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Jüdische Zeitung · 1909-04-16 · 16 (16.4.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
16 (16.4.1909)
Date
1909-04-16
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 16 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 Lisker, Wiesler, Brauner, Blatt, Roth, Halberstam samt Gemahlin und Schwiegermutter, letzterer für die wahrhaft mütterliche Fürsorge, dem Selbstbildungsverein der israelitischen Jugend in Dolna Tuzla für die uns gratis zugewiesenen Lokalitäten, der Israelitischen Kultusgemeinde und Orthodoxengemeinde Budapest; der israelitischen Kultusgemeinde Lemberg herzlichsten Dank und ein kräftiges Vergelt’s Gott! Für die israelitische Mannschaft Doina Tuzlas ■ (Bosnien): Adolf Braun, Josef Be res, Oberkanonier, Korp., 6/7 G.-A.-R. ' 15/SO I.-R. Angenehme Mitteilung. „Alles ist schon dagewesen“, sagt Rabbi Akiba, aber auch dieser alte Weise müßte an der Wahrheit seiner Worte irre werden, wenn er aufstände und einen Spaziergang in die weifen Verkaufsräume der Weltfirma Teppich- und Möbelhaus S. Schein, kaiseil. und königl. Hof- und Kammerlieferant, Wien, I., Bauernmarkt 12, unternehmen würde. Was da für billiges Geld geboten wird, kann mit Worten nicht gesagt werden, das muß man selbst gesehen und bewundert haben. Den reichillustrierten Katalog versendet die Firma Schein bei Bezugnahme auf die „Jüdische Zeitung“ kostenlos. Eine gediegene Wette. ln einer großen Gesellschaft wurde die Frage aufgeworfen, welches Geschäftshaus in Oesterreich am bekanntesten sei. Jeder schrieb den Namen auf den Zettel und als die Namen verlesen wurden, zeigte es sich, daß fast einstimmig das Welthaus Schein (Teppich- und Möbelhaus Schein, kaiserl. und königl. Höf- und Kammerlieferant, Wien, I., Bauernmarkt 12) genannt wurde. — Es sei mit Freude konstatiert, daß diese Weltfirma es verstanden hat, durch solide und preiswerte Lieferung und beispiellose Kulanz ihr Renommee selbst bis in das kleinste Nest dringen zu lassen und werden alle Gesinnungsgenossen im eigensten Interesse ersucht, nur bei dieser Firma einzukaufen. Der reichillustrierte Katalog wird bei Bezugnahme auf die „Jüdische Zeitung“ kostenlos versendet. Haupttreffer. In den letzten Tagen wurde im Bankhause Eduard Urban in Brünn das Finnländerlos 2258/13, verlost am 2. November 1901 mit dem Haupttreffer von.-30.000 Mark präsentiert und der Trefferbetrag dem glücklichen Gewinner bar ausbezahl. Es zeigt sich, wie wichtig es für jede Partei ist, rechtzeitig Revisionen der verlosbaren Papiere vornehmen zu lassen und besorgt die obige Bankfirma alle Revisionen bereitwilligst und kostenlos. Vereinsu. Versammlungs- Nachrichten. Voranzeige. Wien. (Zionistischer Einzelverein für die westlichen Bezirke Wiens.) Donnerstag den 22. d. findet um halb 9 Uhr abends im Cafe Mariahilf, VI., Mariahilfnestraße 89, ein Vortragsabend (Schekelabend), an welchem Hof- und Gerichtsadvokat Gesinnungsgenosse Dr. Jakob K o h n, Obmann des zionistischen Zentralvereines über „Praktische Betätigung -des Judentums“ referieren wird. Gäste herzlich willkommen. Berichte. Wien. („Ness Zion ah“.) Mittwoch, den 7. April sprach Herr Nebenzahl über „Jüdische Politik“. Vor Beginn des Vortrages hielt der Präsident Herr Hammer einen tiefgefühlten Nachruf für Oskar Marmorek, der von den Anwesenden stehend angehört wurde. Dann führte Herr Nebenzahl aus, daß nur der Nationalismus die Grundlage jeder Politik bilden müsse, daß dieser Nationalismus niemals aggresiv werden dürfe, da er dann in einen Chauvinismus ausarte. Den Ausführungen des Referenten folgte eine sehr rege Diskussion an der sich besonders die Herren Karneol, Eduard Mahler, Kafka und Pollak beteiligtan. — Am 