Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 25 (18.6.1909)
- Date
- 1909-06-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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jüdische Zeitung Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Abonnementspreise: In Oesterreich - Ungarn: Ganzjähr. K 10-— halbjähr. K 5'—, vierteljähr. K 3- Telephon 12.299. Sprechstanden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. Erscheint wöchentlich. In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10’— halbjähr. Mk. 5‘—, vierteljähr. Mk. 3-— Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15*— Manuskripte werden nicht zuriickgestellt. Einzelexemplare 20 Heller. Nr. 25. Wien, Freitag den 18. Juni 1909. 111. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Für die Palästinabank. Zionistische Wochenschau. Die Reichsratsersatzwahl in Galizien. Eine fatale Widmung. Eine unverschämte Bettelei. Die Schlachzizen als Salzwucherer. Ein Urteil über die „Alliance“ und ihre antinationale Tätigkeit. Budapester Brief. Feuilleton: Freiheit, die ich meine ... Aus dem jüdischen Leben. Parteinachrichten. Palästina. Vereinsnachrichten. Aufruf. Jüdische Mitbürger! In Anbetracht der Bedeutung der Reichsratsersatzwahl im 34. galizischen Wahlbezirke Böbrka-Rozdöl, an welcher sich die zionistische Partei durch Aufstellung der Kandidatur unseres bewährten Gesinnungsgenossen Dr. Gerson Zipper aktiv beteiligt, hat der „Jüdische Nationalverein fürOesterr eich“ in Wien beschlossen, dem zionistischen Wahlfonds einen größeren Betrag zuzuführen und fordert die jüdischen Mitbürger auf, Spenden für diesen Zweck der Administration der „Jüd. Ztg.“ zu überweisen. Jüdische Mitbürger! Die Wahl des Gg. Dr. Zipper im Wahlbezirke Böbrka-Rozdöl wäre ein großer Erfolg der zionistischen Partei und würde dem „Jüd. Klub“, der einzigen wahrhaft jüdischen Vertretung im österreichischen Parlamente, ein tatkräftiges Mitglied zuführen. Darum soll kein moderner Jude seine Pflicht versäumen und zum Wahlfonds sein Scherflein beitragen! Jüdische Mitbürger! Euer Interesse steht auf dem Spiele! Wir erwarten, daß jeder von Euch seiner Pflicht willig nachkommen wird. Der Vorstand des „Misclen Nationalverem für Oesterreich“ ABONNEMENTS-EINLADUNG. Die „Jüdische Zeitung“ kostet: vierteljährlich . . . K 3.— halbjährlich . . . . „ 5.— für 1 Jahr . , . . . „ 10.— Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und für ihre Verbreitung unablässig tätig zu sein. Adressen von Personen, an die mit Aussicht auf Erfolg Probenummern gesendet werden können, sind stets erwünscht. An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Ueberweisung der rückständigen Beträge, da sonst eine Unterbrechung in der Zusendung der „Jüdischen Zeitung“ eintreten müßte. Die Verwaltung der „Jüdischen Zeitung“, Gesellsch. m. b. H. Für die Palästinabank! Die Umwälzung der Verhältnisse in der Türkei hat die Möglichkeiten der jüdischen Kolonisation in Palästina in hohem Grade verstärkt. Viele hemmende Fesseln in Gesetzgebung und Verwaltung sind schon beseitigt worden und mit dem Fortschreiten des Reformwerkes wird Kapital und Menschenkraft in der Türkei ein ungeheuer großes und lohnendes Verwendungsgebiet finden. Speziell die Juden werden schon jetzt als willkommenste Kolonisatoren des Reiches von den höchsten türkischen Würdenträgern wie z. B. A h m e d R i z a, dem Kammerpräsidenten, eingeladen, sich in Masse im ottomanischen- Staatsgebiet niederzulassen. Das europäische Finanzkapital, das schon in den besten Jahrzehnten bei Eisenbahn-, Hafenbauten- und anderen Unternehmungen in wachsendem Maße in der Türkei gute Anlage gefunden hat, wird jetzt in großer Menge dorthin strömen. Angesichts der neuen Sachlage zeigte es sich, wie weise es von 1 H e r z 1 war, Grundsteine der Arbeit zu legen, wenn auch zu seiner Zeit noch nicht solche Aussichten vorhanden waren wie heute. Durch seine Vorarbeit findet der Moment, in dem sich jüdischem Kapital und jüdischer Arbeitskraft die glänzendsten Perspektiven für Betätigung in der Türkei eröffnen, jeine Reihe von Institutionen