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Jüdische Zeitung · 1909-05-14 · 20 (14.5.1909) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
20 (14.5.1909)
Date
1909-05-14
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 yÜÖISeHE ZEITUNG Nr. 20 heimgesucht sind, der Genesung zugeführt werden können! Ihre Leiden, oftmals eine traurige Folge der Not, sind zumeist heilbar durch das köstliche Salz des Meeres, durch die erquickende frische Luft, die an den Ufern des Meeres weht, durch die kräftige Einwirkung des Sonnenlichtes, durch eine rationelle Ernährung. Helfet uns daher an der Küste unserer sonnenumglänzten Adria Seehospize — zunächst in Grado — zu errichten, um kranken Kindern aus allen Teilen der Monarchie, die dorthin gebracht werden würden, Gesundheit und Kraft wiederzugeben und sie widerstandsfähig gegen die mörderische Tuberkulose zu machen, die beim weiteren Verlaufe ihrer Leiden ihnen droht! Vereinigt euch zur Mitarbeit an diesem Werke, das eine Schar warmfühlender Frauen und Männer begonnen hat und das bei den Behörden so viel Anklang gefunden hat, daß sowohl das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht, wie auch die k. k. Statthalterei und schließlich auch die k. k. Polizeidirektion ständige Delegierte in das Kuratorium entsenden. Helfet uns, unserem Volke und zugleich unserem Vaterlande einen bedeutsamen Dienst zu erweisen. Um Tempel der Menschenliebe zu bauen, bedarf es nicht bloß der Marmorsäulen — der hohen Summen, die wir von unseren reichen Mitbürgern erbitten, sondern auch der bescheidenen Ziegelsteine — der Beiträge in Kronen und Hellem. Jeder Heller ist willkommen! DasKuratorium undderZentralausschuß des österr. Kaiser Franzjosef-JubiIäu ms-Seehospizes Wien. Der Sitz des Vereines befindet sich: Wien, l. Schottenring 3, wo Spenden entgegengenommen werden. Mitteilungen der N.-F.- Sammelstelle für Oesterreich. Die Leitung unserer Philatelieabteilung hat Gg. Dr. Siegfried Brauchbar übernommen. Hiedurch erscheint eine rationelle Verwertung der uns zugesandten Postwertzeichen gesichert Der Erlös dieser Abteilung wird in jeder ersten Monatsnummer verlautbart werden. Es ergeht darum der Aufruf, Postwertzeichen in erhöhtem Maße einzusenden, ln jeder N.-F.- Kommission soll ein bestimmtes Mitglied mit der Organisierung der Marken- und Materialiensammlungen sowie deren Zusendung an uns betraut sein. Bei Zusendung der Briefmarken ist folgendes zu beachten: Zerrissene Briefmarken sind wertlos, perforierte minderwertig. Die Briefmarken sollen nicht abgelöst, sondern aus den Kuverts mit Schonung der Zacken ausgeschnitten werden; die Briefmarken sollen ferner womöglich sortiert, doch nicht gebündelt werden, da das Bündeln die Marken leicht beschädigt. Da für 12 h-Jubiläumsmarken und in zweiter Linie für 1- oder 2 h-Marken gute Preise zu erzielen sind, sollen Zionisten bei ihrer Korrespondenz an uns vor allem 12 h-Marken oder doch 1 h-Marken verwenden. Im Einvernehmen in itdenD i stri ktskommissären fordern wir die Ortskommissäre Galiziens auf, künftig alle Gelder ausnahmslos direkt an uns einzusenden. Die gleiche Aufforderung gilt für die Bukowina. Unser Wochenausweis wird jeden Montag abends geschlossen und vereinbarungsgemäß zugleich je eine Abschrift der galizischen Spendenliste an den „Wschod“ und das „Jüdische Tagblatt“ Lemberg zu sofortigem Abdruck verschickt. Die N.-F.-Kommissäre der Vereine haben dafür zu sorgen, daß unser Wochenausweis, nachdem die darin enthaltenen Geldleistungen aus dem betreffenden Orte mit Blaustift kenntlich gemacht sind, im Vereinslokale durch zwei Wochen ausgehängt wird. Ab 1. Mai werden, wie durch April-Zirkular an unsere N.-F.-Kommissäre angekündigt, zwecks Einschränkung der Druckkosten nur die Namen jener Spender ausgewiesen, die in Westösterreich zumindest 40 h, in Ostösterreich zumindest 20 h spenden; soll aber neben dem Spendernamen noch eine Widmung oder Bemerkung stehen, dann muß die betreffende Spende, bezw. Spendensumme zumindest 60 h betragen. Wir haben anfangs April an alle österreichischen Kultusgemeinden eindringlicheGesuche umSubventionierung desN.-F.gesandt. Bei der grundsätzlichen Bedeutung, welche die Inanspruchnahme der offiziellen jüdischen Gemeinden für unseren N.