Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 24 (11.6.1909)
- Date
- 1909-06-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lüöische Zeitung Abonnementspreise: In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10’— halbjähr. K 5’—, Vierteljahr. K 3- Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. 'Sprechstanäen täglicti von 11—12 Uhr vormittags nnd 4—5 Uhr naclunittags. Manuskripte werden nicht zurückgestelit. Erscheint wöchentlich. In Deutschland: Ganzjähr. Mk. IO-— halbjähr. Mk. 5’—, Vierteljahr. Mk. 3‘— Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15‘— Einzelexemplare 20 Heller. Nr. 24. Wien, Freitag den Juni 1909. III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Die Krise in Zis- und Transleithanien. Brief aus Bosnien. Interpellationen. Der Stolz von Göding. Gedicht von BEDA. Zu den Vorgängen im Parlamente. Feuilleton: Palästina: Land und Leute. Aus dem jüdischen Leben. Parteinachrichten. Palästina. Zum Todestage Herzls. Vereinsnachrichten. Ueberläufer. s Zionistischer Zentralverein in Wien, IX. Türkenstraße 9. Der Zionistische Zentralverein soll alle organisierten Wiener Zionisten (mit Ausnahme der in den studentischen Verbänden vereinigten Akademiker) vereinigen und bildet durch die regelmäßigen Diskussionsabende, sowie durch die sämtliche jüdische und die bedeutendsten Tageshlättenenttialtende Lesehalle einen Brennpunkt zionistischen Lebens in Wien. Jahresbeitrag, inklusive Schekel und Parteisteuer K 6.— Die zionistische Idee hat die jüdische Welt erobert, ihr Weckruf hat hoffnungslos hindämmernde Massen neu belebt und dem zerstreuten Volke Israels eine zielbewußte Führung erstehen lassen. Doch wie der Geist ohne Form nicht in die Erscheinung treten kann, so wird die mächtigste Bewegung ohne Organisation keine dauernden Erfolge reifen lassen. Darum trete jeder Zionist einer Organisation bei. Die „Jüdische Zeitung“ kostet: vierteljährlich . . . K 3.— halbjährlich . . . . „ 5.— für 1 Jahr . , . . . „ 10— Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und für ihre Verbreitung unablässig tätig zu sein. Adressen von Personen, an die mit Aussicht auf Erfolg Probenummern gesendet werden können, sind stets erwünscht. An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Ueberweisung der rückständigen Beträge, da sonst eine Unterbrechung in der Zusendung der „Jüdischen Zeitung“ eintreten müßte. Die Verwaltung der „Jüdischen Zeitung“, Gesellsch. m. h. H. Die Krise in Zis-und Transleithanien. Von Dr. K. Die am 4. Juni im österreichischen Abgeordnetenhause erfolgte Abstimmung über die Resolution K a 1 i n a, sowie die weiteren Vorgänge daselbst, dürfen ebenso wenig unter schätzt, wie über schätzt werden. Sie dürfen nicht unterschätzt werden als Symptome dafür, daß das Ministerium B i e n e r t keine verläßliche Majorität im Abgeordnetenhause besitzt, sondern nur eine Mehrheit von Fall zu Fall, die sich jeden Moment in eine Minderheit verwandeln kann und weiters als deutliches Anzeichen dafür, daß auch im gegenwärtigen Volksparlamente, ebenso wie im früheren Priveiegienhause ganz ungesunde, auf längere Zeit unhaltbare Verhältnisse herrschen. Eben darum darf auch diese Abstimmung weder vom gesamtösterreichischen noch vom jüdischen Standpunkte übe rschätzt werden. Selbst den vorläufig ganz unwahrscheinlichen Fall angenommen, daß das Ministerium Bienert aus dieser Abstimmung und weiteren Schlappen die Konsequenzen zöge und demissioniert, so würde jedes kommende Ministerium bei dem derzeitigen Parteienchaos innerhalb des reaktionären und „fortschrittlichen“ Lagers, sowie der in sämtlichen Fraktionen dominierenden antisemitischen Strömung denselben Kurs weiter verfolgen. Im österreichischen Abgeordnetenhause — das kann nicht oft genug betont werden — herrscht eben die schlimmste