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Jüdische Zeitung · 1909-03-19 · 12 (19.3.1909) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
12 (19.3.1909)
Date
1909-03-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. Erscheint jede# Freitag. Verkaufsstellen in WIEN: Administration, IX., ^iechtensteinstr. 11> Zeitungsbureau Goldschmiedt, L,/Wollzeile 11. sprechstoMeii täglictt von 11—12 Dir Yorailtags und 4—5 Dir nacliittags. Einzelne Nummern {20 Heller. Manuskripte werden nicht zurttckgestellt. Vertretungen in der Provinz: In Brünn: Zeitungsbureau, Ferdinandsgasse. — In Prag: Zeitungsverschleiß Wlczek, Graben 33. - Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Abonnementspreise: In Oesterreich - Ungarn: Ganzjähr. K 10 — halbjähr. K 5'—, vierteljähr. K 3' - ln Deutschland: Ganzjähr. Alk. 10’— halbjähr. Mk. 5 - , vierteljähr. Mk. 3’— Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15’— ln Lemberg: Karl Buchstab. Nr. 12. Wien, Freitag den lty. März 1909. t III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Vom deutschen Schulverein. Griechischer Antisemitismus. Oie Kurie für die bosnischen Juden. Die jüdische Wacht am Prager Graben. Ghetto. Gedicht von BEDA. Aus dem Parlamente. Jüdische Kunst in Wien. (Hermann Struck. — Künstlerhaus.) Die „Ito“ für die Kolonisation Mesopotamiens. Aus dem jüdischen Leben. Feuilleton: EinlandwirtschaftlichesZukunftsbild. Parteinachrichten. Palästina. Vereinsnachrichten. Ueberläufer. VEREIN „JÜDISCHE BÜHNE«. (Im „Intimen Mer“, 11., Praterstrasse, MroyM.) i Sonitai äfin 21. März 1909 icl®. 3 Ir:. ZUM 1. MALE: Die Familie Zwi Tragödie in 4 Akten von D. Pinski. Diese Matinee ist eine Wohitätigkeitsvorstellung für den „Jüdischen Mädchenklub“. Ein Teil des Reinertrages fällt dem „Jüdischen Studentenheim“ zu. Karten bei allen Mitgliedern des „Jüdischen Mädchenklubs“, sowie an der Tageskasse des Intimes Theater, II., Praterstraße 34. Ein landwirtschaftliches Zukunftsbild. Eine Rede des Vertreters der Palestine Land Development Company gehalten in Kinereth am 29. Tamus 1933. Von J. Feldmann (Kinereth, Palästina.) Motto: „Weil ihr wollt, ist es kein Märchen!“ Hochverehrte Versammlung! So mancher unter Ihnen wird sich noch des kleinen Anfangs unserer Gesellschaft besinnen, sich auch der ersten Feier erinnern, die auf dem uns gegenüber gelegenen Hügel im Jahre 1908 stattgefunden hat. Klein und still war die erste Feier, und noch kleiner und stiller war der Beginn unserer Gesellschaft. Am 4. Sivan 5669 war es, als Herr Berm a n n mit acht Arbeitern aus Petach Tikwah, das damals noch eine Kolonie war, hier in Kienereth, damals Deleika-um-el-dzuni genannt, anlangte. Kein Haus, keinen Garten und keinen Fruchtbaum, ja nicht einmal einen Brunnen haben sie vorgefunden, obwohl das Wasser hier doch bereits in einer Tiefe von 80 Zentimeter hervor- Vom „Deutschen Schulverein*. Dieser Verein erfreut sich, wie kein zweiter, der liebevollster) Unterstützung seitens der deutschliberalep Juden und der sogenannten Judenpresse“, die ihren Namen daher hat, daß in ihren Spalten jüdische Skribler redlich bemüht sind, jüdische Interessen zu schädigen. I)as Hätschelkind dieser netten Kompagnie ist im Laufe der Jahre zum brutalen Antisemitenrangen aufgeschossen, was aber die zärtlichen Pfleger nicht hindert, ihre generöse Fürsorge zu verdoppeln. Die Unarten des geliebten Sorgenkindes werden nicht nur straflos gelassen,- man ist auch auf das ängstlichste bemüht, sie zu vertuschen, im Interesse der Wahrung des gut liberalen Rufes des Deutschen Schulvereiges wird jüdischerseits gelogen, totgescliiviegen und erdichtet, was nur Zeug hälf| Als sich die Jude n rein en“ Ortsgruppen des Schul Vereines konstituierten, haben die „Neue Freie“, das „Tagblatt“, die „Zeit“ und andere, die sonst die kleinste Veranstaltung der kleinsten Ortsgruppen ausführlich registrieren, kein Wort darüber verloren. Wegen eines so kleinen Fehltrittes wollte man die Geberlaune des jüdischen Lesers und Schulvereinsmitgliedes nicht stören. Es kam stärker. Der Ehrenobmann des Deutschen Schulvereines Abg. Dr. Steinwender, der Präsident Dr. Sylvester, der Sekretär Dr. Weidenhoffer und noch andere „freisinnige“ Stützen des von allen „teutschen“ Israeliten geliebten