Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 25 der Tagung 29 Delegierte und 3 Mitglieder des Zentralausschusses. An die Berichte schlossen sich nur geringe Debatten, und auf Vorschlag des Dr. Jeremias-Posen erteilte die Versammlung dem bisherigen Ausschüsse Decharge und dankte ihm für seine erfolgreiche und hingebungsvolle Arbeit. In den Zentralausschuß wurden gewählt: Dr. Arndt als Präses, Dr. Kahn-Charlottenburg als Vizepräses, Dr. Tuch als Kassierer und Turnlehrer Burin als Verbandsturnwart. Die Bestimmung des Ortes für den nächsten Tumtag wird dem Zentralausschusse überlassen. Erwähnenswert ist dabei, daß vom jüdischen Turnverein in Konstantinopel der Antrag gestellt war, den nächsten Tumtag daselbst abzuhalten. Dr. Katz-Lemberg referierte über die Agitation für die Turnbewegung unter den ga 1 i z i s c h e n J u d e n, für die das Turnen besonders wichtig sei, da sie infolge der gesundheitschädlichen „Cheder“-Erziehung körperlich geschwächt sind. Redner schlägt die Herausgabe einer Turnzeitung im Jargon vor. Seine Anträge werden dem Zentralausschuß zur Prüfung und eventuellen Durchführung überwiesen. Eine glänzende und begeisterte Rede hielt Dr. Werner-Wien über das 60jährige Jubiläum Max Nordaus, der das schöne Wort vom „Muskel-Judentum“ geprägt hat. Dr. Werner forderte die jüdischen Turner auf, durch reichliche Spenden an der geplanten Gründung einer Nordau-Kolonie in Palästina mitzuwirken. Längere Debatten rief ein Antrag Schwarz- Graz hervor, die hebräische Kommandosprache einzuführen. Zur Prüfung dieser Frage wurde eine besondere Kommission gewählt, die dem nächsten Tumtag ihre Vorschläge unterbreiten soll Der Höhepunkt des Turntages war das veranstaltete Schauturnen. Alle Uebungenwurden exakt und schön durchgeführt. Die Delegierten des „ W iener Jüdischen Turnvereines“ zeichneten sich besonders durch ihre Reckübungen aus. _ Die Schlachzizen als Salzwucherer. Interpellation des Abgeordneten Dr. Gabel und Genossen an den Finanzminister betreffend den Vorgang seitens des galizischen Landesausschusses beim Salzverkaufe. Bei Durchführung des vom Staate, dem galizischen Landesausschusse übertragenen Verkaufes von Salz werden vom Landesausschusse sowohl die Bevölkerung wie auch einzelne Kaufleute in bedeutendem Maße geschädigt. I. Der galizische Landesausschuß hat bei der Regierung erwirkt, es sei nur ihm das Salz billiger zu liefern als anderen Abnehmern. Der dem Landesausschusse gewährte Nachlaß beträgt sowohl beim Krystallsalze als auch bei Grünsalzä4K per Meterzentner. Bei Gewährung dieses Nachlasses hat der galizische Landesausschuß sich verpflichtet, der Bevölkerung das Salz billiger zu liefern, was auch angeblich geschah, da früher ein Kilogramm 24 Heller und jetzt ein Kilogramm 20 Heller kostet. Diese Preisreduktion ist jedoch nur ein Scheinmanöver. Der Landesausschuß manipuliert hiebei in folgender Weise: Er vermischt das bessere Salz mit Grünsalz und verkauft das Gemenge der Bevölkerung um 20 Heller per Kilo. Da nun niemand in Galizien vom Landesausschusse das Salz anders als in Originalpackungen erhalten kann, so muß er nolensvolens dieses Gemenge verwenden und hiefür ä 20 Heller per Kilogramm zahlen. Das Unrecht iin Vorgehen der Regierung besteht nun darin, daß sie das Salz ganz illegal dem Landesausschusse um 4 K billiger verkauft als den anderen Abnehmern, obwohl doch der Staat allen Abnehmern gegenüber gleichmäßig vorzugehen hat. II. Da der Nachlaß ä 4 K per Meterzentner bloß dem Landesausschusse gewährt wird, die andern Abnehmer jedoch der Regierung den vollen Preis bezahlen müssen — können die Kaufleute in Galizien mit dem Landesausschusse nicht konkurrieren, sondern müssen das Salz vom Landesausschusse beziehen, welcher ihnen dasselbe nur in den Originalpackungen zum Preise von von 18 K 85 h per Meterzentner verkauft, und diesen Verschleißern nicht gestattet, das Salz teurer als um 20 K per Meterzeetner zu verkaufen. Abzüglich der Transportkosten von der Bahn zur Stadt, der Magazinierungskosten, sowie den Kosten des eigenen Betriebes verdient somit der Kaufmann an einen Waggon Salz kaum eine Krone. Auf diese Weise hat die Regierung die Existenz von vielen hunderten, speziell jüdischen Familien geradezu vernichtet. III. Auch aus hygienischen Gründen sollte der frühere Rechtszustand restituiert werden. Die Bevölkerung ist