Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 21 (21.5.1909)
- Date
- 1909-05-21
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 21 spricht über Moriz Lazarus, den er als maßlos überschätzt erklärt, ein Urteil, dem man sich nur voll und ganz anschließen kann. An Seminararbeiten enthält das Büchlein: Leo Goldhammer: Judenwanderungen, A. Felix: Palästina» C.Löbl: Jakob Wassermann und seine Juden, E. Tisch: J. Berszadzki, S. Schmitz: Seminarbericht, welche alle sehr ernstes Streben verraten. Der Aufsatz über Palästina entspricht allen Anforderungen, welche man an eine populär wissenschaftliche Arbeit stellen kann. Es ist zu hoffen, daß Gg. Felix diese Arbeit noch erweitern und vervollständigen wird und wir an ihm einen wertvollen Palästinapropagator haben werden. a. b. Der Budapester zionistische Fußballklub in Wien. Wie bereits gemeldet, wird der zionistische Fußballklub (Budapest) Sonntag den 23. d. auf dem Sportplatz der Kricketer, II., Vorgartenstraße (bei der Reichsbrücke) mit den Cricketem (Reserven) spielen. Das Match beginnt um 4 Uhr nachmittags. Die Spieler treffen Sonntag Früh in Wien ein. In ihrer Begleitung, werden sich, wie uns aus Budapest gemeldet wird, einige hervorragende Gg. befinden. Unsere WienerGg. werden es sich nicht nehmen lassen, den Budapester Gästen durch recht zahlreiches Erscheinen, einen herzlichen Empfang zu bereiten. Karten ä 60 Heller sind in der Redaktion der „Jüd.Ztg.“, im zionistischen Zentralverein IX., Türkenstr., bei allen zion. Vereinen und Verbindungen und an der Kassa auf dem Spielplatz zu haben. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Zionistischer Zentralverein.Dienstag den 18. d. M. wurde die Saison durch den Vortrag des Herrn Dr. OttoAbeles, welcher über das Thema „Zionistischen Landespolitik“ sprach, beschlossen. Referent ging von dem Satze aus, daß wie die Charterpolitik gefallen ist und an deren Stelle die Erkenntnis trat, daß unser Volk sich seine Heimstätte verdienen müsse, ebenso sich die Ansicht durchgerungen hat, daß auch die bereits begründete Heimstätte sich auf ein starkes Judentum im Golus stützen müsse; daher sei die erste Betätigung in den Golusländern nicht bloß ein Postulat des drängenden täglichen Lebens, sondern auch eine notwendige Ergänzung des auf das Endziel lossteuernden Zionismus. Innerhalb der Gegenwartsarbeit nimmt die Landespolitik den ihr gebührenden Platz in Anspruch. Die Landespolitik muß jedoch mit Rücksicht auf ihre besonderen Anforderungen auch von einer besonderen Organisation ausgeführt werden. Wenngleich die Führung der jüdischen Landespolitik der Befruchtung durch den Zionismus nicht entraten dürfte, so müsse sie auch Platz lassen für die Betätigung von Nichtzionisten, insoweit dieselben die nationale jüdische Gesinnung als Voraussetzung jüdischer Landespolitik gelten lassen. Nach einer regen Debatte schloß der Vorsitzende Herr D r. Jakob Kohn die Versammlung mit der Aufforderung, das besprochene Thema in allen gesinnungsgenössischen Kreisen eifrig zu diskutieren, damit die angeregten Fragen auf dem bevorstehenden Parteitage eine gedeihliche Lösung finden k önnen. Wien. Der „Jüdisch-akademische Philosophenverein hält im Sommersemester 1909 folgende Kurse ab und zwar: In der Sektion für Philosophie 1 „ „ „ „ Geschichte und Wissenschaft des Judentums 1 „ „ „ „ Geschichte und Geographie 1 „ „ „ „ klassische Philologie 4 (darunter 2 für Realschulabsolventen) „ „ „ „ moderne Philologie 8 Zeit, Ort und Leitung der Kurse sind aus dem Anschlag in der Lese- und Redehalle für jüdische Hochschüler in Wien, IX., Hörigasse 11, ersichtlich. Beitrittsanmeldungen werden täglich von 11—12 Uhr enrgegenommen. Wien. Das Proponentenkomitee des Verbandes der jüdisch-nationalen Finken an den Wiener Hochschulen gibt hiermit bekannt, daß die Statuten des Verbandes von der Statthalterei genehmigt wurden, die Mitgliedskarten im Verlaufe der nächsten Tage zur Versendung gelangen und die konstituierende Generalversammlung demnächst an einem noch bekannt zu gebenden Tage