Sinne der nationalen Autonomie. Jede andere Politik arbeitet für den — Zarismus oder die — Pickelhaube. Poale Zion. Wir haben die Hände so hart wie Holz Und Furchen im jungen Gesichte. Wir tragen das Leben mit Weh’ und Stolz, Denn unsere Hände, so hart wie Holz, Sie formen des Volkes Geschichte. Wir schleppen den Sack und wir zerren das Seil, Wir hämmern das Erz in den Stollen Und schuften und sterben und haben kein Teil Am gleißenden Gold, am heiteren Heil, Das wir erschaffen sollen! Wohl darben auch andere an Speise und Trank Und ringen um Hütte und Erde . . .{• '§ Doch sind sie nicht einsam und goluskrank, Verbetene Gäste am Werdegang Der Menschheit am heimischen Herde1

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