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Jüdische Zeitung · 1909-03-26 · 9 (26.3.1909) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
9 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 (ÜDfSCHE ZEITUNG. Nr. 9 fernestand und seine Kräfte völlig in den Dienst der ungarischnationalen Sache stellte. Bei Lebzeiten wurden ihm Ehren erwiesen, da die Regierung und die ungarischen Politiker die Dienste des geschickten, taktvollen jüdischen Journalisten nicht entbehren konnten. Nach seinem Tode hat sich die Regierung •eines Besseren besonnen. Der Fall erregte allgemeines Bufsehen und wurde auch in einer hauptstädtischen Zeitung „AZ U J S Ä G“ zur Sprache gebracht. Dieses Blatt schreibt das Verhalten der Regierung dem Umstande zu, daß Sturm Journalist war. Doch wir wissen nur zu gut, wo der Fehler steckt . . . Der Verstorbene war eben ein J u d e 1 * * * Doch die Juden nehmen von all dem keine Kenntnis und schreiten auf dem Wege des chauvinistischen Magyarentums lustig weiter. Erst vor einigen Tagen hielt Dr. M e z e i, ein wuchtiger Antizionist, in der Ungarisch-israelitischen literarischen Gesellschaft eine Vorlesung, in welcher er das Thema „Rasse, Nation oder Religion?“ behandelte. Das neugierige Publikum bekam einen mit alten Witzen gespickten, einer jeden wissenschaftlichen Basis entbehrenden antizionistischen Wortschwall zu hören. Wie es einem modernen Vereine ziemt, ist die freie Diskussion ausgeschlossen, so •daß Leute anderer Meinung gar nicht zum Worte kamen. Die Konklusion des Redners war eine Lob- -hymne auf die Juden, die nur eine israelitische Religion kennen und dabei Magyaren sind. — Einen interessanten Beitrag zur Psychologie des ungarischen Juden .liefert ein in der hiesigen „Allg. Jüd. Rundschau erschienener „Amerikanischer Brief“, welchem wir folgenden Passus entnehmen: „Wie ich höre, gibt es heute Ungarn, die den Patriotismus der ungarischen Juden anzweifeln. .Schicken Sie diese Leute hieher nachNew-York und •sie werden sich überzeugen, daß sie den Juden unrecht tun; gerade die Juden aus Ungarn sind es, die hier in Patriotismus mehr leisten, als die nichtjüdischen Kemmagyaren. . Diese Leute mögen sich einmal den „Ungarischen Bauemball“ mit ansehen, der hier so gefeiert wird, wie sonst nirgends auf der Welt, auch, nicht in. Ungarn! Sie sollten den Eifer sehen, den unsere jungen und alten Juden entfalten, um dieses 'Fest recht glänzend zu inszenieren. — — Alles, muß in echt ungarischer Bauemtracht erscheinen, ■ nur ungarisch darf gesprochen werden, gespeist werden nur „Paprikas“ und „Tokayer“ getrunken. Dieser Ball wird nur von Juden veranstaltet und: nur von Juden besucht, die.keine Zionisten sind! B. Hochschulkurse für Palästinakunde. Samstag den 20. d. nahmen die vom Verein: „Theodor Herzl“ veranstalteten Kurse mit der Vorlesung des Gesinnungsgenossen Agronomen A. Aaron so hn ihren Anfang. Alle Teilnehmer folgten während der fünf Tage den Ausführungen der Dozenten D. Triesch, Aaronsohn, Prof. Oberhummer, Ing. Lau, Dr. Borkow icz, Dr. Sandler, Pastor Eberhard und Prof. Kraus mit größtem Interesse und die Besucherzahl blieb während der ganzen Dauer der Kurse auf gleicher Höhe. Die Vorträge waren sachlich und streng wissenschaftlich gehalten und boten in ihrer Gesamtheit ein zusammenfassendes Bild über die Verhältnisse in Palästina und über die Möglichkeit und Aussichten einer jüdischen Ansiedlung im heiligen Lande. Es zeigte sich, daß diese Palästinakurse einem dringenden Bedürfnisse entgegengekommen sind. Jeder Teilnehmer, und mochte er die einschlägige Palästinaliteratur seit Jahren verfolgt haben, hatte Gelegenheit, aus dem Munde der Vortragenden, die der Mehrzahl nach in Palästina jahrelang gelebt und das Land gründlich durchforscht haben, Neues zu erfahren und seine Kenntnisse von Palästina zu erweitern. Wir werden auf den Inhalt der einzelnen Vorträge, die übrigens in Buchform herausgegeben und im Auszuge in der nächsten Nummer der Zeitschrift „Palästina“ erscheinen werden, in der nächsten Nummer