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Jüdische Zeitung · 1909-04-23 · 17 (23.4.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
17 (23.4.1909)
Date
1909-04-23
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 teilungen der Gesellschaft in Uman und Hornel zu gründen. Der neugewählte Vorstand, dem auch der Baron David Günzburg angehört, wurde beauftragt, die Möglichkeit einer eventuellen Erweiterung der Tätigkeit der Gesellschaft, die bisher nur einen philantropischen Unterstüfzungscharakter trug, zu prüfen. ♦ * * Die Oktobristen bekennen Farbe. Moskau. Es war schon längst kein Geheimnis, daß die Oktobristen, deren Parteibezeichnung eine bittere Ironie gegen ihr ganzes politisches Verhalten ist, verkappte Antisemiten sind. Sie haben jedoch nicht gewagt, dies offen zu bekennen. Jetzt scheinen sie aber dieZeit für gekommen zu halten, ihr wirkliches „Programm“ in bezug auf die Judenfrage kundzugeben. Ihr offizielles Organ „Glos Moskwi“ bespricht die bekannte Tschirikow-Asch-Affäre in einem langen, offenherzigen judenfeindlichen Artikel, in dem angeführt wird, daß die gegen die armen jüdischen Massen veranstalteten Pogrome ein „Irrtum“ wären: es müßten vielmehr Pogrome gegen die reichen und intelligenten Juden veranstaltet werden. Betreffs der jüdischen Gleichberechtigung bemerkt das Blatt, man könne eine solche den Juden nicht gewähren, so lange an ihrer Spitze ein Mann wie Winawer steht, ein Argument, das mit seiner rein persönlichen Note natürlich weder beweiskräftig noch widerlegbar ist und das nur eine dumme Ausflucht ist. Wenn man die leitende Rolle der Oktobristen in der dritten Duma bedenkt, so kann man sich leicht ein Urteil darüber bilden, was die Juden von dieser zu erwarten haben. Bisweilen handelt allerdings die Fraktion vernünftiger, als ihre Presse redet. * * * Einwanderung nach Palästina. Odessa. Wie das Odessaer Palästina-Komitee mitteilt, haben sich im Jahre 1908 2097 Juden via Odessa nach Palästina begeben, davon 1173 Personen in den letzten sechs Monaten des vorigen Jahres. Etwa 25% der Reisenden haben dem Komitee Angaben über ihre Vermögensverhältnisse gemacht, wonach sie zusammen ein Kapital von 1,115.300 Rubel nach Palästina mitführten. Von den in der zweiten Hälfte des vorigen Jahres nach Palästina Reisenden beabsichtigten 784 Personen, sich dauernd als Kolonisten in Palästina niederzulassen; 272 — dort ihre letzten Lebensjahre zuzubringen 51 — Schulen daselbst zu besuchen; 52 — nur zeitweiligen Aufenthalt dort zu nehmen; 14 Personen suchten Heilung im palästinischen Klima. Unter den Hinfahrenden waren 31 Juden aus Buchara und 48 aus .Kaukasien, die meist Erdarbeiter waren. * * ♦ Der Selbstbeherrscher von Odessa. Odessa. Ein charakteristischer Fall: Ein Soldat wurde von einem elektrischen Straßenbahnwagen überfahren. Eine eingehende Untersuchung ergab, daß den Wagenführer keine Schuld treffe. Trotzdem wurde dieser auf Befehl des Stadthauptmannes Tolmatschew verhaftet. Auf eine Anfrage der Straßenbahngesellschaft, weshalb der Wagenführer — der seit 18 Jahren in ihrem Dienste steht .niemals den kleinsten Unfall verschuldet hat, und Vater von acht Kindern ist — verhaftet worden ist, antwortete Tolmatschew lakonisch: „So will ich’s — er ist Jude“ — --- — * * * Teilnahme der Juden von Saloniki am Marsche auf Konstantinopel. Saloniki. Die Juden Salonikis, an denen die türkische Freiheitsbewegung schon in ihren Anfängen verläßliche Stützen gefunden hat, zeigen sich . auch in diesen für die Sache des Jungtürkentums so kritischen Tagen des Vertrauens, das die türkische Fortschrittspartei in die Juden des Landes gesetzt hat, für würdig. Die Begeisterung der hiesigen jüdischen Gemeinde hat bereits in opferwilligen Sammlungen für die im Felde stehenden Freiwilligen konkreten Ausdruck gefunden, und die jüdische Jungmannschaft stellt sich, froh des neuen Rechtes mit der Waffe für das Vaterland eintreten zu dürfen, in Massen an den