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Jüdische Zeitung · 1909-05-28 · 22 (28.5.1909) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
22 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 . - . JÜDISCHE 'ZErf UNG. . Nr.‘2h i;-: DerPräsidentgibt über-Anfrage bekannt.daß die Hinterbliebenen durch eine Drucksorte. stets aiif-; gefordert werden,- auch eine» hebräische Inschrift; stuf die-Grabsteine zu setzen, ein ..Zwang jedoch lasse sich.nicht ausüben.. . .. ... <- Das Baukomitee hat als externe -Mitglieder die Architekten Melcher , und Schwadron, aufgenommen. . . Die Angelegenheit der; türkischen Juden wird .vertagt. . -_ Z. Parteinachrichten. Der Verbandstag der Jüdischen Turnerschaft in Berlin. ln den Tagen vom 29. Mai bis 2. Juni findet in Berlin der IV. Verbandstag der Jüdischen Turnerschaft statt, an dem sich alle dem Verbände angehörigen Vereine Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz beteiligen werden. Auch die beiden Wiener Vereine, der Erste Wiener Jüdische Turnverein, IX., Lichtensteinstraße20 und der Jüdische Turnverein Fünfhaus, XIV., Herklotzgasse .15, werden, in. stattlicher Zahl auf diesem Verbandstage vertreten sein. In Aussicht genommen sind: ein Schauturnen aller Verbandsvereine, ein volkstümliches Turnen und turnerische Spiele, ferner ein großer Kommers, eine Dampferfahrt nach Potsdam, sowie eine dreitägige Tumfahrt nach Rügen. Der Verbandstag wird ein Bild von dem großen Aufschwung geben, den die jüdische Turnerschaft aus kleinen Anfängen in den wenigen Jahren ihres Bestandes genommen hat Der Budapester zionistische Fußballklub in Wien. Am letzten Sonntag fand das von uns angekündigte Fußballmatcb des Budapester zionistischen Fußballklubs mit den Cricketerreserven statt. Das Resultat ist 5:2, ist für die Budapester keineswegs ungünstig, wenn man in Betracht zieht, daß die Mannschaft erst ungefähr zwei Jahre spielt, und andererseits die Güte der Cricketerreserven-bedenkt, die unstreitig die beste Reservemannschaft Wiens und fast erstklassig ist Von der Budapester Mannschaft zeichnet sich besonders der Zenterhalf aus, der sehr schnell ist, wie überhaupt der Vorzug der Mannschaft in ihrer Schnelligkeit liegt. Leider haperts auch noch mit der Schießkunst Auch die Kombination läßt manches zu wünschen übrig, darin zeigten die Cricketer ein viel besseres Zusammenspiel, dem sie auch ihre fünf Treffer verdanken, die sämtlich in der ersten Halbzeit fielen. Durch einen hohen Schluß erzielen die Budapester in der ersten Halbzeit ein Goal. Stand bei Halftime 5: 1 für Cricket Nach der Pause kommen die Budapester merklich auf. Sie bedrängen jetzt viel häufiger das gegnerische Tor, es wird aber viel verschossen. Auch hält der Cricketermann bravourös. Wegen Hands im Strafraum erhalten die Budapester ein lim Strafstoß zugesprochen, der tadellos eingeschossen wird. Trotzdem jetzt die Budapester-große Anstrengung machen, die Differenz zu verkleinern, bleibt es bei dem Stande 5:2 für die Cricketer. Das Wettspiel verlief sehr fair und die Budapester ließen wegen ihrer Fairness den besten Eindruck zurück. Es ist zu hoffen, daß der zionistische Fußballklub bei fleißigem Training sich so verbessern wird, daß man ihn das nächste Mal in Wien siegreich sehen wird. Die Ansätze und das Material sind vorhanden. W. Zionismus und Itoismus. Wir entnehmen der „Frankfurter Zeitung“ nachstehenden Artikel, der als Zeichen des großen Interesses, den die nichtjüdischen politischen Kreise dem Zionismus entgegenbringen, angesehen werden kann. Natürlich sind nicht alle darin enthaltenen Behauptungen richtig, immerhin beweist der Artikel, daß man Judensiedlungen schon als Faktor im politischen Kalkül ansieht Auch die Charakterisierung der Motive, welche die reichen Westjuden zum Itoismus treiben und des Unterschiedes zwischen diesem und der nationalen zionistischen Bewegung könnte nicht leicht treffender gegeben werden, als es im vorliegenden Artikel geschieht. Ueber die „Ito“ oder „Jewish Territorial Organisation“ bringt der Pariser Korrespondent des klerikalen Turiner „Momento“ ein sehr interessantes Interview. Er hatte in den Zeitungen eine kurze tjp.tiz gelesen,', daß]der