unseres Blattes zurückkommen. Vorläufig sei bemerkt, daß alle Vortragenden, die zwei Nichtjuden, Prof. Oberhummer und Pastor Eberhard, inbegriffen, zu dem Schlüsse kamen, daß durch planmäßig'? Arbeit Palästina wieder ein Land werden könne, „in welchem Milch uni? Honig fließt“. * * * Es waren insgesamt 274 Personen inskribiert- (255 Hörer und 29 Hörerinnen). Von den 255 Hörern waren 212 Studenten und' 42 Nichtstudenten.. Unter den 29 Hörerinnen gab es' 23 Studentinnen und 6 Nicht'studentinnen. Die durchschnittliche Tagesfrequenz betrug 235. Am stärksten war der Besuch in den Vormittagsstunden von 11—12 Uhr und in den Nachmittagsstundeir von 3T-4 Uhr. * * * Anläßlich der Palästinakurse veranstaltete der Verein „Theodor Herzl“ Sonntag, den 21. d. M. im Intimen Theater eine Festvorstellung. Zur Aufführung gelangte „D a s neue Ghetto“' von Theodor Herzl. Die Darstellung wurde zum größten Teile vom Ensemble des Vereines „Jüdische Bühne“ besorgt. Die Regie lag in den Händen des Herrn Egon Brecher. Die meisten Darsteller wurden ihrer Aufgabe ia entsprechender Weise gerecht. Insbesondere Herr Brecher (Wasserstein) verlieh durch sein natürliches und ausgezeichnetes- Spiel dem Stücke Glanz und Leben. Auch Herr Chris-tean, der die Rolle des Rheinberg ihnehatte, und Herr Lunzer als Dr. Friedheimer boten gute Leistungen. Es zeigte sich, daß sich das ständige Ensemble der „Jüdischen Bühne“ auf künstlerischer Höbe hielt, während die im letzten Moment, aufgenommenen Kräfte ihrer Aufgabe nichtgewachsen schienen. Das zahlreich erschienene Publikum spendete reichlichen Beifall, welcher in erster Linie dem Autor und dem Regisseur Herrn. Brecher galt. * * * Montag den 22. d. iVL fand im „Hotel de.- France“ ein Festkommers des Vereines „Theodor Herzl“ zu Ehren der Dozenten statt. Es erschienen Vertreter aller Korporationen, unter anderen waren: die Dozenten Aaronsohn, Dr. Sandler, Prof.. Oberhummer,. D. Trietsch und Pastor Eberhardt, in Vertretung des Zentralbureaus- Gg. Dr. M a r g u 1 i e s, in Vertretung des Zentral— Vereines Gg. Dr. K o h n erschienen. Der Präses des Vereines, Gg. Weiner, begrüßte die Erschienenen, worauf der A. H. des Vereines, DL Zuckermann, den Dozenten für ihre Mühewaltung dankte. Hierauf sprachen der Präses der Prager „Bar-Kochba“, Herr Hermann, ein Vertreter der Prager „Barissia“ und der Präses der Wiener „Bar-Kochba“, Gg, Waldmann. Gg. York-Steiner dankte dem Vereine für die gelungene Veranstaltung. Prof. Oberhummer gah seiner Freude über die Kurse und seiner Liebe für Palästina beredten. Ausdruck. Herr Trietsch und Herr Dr. Kohn .erinnerten an den Aufschwung,, den die zionistische Bewegung in den letzten Jahren genommen. Zum Schlüsse trug Herr Egon B r e c h e r. ein Kapitel aus der Bibel vor. Reicher Beifall belohnte seine glänzende Rezitation. Palästina. Yerkehrsverhältnisse in Palästina. Ueber die Verkehrsverhäl.tnisse in Palästina schreibt die „Germania“ in Berlin folgendes: „Zwischen Haifa, am Fuße des Berges Karmel und Damaskus hat man seit einiger Zeit neue Züge eingelegt, so daß man jetzt täglich von Haifa, abfahren kann, während man früher wöchentlich, nur drei Züge hatte. Gegen 5.30 morgens geht der Zug von Haifa ab, es mag aber praktisch sein, daß. man schon gegen 5 Uhr sich auf dem Bahnhofe befindet. Da diese Notiz haupsächlich dem PaJästinapilger d enen soll, so sei noch beigefügt, daß man gegen 8.30 schon in Samach, der Station am Südende des Sees von Genezaret, ankommt. Nach einer Bootsfahrt von zwei Stunden ist man in Tiberias und nach ungefähr weiteren zwei Stunden in Tagbah. Freilich ist es in Tagbah während des Sommers sehr warm, jedoch vom November bis April wird man weder von der Hitze noch von der Kälte zu leiden haben. Die Wagen erster Klasse zwischen Haifa und Damaskus sind sehr bequem, der Preis von Haifa bis Samach beträgt ungefähr 8 Mk. 50 Pfg. Wer sich nicht damit begnügen will, außer Jerusalem nur Galiläa zu besuchen, das heißt wer nach Damaskus weiterfahren will, wird freilich vorziehen, zu Pferd oder