21. April spricht im Kiublokal (Cafe Concordia, I., Concordiaplatz 4) Herr Dr. A b e 1 e s über „U nsere Menschen“. Gäste, auch Damen, willkommen! Wien. (Zum Tode Sonnenthals.) Auch um die „Lese- und Redehalle jüdischer Hochschüler in Wien“ hat sich der verewigte Künstler große Verdienste erworben. Als Ehrenmitglied dieses akad. Vereines förderte er ihn nicht nur materiell in hervorragender Weise, sondern vergrößerte seine Bibliothek durch bedeutende Spenden, hielt Vorträge und war stets gerne mit Rat und Tat zur Hand. Der Verein gab in einem warmen Beileidschreiben an die Familie Sonnenthals seiner tiefen Trauer Ausdruck: „Die jüdische -Studentenschaft beklagt den unersetzlichen Verlust ihres treuen verdienstvollen Freundes und Förderers, eines der Größten ihres Volkes.“ — Am Leichenbegängnisse nahmen in Vertretung des Vereines die Herren techn. Karl Saborsky und iur. Fritz Oberländer teil und legten einen einfachen Kranz mit blau-weiß-goldenen Schleife am Sarge nieder. Am Grabe selbst hielt iur. Fritz Oberländer folgenden tiefgefühlten Nachruf: „Unsägliche Trauer erfüllte die jüdische Studentenschaft, als sie von Deinem Heimgange erfuhr, verklärter Meister. Wir haben in Dir nicht nur den großen Künstler auf immer verloren, sondern auch einen der treuesten, opferwilligsten und verdienstvollsten Freunde und Förderer unserer Bestrebungen. Du warst uns stets ein treuer Berater in schwerer Zeit und hattest für uns immerein offenes, warmfühlendes Herz. Traurig haben wir Dich auf deinem letzten Wege begleitet, mit tiefster Trauer im Herzen nehmen wir Abschied von Dir auf immer. Ruhe sanft, verehrter Meister! Dein Andenken sei uns heilig!“ Wien. (Verein zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten.) Der Verein versendet den 66. Bericht über das 68. Vereinsjahr. Dem Berichte ist zu entnehmen, daß mit Ende 1908 unter der Obhut des Vereines 754 Knaben standen, die bei den verschiedensten zünftigen Handwerken als Lehrlinge aufgedingt waren, darunter 211 bei den diversen Metallgewerben, als: Schlosser, Schmiede, Spengler, Mechaniker, Metalldreher, Elektriker usw., 89 Kürschner, 87 Tapezierer, 88 Schuhmacher, 27 Ledergalanteriewarenarbeiter, 25 Tischler usw. Von diesen 754 Lehrlingen haben im letzten Jahren 156 die Lehre vollendet, bezw. wurden als Gesellen freigesprochen, 340 Lehrlinge wurden neu aufgenommen. Der Verein besitzt eigenes Lehrlingsheim, in welchem 16 Knaben untergebracht waren, die vollständig verpflegt wurden. Besonders würdigen Vereinszöglingen wurde nach absolvierten Gesellenjahren zur Etablierung als Handwerksmeister Unterstützungen von 3600 K gewährt. Weiters wurde an 15 freigesprochenen Gesellen Reiseunterstütungen behufs Ausbildung im Auslande im Betrage von 450 K verliehen. Die Ausgaben für Vereinszwecke erreichten im Berichtsjahre rund 61.000 Kronen, denen jedoch nur Einnahmen von rund 59.000 K gegenüberstehen. Damit bei dem großen Andrange in der Aufnahme neuer Zöglinge behufs Erlernung eines Handwerkes eine Unterbrechung nicht eintreten müssen, wie dies in den Vorjahren so häufig geschehen mußte, richtet der Vereinsvorstand an alle Freunde des Vereines den ebenso warmen als eindringlichen Appell, die schönen Ziele und wohltätigen Zwecke des Vereines durch zahlreichen Beitritt als Vereinsmitglieder und durch reichliche Geldspenden zu fördern. E. B. Anmerkung der Redaktion: So anerkennenswert die Tätigkeit dieses Vereines ist, muß doch auf den seinerzeit in unserem Blatte von Seiten des Vereines jüdischer jugendlicher Arbeiter veröffentlichten Protest hingewiesen werden, in welchem gegen das Vorgehen des Vereines zur Hebung des Handwerkes protestiert wird, der seinen Zöglingen unter Androhung