nämlich gezwungen, zu Butter und Speck und zum Gebäck dasjenige Salz in Originalpackungen zu gebrauchen, welches vom Landesausschusse geliefert wird, welches Salz aber schlechterer Sorte ist und zu den obigen Dingen sich entweder gar nicht oder bloß mit großem Schaden für den Organismus verwenden läßt. IV. Der galizische Landesausschuß hat es sich zur Gewohnheit gemacht, daß er zum Weiterverkäufe des Salzes durchwegs polnische Vertreter bestellt, denen er das Salz billiger liefert als den jüdischen Abnehmern. Diese Zustände sind offenbar unhaltbar, da sie den jüdischen Kaufleuten sehr oft die Existenz unmöglich machen. V. Als eine harte Ungerechtigkeit betrachten die galizischen Kaufleute ferne'r die Verfügung vom 10. Juli 1908, wonach die Regierung über Veranlassung des galizischen Landesausschusses speziell für Galizien verboten hat, sogenanntes Bruchsalz aus den Salinen herauszugeben. Der Grund dieser nur für Galizien, nicht aber für die übrigen Länder erlassenen Ausnahmsverfügung, ist vollständig unstichhältig; dieselbe bewirkt nicht nur eine ungleichmäßige Behandlung der galizischen Bevölkerung gegenüber den anderen österreichischen Staatsangehörigen, sondern beinhaltet auch eine immense materielle Schädigung derselben, weil bei Ausfolgung des Bruchsalzes der Preis des Salzes sich bedeutend billiger stellen würde, als dies bisher der Fall ist. Deshalb stellen die Gefertigten die Anfrage: Ist der Herr Finanzminister geneigt, diese unhaltbaren Zustände endlich einmal zu beseitigen, das heißt in Galizien bezüglich des Salzverkaufes den früheren Zustand zu restituieren und das Bezugsmonopol des galizischen Landesausschusses aufzuheben oder wenigstens zu verfügen, daß alle privaten Abnehmer das Salz um den nämlichen Preis erhalten, wie der galizische Landesausschuß und daß die nur für Galizien erlassene Spezialverfügung vom 10. Juli 1908 betreffend das Verbot der Hinausgabe von Bruchsalz .wieder aufgehoben werde. Der kritiklose Abdruck dieses Artikels zeigt daß die Zeitschrift in dem, was sie bringt, - nicht einwandfrei ist, Andererseits ist aber auch zu rügen, daß sie vieles nicht bringt. Die wichtigste Frage des Zionismus, wie des Palästinismus überhaupt, ist heute die Agra r k r e d i t f rage. Eine „Palästina“zeitschrift hätte jetzt nichts wichtigeres zu tun, als darüber sachliche Artikel von verschiedenen Seiten zu bringen. Sie hat aber kein Wort für diese aktuellste Frage. Ebenso fehlt ein Propaganda für Verkauf der Palästinabank-Aktien, wie sie jetzt von der Leitung angeordnet wurde. Wenn Gesinnungsgenosse Teilhaber, dessen Energie und Opferwilligkeit der Bestand der’ Zeitschrift zu danken ist, was nicht genug gerühmt werden kann, die Unterstützung der zionistischen Organisation haben will, dann muß er ihr auch den nötigen Einfluß auf die Leitung der Zeitschrift einräumen. Sonst aber läuft er Gefahr, von ihr in Fällen, wie in dem vorliegenden, desavouiert und eventuell bekämpft zu werden, was weder um Interesse der Zeitschrift noch in dem des Zionismus liegt, als dessen tatkräftigen und eifrigen Anhänger wir Gesinnungsgenossen Teilhaber schätzen. NT Mitteilungen der N.-F.- Sammelstelle für Oesterreich. Die N.-F.-Komtnissäre haben dafür zu sorgen, daß unser Wochenausweis, nachdem die darin enthaltenen Geldleistungen aus dem betreffenden Orte mit Blaustift kenntlich gemacht sind, im Vereinslokale je durch zwei Wochen ausgehängt wird. Die Ortskommissäre Galiziens und der Bukowina haben künftig alle Gelder ausnahmslos direkt a n u n s einzusenden. Unsere Philatelieabteilung ersucht die mit der Marken- und Materialiensammlung betrauten Mitglieder der N.-F.-Kommissionen folgendes zu beachten: Zur Organisierung der Parteipresse. Die Zeitschrift „Palästina“. Wir erhalten folgende Zuschrift: Soeben erschien das Heft VI der Zeitschrift „Palästina“,München.Wie bekannt,[hat Gesinnungsgenosse Felix Teilhaber im Momente, als die Berliner Palästinakommission beschloß, das weitere Erscheinen der von ihr unter dem Titel „Altneuland“ später „Palästina“ herausgegebenen Monatsschrift einzustellen, sich entschlossen, sie auf eigene Rechnung trotz des großen Defizites fortzuführen. Das war eine sehr anerkennenswerte Tat. Die neue Zeitschrift, populär gehalten, ist gewiß kein Ersatz für 'die frühere, die wissenschaftlichen Charakter hatte, will auch keine sein, sondern