stattfinden wird. Wien. (Vereinigte jüdische Arbeiterorganisationen des 2. und 20. Bezirkes.) Sonntag den 30. d. M. großer Ausflug nach Weidlingau-Wurzbachtal verbunden mit Wiesenspielen, Gesang, Musik, Rezitationen, Tanz, Schönheitskonkurrenz etc. Teilnehmerkarten ä 30 Heller im Cafe zur Börse, I., Wipplingerstraße 35, Cafe Stephanie, II., Stephaniestraße 2. Cafe Brammer, IX.. Liechtensteinstraße 1, und Cafe Neptun, XX., Mathildenplatz 7. Abfahrt um 2'jt Uhr nachmittags. Stadtbahn, Schottenring. Wien. (Poale Zion Wien.) Samstag den 22. d. findet im Privatlokal XX. Mathildenplatz 7 (Hof) eine Vereinsversammluug mit Vortrag und Diskussion statt. Beginn 8 Uhr. — Sonntag den 23. d. Ausflug am Leopoldsberg-Hermaneskogel. Abfahrt vom Vereinslokal 2 Uhr nachmittags. Berlin. (Zum IV. Jüdischen Turn tag) Die Vorbereitungen zu dieser interessanten, zu Pfingsten in Berlin stattfindenden Veranstaltung, sind in vollem Gange, und es darf nach den bereits eingegangenen Zusagen der zahlreichen auswärtigen jüdischen Turnvereine auf eine imposante Anzahl von Turntagsteilnehmern gerechnet werden. Die Oeffentlichkeit werden insbesondere die Turntagsverhandlungen, welche im Hotel de Hamburg, Heiligegeiststraße 17/18 am Pfingstmontag nachmittags stattfinden, vor allem aber das Pfingstsonntag nachmittags 5 Uhr im Feenpalast stattfindende Schauturnen interessieren. Es empfiehlt sich mit Rücksicht auf die große Zahl von Zuschauern, schon jetzt sich Eintrittskarten im Vorverkauf zu besorgen. Viel Beteiligung dürfte auch die Dampferfahrt nach Potsdam finden, welche am dritten Pfingsttag um halb 10 Uhr an der Weidendammer Brücke beginnt. Auch die Spiele und die volkstümlichen Uebungen, welche am Pfingstmontag auf dem Spielplätze des Jüdischen Turnvereines Bar-Kochba im Grunewald, Franzensbader Garten (Hubertus, zehn Minuten vom Bahnhof Hallensee) abgehalten werden, verdienen einen regen Besuch. Diejenigen, welche den Wunsch haben, möglichst an allen Veranstaltungen des Tumtages" teilzunehmen — und wir können für die Pfingsttage uns keine angenehmere und anregendere Beschäftigung vorstellen, als die Beteiligung an diesen Veranstaltungen — werden gut tun, sich rechtzeitig Teilnehmerhefte, die zum Besuche aller dieser Veranstaltungen berechtigen und in der Buchhandlung von Louis Lamm, Neue Friedrichstraße 61/63, sowie in den großen Filialen der Zigarrenfirmen Carl Martienzen zu haben sind, zu besorgen. * * ♦ Berichte. Wien. Die Wahlen in den Ausschuß des neugegründeten „Jüdisch-akade nfischen Philosophenvereines“ hat folgendes Resultat ergeben: Friedrich Frankl, Obmann, Berthold Hirsch), Obmannstellvertreter, Manfred Lemberger, Ilona Knöpfelmacher, Bibliothekare, Agathe Tochten, Viktor Spitzer, Kassiere, Flora Antscherl, Maximilian Löw, Schriftführer. Prag. Die Maifeier der Ortsgruppe Prag der Organisation „P o a 1 e - Z i o n“ nahm einen würdigen Verlauf. Nachdem die Genossen W a 1 d s t e i n und Josef Klein, ersterer in deutscher, letzterer in böhmischer Sprache, über die Bedeutnng des 1. Mai gesprochen hatten, wurde eine Resolution angenommen, in welchen die Anerkennung der jüdischen sozialistischen Parteien seitens der sozialistischen Internationale gefordert wird. Der Besuch war ein entsprechender. Trautenau. Der zionistische Volksverein „Theodor Herzl“ veranstaltete Samstag, den 8. Mai 1. J. im Saale der Turnhalle einen Vortragsabend mit anschließender Akademie. Herr phil. Heinrich Witt mann von der Prager „Barissia“ leitete den Abend mit einem Palästinareferate ein. Der Vortragende besprach die Kolonisationsmöglichkeiten und Kolonisationsbedingungen in ausführiicher Weise, beschäftigte sich eingehend mit der Wirksamkeit der auf dem Boden Palästinas gegründeten wirtschaftlichen Unternehmungen und verweilte längere Zeit bei der Schilderung des Umschwunges in der Türkei. Am Schlüsse seiner Rede forderte er zur eifrigen Mitarbeit und Unterstützung der zionistischen Finanzinstrumente auf. Die klaren und sachlichen Ausführungen wurden allseits beifälligst aufgenommen. Hierauf betrat