-F. hat, richten wir an alle Gesinnunsgenossen die Aufforderung, in ihrem Orte eine baldige und 'günstige Erledigung dieser Gesuche zu erwirken. Reklamationen gegen die Aufstellung der noch unkompletten Golden Buch-Konti in Nr. 6 der „Welt“ ex 1909 müssen bis Ende Juni (ausnahmsweise direkt beim N.-F.-Hauptbureau, Köln, Karolingerring 6) erhoben werden. Spätere Reklamationen bleiben unberücksichtigt. Die N.-F.-Kommission for Oesterreich. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Zionistischer Zentralverein.) Dienstag den 18. d. M., 8 Uhr, findet im Vereinslokale, IX., Türkenstraße 9, der letzte Vortrag in dieser Saison statt. Referent Herr Dr. Otto Abeies. Thema: „Wer soll jüdische Politik mach e n? Anschließend Diskussion. Gäste, auch Damen, willkommen. Wien. (Jüdisch-akademischer Juristenverein in Wien.) Der jüdisch-akademische Juristenverein errichtet ein Seminar für jüdische Rechtswissenschaft, das unter der Leitung des Herrn Dr. S. Rubin stehen wird. Das Seminar besteht aus zwei Abteilungen, für Vorgeschrittenere und für Anfänger. In erstere werden Juristen aufgenommen, die bereits Vorkenntnisse besitzen und die rechtshistorische Staatsprüfung bestanden haben, in die letztere Anfänger ohne Vorkenntnisse auf dem Gebiete des jüdischen Rechts. Der Beginn der Seminarübungen, die für Mitglieder des Juristenvereines unentgeltlich sind, ist Montag den 17. Mai 1909 um 4 Uhr nachmittags Zusammenkunft im Vortragssaal der Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler. Die Festsetzung der Seminarstunden erfolgt Montag den 17. Mai. — Weiters errichtet der Juristenverein einen Kurs für die judizielle Staatsprüfung, der ebenso wie der bereits bestehende rechtshistorische Kurs, den Vereinsmitgliedern eine gründliche Vorbereitung zu den Prüfungen ermöglicht. Ferner werden diejenigen Kollegen, die fachwissenschaftliche Werke kaufen wollen, aufgefordert, dies durch den Juristenverein besorgen zu lassen, der den Einkauf auf einmal vornimmt und dadurch seinen Mitgliedern günstige Zahlungsbedingungen verschafft. Wien. Oeffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock. Sonntag, den 16. Mai 1909, 10 Uhr vormitags. Tagesordnung: 1. Prüfung und Erledigung der Rechnungsabschlüsse über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeiude und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Verwaltungsjahr 1908. 2. Regelung der Rechtsverhältnisse der türkischen Israeliten in Wien. 3. Grabschriften auf dem Friedhofe, IX., Seegasse. Wien. (Arbeitsausschuß der mähr-schles. Ferialverbindungen.) Montag den 17. d. M. findet um 7 Uhr abends im Cafe Jägerhof eine Präsidialkonferenz statt. Anschließend hält Bb. Teller (Gamalah) um 8 Uhr einen allgemein zugänglichen Vortrag über „Die Juden Südmährens.“ Berichte. Wien. Die am Samstag den 1. Mai 1909 stattgefundene Maifeier nahm einen glänzenden Verlauf und war außerordentlich gut besucht. Die Festrede hielt Genosse Dr. Hahn. Das Programm des Abends war äußerst reichhalltig. Hervorzuheben sind die Rezitationen des Frl. Elise N e u m a n n und des Regisseurs Herrn Egon Brecher. Herr Nikolaus Zadri entzückte das Publikum durch sein Violinspiel. Frl. Lotte Rubin und Frl. Ida Rebsei brachten Lieder zum Vortrage. Herr Fritz Wiesenthal ergötzte das Publikum durch seine humoristischen Darbietungen. Reicher Beifall lohnte die künstlerischen Leistungen der Vortragenden. Prag. Der „Jüdische politische Verein“ in Prag nahm in seiner Versammlung vom 3. Mai, die allen Steuerträgern der Prager Kultusgemeinde zugänglich war, energische Stellung gegen die Art und Weise, wie der gesundeGedanke der Gesamt organisation der Juden Oesterreichs unter den Händen der Kahalautokraten zu einem Zerrbilde einer allgemeinen, demokratischen, jüdischen Organisation werden soll. Nachdem der Obmann des Vereines, Herr Dr. Eduard Fisch 1, gezeigt hatte, wie viel man sich — obzwar enttäuscht durch die Untätigkeit des böhmischen Gemeindebundes — oder gerade deswegen von dem Wiener Gemeindebund versprochen hat. Darauf führte der Referent Herr Dr. Ernst Gütig in klar sachlicher Weise einerseits die Notwendigkeit und Nützlichkeit einer Gesamtorganisation vor, um anderseits scharf die begangenen und beabsichtigten Fehler und Sünden zu geißeln. Warum wird die weitere Oeffentlichkeit von der Diskussion des Entwurfes ausgeschlossen? Der wichtigste Einwand gegen den Entwurf ist der, daß eine offizielle Gesamtvertretung aller Juden durch die Wahl oder