Ito, -die.jüdische natiönalis-j tische Gesellschaft; ä'uf.die Kolonisation vonCyre-; naica verzichtet habe. Deshalb ging er zu einem im Montmartre wohnenden. Gewährsmann, der' ilim fol- ' gendes mitteijte: : ., ' . Alle, die die äußere Politik Italiens verfolgen,: wissen, daß es eine Revanche für Tunis plant.' Es; trägt sich mit der Hoffnung," in Cyrenäica sein Banner aufzupflanzen, auch in Baia haben sich König Eduard und König Viktor darüber unterhalten. Sie wissen, daß die israelitische Welt in zwei Lager gespalten ist Ein Teil wünscht, in Palästina die alte Herrschaft neu aufzurichten, ein anderer sucht einen autonomen Staat, gleichviel auf welchem Punkte des Globus, zu gründen, wo die anderswo verfolgten Glaubensbrüder ein Asyl finden könnten, ohne daß durch diese Gründung dem Assimilierungsprozesse, den diese Gruppe in des ihr genehmen Ländern Vorschub leisten will, Abbruch geschehen soll. Die erste Gruppe ist der Zionismus, die andere wird von einer in London aufgetauchten Organisation, der sogenannten „Ito“ geleitet. Während der Zionismus nur auf die Börsen der armen Proletarier rechnen -kann, hat.der „Ito“ die.Millionen, ja die Milliarden der jüdischen Aristokratie zur Verfügung. Die itoistische Indiskretion der Pariser Presse bezieht sich auf eine finanzielle Leistung dieser großen reichen Gruppe, dieCyrenaica betraf. Die jüdischen Aristokraten haben nur den einen Gedanken, die letzten Barrieren niederzuwerfen, die sich noch von der Erfüllung ihres Ideals der Assimilation trennen, deshalb wollen sie die vielen Ahasvers los werden, die durch die ganze Welt ihren Ursprungsstolz und ihre Abneigung gegen andere Völker herumtragen. Der Gedanke des Nationalstaates ist ihnen unangenehm und deshalb suchen sie ein anderes Land, wo ihre unglücklichen Brüder in Freiheit leben können. Vor einigen Monaten glaubten Lord Rothschild und der Romandichter Israel Zangwill, die beiden Chefs des „Ito“, in Cyrenaica ein solches Land gefunden zu haben. Im Februar 1907 empfing mein Freund Zangwill einen Brief von dem israelischen Archäologen Nahum Slousch, in dem derGeneralgotivemeur von Tripolis, Redjeb Pascha, den Vorschlag machte, die aus Rumänien und Rußland vertriebenen Juden in Cyrenaica anzusiedeln. Zu diesem Zwecke erklärte sich die Regierung des Wilajet bereit, das nötige Territorium kostenlos zu übergeben, volle Religionsfreiheit, Verwaltungsfreiheit und unumschränkte fiskalische Autonomie zu gewähren. Als Gegenleistung verlangte man nur einen kleinen Tribut, wofür sich die Regierung verpflichtete, die Kolonie gegen die Nomaden zu schützen. Redieb Pascha gab als Grund seines Entgegenkommens seinen Philosemitismusan,* aber ich glaube, daß diese angebliche Freundlichkeit dem politischen Kalkül entsprang, daß die Juden als Damm gegen die friedliche Penetration des italienischen Elements dienen sollten. Der „Ito“ begann Verhandlungen mit Redjeb Pascha, der darauf mit einem neuen Vorschlag kam, demzufolge der „Ito“ zwei neue Banken in Tripolis und Bengasi gründen sollte, die der „Banca di Roma“ entgegenarbeiten würden. Diese zweite Offerte wurde nicht angenommen, während die Idee der Kolonie stark betrieben wurde. Die englische Regierung, die man zunächst anging, weil sie an Cyrenaica aus Gründen der Nachbarschaft interessiert ist, erklärte, keine Einwendungen machen zu wollen, und ein jüdischer Freund Abdul Hamids erwirkte dessen persönliche Zustimmung. Man konnte also Vorgehen und schon waren die ersten Einladungen zur Auswanderung nach Nordafrika fertig, als man der Stimme der Vorsicht Gehör schenkte. Seit zwei Jahrhunderten sind alle Reisenden, die, Tripolis berührten, zuletzt noch der italienische Senator de Martino, der Ansicht gewesen, daß kein anderes Gebiet eine solche Zukunft habe, wie Cyrenaica, wohin man die alten Gärten der Hesperiden verlegt. Aber die Leiter des „Ito“ zweifelten, ob alle diese Reisenden wirklich das sagenhafte Land erforscht hätten, und beschlossen daher, eine wissenschaftliche Expedition auszurüsten, an deren Spitze der Geologieprofessor der Universität Glasgow, Gregory, gestellt wurde. Hier habe ich den Bericht, den Gregory abgefaßt hat Er beweist klar und deutlich, daß alle bisherigen Reiseberichte Legenden sind. Daß das Land fruchtbar sei, ist eine Lüge. Auf den ersten Blick erscheint zwar die Hochebene an der Küste zwischen Dema und Bengasi anbaufähig, aber der Schein trügt, weil absoluter Wassermangel herrscht. Der Regenfäll„ isj geringfügig,.: nur etjvä.25-^entiipefer, und dieses Wasser verschwindet sofort imVKreiüebpäen.'