bestrebt sich, propagandistisch zu wirken. Bei aller Anerkennung für die Bemühungen des Herausgebers muß aber doch gesagt werden, daß die Zeitschrift nicht den Anforderungen genügt, welche wir Zionisten an eine Palästinazeitschrift stellen müssen. Den Redaktion fehlt anscheinend ein fester Plan, den sie systematisch verfolgen müßte; die Zusammenstellung, die Leitartikel usw. machen einen völlig dilettantischen Eindruck, dem Herausgeber mangelt es sichtlich an kritischer Wertung seiner Mitarbeiter etc. Was soll man dazu sagen, wenn zum Beispiel in der letzten Nummer der bekannte Herr Kieferndorf aus Jerusalem einen 10 Seiten langen Bericht über die Streitigkeiten zwischen orthodoxen Arabern und Griechen schreibt, in welchem die Araber verhöhnt, die Griechen verherrlicht werden, und der sich im ganzen als eine ungebührliche Einmischung in diesen Streit darstellt. Herr Kieferndorf erzählt ja selbst von Ratschlägen, die er seinerzeit den Griechen gegeben hat, wie sie gegenüber den Arabern ihre Kirchenmacht stärken könnten. Es zeigt von der größten Ungeschicklichkeit, in einer zionistischen Zeitschrift derartiges zu veröffentlichen. In den Streit der orthodoxen Christen haben wir uns absolut nicht hineinzumischen. Eine Verhöhnung (!) der Araber aber, aus welchem Grunde immer, eine Parteinahme gegen sie zugunsten der Griechen, ist ein direktes Verbrechen am Zionismus. Diese Veröffentlichung muß daher aufs schärfste getadelt werden. Zur Sache sei nur bemerkt, daß der Zug zur Nationalisierung der Kirche gerade bei den Christen der Türkei stets identisch war mit dem Trieb zur nationalen Selbständigkeit. Das bulgarische Schisma war eine Voraussetzung der Befreiung Bulgariens. Auch Serbien hat sich seit Jahren von der griechischen Kirche losgerissen und wenn Herr Kieferndorf den Arabern vorwirft, „ganz ausschließlich nur rein materielle und egoistische Vorteile“ im Auge zu haben, so bedauern wir seine Kurzsichtigkeit, welche ihn verhindert, zu begreifen, daß kein Volk der Welt sich Nationsfremde als Seelsorger aufdrängen läßt. Es ist selbstverständlich, daß die arabischen Christen arabische und keine griechischen Popen wünschen und dieses Ziel früher oder später erreichen werden. Zerrissene Briefmarken sind wertlos, perforierte minderwertig. Die Marken sollen nicht abgelöst, sondern samt Zähnung ausgeschnitten werden; sie sollen ferner womöglich in Kuverts sortiert, doch nicht gebündelt werden, da dies die Marken leicht beschädigt. Bei ihrer Korrespondenz sollen Zionisten die bestverwertbaren Jubiläumsmarken zu 12 h, 6 h oder doch 1 h verwenden. Die N.-F.-Kommissäre und überhaupt alle Gg. jener Orte, deren Kultusgemeinden unserem Subventionierungsgesuch noch nicht entsprochen haben, mögen dessen günstige Erledigung betreiben. Reklamationen gegen die Aufstellung der noch unkompletten Gol den-Buch-Konti in Nr. 6 der „Welt“ ex 1909 müssen bis Ende Juni und nicht später, beim N.-F.-Hauptbureau Köln, Karolingerring 6, erhoben werden. Da in Wien die Chaluka mit der Büchsenverteilung uns einen größeren Vorsprung abzugewinnen droht, werden die Wiener Gg. neuerlich ermahnt, Listen ihrer zur Aufnahme von N.-F.- Büchsen bereiten Bekannten uns sofort zuzumitteln und Visitkarten zwecks Beglaubigung unseres Büchsenverteilers beizulegen. Die Anregung, daß wir die N.-F.-M a rk e n gleich anderen Körperschaften, ohne erst die Bestellung abzuwarten, auf gut Glück aussenden sollen, ist unausführbar. Jene anderen Marken pflegen von eigenen Versandtbureaus, welche den die Marke ausgebenden Körperschaften das Versandtrecht um ein Pauschale abgekauft haben, auf eigene Rechnung und Gefahr vertrieben zu werden. Unsere Marken hingegen sind eine streng verrechenbare Drucksorte und hat jeder Spender die Gewähr, daß seine Zuwendung dem gedachten Zweck voll zufließt. Dieser Modus erscheinl uns richtiger und würdiger. Die M.-Komissioii für Oesterreicli. Vereins-u. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (P o a 1 e Z i o n.) Samstag, den 19. d., findet im Vereinslokale, XX., Mathildenplatz 7 (Hof), ein Vortragsabend niit Diskussiou statt, bei welchem Genosse stud. Nagler über „Die Vereinigung derjüd. Soz. Arbe i t e r p a r t e i e n“ sprechen wird. Beginn '/>8 Uhr. Gäste willkommen. '*■*:■*- Berichte. Wien. Die jüd.-akadem. Verbindung „Kadiniah“ hat ihr L1II., Semester, am 12. d. M. ge-