Sammelplätzen der Freiwilligenkorps ein. Bekanntlich macht die jüdische Gemeinde von Saloniki über die Hälfte der gesamten Einwohnerschaft aus. * * * Neue hebräische Zeitung in der Türkei. Saloniki. Die spaniolische Zeitung „La Libertad“ in Saloniki teilt mit, daß sie demnächst eine hebräische Wochenschrift herausgeben wird. Urheber des Planes ist Großrabbiner Jacob MeTr, der auch seine ständige Mitarbeiterschaft versprochen hat. Die Zeitung soll der Behandlung aller jüdischen Fragen gewidmet sein und eine nationale Tendenz verfolgen. Die Freunde der Verbreitung der hebräischen Sprache außerhalb der Türkei würden durch Abonnierung der Zeitung der nationalen Sache einen guten Dienst erweisen. — Hebräische Zeitungen erscheinen in der Türkei außerhalb Palästinas bisher nicht. In Jerusalem erscheinen in hebräischer Sprache die Tages-, bezw. Halbwochenblätter „Hazewi“ und „Habazeleth“. Die anderen jüdischen Zeitungen der Türkei erscheinen zumeist in dem spaniolischen Dialekt, den die ehemals spanischen (sephardischen) Juden sprechen und der mit hebräischen Buchstaben geschrieben wird, ebenso wie der deutsch-jüdische Dialekt der russisch-polnischen Juden. * * * Türkische Toleranz. Konstantinopel. Wie alljährlich, hat auch diesmal die Hohe Pforte dem schönen Brauch einer Sonderspende an die verschiedenen Glaubensgemeinden aus Anlaß des religiösen Frühjahrsfestes Folge gegeben. So ist dem Großrabbinate dieser Tage die Summe von 250 türkischen Pfund (die griechische Kirche erhielt 600, die armenische 400) für die Armen der Gemeinde überwiesen worden. Bei der allgemeinen ökonomischen Notlage, die trotz der Freiheit nicht so schnell schwinden will, bedeutet die Spende einen recht fühlbaren Zuschuß zu den Mazzo (Osterbrot)-Sammlungen, die in den letzten Wochen nach jüdischer Sitte mit fieberhaftem Eifer veranstaltet wurden. * * ♦ Pachtung der heißen Quellen bei Tiberias. Jaffa. Die heißen Schwefelquellen bei Tiberias, die wegen ihrer großen Heilwirkung bei Rheumatismus und Hautleiden seit dem Altertum berühmt sind und in jedem Jahr von vielen Tausenden aus Syrien und Palästina besucht werden, sind in diesem Jahre auf die Initiative des Palästina-Industrie- Sy ndikats von Juden aus Tiberias gepachtet worden. Es wird dafür Sorge getragen werden, daß die Bäder, die unter dem bisherigen arabischen Pächter für europäische Ansprüche an Sauberkeit und Bequemlichkeit fast alles zu wünschen übrig ließen, in einen besseren Zustand kommen und allen Ansprüchen an Reinlichkeit und Bequemlichkeit genügen. Es ist zu hoffen, daß hierdurch nicht nur die Juden in Palästina und Syrien in verstärktem Maße von der Heilkraft der Bäder Gebrauch machen, sondern daß auch Juden von Europa die Bäder besuchen werden, die den Bädern von Aachen in der Heilwirkung ebenbürtig sein sollen. Die Bäder liegen landschaftlich sehr reizvoll und sind mit der Bahn von Haifa in 4—5 Stunden zu erreichen. Parteinachrichten. Konferenz der galizischen N.-F.-Kommissäre. Ueber Einladung der österreichischen Sammelst edle und des galizischen Zentralkomitees traten am 18. April 1909 anläßlich der galizischen Parteikonferenz zirka 30 N.-F.-Kommissäre in Lemberg zusammen. Den Vorsitz führte Dr. Schreiber — Lemberg. Dr. Egon Zweig; Leiter der Wiener Sammelstelle, erstattete einen ausführlichen Tätigkeitsbericht. Darnach sind in Oesterreich die Eingänge für den N.-F. und die Oelbaumspende seit Gründung dieser Institutionen beständig in raschem Aufstieg, insbesondere seit der im September 1907 erfolgten Einsetzung der Wiener Landessammelstelle und der im Juni 1908 erfolgten Vereinbarung mit den galizischen Zionisten, wonach sämtliche N.-F.-Spenden aus Galizien nach Wien abzuführen, jedoch neben der „Jüdischen Zeitung“ zugleich im „Wschod“ und im „Jüdischen Tagblatt“ auszuweisen sind. Dr. Zweig polemisierte gegen die von einigen Lemberger Gesinnungsgenossen aufgegriffene Idee, eine unabhängige Sammelstelle für Galizien zu errichten, und zwar aus prinzipiellen Gründen, um wenigstens auf diesem Gebiet in Oesterreich den Zusammenhang zwischen Ost- und Westjuden zu erhalten und 2. aus finanziell-technischen Gründen, um die Kosten der N.