.vBrühnerianlagen-sind unmöglich; denn dre kreide.schicht . ist; 3000;Fuß „dick.’ Kanäle können nicht gebaut und Aquädukte nicht, angelegt .werden, weil sie eine Länge von 6000 Kilometer .haben müßten; ..Eine . einzige Zone könnte wegen ihrer tiefen Lage für Kolonisation' geeignet sein, das Tal von Mers, das eine Oberfläche von 160 Kilometer im Durchnitte hat. Aber dieses Tal ist rings v.on unwirtlichen, wasserarmen Höhen umgeben. Dazu kommt noch die gänzliche Abwesenheit von Mineralien. Trotz aller Kreuz- und Querfahrten gelang es der Expedition nicht, auch nur eine Spur von Phosphaten zu finden. Die Fauna ist spärlich, der Wassermangel macht auch den Weidebetrieb unmöglich. Die einheimischen Hirten sind daher durch die Not zu Nomaden geworden. Nur in der kurzen Regenzeit können sie sich auf den Höhen halten, dann aber vertreibt sie der Durst, und sie müssen in langer, mühseliger Wanderung den trägen Fluß Ued aufsuchen. Vom Juli bis Dezember 1908 durchforschte die Expedition das Gebiet und als sie nach ihrer Rückkehr Bericht erstattet hatte, schwankte der „Ito“ keinen Augenblick, zu erklären, daß die Offerte des Wali von Tripolis zu verwerfen sei. Redjeb Pascha war bekanntlich der erste Kriegsminister des neuen türkischen Regimes, er starb in den ersten Tagen des Augusts als Opfer einer geheimnisvollen Krankheit und nahm so den Traum eines jüdischen Dammes gegen die italienische Invasion mit sich ins Grab. Sein Tod würde übrigens die Projekte des „Ito“ nicht gehindert haben, wenn dieser darauf bestanden hätte; denn man weiß, welche Macht die hohe jüdische Finanz in der neuen. Türkei ausübt. Eingesendet. Wir erhalten folgende Zuschrift: Wien, den 25. Mai 1909. Löbl. Redaktion! In der letzten Nummer von „Blochs Oesterreichischer Wochenschrift“ wurde gegen meine Gesinnungsgenossen und mich'wiederholt der Vorwurf erhoben, wir hätten auf dem jüdischen Gemeindetage am 4. Mai in Wien die galizische Judenschaft verunglimpft. Wer einerseits unsere Tätigkeit und die Prinzipien unserer Partei, andrerseits die Kampfesweise unserer Gegner kennt, wird wissen, was er von diesen böswilligen Anschuldigungen zu halten hat. Um jedoch diese-Verleumdungen aus der. Welt zu schaffen, stelle ich tatsächlich fest, daß von uns keine beleidigenden Aeußerungen gegen die galizische Judenschaft gefallen sind; im Gegenteil, wir waren genötigt, die galizischen Juden gegen Dr. Bloch und Konsorten in Schütz zu nehmen,' die ganz unvermittelt den Ausschluß der. galizischen Juden aus dem gemeinsamen Verbände beantragten und sie dadurch zu einer Klasse von Leuten zu stempeln versuchten, welche für die gemeinsame Solidarität nicht reif sind. Ich habe festgestellt, daß die jüdische Bevölkerung Galiziens, insoweit sie ihrem Willen in öffentlichen Versammlungen Ausdruck gegeben hat, für eine Gesamtorganisation der österreichischen Juden ist. Unser Auftreten war nur gegen jene Kultus Vorstände gerichtet, welche unter Anwendung einer skrupellosen, rückschrittlichen Agitation gegen die Organisation Stellung genommen haben, indem wir betonten, daß diese Kultusvorstände illegal durch Einflußnahme parteiischer Bezirkshauptleute „gewählt“; d. i. in ihr * Amt eingesetzt wurden, beziehungsweise trotz Ablauf ihrer Amtsperiode noch immer funktionieren. Daß die Proteste dieser Kultusvorstände auf illegale Weise zustandekamen, haben wir auf dem Gemeindetage nachgewiesen; weitere Beweise werden noch geliefert werden. Diesen Kultusvorständen, welche im Vereine mit Dr. Bloch und seinesgleichen der galizischen Judenschaft eine Schmach antun wollten, sind wir auf das schärfste entgegengetreten. Für die Aufnahme dieser Zeilen bestens dankend Hochachtend und Zionsgruß Dr. Heinrich Gabel, Reichsratsabgeordneter.

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