Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 17 (23.4.1909)
- Date
- 1909-04-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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]üöische Zeitung Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. SprechstnmLei täglich m 11—12 Ohr vormittags Mi 4—5 Uhr nachmittags. Erscheint jedep Freitag. Verkaufsstellen in WIEN: Administration, IX., Liechtensteinstr. 11/ Zeitungsbureau Goldschmjedt, I., Wollzeile 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Abonnementspreise: ln Oesterreich - Ungarn: Ganzjähr. K 10*— halbjähr. K 5'-, Vierteljahr. K 3 — In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10*— halbjähr. Mk. 5 —, Vierteljahr. Mk. 3 — Manuskripte werden nicht zurQckgesteiit. Iniübrigen Ausland ganzj. Frcs. 15* — Vertretungen in der Provinz: In Brünn: Zeitungsbureau, Ferdinandsgasse. — In Prag: Zeitungsverpchleiß Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Buchstab. Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 17. Wien, Freitag den 23. April 1909. III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Der Zusammenbruch der „Ito“. Zur Eröffnungdes österreichischen Abgeordnetenhauses. Syczinski. — Wir gratulieren. — Eine kleine Reminiszenz. Die VIII. galizische Landeskonferenz in Lemberg. Nochmals der jüdische Kolonisationsverein in Wien. Die Rechtslage der Juden in Finnland. Aus dem jüdischen Leben. Seitenstetten. Gedicht von BEDA. Feuilleton: Die Juden in China. Parteinachrichten. Palästina. Vereinsnachrichten. Ueberläufer. Jüdifche Volksgenoffen! Der Jüdische Nationalverein in Oesterreich", welcher ein Sammelpunkt volkstreuer Juden ist, fordert hiermit alle modern.-jüdiseh und modern - demokratisch gesinnten Volksgenossen in ganz Oesterreieh zum Beitritt auf. Jahresbeitrag 4 Kronen. Beitrittserklärungen sind zu richten an das Sekretariat Wien IX., Liechtensteinstraße 11. ABONNEMENTS-EINLADUNG. Wir laden zum Abonnement der „Jüdii sehen Zeitung“ ein. Die „Jüdische Zeitung“ kostet: vierteljährlich . . . K 3.— halbjährlich . . . . „ 5.— für 1 Jahr . , . . . „ 10.— Es ist Pflicht eines jeden Gesinnungsgenossen die „Jüdische Zeitung“ zu abonnieren und für ihre Verbreitung unablässig tätig zu sein. Adressen von Personen, an die mit Aussicht auf Erfolg Probenummem gesendet werden können, sind stets erwünscht. An unsere Abonnenten! Wir ersuchen unsere Abonnenten, deren Abonnement abgelaufen ist, um Ueberweisung der rückständigen Beträge, da sonst eine Unterbrechung in der Zusendung der „Jüdischen Zeitung“ eintreten müßte. Oie Verwaltung der „jüdischen Zeitung“, Gesellsch. m. b. H. Der Zusammenbruch der „Ito“. Die „Ito“ steht vor einer fürchterlichen Blamage. Vor kurzem ließ sie, wie wir bereits berichteten, verkünden, daß sie endlich das Land der jüdischen Zukunft entdeckt habe. Dieses sei in einem Gebiete zwischen Aegypten und Tripolis, namens Cyrenaica (Barka) gefunden worden. Der Bericht des Leiters der dorthin gesendeten Expedition schildere die glänzendsten Aussichten des Landstriches für eine jüdische Kolonisation. Nun ist dieser Bericht erschienen und straft diese Anzeige direkt Lügen. Der Expeditionsleiter, Professor Gregory von der Universität Glasgow, hält das Land für ungeeignet für eine größere Kolonisation. DerRat der „Ito“ hat es daraufhin abgeiehnt, sich mit diesem Projekte weiter zu befassen. Nicht nur über diese Tatsache, solidem vornehmlich über die sonderbare Art der Irreführung der Öffentlichkeit ist man in Kreisen der „Ito“ geradezu konsterniert. Man fragt sich vergebens warum Zangw i 11 zu einer Zeit, zu welcher er schon Kenntnis von dem ungünstigen Bericht haben mußte, der Oeffentlichkeit mit großer Emphase von den glänzenden Aussichten, welche dieser Bericht eröffne, Mitteilung mache. Dafür gibt es wohl nur eine Erklärung: Zangwill sieht endlich den völligen Zusammenbruch seiner