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Jüdische Zeitung · 1909-02-12 · 7 (12.2.1909) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
3 (1909)
Issue
7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 JÜDISCHE ZEITUNG. Seite 7 2. Resolution des H. Heinrich Slatner (engeres Distriktskomitee): Der mährisch-schlesische Distriktstag ermächtigt das neugewählte Distriktskomitee, den Schekelgruppen, die mindestens 20 Schekelzahler umfassen und die vorgeschriebenen Landesbeiträge entrichten, das Recht zur Beschickung des Distriktstages durch einen Delegierten aus ihrer Mitte einzuräumen; 3. Resolution des H. Dr. Fritz Ekstein (engeres Distriktskomitee): Der mährisch-schlesische Distriktstag erklärt es für eine strikte Pflicht der mährischschlesischen Ferialverbindungen, dem Distriktskomitee so bald als möglich eine vollständige Liste ihrer aktiven Mitglieder und ihrer im mährischschlesischen Distrikte wohnhaften A. H. A. H. und deren Wohnorten bekannt zu geben; 4. Resolution des H. Gustav Finzi (engeres Distriktskomitee): Der mährisch-schlesische Distriktstag begrüßt die Schritte, die der Verein „Theodor Herzl“ in Iglau gegen die Taufseuche in seiner Kultusgemeinde unternommen hat und empfiehlt sie zur Nachahmung. Dr. F. E. Brief aus Galizien. Von unserem Korrespondenten. (Mauschel des Ostens. — Polnische Beamtenwillkür. - Ein Substitut. - Protest gegen Ldieemberger Moschkokonferenz.) Bekanntlich sind die Nationaldemoktraten die herrschende polnische Partei und ihre Stellung zu den Juden ist für das polnische Volk maßgebend. Die Nationaldemokraten sind offiziell Verfechter der polnisch-jüdischen Assimilation und die mosaischen Polen sind darum zumeist nationaldemokratisch, vulgo allpolnisch. Die Nationaldemokraten oder auch Allpolen, wie sie nach dem Kardinalpunkt ihres Programmes genannt werden, wollen offiziell von einem jüdischen Volke nichts wissen. Für sie wohnen in Galizien nur Polen und Ruthenen. Aber wehe, wenn ein Jude, sei er auch Pole „mosaischer Konfession“ Grundbesitz erwirbt! Da kann sich die allpolnische Presse kaum vor Wut fassen und jammert in allen Tonarten, daß nationaler Boden in fremden Besitz übergegangen sei. Das verhindert dieselbe Presse nicht, mit gleicher Wut über die Zionisten herzufallen und sie ihres jüdisch-nationalen Bekenntnisses wegen als Tollhäusler hinzustellen, die der „Wissenschaft und Erfahrung“ zum Trotz von einem „jüdischen Volke“ reden. Die Allpolen haben eine große Polonisierungsorganisation, den polnischen Schulverein der bei jeder Gelegenheit bei den polnischen Brüdern mosaischen Glaubens um Geld schnorrt, ln den Bettelbriefen des Vereines wird jeder Jude, sei er Chassid und Pejes- und Kaftanträger, liebevoll gestreichelt. Ist der Pump gelungen, so werden die Beziehungen kühl und kühler, bis sie plötzlich durch eine neue Schnorrerei wieder freundlich gestaltet werden. Im letzten Berichte der Tarnopoler Sektion ■ des polnischen Schulvereines, der von Verbrüderung mit den Juden schwärmt, wurde von den Allpolen ■erklärt, daß diejuden ein selbständiges Volk sind, das nie polnisch werden könne, weil es zu viele ausgesprochen nationale und Rasseneigentümlichkeiten aufweise. So sind die Polen mosaischer Konfession, die ewig zurückgewiesenen Anbeter, deren Liebe mit Verachtung vergolten wird. Mancher könnte die unglücklichen Judenpolen ob ihres Schicksales bedauern. Aber den Moschkos geschieht nur recht! Sie sind Heuchler den Polen und Schwindler den Juden gegenüber. Ihr Gefasel von national-polnischem Gefühl, ihr frommer Augenaufschlag, ihre Feiern zu Ehren polnischer Helden und Dichter, das alles ist frechste Schamlosigkeit, da diese Gesellschaft überhaupt kein Gefühl und keine Ueberzeugung hat und kein anderes als das eigene Interesse kennt. Sie sind weder national noch religiös und doch beharren sie darauf, daß sie Juden sind. Genau so argumentieren zwar die westlichen Assimilanten, doch erreicht ein westjüdischer Assimilant nur in den seltensten Fällen jenen Grad von Würdelosigkeit nnd Gemeinheit, wie ein Mo sch ko in