Vereines stimmten im Parlamente gesprudelt. Ohne Reden und feierliche Zeremonien gingen sie an die Arbeit. Die Hauswirtschaft wurde eingerichtet, das Feld wurde von Schutt und Steinen gereinigt und man hat Hunderte von Stämmen wilder Bäume ausgegraben, von denen jeder einem Kaineel glich. Ein jeder Tag bezeichnete einen weiteren Schritt auf dem Wege der Kultur und der intensiven Arbeit. Als aber der 20. Tamus hereinbrach, da geschah es wie von selbst, daß die Arbeit ruhte, daß man im Wadl-il-Fedschas für die Ausschmückung des Schaar-Herzl Blumen sammelte und das merkwürdigste war, daß, obwohl keine Parole ausgegeben wurde, sich doch die Lehrer, Kolonisten und Arbeiter der Umgebung versammelten; alle kamen sie herbeigeströmt, von Milchamiah, Jema, die Gerim von Beth-Dagan, ja selbst das ferne Mes’cha am Fuße des Taborberges entsandte eine fröhliche Kinderschar unter der Führung des braven Schulleiters Mosche Ehrlich, der auch damals bei der ersten Feier des Jahres 1908 die Herzlrede hielt. Seit damals ist unsere Gesellschaft stetig gewachsen. Heute besitzt die P.L.D.C. 32 Zentrale n, von der Zentrale „Chermon“ im äußersten Norden, bis zur neugeschaffenen Zentrale „N e g e w“ im äußersten Süden. Und jede dieser Zentralen ist von vielen Nebengütern umgeben; abgesehen von jenen l schlossen f ii r d en An trag Sc h mied. Sie, die von den Juden Geld für deutsche Schulen ausbetteln, traten dafür ein, daß man die Kinder dieser selben Juden aus den Schulen Oesterreichs vertreibe. Aber auch dieser Seitensprung konnte die liebevolle himmlische Nachsicht der „Judenpresse“ nicht erschüttern. In Leitartikeln wurde wohl gegen den „inhumanen“ Antrag Schmied geschrieben, da man ein so aufsehenerregendes parlamentarisches Abstimmungsresuitat nicht gut unterschlagen kann, wurden auch die Namen Steinwender, Sylvester, Weidenhoffer etc. — allerdings sehr, sehr kleine und sehr, sehr weit hinten gesetzt — in der Schmiedliste angeführt, doch kein weiteres Wort darüber verloren. Einer der ausgesuchtesten Gaunerstreiche jüdisch-freisinniger Journalistik! Aber was tut eine liberale Mutter nicht alles füFs teure antisemitische Kind! Liebe Brüder und Schwestern in Israel, blecht ruhig weiter für den Deutschen Schulverein'imd' verzeiht -soiehe „ Klebrigkeiten “. . Und wiederum - hat’s eine pikante „Kleinigkeit“ gegeben. Wie erinnerlich lebten in guter alter Zeit die christlichsoziale Partei und der Schulverein in erbittertster Fehde. Angriffe im Landtage und in der Gemeindestube, Subventionsverweigerungen stürmische Versammlungen mit blutigen Köpfen waren an der Tagesordnung. Urplötzlich tiefer Gottesfriede! Wer durch fortgesetzte Lektüre der liberalen Tagespresse nicht um seinen gesunden Menschenverstand gekommen ist, dem mußte dieser Umstand schon seit geraumer Zeit auffallen. Warum diese Ruhe? Ist der Lueger liberal oder ist der Schulverein christüchsozia! geworden? Folgende Nachricht wird dir, ge- Gütern, die sich von unserer Gesellschaft losgelöst und sich im Sinne Oppenheimers als Siedlungsgenossenschaften organisiert haben; auch jene Güter nicht mitgerechnet, die von unseier Gesellschaft in Kultur gesetzt werden und nachher in den Besitz wohlhabender Volksgenossen übergingen. Unser Werk wuchs von Jahr zu Jahr, und was nicht minder wichtig ist: es wies den anderen Kolonisationsgeseilschaiten neue Wege zur Erreichung des gemeinsamen Ziels: Schaffung eines in seinem historischen Heimatslande Ackerbau treibenden jüdischen Volkes, eines jüdischen Bauem¬ und landwirtschaftlichen Ärbeiterstandes. Nun, hoctiverehrte Versammlung, in der kurzen Spanne Zeit, die mir für meinen Ueberblick zur Verfügung steht, kann es unmöglich meine Aufgabe sein, die Frage „Wie ist das gekommen?“ allseitig zu beantworten. Jeder historische Vorgang ist so vielseitig und kompliziert, daß seine wissenschaftliche Aufhellung dickleibige Bände erforderlich macht. Was hätte zum Beispiel in unserem Falle all die Weisheit der laiatitoren der P.L.D.C, der Warburg, Ruppin und Bcrmann genutzt, wenn nicht bei der Entstehung der Gesellschaft bereits ein Arbeiterreglement vorhanden gewesen wäre, wie es tatsächlich im „Hapoel Hazair“ und „Poale Zion“ organisiert war?

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