vor, welche als wertvolle Stützpunkte dienen können. Voran die Anglo Palestine Cy., die Jüdische Palästinabank. Ende 1903 gegründet, hat die Jüdische Palästinabank nach Ueberwindung der großen anfänglichen Schwierigkeiten eine überaus günstige Entwicklung genommen. Nachdem sie in Jaffa festen Fuß gefaßt hatte, schritt sie sofort an die Gründung von Filialen und Agenturen, so daß sie Freiheit, die ich meine Von Dr. M. Scherlag. Dieser in L. Staackmanns Verlag soeben erschienene, weit ausgesponnene und doch spannende Roman aus dem Sturmjahr von Emil Ertl gibt ein anschauliches Bild der Wiener Revolutionszeit 1848 und liest sich wie ein Epos. Mit einer erstaunlichen Objektivität schildert der Dichter das vormärzliche Wien, die Stimmungen und Strömungen in fast allen Bevölkerungsklassen, die Anzeichen der nahenden Umwälzung, den Ausbruch der Straßenunruhen in den März tagen, die politischen Ereignisse und Schwankungen, die Barrikadenkämpfe im Oktober und das Niederwerfen des Aufruhrs. Ertls Objektivität fließt aus einem tief menschlichen, poetisch geläuterten und ein wenig ironisch gefärbten Subjektivismus, daher der intime Reiz der Schilderungen, wozu sich eine Innigkeit der Kleinmalerei und eine schlichte Natürlichkeit der sorgfältig gezeichneten Personen gesellt. Erschütternd wirkt es, wie die von Studenten heute in allen größeren Plätzen des Landes zu finden ist. Die großen Kosten der Errichtung dieser Sukkursalen belasteten zwar den Gewinn der ersten Jahre, doch war es der Bank schon im Jahre 1907 möglich, eine Dividende von 33Jt Prozent zu zahlen, während bei stetig ansteigendem Geschäftsverkehr für 1908 bereits 4‘/a Prozent verteilt werden konnten. Die Bank wirkt in der segensreichsten Weise für die Entwicklung der jüdischen Wirtschaft in Palästina. Namentlich durch Gründung von Genossenschaften mit Solidarhaftung konnte sie den jüdischen Kolonisten, Gewerbetreibenden, Händlern billigen Kredit geben. Im Jahre 1908 waren es 20 Genossenschaften mit 887 Mitgliedern an die 2 Vs Millionen Francs verliehen wurden. Der rasche Aufschwung ihres Geschäftes nötigte die Bank, ihr Aktienkapital von 50.000 Pfund auf 100.000 zu erhöhen. Davon waren bis Ende 1908 bereits 70.000 Pfund placiert. Zwecks Unterbringung der restlichen 3000 Aktien zu.. 1.Pfund englisch (K 24.—) wurde soeben von der Bank eine Subskription eröffnet. Die Aufforderung, Aktien der Bank zu zeichnen, ist keine Einladung zu einer Woh 11ätigkeitsaktion. Der Erwerb von Aktien der Anglo-Palestina Cy. ist eine gute Kapitalsaniage. Die Tatsache, daß eine Kräftigung der Bank gleichbedeutend mit einer Hebung der jüdischen Siedlung ist, soll alle guten Juden veranlassen, einen Teil ihres Geldes in Aktien der Palästina Bank anzulegen. Daß ist eine ebenso gute Kapitalsverwertung wie durch andere Papiere, trägt aber dazu bei, die Wirtschaft der Juden in Palästina und die Fortschritte der Kolonisation zu fördern. Nachdem die Aktien nur auf 24 Kronen lauten, so ist diese Kapitals¬ und Bürgern getragene Volksbewegung, die freilich ab und zu durch undisziplinierte Elemente verpöbclt zu werden droht, im Kanonendonner erstickt wird. Und tragisch ist das Ende der Idealisten: sie werden zwischen den plump kämpfenden politischen Parteien zerrieben. Daß die Juden an den damaligen Kämpfen bedeutenden Anteil nahmen, betont der Dichter einigemal. „Von den Juden wird die Erlösung kommen — sagt der buntschillernde Journalist Mießrigi in den Tagen der Gärung — das ist schon einmal das Volk der Erlöser.“ Und sie kommt. Aber nicht von den reichen Juden — als deren typischer Vertreter Anselm Rothschild nur gestreift, Mosch-Eschkeles dagegen plastisch, aber schablonenhaft vorgeführt wird — sondern vom Proletariat der Intelligenz. Da stecken die Maulwürfe, die die große Arbeit leisten . . . Während Moschko-Eskeles der Revolution als Zuschauer Interesse entgegenbringt, wühlen seine armen intelligenten Brüder, die durch Leb Pinkas, Heinrich Spitzer und Adolf Fischhof repräsentiert werden — im Volke unermüdlich, unaufhaltsam. Sehen wir uns die einzelnen Judengestalten näher an!