Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 7 (12.2.1909)
- Date
- 1909-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. Sprechstunden täglich von 11—12 Uhr vormittags und 4—5 Uhr nachmittags. Erscheint jedon Freitag. Verkaufsstellen in WIEN: Administration, IX., Liechtensteinstr. 11, Zeitungsbureau Goldsclrmiedt, I., Wollzeile 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Abonnementspreise: ln Oesterreich - Ungarn: Ganzjähr. K 10’- halbjähr. K 5 —, Vierteljahr. K 3‘— ln Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10'— halbjähr. Mk. 5’—, Vierteljahr. Mk. 3'— Manuskripte werden nicht zurückgestellt. Im Übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15 .. Vertretungen in der Provinz: In Brünn: Zeitungsbureau, Ferdinandsgasse. — In Prag: Zeitungsverschleiß Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Buchstab. Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 7. Wien, Freitag den \2. Februar 1909. III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Organisation. Rundschau. Von den jüdischen Dunkelmännern. Azew — äjn Jude. Kuranda, der Unabweisbare'. Landjuden. Der rote Schmock. Gedicht von Beda. Die Juden in Konstantinopel. Aus dem jüdischen Leben. Galizischer Brief. — Budapester Brief. Palästina. Parteinachrichten. Feuilleton: Land und Leute in Palästina. Von Simon Einhorn. .Vereinsnachrichten. Ueberläufer. Verein „Jüdische Bühne“. (IiJatMenTleater“, II., Prater^rasse.|e5trüylioD IV. Vereins-Vorstellung. Somtai (len 14. Felm 1909 McMlags 3 Uhr: zum 3. Male Im Glück vergessen Schauspiel in einem Akt von D. Pinski. Fanni Segal.Jo Rossi Luise Ehrlich.Vally Illing Hindes.Egon Brecher 1. ) .Marianne Heller 2. > Arbeiterin.Helene Lanna 3. ) .Poldi Hütter Winter Drama in einem Akt von Schalom Asch. Deborah.Rosa Monati Roma.Jo Rossi Jula.Vally Illing Frau Großberg.Helene Lanna Idel..Egon Brecher Sprinze.. Marianne Heller Schwestern Drama in einem Akt von I. L. Perez. Mirl, eines Schächters Witwe . . . Rosa Monati Lea, Dienstmädchen.Jo Rossi Nechome, . „ .Helene Lanna Avrejml, Mirls Sohn.Vally Illing Sorach, ein Schustergeselle .... Erich Rawn Moische, ein Badergehilfe .... Fritz Lunzer Eine keifende Stimme hinter der Szene. In Szene gesetzt von Egon Brecher. Preise der Plätze einschließlich der Gebühren für Pensionszwecke. Parkett-Loge (6 Personen) K 20-60, Loge auf dem Balkon K 10-60, Ein Parkett-Lngensitz 6‘30, Ein Balkon-Logensitz 3‘60, Cerclesitz K 5-20, Orchestersitz 1. und 2. Reihe K4M0, Parkettsitz 1. bis 5. Reihe K 3‘60, Parterresitz 1. bis 4. Reihe K 2’f-O, Parterresitz 5. bis 8. Reihe K 1-80, Balkonsitz Mitte K 2*30, Balkonsitz Seite K 1-30. Kartenverkauf: Intimes Theater, Praterstraße (Nestroyhof), Basar I, Rotenturmstraße. Schekelaufruf des innerösterreichischen Distriktskomitees. *>’V- V -. , Gesinnungsgenossen! ' Zu den; ersten und heiligsten Pflichten, die der Zionismus seinen Anhängern auf erlegt, gehört die Entrichtung des Schekels, ln der Bewegung bildet er den Lebensnerv in moralischer und materieller Hinsicht, und nach außenhin manifestiert er das Anwachsen der Partei. Gerade im heurigen Jahre, das uns den IX. Zionistenkongreß bringt, laßt uns unsere Pflicht in vollstem Maße erfüllen. Entrichte jeder seinen Schekel und werbe neue Schekelzahler! Das innerösterreichische Distriktskomitee. Schekelblocks sind beim innerösterreichischen Distriktskomitee, Wien, IX., Türkenstr. 