Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1909-05-28 · 22 (28.5.1909) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
22 (28.5.1909)
Date
1909-05-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2438141-2438220-2438242--1212-2440788
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. sprec&stiinflett täglich yoa 11—12 Dir yormittags und 4—5 Dir nachmittags. Manuskripte werden nicht zurückgesteilt. Nr. 22. AUS DEM INHALTE: Reichsratswahlen in Galizien. Otto Hauser: Zur.Judenfrage. „Wir Christen . . Gedicht von Beda. Zionismus und Territorialismns. Von Dr. Pasmanik, Genf. Brief aus Galizien. Sitzung des Wiener Kultusvorstandes. Feuilleton: Schewuoth. Die Tuberkulose unter den Juden. Aus dem jüdischen Leben. Parteinachrichten. Palästina. \ Vereinsnachrichten. Jüdifche Volksgenoffen! Der „Jüdische Nationalverein in Oesterreich“, weleher ein Sammelpunkt volkstreuer Juden ist, fordert hiermit alle modem-j iidisgh nnd - modern - demokratisch gesinnten Volksgenossen in ganz Oesterreieh zum Beitritt auf. Jahresbeitrag 4 Kronen. . Beitrittserklärungen sind zu richten an das Sekretariat Wien IX., Liechtenstein- Straße 11. A,9 Die „Jüdische Zeitung“ kostet: vierteljährlich . . . K 3.— halbjährlich . . . . „ 5.— für 1 Jahr . , . . . „ 10.— Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und für ihre Verbreitung unablässig tätig zu sein. Adressen von Personen, an die mit Aussicht auf Erfolg Probenummern gesendet! werden können, sind stets erwünscht. An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Ueberweisung der rückständigen Beträge, da sonst eine Unterbrechung in der Zusendung der „Jüdischen Zeitung“ eintreten müßte. Die Verwaltung der „Jüdischen Zeitung“, Gesellsch. m. b. H. nal- Erscheint wöchentlich. Abonnementspreise: In Oesterreich - Ungarn: Ganzjähr. K 10‘— halbjähr. K 5-—, Vierteljahr. K 3-- In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10'— halbjähr. Mk. 5‘—, Vierteljahr. Mk. 3'— Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15'— Einzelexemplare 20 Heller. Wien, Freitag den 28. Mai 1909. Reichsratswahlen in Galizien. st.— Die letzten Reichs!atswählen in Galizien, welche mit d?r Eroberung dreier zionistischer Mandate eijdeten, stellten eine Kraftleistung des Judentums dar, vielleicht eine der größten in der Geschichte der Zerstreuung. Um sie richtig zu beurteilen, muß man sich stets vor Augen halten, daß es gerade die galizischen Juden, also die gedrücktesten und unter den ungesundesten politischen Verhältnissen leidenden waren, welche sie vollzogen haben. Der westösterreichische Jude lebt gewiß kein beneidenswertes politisches Leben, eine durchaus antisemitische Bürgerschaft und vom gleichen Geiste beseelte Behörden sorgen dafür. Aber polnische Bezirkshauptleute und Richter, korrupte Regierungsjuden und Schlachzizen, wirtschaftliches Elend und die kulturelle Rückständigkeit des Landes schaffen da drüben ein Milieu, in welchem so mancher sich frei, stark und unabhängig dünkende, mit wirtschaftlichen . -und Joilturellen Verzögen ausgestattete Jude des Westens kläglich zusammeribrechen müßte. Mit dem Kampfe gegen solche Gewalten läßt sich die Fehde, welche der jüdische Politiker des Westens im Dienste der freiheitlichen oder vermeintlich freiheitlichen Sache führt, nicht vergleichen. Das Schicksal hat den armen, geistig und körperlich unternährten, galizischen Juden scheinbar wehr- und waffenlos in diesen Kampf gestellt und er hat ihn, dank seiner ungeahnten Zähigkeit und Opferfreude, erfolgreich bestanden. Man kann sagen, daß die galizischen Zionisten von ihren