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Jüdische Zeitung · 1909-05-07 · 19 (7.5.1909) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
19 (7.5.1909)
Date
1909-05-07
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 19 Da die Baugründe in der Leopoldstadt billigersind als in der Inneren Stadt, könnte der Kultusvorstand durch Veräußerung der in der Seitenstettengasse entbehrlichen Baulichkeiten, welche durch die bevorstehende Durchführung des Fleischmarktes bis zur Sterngasse an Wert noch bedeutend steigen werden, sich zumindest einen Teil der nötigen Baukosten verschaffen; der Rest wäre, etwa durch eine Lotterie, spielend hereinzubringen. Im Zusammenhänge mit dem Bau eines jüdischen Rathauses sollte der Kultusvorstand auch die Frage der Errichtung oder Verwendung von Wohnhäusern für seine Beamten nicht aus dem Auge lassen, wenn nicht schon aus Rücksicht für die Beamtenschaft, so doch zur-Einleitung einer planmäßigen Politik zwecks Massierung der judenschaft; denn dieserart ließen sich jüdische Mandate für die öffentlichen Vertretungskörper sichern oder gar neugewinnen. Hoffentlich findet im Laufe des nächsten Dezenniums wieder eine öffentliche Sitzung unseres Kultusvorstandes statt, die sich mit diesen brennenden Fragen befaßt. Dr. Egon Zweig. Budapester Brief. Von unserem Korrespondenten. Ungarn ist wieder in eine politische Krise geraten. Das sogenannte „große“ Ministerium muß nun nach einer dreijährigen „segenvollen“ Tätigkeit das Feld räumen und kein Hahn wird nach ihm krähen. Welch Unterschied zwischen dem Anfänge und Ende seiner Herrschaft! Als es zum Ruder gelangte, da frohlockte das ganze Land, mit ihm natürlich auch die J u d e n, die besonders viel von der neuen Regierung erwarteten. Es sollte sogar(!) ein jüdischer Staatssekretär ernannt werden! Doch je höher die Erwartungen stiegen, desto niederschmetternder wirkten die Enttäuschungen, denn bittere Enttäuschungen wurden den Juden, die sich durch Versprechen blenden ließen, zuteil. Jetzt ist es ruhig im Lande. Jeder sieht indifferent dem Falle der Regierung zu. Von der Nichternennung eines jüdischen Staatssekretärs ganz abgesehen, trug das ganze Wirken des „großen“ Ministeriums einen ausgesprochen judenfeindlichen Charakter, den liberale Redefloskeln nicht zu mildern vermochten. Der Geist des Jesuitenzöglings A p p o n y i kam in jeder Tat der Regierung zur Geltung. Die Tätigkeit der jüdischen Schulen wurde unterbunden, es wurde keinjude zum Professor ernannt,unzählige jüdische Kandidaten waren gezwungen, sich Taufscheine zu verschaffen, Statuten vieler jüdischer Gemeinden wurden abgewiesen, ein einseitiges Steuergesetz zu Lasten der jüdischen Merkantilisten geschaffen usw. Fast unendlich lang ist das Sündenregister, welches dem großen Ministerium vorzuhalten ist Auch der Antisemitismus hat sich nur unter dem Schutzmantel der Regierung in solchem Maße entwickeln können, daß er sich jetzt auf allen Gebieten des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens eine starke Position erworben hat. Man möge nur die „Kinoth“ in den Assimilantenblättern über die gegenwärtige Lage der Juden in Ungarn lesen, in jenen selben Blättern, welche den Zionisten gegenüber das Vorhandensein der Judenfrage leugnen! Die ungarischen Juden sehen jetzt mit gemischten Gefühlen der Zukunft entgegen. Die sich in allen Kreisen immer fühlbarer machende judenfeindliche Stimmung läßt nichts gutes hoffen. Ein enger Zusammenschluß der ungarländischen Juden ist dringend notwnndig, sei es auch nur in