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Jüdische Zeitung · 1909-04-30 · 18 (30.4.1909) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
18 (30.4.1909)
Date
1909-04-30
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG. Nr. 18 und die Spekulation gesetzt, zwei Faktoren, die mit Zuhilfenahme der Unterpacht den freien Arbeitsvertrag aufgehoben und die Hörigkeit des Kleinbauern begründet haben. Die spekulierenden jüdischen Gutspächter wälzen nämlich das Risiko von Mißernten in der Weise ab, daß sie größere Gutsteile von Kleinbauern bedungen, beackern und besäen lassen und denselben als Lohn für ihre Mühewaltung ein Drittel des Ertrages überlassen. Arbeitslöhne werden so gespart und alle Gefahren des Wetters und der Jahreszeit auf die Kleinbauern abgewälzt, die für den Fall einer Dürre oder zu reichlicher Regenmengen nicht nur ihrer Sämereien verlustig gehen, sondern auch ihre Arbeitszeit in fremdem Interesse nutzlos vergeuden. Aber auch wenn alle Hoffnungen auf den Ertrag erfüllt werden, bedeutet es eine fürchterliche Ausbeutung, daß es auf den Bauer nur ein Drittel des Ertrages fällt, das ihm noch dazu gewöhnlich gegen eine kleine Barzahlung „abgekauft“ wird. Die willkürliche Behandlung der Juden durch die Regierung ruft in den unwissenden, durch Alkohol und Pellagra zum Teil entnervten Bauern den Glauben hervor, daß eine gewaltsame Erhebung gegen die jüdischen Latifundienbesitzer, die im letzten Grunde doch nur das Produkt demoralisierenden Entrechtung sind, ihnen etwas nützen kann. Und ihr Elend treibt sie immer zu neuen Revolten, die dann von der Regierung zum Nutzen der Großgrundbesitzer im Blute erstickt werden. Jede neue Niederlage der Bauern bedeutet dann natürlich vermehrtes Elend und gesteigerte Ausbeutung. Nur eine vollständige Aenderung des ganzen Systems kann die Bauernunruhen verhindern. Vereinsu.Versammlungs- Nachrichten. Voranzeige. Wien. (Zionistischer Zentralverein.) Dienstag den 4. Mai präzise 8 Uhr findet im Saale, IX., Türkenstraße 9, eine Schekelversammlung statt, zu welcher sämtliche Schekelblock-Besitzer und Schekelzahler eingeladen sind. Tagesordnung: Bericht der Gruppenleiter über den Stand der Schekelagitation in ihrem Bezirke. Wien. (Zionistischer Zentralverein, IX., Türkenstraße 9.) Der Lesesaal ist täglich von 9—12 und von 3—8 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9—12 Uhr geöffnet. Es liegen sämtliche bedeutende hebräische und Jargon-Zeitungen auf und werden Sub-Abonnenten gesucht, und zwar: auf den Hed Hasman, Haboker, Ha Olam, Hazroi, Hapoil Hazoir, Unser Leben, Lemberger Tagblatt, Neue Freie Presse, Neues Wiener Tagblatt, Arbeiter Zeitung. Wir fordern die Wiener Gesinnungsgenossen auf den Lesesaal möglichst zahlreich zu frequentieren. Wien. (Verein jüdisch, jugendlicher Arbeiter). Samstag den 1. Mai findet in den Sälen des Cafe Concordia, I., Concordiaplatz—Salzgiies, eine Maifeier statt. Das Programm des Abends ist äußerst reichhaltig und haben folgende Kunstkräfte freundlichst zugesagt: Frl. N. Landesmann, Klaviervirtuosin, Frl. Else Neumann, Schauspielerin, Frl. Ida Rebsch, Soubrette, Frl. Lotte Rubin, Konzertsängerin, weiters die Herren: Regisseur Egon Brecher, Nikolaus Zadry, Violinvirtuose und Fritz Wiesenthal, Gesangshumorist. Die Festrede hält Gen. Kaplansky- Kaplan. Beginn präzise 8 Uhr abends. Entree 50 ’h. Berichte. Prag. (Festabend der Freien zionistischen Vereinigung für Böhmen.) Im Palace-Hotel fand am 17. April der Festabend