Führern verkannt wurden. Nie haben diese eine solche Kampfesfreude, solche Verleugnung Schewuoth. Kein Feiertag, keine Erinnerungsfeier, keine Begebenheit im Leben der Juden geht vorüber, ohne daß sich Tore einer unendlich reichen Schatzkammer öffnen und alte Sagenschätze ans Licht des Tages treten lassen. Welchen Feiertag wir auch zum Gegenstände einer Untersuchung nehmen würden: immer sind es Ereignisse, die ihr Geschehen an diesen Tag knüpfen. Ursprünglich wurde die Feier aus einem gewissen einzigen Grunde eingesetzt. Im Laufe der jahrtausendlangen Geschichte häuften sich die Erlebnisse der jüdischen Nation und jedes Datum wurde zum Erinnerungstage nicht eines Ereignisse sondern vieler bedeutender, in das Werden des gesamten Volkes einschneidender Vorgänge. Aus welchem Grunde feiern wir Juden das zweite der drei Feste, an welchem un- III. Jahrgang. aller persönlichen Interessen bei der jüdisch-nationalen Wählerschaft vorausgesetzt. Die-errüngenen Mandate stellen eine durch Preisgabe vieler Existenzen gewonnene politische Macht dar. Im erbitterten Kampfe gegen Schlachzizengewalt und Moschkotücke erobert, kann diese wiederum nur als Mittel für die Weiterführung dieses Kampfes dienen. Es wäre widersinnig, sie in den Dienst einer Opportunitäts-, einer Zauderpolitik stellen zu wollen. Dem Rufe der Führer folgend, hat das galizisch-jüdische Volk Existenzen aufs Spiel gesetzt, um seinen Führern politische Macht zu verleihen. Und diese Führer haben kein Recht hinter den Wählern zurückzustehen, haben kein Recht, den Kampf lau zu führen oder gänzlich einzustellen. Sie haben einzig und allem Kampf mandate erhalten, kleinliche spekulative Brosamenpolitik zu treiben, ist ihnen verwehrt. Die zionistische Wählerschaft Galiziens steht neuerdings vor einem harten Kampfe. Zwei Reichsratemandate, bisher in den Händen pölnischer Gewalthaber im schlimmsten Sinne des Wortes, sind frei geworden. Die Machtverhältnisse in den betreffenden Bezirken verleihen der jüdischen Wählerschaft dominierende Stellung. Der eine Bezirk kann unter Aufwendung aller Kräfte erobert werden, im anderen wird die Haltung der Zionisten das Resultat stark beeinflußen. In zirka vier Wochen finden die Wahlen statt. Leider hat es die Lemberger Parteileitung bisher verabsäumt, energisch in Aktion zu treten. Es sind bisnun keine Kandidaten offiziel nominiert und von einer entsprechenden Agitation verlautet auch nichts. Was soll dieses verhängnisvolle Zögern bedeuten? Die bisherige Haltung der ziosere Ahnen nach Jerusalem pilgerten? Jedes Kind weiß die Antwort: weil an diesem Tage Gott den Juden auf dem Gipfel des 3erges Sinai erschienen und ihnen die Thora, den „Baum des Leben“ gegeben das hat. Die Antwort ist richtig und doch ist Schewuothfest im Golus mehr als ein toter Erinnungstag an das Geschenk der zehn Gebote geworden. Wie viel Heimlichkeiten und wunderbare Sagen knüpfen sich an diese Tage! Wie viel Sehnsucht nach der alten Heimat, nach freiem Leben im eigenen Lande umschließt die Gebräuche, mit denen diese Tage geheiligt werden! Am Schewuoth prangt jedes Judenhaus im Osten im Laubschmuck. Die Frauen und Kinder ziehen Tags vorher auf Wiesen und Berge, um Blumen zu suchen, grünende blühende Zweige herbeizuschaffen. Alles wird mit Grün verziert, die Wände, die Fenster und Türen. Denn in diesen Tagen werden in Palästina die Erstlinge reif und das ganze Volk zog nach Jerusalem auf den Berg Moriah, um unblutige Opfer, Früchte und Körner, darzubringen. Damals lebte jeder Jude auf seinem eigenen Wein-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.