Galizien. * * * „Gottlob, daß es bei uns ganz anders ist,“ sagt mancher Spießbürger, der von ungerechten und brutalen Judenausweisungen in Rußland ließt und •dabei vergißt, daß Galizien zu Oesterreich gehört. Denn würde er an Galizien denken, er könnte kein selbstzufriedenes und beschwichtigendes „Gottlob“ ■sagen, da in „Skandalizien“ jeder Tag neue Schandtaten zeugt. In den letzten Tagen spielte sich folgendes schändliches Beamtenstückchen ab: In M i e 1 e c wohnt1 seit ungefähr 30 Jahren ein gewisser Elias S z k 1 a r z, der aus Rußland nach Galizien eingewandert, eine Familie gründete, Vermögen erwarb und während der ganzen Zeit niemand zur Last fiel. Nichtsdestoweniger wurde Szklarz vor einigen Tagen von der Bezirkshauptmannschaft verständigt, daß er binnen 30 Tagen Oesterrech verlassenmüsse. Gründe wurden nicht angegeben. Doch sind sie sekannt. Herr Szklarz ist j üd i s c h-n a t i o n a I und hat während der Reichsratswahlen für den zionistischen Kandidaten agitiert. Unterscheidet sich ein russischer Tschninownik von einem galizischen Bezirkspäscha?! ... * # . Reichsratsabgeordneter K o 1 i s c h e r, bekanntlich „freigewählter Vertreter“ K o 1 o m e a s, hat trotz der Umwandlung- :eines Abgeordneten einer Handelskammer zu einem Abgeordneten des „Volkes“ sehr wenig erlernt. Zwei Jahre schon ist er Abgeordneter von Kolomea und hat noch keine Zeit gefunden, vor seinen Wählern zu erscheinen, um Bericht über seine Tätigkeit zu erstatten. Da er sich aber den Anstrich eines Volksmandatars geben und seinem Glaubens- und Klubgenossen Gail, welcher jedem Wähler einen schriftlichen (!) Bericht zukommen ließ, nicht kopieren möchte, schickte er einen Substituten, den er mit der Berichterstattung betraute. Zum Substituten bestellte er den Allpolen Freiherrn v. B a 11 a g 1 i a, der nach Kolomea kam, zirka zweihundert Polen und vielleicht zwanzig Moschkos einlud, und vor dieser illustren Versammlung, wahrscheinlich im Aufträge des Dr. K o 1 i s c h e r, zog er gegen die Zionisten los. Das Publikum klatschte Beifall und Doktor K o 1 i s c h e r ist nicht nur ein ehrenwerter Mann, sondern auch ein Demokrat reinsten Wassers! * * * Die Beschlüsse der Vertreter der siebzehn größeren Kultusgemeinden Galiziens, an der allgemeinen österreichischen Organisation nicht teilzunehmen und eine separate galizische Organisation zu begründen, rief in vielen Städten Galiziens große Entrüstung hervor. Viele Teilnehmer an der Lemberger Konferenz waren überhaupt von ihren Gemeinden nicht ermächtigt, nach Lemberg zu fahren und Beschlüsse zu fassen. So zum Beispiel der Kultusvorstand von Tarnopol, Herr Doktor Landesberg, und der Kultusvorstand von Zloczow, Reichsratsabgeordneter Dr. Gold. Dem Dr. L a n d e s b e r g hat bereits die Plenarversammlung des Tarnopoler Kultusvorstandes genügend heimgeleuchtet, indem der Beschluß gefaßt wurde, an der galizischen Organisation nicht teilzunehmen. Die anderen Kultusgemeinden haben sich noch zu keiner Stellungnahme aufgerafft. Das Volk aber sprach in vielen Versammlungen seinen Unwillen aus. So fanden in Stryj, Zloczow, Kolomea und anderen Städten Protestversammlungen statt, in welchen gleichlautende Resolutionen gefaßt wurden, die sich 1. für die allgemein österreichische, 2. gegen ein separate galizische Kultusgemeindeorganisation aussprechen und 3. die Erweiterung des Wahlrechtes für die Kultusgemeinden verlangen. Budapester Brief. Von unserem Korrespondenten. Die vom Ministerpräsidenten und Finanzminister Wekerle unterbreitete neue Steuervorlage' brachte denen, die sich über die judenfeindliche Gesinnung der koalierten Parteien im Reinen waren, wahrlich keine Ueberraschung. „Die Steuern sollen durch das neue Gesetz — versicherte der Finanzminister — nicht erhöht, im Gegenteil, vermindert werden, es würde nur die gleichmäßige und gerechte Verteilung derselben zur Folge haben.