Ernennung einer privilegierten Schichte geschaffen werden soll, daß die einfachsten Grundsätze des allgemeinen, gleichen Wahlrechtes, das allein die Grundlage aller Wahlen in die Vertretungskörper sein darf, ignoriert werden. Ferner tadelte der Referent die Ungerechtigkeit, aus der die judenreichsten Länder relativ am schwächsten im Reichsverband durch Delegierte vertreten sein sollen. Zu begrüßen ist es, daß der Entwurf die Wahrung der öffentlichen Rechtstellung der Juden im Staate in das Tätigkeitsgebiet der Organisation einbezieht. Auch die Berücksichtigung der Rabbiner ist zu begrüßen, nur dürften diese in nichtreligiösen Dingen nicht mitzureden haben. Getadelt wird der Mangel eines Schulprogrammes, dasdie jüdische Schule vorzubereiten hat. Im Sinne der Ausführungen des Referenten werden Resolutionen gefaßt, nachdem noch Herr Friederich Mautner in der Debatte erklärt hatte, es sei bedauerlich, daß das Komitee des Gesetzentwurfes die von verschiedenen Seiten schon geleistete Vorarbeit nicht berüchsichtigt habe. Herr Lebenhard beklagt das schwindende Verständnis für jüdische Fragen im weitesten Kreisen. Herr Dr. Engel forderte zunächst die Ausgestaltung der Kultusgemeinden zu Volksgemeinden. Herr Dr. Oppenheimer verglich zum Schlüsse noch die österreichischen Verhältnisse mit der Entwicklung der jüdischen Organisation in Deutschland. — Die Versammlung war sehr gut besucht. Karlsbad. Am 8. Mai verschied in Karlsbad Herr Paul G e 11 n e r im 22. Lebensjahre. Derselbe war Mitglied des Jüd.-akad. Klubs in Karlsbad und verliert dieser Verein an ihm einen seiner treuesten und aufopferungsvollsten Anhänger. Seine Kollegen betrauern in ihm einen ihnen jederzeit ganz ergebenen Freund, das Judentum einen begeisterten Verfechter des jüdisch-nationalen Gedankens und einen arbeitsfreudigen Zionisten. Pilsen. Der jüdische Volksverein „Zion“ in Pilsen veranstaltetete am 8. Mai einen literarischen Abend, bei dem als Gast Herr JUC. Leo H errmann aus Prag (Bar-Kochha) über die „J üdische Strömung in der deutschen Literatur der Moderne“ in höchst anziehender und gedankenreicher Weise sprach. Er legte die Wirkung der theoretischen Stellung zum Judentum auf das produktive Schaffen dar, führte aus, worin, das Wesen der jüdischen Kunst bestehe und wie die eigene Formbehandlung ein Produkt der durch die Abstammung bedingten Persönlichkeit sei und besprach dann die Stellung der jüdischen Dichter von Heine bis in die neueste Zeit. Seinen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag illustrierten dann verständnisvolle Rezitationen des- Herrn phil. cand. Oskar Stein (Bar-Kochba, Prag) aus Werken von Beer Hofmann, Lachmann, Hugo Salms, Martin Buber und Artur Schnitzler. Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redaktion! Ich erlaube mir, sie darauf aufmerksam zu machen, daß Ingenieur Richard Wassermann, der sich in der vorletzten Woche (siehe Nr. 18) hat taufen lassen, „alter Herr“ der deutschliberalen Burschenschaft „Marchia“ ist. Es haben sich also innerhalb 2 Wochen 2 Märchen taufen lassen. Ingenieur Wassermann war früher Fidelite und er reaktivierte die „Marchia“, die bereits eingegangen war. Er war auch in hervorragender Weise bei der Gründung der deutschliberalen Lesehalle betätigt und betonte unter dem Hohngelächter der Arier mit Emphase sein Deutschtum. Sein Bruder Dr. med. Wassermann a. H. der Fidelitas ist ebenfalls getauft. N. N. Briefkasten. J. Z. Sammelstelle in Deutschland: M. Wollsteiner, Charlottenburg, Sybelstraße 50 in Rußland: Dr. E. W. Tshhlenow, Moskau, Mjasnitzkaja, Juschkow per Haus „Rossija“. H. M. Frank, Wien: Wir bestätigen Ihre Mitteilung, daß der in der „Oesterreichischen Wochenschrift“ erhehienene Artikel „Tempel oder Rathaus“ nicht von Ihnen stammt. Liste der Ueberläufer. (Vom 5. Mai bis 12. Mai 1909.) Oskar Fried, 1879, Wien, Privatbeamter, Charlottenburg. Dr. Paul Ernst, 1885, Wien, ledig, k. k. Supplent, I., Gonzagagasse 21. Friederike Fantl geb. Großmann, 1874, Wien, geschieden, Private, I., Schönlatemgasse 13. Felix Neftel, 1865, Glogau, ledig, Fabriksdirektor, IV., Mittersteig 13. Hans Schulhof, 1884, Krakau, ledig, IX., Fuchsthalergasse 12. Alfons Feigl, 1870, Urfahr, ledig, VI., Theobaldgasse 16. Janos Steiner, 1884, Budapest, ledig, Bankbeamter, IV., Johann-Straußgasse 34.'

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