Form eines Gemeindebundes. Die Einberufung eines Gern e i ndetages ist ein langgehegter Wunsch der ungarländischen Judenschaft, nur hat die Regierung ihre ganze Macht aufgeboten, um dieses Vorhaben zu vereiteln. Auch dem gerechten Wunsche der ungarischen Zionisten nach Genehmigung der Statuten der Landesorganisation wäre Rechnung getragen worden. In aller Herren Länder wurden die Statuten der zionistischen Vereine seitens der Regierungen approbiert, nur die ungarische Regierung hatte sich bisher — unterstützt von den „führenden“ jüdischen Kreisen — vor dieser Forderung hermetisch verschlossen. Was immer die Zukunft bringen mag, die Juden müssen auf der Hut sein. B. Parteinachrichten. i Schekelagitation. Der zionistische Zentralverein hat die Leitung der Arbeiten für die Schekelagitation in Wien in die Hand genommen und dieselben in folgender Form organisiert Es wurde die Kreiseinteilung der Kultüsgemeinde übernommen und haben sich zur Bearbeitung derselben fünf Arbeitsgruppen konstituiert. 1. (Innere Stadj) Unitas, Theodor Herzl, Zionistischer Zentralverein. 2. (Leopoldstadt, Brigittenau), Ivria, BarKochba, Bar Giora, Jordania, Ness Zionah. 3. (Landstraße, Simmering) Makkabäa. 4. (Wieden, Margareten, Favoriten) Zephira. 5. (Mariahilf, Nfeubau) Kadimah, Verein für die westlichen Bezirke. : 6. (Josefstadt, Alsergrund) Ivria, Bar Kochba, Bar Giora, Jordania,,Ness Zionah. 7. (Meidling, Hietzing, Rudolfsheim, Fünfhaus) Kadimah, westliche Bezirke. 8. (Ottakring, Hernals) Theodor Herzl, Unitas, Zionistischer Zentralverein. 9. (Währing, Döbling) Theodor Herzl, Unitas, Zionistischer Zentralverein. I. Arbeitsgruppe: Ivria, Bar Bochba, Bar Giora, Jordania, Ness Zionali, II, XX, VIII, IX, Gruppenleiter Emil Kafka, Wipn IX. II. Arbeitsgruppe: Kadimah, Verein westliche Bezirke (VI, VII, XII, i XIII, XIV, XV) Gruppenleiter Emil Kugel, Wien IX: III. Arbeitsgruppe: Makkabäa, (III, XI), Gruppenleiter Otto Almoslino,! Wien- III. IV. Arbeitsgruppe: Zephira IV, V,X), Gruppenleiter Kand. jur. Grünspann, Wien IX. V. Arbeitsgruppe: Unitas, Theodor Herzl, Zionistischer Zentralverein I, XVI—XIX, Gruppenleiter Samuel Strauß, XVIII, Theresiengasse 10. Alle Zuschriften - in Angelegenheit der Schekelorganisation, soweit sie Wien betreffen, sind an den -Zionistischen Zentralverein, IX-> Türkenstraße 9, zu richten. « * Aufruf der Poale Zion. Die jüdische soiialistische Partei Poale-Zion Oesterreichs veröffentlicht im „Jüdischen Arbeiter“ einen Schekelaufruf, dem wir folgende Stellen entnehmen: „Unter dem Sturm der Wogen der Revolution wird der neue Zionistenkongreß zusammentreten. Er wird eine Illusion endgültig zerstören müssen, die wir schon jahrelang bekämpfen: den Irrwahn politisierender Schwärmer, daß man den Zionismus mit Hilfe der Mächte gegen die Türkei verwirklichen könne. Unser Grundsatz muß sich durchsetzen — ohne die Mächte, wenn nötig, gegen die Mächte und mit den nach Freiheit ringenden Völkern des ottomanischen Reiches. Der Zionismus ist kein Problem diplomatischer Verhandlungen, auch nicht mit Parteien und Volksvertretern. Der Zionismus ist ein soziales Problem der Verbindung arbeitsloser, proletarischer Massen, mit einem unbesiedeltep Lande. Wir werden von den Kongreßparteien verlangen, daß sie keine einseitige Politik zugunsten der Besitzenden treiben. Die jüdischen Einwanderer, die nichts als ihre Arbeitskraft besitzen, müssen die Möglichkeit haben, sich den Arbeitsplatz in der aufstrebenden Industrie zu sichern und das Land sls freie Erdbebauer zu besetzen. Wir werden