im Wegen nach Tiberias zu fahren, weil er auf diese Weise auch in Nazareth und in Kanah einen Besuch machen kann. Von Tiberias bis Kanah fährt man im Wagen ungefähr viereinhalb Stunden und von Kanah bis Nazareth kaum eineinhalb Stunden. Eine Wagenfahrt von : Nazareth bis- Haifa kann an die sechs Stunden * dauern, dann: wird aber unterwegs zwei Stunden lang gerastet, so daß die eigentliche Fahrt nur vier Stunden dauenL- Allzu große Ansprüche' darf man an die fahrbaren Straßen nicht stellen; teilweise jedoch sind sie sehr gut. Auch von Jerusalem aus kan« man Haifa im Wagen erreichen. Man gebraucht dazu gewöhnlich drei Tage und hat so Gelegenheit, auch noch Verschiedenes zu sehen. Am ersten-Tage fährt man bis Nablus, dem alten Sichern. Unter sehr günstigen Bedingungen langt man gegen drei Uhr nachmittags in Nabtus an, falls man gegen 5.3G in: Jerusalem abfährt. Der zweite Tag ist dann für viele wohl sehr wenig, interessant, ln sieben Stunden dreißig Minuten bei eineinhalb Stünden Rast legt man den Weg von Nablus nach Zum— maria zurück; in Zummariä,. wo nicht viel zu sehen ist, wird gewöhnlich übernachtet, falls man nichtdie Pferde wechseln kann,, um an demselben Tage noch vier Stunden lang weiter zu fahren; im: letzteren Falle würde man nämlich schon am zweiten Tage In Haifa sein. Uebemachtet man in Zummaria’, einem Mittelpunkt jüdischer Kolonien und jetzt allgemein unter dem Namen Sichron Jakob bekannt, so erreicht man am dritten Tage Haifa. Wenn ttran Zummaria. um : 6 l;hr morgens verläßt, kann man um 10'Uhr - schon in Haifa sein und hat. am Nachmittage Zeit, I einen Besuch auf dem Bferge- Karmel zu machen..; Aus den vorstehenden Bemerkungen ersieht man! leicht, daß eine Fahrt von Jerusalem nach Tiberias | keine allzu schwierige Sache.- ist; die Reise wird.! auch nicht übermäßig teuer, sein, wenn drei oder; vier Personen sie zusammen: unternehmen. — Im.; Winter kommt es manchmal vor, daß man in Jaffa - nicht landen kann und dann: bis: Haifa oder Beirut.; weiterfahren muß. Der Reisende, der in Haifa an Land geht, kann auch von da Jaffa mit dem Wagen , erreichen, wenn nicht lang andauernder Regen eine , Wagenfahrt unmöglich machf; vor Mitte Jänner ist. , das aber kaum zu befürchten. Die Dauer der Fahrt; selbst beträgt an die fünfzehn Stunden, außerdem . wird unterwegs aber noch, eine Pause von sieben . oder acht Stunden eingelegt:. * *; *■ Die Häuserbaugesellschaft Achusath- Baith in. Jaffa. Jaffa. Nachdem jetzt alle rechtlichen Forinali—! täten bezüglich des von der. Gesellschaft Achusath— Baith gekauften Terrains, beendigt sind, kann mit : den Arbeiten für den Bau des geplanten Stadtvier- : tels begonnen werden. Din Gesellschaft hat bereits! einen Bebauungsplan aufstellen lassen und es wird. ■ jetzt mit der Absteckung, der Straßen und dem Bau. eines Brunnens begonnen.. Die- Gesellschaft will, alles daran wenden,, um: dien Bau der Häuser für. ihre 60 Mitglieder so. zu. beschleunigen, daß die- Häuser bereits zum nächsten Mucharem (Umzuggterniin) im Jänner 1910'bezogen werden können.. Auch der Neubau des. hebräischen Gymnasiums-, wird in dem neuen Stadtviertel stehen und dessen: Mittelpunkt bilden. Für Steinmetzen,. Maurer, Bautischler und sonstige Bauhandwerker wird der Bau des neuen Stadtviertels wahrscheinlich vermehrte Arbeitsgelegenheit 1 bringen und es könnte eine größere Anzahl neu einwandernder j, ü d ischer Bauhand weiker auf Arbeit rechnen. _ Parteinachrichten. IV. Oberschlesischer Zionistentag. Derselbe findet am Sonntag den 28. F e b r u a r 1909 in Kattowitz, nachmittags dreiviertel 3 Uhr, im Saale des Hotel „Kaiserhof“ (Teichstraße), statt. Tagesordnung: 1. Eröffnungsud Begrüßungsansprachen. 2. Tätigkeitsbericht des Ausschusses. 3. Vortrag von Gesinnungsgenossen Dr. A, Cassirer- Kattowitz: „Die Aufgaben der zionistischen Organisation in Oberschlesien“.. 4. Vortrag von Gesinnungsgenossen Rechtsanwalt Dr. Klee-Berlin: „Die allgemeine Lage der zionistischen Bewegung.“ 5. Dis*

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