des Ausschlusses den Besuch von Vorträgen oder Versammlungen des Vereines jüdisch-jugendlicher Arbeiter verboten hat. Siehe Nr. 5 der „Jüdisehen Zeitung“ vom 29. Jänner 1909. Prag. (Hugo Salus im Zentralvere i n.) Samstag, den 3. April, las Hugo Salus im „Zentralvereine zur Pflege jüdischer Angelegenheiten“ eine Reihe eigener Gedichte vor. Er wollte ein Entwicklungsbild geben. Und charakteristisch nicht nur für Salus, sondern für eine ganze Reihe jüdischer Dichter, die lange Zeit nichts als deutsche Dichter sein wollten, war, daß er, ausgehend von den kleinen lyrischen Kunstwerken, die ihn berühmt gemacht und die rein menschliche, allgemeine Empfindungen so meisterhaft darstellen, mit jenen Dichtungen der letzten Zeit schloß, in denen das jüdische Gemeinschaftsgefühl, die Solidarität des Blutes lebt, die den Großvater, den Hausierjuden, mit dem „assimilierten“ Enkel verknüpft. Der brausende Beifall, der besonders nach dem starken „Lied des Blutes“ dem jüdischen Dichter immer wieder dankte, bewies, daß das Echo hier am größten ist, daß der Dichter in den jüdischen Gedichten die stärksten Töne gefunden hat. Die „Totenfeier“ ist auch so ganz und gar jüdisch. Und die Phantasien vom „Prager J udenfriedhof“ zeigen wieder, wie lebendig das Judentum in Salus ist, wie Salus es so gut fühlt, daß der Friedhof uns ein „Ort des Lebens“ ist, wie uns alle Vergangenheit nur eine Brücke zwischen Gegenwart und Zukunft ist. Nach der Vorlesung fand im Hotel Zentral ein gemütliches Zusammensein statt, bei dem der Obmann des Zentralvereines Herr Liebers und Herr Doktor Welt sch, der Geschäftsleiter des Vereines, Salus feierten. Mit herzlichen Worten dankte der Dichter dem es als selbstverständlich' erseh en, daß er der Einladung des jüdischen Zentralvereines Folge leistete, da er sich doch ganz als Jude fühlt. Für die jüdische Studentenschaft sprach der Obmann des Vereines der jüdischen Hochschüler HerrJ.U.C. Leo Herrmann über den Zusammenhang des Jungjudentums mit den Schaffenden des jüdischen Volkes, ferner Herr Rosenfeld (Barissia) und Herr M. U. C. Lieben (Lese- und Redehalle der jüdischen Studenten). Herr Direktor B r o d toastete auf die jüdischnationale Studentenschaft. Auch dieses Zusammensein knüpfte die Bande zwischen dem Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten und der bewußten jüdischen.Presse fester. Oderberg. (Jüdischer Volksverein „Zion“.) Am 21. März d. J. fand unter starker Beteiligung der jüdischen Bevölkerung die Gründungsfeier statt, deren Verlauf geeignet war, die nachhaltigste Wirkung auf das jüdische Leben unserer Gemeinde auszuüben und der zionistischen Arbeit einen sicheren Boden zu schaffen. Den Abend eröffnete der Vereinsobmann Herr Josef Zänker; er begrüßte den Festredner Herrn Rabbiner Dr. Friedmann aus Troppau, Herrn Dr. Fritz Eckstein, als Vertreter des Mährisch-schlesischen Distriktskomitees, die beiden Obmänner der Troppauer Kreisleitung Herrn Dr. Erw. Gallus und Herrn S1 a 11 n e r, ferner Fräulein Grete Berger als Präsidentin des zionistischen Frauen- und Mädchenvereines „Ruth“ (Teschen), die Herren Zahnarzt Bloch, Vorsitzenden der Ortsgruppe R a t ibor und Dr. Bloch vom Gruppenverband Oberschlesiens und wies in kurzen Worten auf den Zweck des Abends hir. Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr. Friedmann die mit stürmischen Beifall aufgenommene Festrede, in der er Ursache und Notwendigkeit der zionistischen Bewegung überzeugend dartegte und zu intensiver nationaler Arbeit aufforderte. In diesem Sinne boten auch die folgenden Begrüßungsreden der Herren Dr. Eckstein, Dr. Gallus, Dr. Bloch und des Fräulein Grete Berger wertvolle Anregungen. Dem offiziellen folgte ein durchwegs gelungener gemütticher Teil. Mit ihren musikalischen Vorträgen haben Frau Gisa Kass- 1 er, Fräulein Dora Goldmann, Fräulein Rosa Ader, Herr Testa, Mitglied des Raimundtheaters in Wien, und stud. Zänker, mit deklamatorischen Fräulein Grete Berger, Herr Otto Zweige ntal, stud. jur. Schwarz und Herr Testa ihr Bestes zum Gelingen des Abends beigetragen, insbesondere der vom Mädchenvereine „Ruth“ aufgeführte Einakter „Der Weiberfeind“ fand begeisterte Anerkennung. Ein animiertes Tanzkränzchen schloß das schöne Fest. Das Reinerträgnis wurde teils dem Jüdischen Nationalfonds, teils der Vereinskasse des Volksvereines „Zion“ zugewiesen. Szatmär-Nemeti (Ungarn). Am 10. d. M. hielt Herr cand. med. Viktor Jordan (Wien) im „Szatmärer Zionistenverein“ einen Vortrag, in welchem er den Gedankengang und Inhalt der „Palästina Hochschulkurse“ skizzierte und auf die außerordentliche Wichtigkeit solcher Veranstaltungen hinwies. Gleich wie in Wien riefen auch bei unseren Gesinnungsgenossen, hauptsächlich die Ausführungen des Herrn Trietsch, Aaronsohn und Dr. Sandler das lebhafteste Interesse hervor. Dem Vortrage folgte eine Debatte, an welchen Dr. med. Heller, Dr. Rosenfeld, Dr.Stern etc.tellnahmen. Nachdem Herr Jordan sämtliche Fragen beantwortete, endigte der erfolgreiche Abend mit einer Sammlung für den N.-F. Ung.-Brod. Die jüdisch-akademische Ferialverbindung „Achivah“ veranstaltete am 4. April 1. J. im Hotel Smetana eine Schekelversammlung, in wetcher Bb. JUC. Felix W i n t e rs t e i n das Referat erstattete. Herr Gesinnungsgenosse Johann Brief, Fabrikant und Mitglied des hiesigen Kultusausschusses leitete die Versammlung. Als erster Redner in der Debatte betrachtete Herr Gesinnungsgenosse Karl Beck den Zionismus vom orthodoxen Standpunkte und rügte in scharfen Worten die Abwesenheit der Kultusrepräsentanz. Herr Bernhard Kohn ergänzte die Ausführungen seines Vorredners. Herr Gesinnungsgenosse Brief hielt noch ein gelungenes Schlußwort, womit die von Erfolg begleitete Veranstaltnng beendet wurde. Die Juden in Bosnien. Die Frage, wenn Juden nach Bosnien und Herzegowina gekommen sind, hat ein englischer Reisender, der sich eine lange Zeit in Bosnien und Herzegowina aufgehalten hat, folgendermaßen beantwortet: Es war Don Josef, der bekannte Herzog von Naxos und den zykladischen Inseln, der im Jahre 1574 die jüdischen Kolonien in Serbien und Bosnien gegründet hat. Don Josef war bekanntlich nicht nur der Bankier, sondern auch der Ratgeber und Freund des Sultans Selim, des Sohnes des berühmten Eroberers Soliman. Im Vereine mit seiner menschenfreundlichen Tante Dona Gracia war er bestrebt, seinen Glaubensgenossen auf jede nur mögliche Weise zu helfen, er gründete Schulen und Gemeinden in Tiberias und vielen anderen Orten. Später bat er den Nachfolger Selims, Murad III., ihm die Gründung einer jüdischen Kolonie in den Provinzen Raszia und Mosia zu gestatten. Seit dieser Zeit datiert die Einwanderung von Juden in diese beiden Länder. Die ersten Einwanderer waren demnach Abkömmlinge von den aus Spanien vertriebenen Juden. Sie haben bis auf den heutigen Tag ihre Sitten und Gebräuche beibehalten und widersetzen sich jeder Neuerung. Der hauptsächlichste Grund für dieses zähe Festhalten am Althergebrachten scheint in ihrem stark ausgeprägten Familiengefühl zu liegen, das sie daran verhindert, mit anderen Nationen in Berührung zu treten. Die geographische Lage des Landes begünstigt noch diese Anschauungen. Daher ist es wohl denkbar, daß die in Rede stehenden Gemeinden, welche von jedem fremden Einfluß und Milieu getrennt sind, noch genau dasselbe Bild zeigen wie die jüdischen Gemeinden vor mehreren Jahrhunderten.

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