daher dem Vorschlag entgegentreten, den jüdischen Nationalfond in eine Kreditanstalt zum Bodenkauf für einzelne zu verwandeln. Der Nationalfonds muß Volksschatz bleiben zum Bodenkauf für diejenigen, die besitzlos und nicht kreditfähig sind. Der Boden des Nationalfonds muß Volkseigentum bleiben. Der kollektive Bodenbesitz bedingt aber die kollektive Bewirtschaftung. Wir werden vom neunten Kongreß nachdrücklich verlangen, daß der Vorschlag der Besiedelung Palästinas durch Arbeiter-Produktivgenossenschaften durchgeführt werden soll. Denn nur auf diesem Wege kann den jüdischen Arbeitern der Zutritt zur Landwirtschaft ermöglicht werden.“ Palästina. Jüdische Einwanderung nach Palästina im zweiten Halbjahr 1908. Das Chowewe-zionistische Odessaer Komitee veröffentlicht statistische Angaben über die Immigration von Juden nach Palästina, die sich um Informationen an das Odessaer Informationsbureau. gewandt haben. Es begaben sich nach Palästina: im Juli.195 Juden „ August.371 „ „ September .... 126 „ „ Oktober ..... 139 „ „ November .... 329 „ „ Dezember . . . .116 , insges. i. zw. Halbj. 1908 1173 Juden Im ersten Halbjahr 1908 waren es 924, im verflossenen Jahre, also insgesamt 2097 (gegen 1746im Jahre 1907). Dem Alter nach waren die Emigranten: unter 15 Jahre alt . . . 224 Personen 15—30 „ „ ... 350 n 30-50 „ „ , , .233 » über 50 „ „ . . .366 n Von den Fragenden stammten: aus dem Kaukasus. 48' „ Buchara. 31 „ Polen.223 „ Litauen .-.428 „ Südrußland.340 „ den Gouvernements außerhalb des Ansiedlungsrayons . 29 „ Palästina (Rückwanderer).. 68- „ anderen Ländern außerhalb Rußlands . . 6- Als Grund für ihre Reise gaben an: dauernde Ansiedlung in Palästina . . 784 Verleben der letzten Tage „ „ . . 272 zeitweiligen Aufenthalt „ „ . . 52 Besuch einer Schule „ „ . . 51 Krankheit „ „ . . 14 Als'Reiseziel gaben an:“ .. Jerusalem.470 Jaffa.476 Kolonien.129 Haifa.36 Beirut ....... 38 Saffed und Tiberias . 24 Auskunft über ihre Vermögensverhältnisse erteilten nur 293 Personen; von diesen besaßen: ein Kapital von 100 bis 1000 Rubel. 178 „ „ „ 1000 „ 3000 Rubel . 56 „ „ „ 3000 „ 10000 „ . 38 „ „ „ mehr als 10000 „ . 21 Das gesamte Kapital dieser 293 Emigranten betrug 1,115.300 Rubel. Von 483 Fragestellern, die ihren Beruf angegeben haben, waren: 216 Handwerker, Arbeiter, Landarbeiter, 183 Handel- und Gewerbetreibende, 84 Angehörige liberaler Berufe. Vereinsu.Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Zionistischer Zentralverein.) Dienstag den 11. Mai präzise 8 Uhr findet im Saale IX., Türkenstraße 9, eine Schekelversammlung statt, zu welcher sämtliche Schekelblock-Besitzer und Schekelzahler eingeladen sind. Tagesordnung: Bericht der Gruppenleiter über den Stand der Schekelagitation in ihrem Bezirke. Wien. (Zionistischer Zentralverein, IX.,-Türkenstraße 9.) Der Lesesaal ist täglich von 9—12 und von 3—8 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9—12 Uhr geöffnet. Es liegen sämtliche bedeutende hebräische und Jargon-Zeitungen auf und werden Sub-Abonnenten gesucht, und zwar: auf den Hed Hasman, Haboker, Ha Olam, Hazroi, Hapoil Hazoir, Unser Leben, Lemberger Tagblatt, Neue Freie Presse, Neues Wiener Tagblatt, Arbeiter Zeitung. Wir fordern die Wiendr Gesinnungsgenossen auf den Lesesaal möglichst zahlreich zu frequentieren. Wien. Die 36. Generalversammlung der „Israelitischen Allianz zu Wien“ findet am Donnerstag, den 13. Mai um 6 Uhr abends im Saale der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seiten-

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