der freien zionistischen Vereinigung statt. Es war ein gelungener Abend, sowohl was den Besuch als das Programm anlangt. Nach der Begrüßung durch Herrn Löwy spielte die junge Violoncellistin Fräulein Zlata Swerdloff in glänzender Weise die Bercense von Godard, ihre Schwester Fräulein Sarime Swerdloff ließ sich mit einer sehr schönen und sympathischen Stimme hören und ihr Bruder Lazar spielte mit virtuoser Technik Bruchs Kolnidre. Die so bedeutend begabten Geschwister fanden stürmischen Beifall. Lebhaften Beifall fand auch Fräulein Grete K a ni i n s k y und Herr Oskar Kaminsky mit Gesangsrespektive Rezitationsvorträgen. Zum Schluß sprach Herr Professor Engel über die jüdische Kunst und begleitete seinen Vortrag durch die Vorführung von Lichtbildern, die Reproduktionen von Bildern darstellen. Prag. Davis Trietsch:Ueber die Lage im Orient und den Zionismus. Am 24. April 1909 sprach Davis Trietsch als Gast des Vereines der jüdischen Hochschüler Bar Kochba und des jüdischen Volksvereines über die Lage im Orient und den Zionismus. Er erörterte die Haltung der Türkei zu den Juden, die dort stets ein Asylland fanden, besprach die jetzige Gliederung der Juden in der Türkei und besonders die Kolonisierung Palästinas. Er stellte als jenen Weg, der am schnellsten, sichersten und billigsten zur Erzielung einer jüdischen Majorität in Palästina führen, die Industriealisierung dar, besonders die Kunst- und Heimindustrie in Verbindung mit der Gartenstadt. Auf diesem Wege sei auch der Uebergang zur Landwirtschaft leicht. Daß Palästina das einzige Land, das als Einwanderungsland der Zukunft in Betracht komme, sei, hat das Schicksal der Ito bewiesen und die erfreuliche Annäherung der Alliance und des Hilfsvereins der deutschen Juden an unsere Idee. Lebhafter Beifall dankte den interessanten Ausführungen des Vortragenden. Nach der Vorführung einer Reihe von Palästinalichtbildem fand im Prunksaal des Hotels Zentral unter Leitung des Obmanns des Vereins Bar Kochba eine höchst informative Debatte statt, an der sich die Gesinnungsgenossen Herren Professor Wertheimer, Dr. Kuh, Obmann des böhmischen Distriktskomitees, Lebenhart, J. U. C. Hemheiser und phil. cand. Kellner (Bar Kochba) beteiligten. Herr Gesinnungsgenosse Trietsch beantwortete alle Anfragen. Gerade bei dieser Gelegenheit fühlten die Prager Zionisten, wie nützlich, besonders im Kongreßjahr, eine Erörterung des schwebenden Problems in der Parteipresse wäre. — Der Abend war ein durchaus gelungener. Besonders erfreulich ist der seit einiger Zeit zu konstatierende Besuch zionistischer Veranstaltungen durchuns bisher fernstehende Kreise. Liste der Ueberläufer. (Vom 15. bis 28. April 1909.) Lydia Schwarz, 1886, Wien, ledig, Private, IV. Johann Straußgasse 45. Siegmund Wächter, 1871, Wien, ledig, Kaufmann, II. Praterstraße 25. Fanny Brock, 1883, Trebitsch, ledig, Friseurin, XX. Mathildengasse 4. Margarete Bondy, 1886, Neu-Bitschof (Böhmen, ledig, II. Obere Donaustraße 29. Mendel Haller, recte Vogel, 1884, Stanislau, ledig, Buchhalter, V. Schönbrunnerstraße 21. Anna Bondy, geb. Stein, 1861, Prag, geschieden, Private, IX. Porzellangasse 45. Max Kraksny, 1859, Wien, verheiratet, Bankdirektor, IX. Türkenstraße 15. Oskar Adler, 1889, Wien, Liesing, Wienerstraße 22. Alfons Landau, 1867, Lemberg, ledig, k. k. Hauptmann i. R., I. Kärntnerring 15. Margarete Tauss, 1889, Wien, ledig, Private, IX. Fluchtgasse 2. Hermine Enslein, geb. Großmann, 1854, verwitwet, Private, IX. Glasergasse 