Frau Hewig N e 111 die Bühne und sang mit ihrer ausgezeichneten, geschulten Stimme einige Lieder, die wahre Beifallsstürme hervorriefen, so daß sich Frau Nettl zu einigen Zugaben entschließen mußte. Herr Opernsänger Egon Fuchs aus Prag heimste als tüchtiger Baritonist gewaltigen Aplaus ein. Der jugendliche Künstler, der über ein mächtiges Stimmenmaterial verfügt, berechtigt zu den größten Hoffnungen. An diesen musikalischen Teil des Abends schlossen sich Rezitationen des Frl. Milly Frankel und des Herrn phil. Heinrich W i 11 m a n n, die gleichfalls ihre Wirkung nicht verfehlten und von dem dankbaren Publikum mit lebhafter Zustimmung quittiert wurden. Die Klavierbegleitung hat in allen Fällen in liebenswürdiger und diskreter Weise Frl. Johanna Lauer besorgt. Gegen Mitternacht fand die Veranstaltung ihr Ende. Stulpikany. Der jüd.-nat. Verein „Makkabea'“ veranstaltete am 9. d. M. eine „Lag-Beomer-Feier“,. bei der Herr Rechtskandidat Wolf Herzaerg aus- Suczawa vor einem zahlreichen Publikum die Festrede hielt. Redner erläuterte die Bedeutung dieser nationalen Feier und sprach dann über die „Juderifrage“. Reicher Beifall belohnte seine gelungenen. Ausführungen. Nach dem Schlußworte des Schriftführers Mendel Brecher fand die Feier ihren Abschluß. S. G. Mähr.-Weißkirchen. Auf seinen Agitationsreisen kam Herr Isak Katz auch in unseren Ort. Am. Montag den 10. und Dienstag den 11. Mai hielt Herrr Katz zwei Vorträge, und zwar über „Die Juden und ihre modernen Ideen“ und „Die Juden und Palästina“. Der Redner, ein russischer Jude, sprach im Jargon, dem sich das Publikum leicht anpaßte. In treffenden Vergleichen schilderte er uns die Lage der russischen und rumänischen Juden und in begeisterten Worten eiferte er die Anwesenden zum Zionismus an. Ob der Redner durch seine meisterhaft geführten Reden die hiesigen Juden aus ihrer Schlaffheit aufzurütteln vermochte, wird die Zukunft lehren. Wünschen würden wir es. Budapest. Am 15. d. M. fand die feierliche Einweihung des neuen Zionistenheim es statt, bei welchem sich ein überaus zahlreiches- Publikum einfand. Die Eröffnungsrede hielt Herr Dr. Bela O e s t e r r e i c h e r, Präsident der Landesorganisation. Er hob die Bedeutung des Abends hervor und wies auf die immer erfolgreichere Tätigkeit der Budapester Vereine hin. Hierauf trug Frl.. Gäspar in Begleitung des Herrn Deri Gesangstücke vor. Ing. A. Beregi deklamierte den „Jüdischen Mai“, worauf Herr Ludwig B a t ö über die zionistische Idee und ihre Aussichten sprach. Herr Dr. Ostern hielt die Festrede des glänzend verlaufenen Abendes. Budapest. Der Verein zionistischer Privatbeamten und Handelsangestellten hat am 25. April laufenden Jahres eine Agitationssitzr.ng abgehalten,, bei welcher eine große Anzahl Gäste erschienen ist. Das Publikum hörte mit Interesse den Ausführungen des Herrn Ing. Armin Beregi zu, der über die Lage des jüdischen Volkes und sein Verhältnis zu den modernen Ideen sprach. Hernach sprach Vizepräsident Ludwig Batö über die Institution des Zionismus. Viele Anwesende haben ihren Eintritt angemeldet. Budapest. Im Verlage des Vereines zionistischer Privatbeamten und Handelsangestellten „Judäa“ ist dieser Tage in ungarischer Sprache eine hübsch ausgestattete Broschüre erschienen, welche die erste in ihrer Art sein dürfte. Dieselbe behandelt in lebhafter und überzeugender Weise die Bedeutung des Zionismus für den Kaufmannsstand. B. Temesvar. Hier hat sich ein zionistischer Verein gegründet der bereits 100 Mitglieder zählt. Die konstituierende Generalversammlung, in welcher Her Rabbiner Bernhard S c h ü c k eine flammende Ansprache hielt, wählte folgendes Präsidium: Präsident Alichael Schatteies, Hausbesitzer, Vizepräsident Arnold Mer bl, Architekt und Ernst Verrnes, Prokurist der Südungarischen Hutfabrik. Bemerkenswert ist, daß eine Woche nach der Gründung unseres Vereines, Herr Schatteies zum Präsidenten der Temesvarer orthodoxen Gemeinde gewählt wurde. Unser Verein ist von eminenter Bedeutung für die Verbreitung der zionistischen Idee im ganzen Banat.