-F.-Verwaltung nicht zu erhöhen. Letzteres Argument wurde von Nathan Groß, dem Delegaten des N.-F.-Hauptbureaus in Köln, mit großem Nachdruck unterstützt und eine ganze Anzahl von N.F.-Kommissüren aus der Provinz sprachen sich unter wärmster Anerkennung für die bisherige Arbeit der Wiener Sammelstelle gegen jede Einschränkung ihres Tätigkeitsbereiches aus, verlangten vielmehr, daß die Ortskommission künftig ihre Gelder nach Wien stets direkt und n i c h t e r s t auf dem Umwege über die Distriktskommissäre abliefere Aus der Fülle der Anregungen, welche die weitere Diskussion ergab, seien hervorgehoben eine Resolution an das Kölner Hauptbureau, welches bei Anerkennung der schönen 5 h-Herzl-Marke aufgefordert wird, in Hinblick auf die Armut Galiziens eine neue 2 h-N.-F.-M a r k e auszugeben und die bisherige 2 h-Marke auf 1 h zu reduzieren, ferner die Anregung, ein genaues Reglement für die Ein- und Absetzung der N.-F.-Kommissäre, ferner eine erschöpfende Broschüre über den N.-F. im Jargon auszuarbeiten und insbesondere die in Galizien populärste Institution der Sammelbüchsen mit Tatkraft auszubauen. Allseits zeigte sich ein reger Eifer, die Eingänge für dnn N.-F., welche im letzten Jahre aus Galizien zirka 30.000 Kronen betrugen, möglichst bald auf die Höhe der Jahreseingänge von über 400.000 K, welche die Chaluka aus Galizien bezieht, zu bringen. Mit diesem festen V o r s a t z verabschiedeten sich die Konferenzteilnehmer. * * * Konferenz des hebräischen Schulkomitees. (Von unserem Spezialkorrespondenten.) Zu gleicher Zeit mit der galizischen Landeskonferenz fand in Lemberg eine Konferenz des hebräischen Schulkomitees in Galizien statt. Die Konferenz war von Delegierten der einzelnen Schulvereine beschickt. Sie wurde von Gg. Salomon Schiller, der in einer Begrüßungsansprache die Bedeutung der nationalen Erziehung der jüdischen Jugend hervorhob, eröffnet. Nach einer weiteren Ansprache des Gg. Dr. O. Thon (Krakau) erstattete Gg. Rafael Sofermann, der Organisator der meisten hebräischen Schulen in Galizien, das Referat über „die Lage der hebräischen Schulen“. Aus demselben ging hervor, daß 24 von 2126 Schülern besuchte Schulen und 43 Lehrer im Verbände organisiert sind. Er beleuchtete die Verhältnisse der Schulen und kam zu dem Schlüsse, daß die hebräischen Schulen nicht auf rein zionistischer, sondern auf allgemein nationaler Basis begründet werden und die Statuten des Lehrerverbandes geändert werden müssen. Der zweite Referent Herr Ben-D a w i d referierte über die Gründung eines hebräischen Schulvereines. Die Entwicklung des jüdischen Lebens in Galizien macht einen solchen Schulverein zur absoluten Notwendigkeit. Die Aufgabe des Schulvereines soll die Schaffung eines einheitlichen Lehr- und Erziehungsplanes, die Förderung der hebräischen Schulen und die Einflußnahme auf den Lehrerverband und die jüdische Bevölkerung sein. Nach einer längeren Debatte wurde über Anträg des Gg. Sch i 11er im Prinzipe beschlossen, einen hebräischen Schulverein in Galizien zu begründen. Montag den 19. wurde das vom Vorbereitungskomite vorgelegte Statut des hebräischen Schulvereines genehmigt und Herr S. Sch i 11 e r zum Obmann des Vereines gewählt. * . * Die zweite Konferenz der jugendlichen Arbeiter. Am 12. und 13. fand in Lemberg die zweite Konferenz der jugendlichen Arbeiter Oesterreichs statt. Es erschienen 28 Delegierte aus 10 Orten. Der Verlauf der Konferenz war würdig und ernst. Von den wichtigen Referaten seien die folgenden erwähnt: „Stellung zu den jüdischen Arbeiterorganisationen und zur internationalen Jugendbewegung“, „Oekonomische und kulturelle Aufgaben der jugendlichen Arbeiterorganisation“, Agitation und

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