22. Ivan Schönberger, 1889, Wien, ledig, Studierender, VII. Mariahilferstraße 80. Julie Kassowitz, 1882, Wien, ledig, XVII. Geroldgasse 7. Benedikt Stark, 1888, Podgorze (Galizien), ledig, Zahntechnikergehilfe, IX., Löblichgasse 5. Hulda Kohn, 1890, Wien, ledig, Private, II. Lilienbrunngasse 7. Valerie Löwy, 1875, Floridsdorf, ledig, Private, XXL Störkgasse 6. Richard Wassermann, 1881, Trebitsch, ledig, Ingenieur, II. Darwingasse 37. Benci Veisz, 1880, Torka Vagas, Kom. Abany, ledig, Kleidermachergehilfe, V. Reinprechtsdorferstraße 47. Irene Spitzer, geb. Manuel, 1866, Brünn, verheiratet, Inspektorsgaltin, II. Kaiser josefstraße 36 Bela Imre Lukäcs, 1886, Szegedin, ledig, Jurist, XVIII. Rathstraße (Sanatorium Bleyer). Mitteilungen des Hauptbureaus des jüdischen Nationalfonds in Köln. Zu Max Nordaus sechzigstem Geburtstage. In der vorigen Nummer der „Welt“ gaben wir den Gesinnungsgenossen die Anregung, Max Nordau zu seinem Freudentage in der Weise zu ehren, daß recht viele zionistische Körperschaften und Einzelper sonen ihm aus diesem Anlasse ins Goldene Buch eintragen lassen sollten. Wir möchten heute diesen Vorschlag dahin präzisieren, daß wir uns die Ehrung des Jubilars als eine möglichst umfassende, einheitliche und imposante Kundgebung der zionistischen Weltbewegung denken, und es uns aus diesem'Grunde nicht angebracht erscheint, die geplante allgemeine Kundgebung in eine Reihe kleinerer Aktionen zu zersplittern. Es kann sich also unseres Erachtens hierbei nicht um verschiedene Eintragungen des Jubilars durch einzelne Vereine und Privatpersonen handeln, sondern um eine großzügige Eintragung, veranlaßt durch die organisierten Zionisten aller Länder. Dementsprechend richten wir hierdurch an sämtliche Landessammelstellen und lokalen Kommissionen des jüdischen Nationalfonds die Bitte, Spenden für die Eintragung Max Nordaus durch die zionistische Weltorganisation zu veranlassen. Diese Spenden sollen in den Publikationsorganen der Sammelstellen in einer separaten Rubrik ausgewiesen und die in den verschiedenen Ländern gestifteten Einzelbeträge zu einer Gesamteintragung vereinigt werden. Diese Spendenliste muß bis zum 1. Juli d. J. abgeschlossen sein. Die Nationalfondsverwaltung beabsichtigt, das Diplom dieser Eintragung dem Jubilar am Festtage zu überreichen und Duplikate hiervon allen denjenigen Körperschaften und einzelnen Gesinnungsgenossen zur Verfügung zu stellen, welche zu dieser Eintragung mindestens L 5.-, Mk. 100.—, Kr. 120.—, Ro. 50.—, Frcs. 125.— usw. beigetragen haben, während sonst zu einer Eintragung K 240 nötig sind. Wir sind überzeugt, daß die Gesinnungsgenossen allenthalben freudig die Gelegenheit ergreifen werden, um die Gefühle der hohen Wertschätzung und herzlichen Dankbarkeit, die uns alle dem verehrten Jubilar gegenüber beseelen, in möglichst imposanter Weise an den Tag zu legen. Es steht demnach zu erwarten, daß die Sammlungen zur Eintragung Max Nordaus ins Goldene Buch des jüdischen Nationalfonds einen der Bedeutung und Würde des. Anlasses entsprechenden Umfang annehmen, und auch durch die außerordentliche Höhe des Erträgnisses den Charakter einer großen nationalen Ehrenbezeugung erlangen werden. Ich gratuliere herzlichst meiner Kusine Frl.. Zäzilic Tauber zu Ihrer Verlobung mit Herrn Schiffer, Falkenau und Herrn Pinkas Wagner, Stulpikany zur Verlobung mtt Frl. Gusta Kohn,. Sereth. Leiser S c h a p i r a, Ostra, Post Stulpikany..

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