“ Doch auch die kurzsichtigsten haben begriffen, daß die Spitze der Gesetznovelle gegen die Merkantilisten (auf gut deutsch: Juden) gerichtet ist. Sie vermehrt die lange Reihe der Gesetze, die zwar das Kind nicht beim Namen nennen, sich jedoch mit umso größerer Schärfe gegen unser Volk wenden. Ich will nur die berüchtigsten: das Einwanderungsgesetz gegen die lästigen Fremden (verstehe: galizischen Juden), das Börsensteuergesetz, welches die jüdischen Börsenmakler traf und das Schulgesetz neueren Datums nennen, welch letzte: es die Schließung zahlreicher jüdischer Volksschulen herbeiführte. Im Parlament kam es bei der Debatte dieser Vorlage zu heftigen Szenen. Der Täufling Farkashäzy de Farkashäz unternahm es, sich gegen die Vorlage auszusprechen. Sofort wurde er seiner Abkunft gemahnt. „Ihre Väter haben mit Hasenfellen gehandelt!“ wurde ihm von den Bänken der klerikalen Volkspartei zugerufen. Der jüdische Abgeordnete der Leopoldstadt, Paul S ä n d o r, der gegen die ungerechten Bestimmungen des Gesetzes, welche nur den Agrariern zugute kommen werden, Einspruch erhob, wurde während seiner Rede stets durch Zwischenrufe gestört und später in heftigen Reden angegriffen. Es haben auch die Kaufleute protestiert, doch wie es scheint, vergeblich, da alle Parteien geeinigt sind, wenn es heißt, den Juden Lasten aufzubürden. Es wird dem Finanzminister ohne Zweifel gelingen, die Vorlage durchzubringen. So wird die Novelle zum Gesetz und die Zahl der Judengesetze vermehrt. * « * Noch niemals hat hierzulande eine solch starke judenfeindliche Tendenz geherrscht, wie gegenwärtig. Die frühere „liberale“ Regierung ist mit einem gewissen Schamgefühl vorgegangen und hat niemals ihre antisemitische Gesinnung zur Schau getragen, während jetzt ganz offen gegen diejuden losgegangen wird. Was Wunder, wenn auch das Militär sein Mütchen an den Juden kühlen will. Der Fall der Szekesfejervärer Offiziere, die berauscht ein Kaffeehaus überfallen und, indem sie den bescheidenen Wunsch äußern, einen Juden erschlagen zu wollen, einem wehrlosen jungen Manne, der ruhig bei einem Tische saß, Paprika in die Augen streuten, um ihm dann bequemer einige Säbelhiebe versetzen zu können. Der Fall, der große Aufregung erregte, ist eigentlich nichts anderes, als Umsetzung der Politik des großen Ministeriums in Taten. B. Hochschulkurse für Palästinakunde veranstaltet vom Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“ in Wien. Die Kurse beginnen am 20. Februar und dauern bis zum 24. Februar. Es wird vormittags von 9—12 Uhr und nachmittags von 3—6 Uhr gelesen (Sonntag nur vormittags von 9 bis 1 Uhr). Die Vorlesungen werden im großen Hörsaale des Anatomischen Instituts, IX., Währingerstraße abgehalten. Folgende Themen werden gelesen: Geographie Palästinas (2 Std.). Geologie des Landes (2 Std.). Orientpolitik und Zionismus (1 Std.). Kolonisationsprobleme (2 Std.). Das zionistische Palästinaprogramm (4 Std.). Die Wasserkräfte Palästinas und ihre Ausnützung (2 Std.). Schulwesen Palästinas (2 Std.). Die Krankheiten des Landes (4 Std.). Landwirtschaft (3 Std.). Palästina in der Volkskunde (1 Std.). Türkisches Recht (3 Std.). Geschichte Palästinas. Folgende Vortragende wurden gewonnen: Prof. Oberhummer (Wien), Prof. Vambery (Budapest), Davis Trietsch (Jaffa), Ingenieur Lau (Baden), Rektor Eberhard (Hamburg), Dr. Sandler (Breslau), Agronom Aaronsoh (Jerusalem),Dr. Berkowicz (Wien), Dr. Chilaiditi - Stavro (Konstantinopel), Prof. Dr. Kraus (Wien). Etwa eintretende Aenderungen Vorbehalten. Inskriptionsgebühr für alle Vorlesungen K 10.—, für Studenten K 5.—. Die Legitimationskarten, die mit Platznummer versehen sind und nur persönlich gelten, werden gegen Erlag der Inskriptionsgebühr täglich von 7—9 Uhr abends im Vereinslokaie, VIII., Alserstraße 7, ausgefolgt, wo auch Anmeldungen, so weit der vorhandene Platz reicht, entgegen genommen werden. Schlußtermin für die Inskription 15. Februar. Die P. T. Korporationen werden ersucht, für möglichste Verbreitung der ihnen zugegangenen Prospekte in allen interessierten Kreise zu sorgen. Der Stundenplan wird Samstag veröffentlicht. Mündliche Auskünfte täglich von 7—9 Uhr abends im Vereinslokal, telephonische Anfragen unter Telephonnummer 18451 und 4167 IV.

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