Landsuchepolitik ein, und weiß aus Ver- FEUILLETON. Die Juden in China. Im Anschlüsse an den in der letzten Nummer erschienenen Artikel: „Ein chinesischer Jude“, wird es gewiß von Interesse sein, etwas näheres über die derzeit in China lebenden Juden zu erfahren. Ein genauer Kenner der derzeitigen Verhältnisse in China weiß darüber wie folgt zu berichten : China besitzt, wie bekannt, seit langem jüdische Siedlungen; aber den Zeitpunkt der jüdischen Einwanderung und die Veranlassung konnten bisher nicht in klarer Weise ermittelt werden. Die chinesischen Juden selbst sind der Ansicht, daß ihre Vorfahren in der Zeit der Han-Dynastie (die vom Jahre 206 vor Christi bis zum Jahre 25 nach Christi regierte) nach China eingewandert seien. Die ersten präzisen Berichte, die nach Europa kamen, stammen von tartarischen Reisenden im 9.Jahrhundert; später wird ihrer in den Berichten Marco Polos Erwähnung getan und im Jahre 1704 wurde ihre Siedlung von dem JesuitenGozani, der sie eingehend untersuchte, beschrieben. Sie waren in jener Zeit den Chinesen nicht etwa als Hebräer, sondern unter dem Namen „Die zweiflung nicht mehr, was er tun soll, um dieses Debacle zu maskieren. Für jeden objektiv Denkenden ist aber eine weitere Täuschung nicht mehr möglich, wie denn auch die großen englischen Tageszeitungen in dürren Worten von dem Zusammenbruch der „Ito“ sprechen. Dieser bleibt außer der Auflösung wohl nichts anderes übrig, m i t oder ohne Zangwill zum Palästinismus einzuschwenken. Ob Zangwill selbst soviel Größe aufbringen wird, seinen Fehler einzugestehen und wieder zum zionistischen Herd zurückzukehren, wird die Zukunft lehren. So bedauerlich uns Zionisten auch das ganze Intermezzo der „Ito“ gewesen sein mag, so hat es doch auch einen Nutzen gehabt: In so viel Köpfen spukte die Idee, es gäbe für die jüdische Kolonisation ein geeigneteres Land als Palästina. Die gründliche Landsuche der „Ito“, welcher große Mittel iür Expeditionen zur Verfügung stehen, hat endgiltig bewiesen, daß es außerhalb Palästina keinen Fleck Erde gibt, wo eine jüdische autonome Siedlung ins Werk gesetzt werden könnte. Was wir stets behauptet und als Axiom aufgestellt haben, ist nun empirisch und für immer bewiesen. Der Zusammenbruch der „Ito“ bringt aber auch alle jene großen „Politiker“ in unseren Reihen zum Schweigen, die noch am achten Kongreß über die strenge Scheidung von Zangwill weinten und eine »vergrößerte“ Plattform verlangten, auf welcher alle, auch die „Ito“, Platz hätte. Und das Sekte, welche die Halssehne auszieht“ (nach den bei ihnen üblichen Schlachtgebräuchen) bekannt. Ihre Hauptsiedlung lag in der Stadt Kaifung in Mittelchina, und ihre Zahl betrug einige Tausend. Sie besaßen eine Synagoge, in welcher sie sich jeden Sabbath zum Gebete versammelten und deren Tore, auf einer doppelten Säulenreihe ruhend, kunstvoll ausgestattet waren. In der Mitte des Raumes stand ein hoher Stuhl mit gesticktem Kissen, auf das die Thorarolle gelegt wurde, wenn der Rabbiner der Gemeinde vorlas. Der Stuhl wurde „Stuhl des Moses, genannt. Die Juden führten Gozani überall herum und ließen ihn selbst in das Tien-Tang, das heißt das „Haus des Himmels“, ein Gebäude an der Westseite des Tempels nach Jerusalem zu, eintreten. Dieser Raum war nur für den Rabbiner reserviert, niemand durfte ihn sonst betreten. Im Norden des Synagogenhofes wurden auf einem weiten Platze den geschlachteten Rindern unter Aufsicht eines Fachmannes die Halssehne ausgezogen. In der Nähe befand sich auch eine dem Ahnenkultus gewidmete Halle, in der die Juden nach chinesischer Art die Verstorbenen, Heiligen und Helden der Bibel verehrten; zweimal im Jahre, zur Zeit der Frühlings- Tag- und Nachtgleiche und im Herbst. In dieser Halle gab es bloß Tafeln mit den Namen der Helden, aber keine Bildnisse. Ein Kompromiß zwischen den Ideen des jüdischen Glaubens mit den religiösen