9 über mündliches oder briefliches Verlangen erhältlich. Organisation. Welch mächtigen Einfluß hat dieses Zauberwort auf die Gsschteke-der Menschheit ausgeübt! Durch ein Jahrtausend haben die Bürger einer Stadt, die ursprünglich ein Bauerndorf am kleinen Flüßchen Tiber war, die Bürger Roms, die ganze bekannte Welt beherrscht. Nicht besondere Tapferkeit, noch außerordentliches Talent, noch Leistungen auf geistigem Gebiete haben dieses Wunderwerk, welches man das römische Reich nannte, zustande gebracht. Einzig und allein das unvergleichliche Organisationstalent der alten Römer ist die Ursache ihres Erfolges gewesen. Die kurze Weltherrschaft Alexanders d. Gr. beruhte gleichfalls auf dem Organisationstalent seines Vaters. Und noch heute wirkt dieser Geist des Römertums in gleicher Weise fort. Als die weltliche Herrschaft Laut nä Leite ii Palästina. (Reiseeindrücke.) Gerim (Proselyten) aus Rußland in Palästina. Beth-Dschen ist ein altes arabisches Dorf, das jetzt der Ica gehört und ungefähr zehn Minuten von der jüdischen Kolonie J e m n i a (Unter-Galiläa) entfernt ist. In diesem Dorfe hat die genannte Gesellschaft zeitweilig fünfzehn Familien angesiedelt, denen sie noch keine festen Sitze anweisen konnte. Unter diesen befinden sich dreizehn Familien russischer Gerim (Proselyten). Wir näherten uns diesem Dorf spät abends. Plötzlich stießen wir auf einen Schlagbaum, der uns den Weg versperrte. Eine derartige Vorrichtung habe ich sonst nirgends in Palästina angetrofffen, dagegen soll sie in den großrussischen Dörfern noch ziemlich im Gebrauche sein. Hinter dem Schlagbaum ertönte das laute Bellen eines Hundes und bald darauf tauchte im Dunkeln eine große Gestalt auf. Wir grüßten mit dem üblichen Roms durch den Strom der Völkerwanderung zerstört wurde, hat der römische Geist in der Papstkirche seine Wiederauferstehung gefeiert, die dank ihrer unvergleichlichen Organisation heute noch die größte Macht repräsentiert. Sie beherrschte einst die Fürsten und heute, in unserem demokratischen Zeitalter, wo die Macht der Höfe an die Völker übergegangen ist, da fand sie erst recht ihre Kraft wieder und beherrscht die Welt absoluter denn je. Wir in Oesterreich wissen ein Lied davon zu singen. ' Unsere Vorväter in Palästina waren den Römern an Tapferkeit und geistigen Fähigheiten gewiß gleich. Trotzdem konnten sie ihre Selbständigkeit nicht behaupten. Sie haben die Freiheit verloren und sind heimatlos geworden. Zerstreut in alle Winkel der Erde sind Judas Söhne überall als Fremdlinge der Bedrückung, der Mißachtung und Verfolgung ausgesetzt. Es ist nicht Hochmut,.Eitelkeit oder Uebertreibung, wenn wir sagen,- daß innerhalb der Judenschaft der Erde sich eine Fülle von geistigen Kräften, glänzendsten Eigenschaften auf geistigem und sittlichem Gebiete konzentrieren. Diese erstaunliche Menge, ja dieser Ueberfluß an geistigem Können und sittlicher Kraft scheint aber den Juden eher zum Schaden als zum Vorteile zu gereichen. Im heutigen Zeitalter, das sich einer nie dagewesenen Höhe der Zivilisation, der wissenschaftlichen Erkenntnis und humanitären Gesinnung rühmt, sehen wir das jüdische Volk tötlich gehaßt, verfolgt und schwach, wie in den finstersten Tagen des Mittelalters. Wo liegt die Ursache? Ein Volk, das trotz unsäglicher, Jahrtausende währender Bedrückung noch hebräischen „Schalom“, worauf uns zur Antwort ein kräftiges russisches „Kto idjot?“ („Wer da?) erscholl. Wir erklärten russisch, daß wir die Nacht gerne im Dorfe bleiben möchten. Die Gestalt näherte sich uns und erwies sich bald als große, kräftig gebaute Frau in typischer Bauerntracht. Sie schien uns wenig wohlwollend zu betrachten. Um das Gespräch lebhafter zu gestalten, wußten wir nichts besseres, als einen Trunk Wasser zu verlangen. Es wurde uns schweigend über den Schlagbaum hinweg gereicht; eine Aufforderung zum Eintreten erfolgte noch immer nicht. Während wir der Reihe nach unseren Durst stillten, wurde die Frau gesprächiger. Es stellte sich heraus, daß wir richtig gegangen und im Dorfe der Gerim sind. Unsere Gesellschafterin war freilich anscheinend von der Auswanderung aus Rußland, wo sie sorglos auf ihrer Scholle lebte, wenig erbaut. Mit religiösen Fragen hat sie sich, wie scheinbar überhaupt die Frauen bei dem Gerim, nicht abgegeben und schien die ganze Uebersiedlung ins „jüdische Land“ ziemlich kritisch' zu betrachten, jedoch folgte sie ohne Widerspruch ihrem Manne, der in solchen Dingen natürlich alles besser wissen mußte. Sie zeigte uns, wo wir die Männer des Dorfes, finden könnten, die zur Zeit bei dem zum Trocknen aus- FEUILLETON