Kliquen- und Koterienwirtschaft; die Jagd nach Ministerportefeuilles und das Hauptbestreben, durch allerlei demago- Palästina: Land und Leute. Katra. Wenn man südlich von Jaffa durch die Schephelah wandert, die aus der weiten Ebene und einzelne Ketten von sandgebildten Hügeln besteht, vorbei an fingertief gefügtem Ackerland und stellenweise unbebauten mageren Halden, dann hebt sich deutlich das Gebiet der jüdischen Kolonie von der arabischen Umgebung ab. Schmucke europäische Häuschen, in der klaren Landschaft viele Stunden weit herwinkend, statt des groben Kaktus duftende Mimosenhecken, bestgenutzter Kulturboden, dicht bepflanzt und in geometrischen Linien abgeteilt . . . Kaum eine Kolonie aber winkt so lieblich von der Höhe herunter als das kleine Gederah. Es besteht aus einer einzigen, von Eukalyptusbäumen umstandenen Häuserreihe und wird nur von etwa zwanzig Familien bewohnt. gische Künste bei den politisch vollständig ungeschulten und planmäßig verdummten Volksmassen im Falle einer Auflösung des Abgeordnetenhauses sich die Mandate zu sichern. Alle Prinzipien und Programme sind im Munde der überwiegenden Mehrheit der österreichischen Parlamentarier also nur Täuschung nach „unten“ und „oben“; alle Abstimmungen entspringen nicht sachlichen Gründen, sondern den früher angeführten Motiven. Darum sinkt auch der Parlamentarismus dies- — sowie jenseits der Leitha von Stufe zu Stufe, und daher liegt auch für die nächste Zeit der Schwerpunkt einer großzügigen österreichischen Reichspolitik, sowie der einer jüdischen Volkspolitik im Volke, außerhalb des Parlamentes und nicht innerhalb desselben. Solange die großen Volksmassen im allgemeinen und die jüdischen insbesondere nicht über die wirklichen Aufgaben eines wahrhaft modernen Staates und speziell die des vielsprachigen Oesterreichs aufgeklärt sind, wird das Abgeordnetenhaus immer das bleiben, als was der seinerzeitige Präsident Graf C o r o n i n i es bezeichnete. Ein luogo de traffico. Um was handelte es sich den bei der Abstimmung? Nicht um die Resolution Sch usterschitz oderum die Resolution Redlich — nicht um die bosnische Agrarbank. Es handelte sich um viel mehr! Wieder, wie so oft in den letzten Jahrzehnten, befinden wir uns mitten in einer K r is e; diesseits der Leitha in einer latenten, jenseits in einer akuten. Und wieder kommen all’ die engherzigen Fraktionspolitiker und ihr Zeitungsgefolge mit den als Kurpfuscherei erkannten Rezepten, die sich längst bereits als unzulänglich erwiesen, die Gesundung des österreichischen Reichs- Die Entfernung von Jaffa ist schon ziemlich beträchtlich und eine Verkehrsverbindung selten. Nach heftigen Regengüssen schneidet ein „Wadi“ jeden Zugang völlig ab. Gederah ist seiner Gründung nach gleichsam die Schwesterkolonie vonRischon — nur daß dieses bald in die wohltätigen Hände der Administration fiel, während die Bilnim, jene treuen Pioniere südwärts zogen und ein neugekauftes Stück Land urbar machten. Noch zeigt man jene hölzerne Hütte, in welcher jene neun jungen Leute wohnten, die früher Studenten waren und jetzt den Spaten in die heimatliche Scholle steckten. In einem alten Berichte wird uns das Leben jener Zeit folgendermaßen geschildert: „Einer der jungen Leute, der Tischlerei kundig, hatte an den Wänden Brettergerüste nach der Art der Kasemenschlafstellen eingerichtet, während die anderen das Allernotwendigste, nämlich einen Backofen, im Felsen auszuhauen sich beeilten. Ein kleines Ställchen für einen Esel und Handwerksgeräte bildete ihre kärgliche Einrichtung in der ersten Zeit. Einmal wöchentlich gingen ein oder zwei dieser jungen Kolonisten nach Jaffa oder nach Rischon le Zion,Juni Proviant für die ganze Kolonie zu besorgen und kamen, dem beladenen Esel folgend, zufuße zurück.“ Manche jener Ersten sind wieder verstreut,