Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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lüöische Zeitung Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., Lieehtensteinstrasse 11 Verkaufsstellen inWIEN:Adml Telephon 12.299. Zeitungsbureau Gol Einzelne Nu Sprechstunden täglich von 11—12 Dir vormittags und 4—5 Dir nachmittags. Manuskripte werden nicht zurückgestellt. Erscheint jä£en Freitag. Abonnementspreise: tn Oesterreich - Ungarn: ration, IX., Liechtensteinstr. 11, Ganzjähr. K 10 — miedt, I., Wollzeile 11. halbjähr. K 5—, Vierteljahr. K 3 — iern 20 Heller. In Deutschland: Ganzjähr. Mk. HF— ’• halbjähr. Mk. 5'—, Vierteljahr. Mk. 3- Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15" Vertretungen in der Provinz: In Brünn: Zeitungsbureau, Ferdinandsgasse. — ln Prag: Zeitungsverschleiß Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Buchstab. Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 5. Wien, Freitag den 29. Jänner 1909. III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Herr Perutz, der Teutone. Unsere Zukunft. Jüdisches Theater. | Dr. Leopold Kahn. 1 Aus dem jüdischen Leben: Allpolnische Brutalitäten. Forderungen der tunesischen Juden etc. Ein netter Vorschlag.! Kreislauf, Gedicht von Beda. Prager Brief. Palästina. Parteinachrichten. Vereinsnachrichten. Feuilleton: Land und Leute in Palästina. Ueberläufer. Verein Jüdische" Böhne “. CM „Intimen Theater“, II., Praterstrasse,* Nestroyliof.) II. Vereins-Vorstellung. Sonntag: den 31. Jänner 1909 naöunlttags 3 Ulir: Eisik Scheftel Ein jüdisches Arbeiterdrama!'in 3 Akten von David Pinski. Eisik Scheftel. Beile, seine Frau. Gischinke, ihr Kind .... Pinie, Eisiks irrsinniger Vater Note Goldin, Fabrikant. . . Orke, sein Sohn-. ... . . Michel, der Alte. Bäre, der Rote. Selig, Komödiant. Leiwik. Ssender . Hile. Joschke ....... Dobe i E'siks Nachbarinnen Gele, Zipes, Tochter .... Sosche } Dobes Töchter:: Wichne, die Krämerin ... . Michael Irrgang . Käthe Osten . Helene Holstein . Egon Brecher . David Hernjann . Erich Rawn . Fr. v. Climöche . Rolf Reisegger . Fritz Lunzer . Emst Reusch .Josef Hübner .Josef Christean . Josef Kastl . Marianne Heller . Jo Rosst . Ella Webers . Vally Illing . Helene Lanna . Rosa Monati Ort: Eine große Stadt im Nordwesten Rußlands. Zeit: Die Gegenwart. In Szene gesetzt von Egon Brecher. Preise der Plätze einschließlich der Gebühren für Pensionszwecke. Parkett-Loge (6 Personen) K 20-60, Loge auf dem Balkon . K 10-60. Ein Parkett-Logensitz 6'30, Ein Balkon-Logensitz 3-60, Cerclesitz K 5-20, Orchestersitz 1. und 2. Reihe K 4-30, Parkettsitz: L. bis 5. Reihe K 3-60, Parterresitz 1. bis 4. Reibe K 2-80, Parterresifz 5. bis 8. Reihe K 1-80, Balkonsitz Mitte K 2-30, Balkonsitz Seite K 1*30. Kartenverkauf: Intimes Theater, Praterstraße (Nestroyhof), Basar I, Rotenturmstraße. Herr Perutz, der Teutone. Wenn Herr Schulde einen dummen Streich ausführt, so ist das Privatsache des Herrn Schulze. Das deutsche Volk kann ruhig schlafen, sein Konto wird damit nicht belastet. Bei uns Juden ist’s anders. Wir sind eine Art Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung. . Für jede Tölpelei des Herrn Kohn oder F.eigelstock aus Krähwinkel müssen wir Äsgesamt aufkommen. Wenn die Oeffentlfckeit nur ein wenig interessiert wird, wen zwei, drei Schundblättchen geneigt sin* die Sache auszunützen, sind auch schon alle Juden in die Affaire verwickelt. Wer und was ist Herr Perutz in Prag? In der jüdischen Geschichte der Gegenwart und Vergangenheit ist der Name nicht verzeichnet. Er tmag in der Kurzwaren¬ oder Tuchbranche einen guten Rang haben, vielleicht in der Hoseniräger- oder Hemdknopfindustrie revolutionierend wirken, wir wissen es nicht. Wir wissen aber, daß Herr Perutz nie unser Führer und Bannerträger war, die jüdische Oeffentlichkeit ihm nicht verpflichtet ist. Und trotz alldem hat ein Schwabenstreich dieses kleinen Unbekannten der österreichischen Judenschaft einen empfindlichen Schaden zugefügt Herr Perutz hat, als begeisterter Germane mosaischen Glaubens, eine Rechnung der czechischen Prager Stadtgemeinde über gelieferte elektrische Kraft demonstrativ zurück gewiesen, weil diese Rechnung — wie schrecklich! — in czechischer Sprache abgefaßt war. Er hat überdies dafür gesorgt, daß diese Heldentat in allen deutschen Blättern ausgeschrottet wurde. FEUILLETON. Land und Leute in Palästina. (Reiseeindrücke.) Safed. Nach Jerusalem ist Safed (Zebath) mit seinen 12.000Juden, die ungefähr 60 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, sicherlich das größte jüdische Zentrum im heiligen Lande. Und doch weiß das europäische Judentum so unverzeihlich wenig von dieser zweitgrößten Gemeinde Palästinas. Gründe dafür gibt es genug. Erstens liegt diese Stadt zwischen hohen Bergen und recht abseits vom ausgetretenen Wege, den die berufsmäßigen Touristen einschlagen, wenn sie kein speziell jüdisches Interesse mitbringen. Zweitens hat man sich auch in jüdischen, sogar in national-jüdischen Kreisen daran gewöhnt, die Safeder Juden ein wenig von oben herab zn betrachten, da sie zum größten Teile zu derjenigen Gruppe der palästinensischjüdischen Bevölkerung gehört, die man gemeiniglich mit dem verächtlichen Namen „C h a- Natürlich hat auch die czechische Presse insbesondere die ländliche, die Sache aufgegriffen und den Jungenstreich des erwachsenen Juden Perutz zum Anlaß genommen, eine solenne Hetze gegen die Juden, diese verfluchten „Germanisatoren“, einzuleiten. Im beseligenden Bewußtsein, die Sache seiner lieben Gesinnungsgenossen, der Antisemiten W o I f, Malik, Stransky und Konsorten wesentlich gefördert und seinen Teil zur traurigen Nationalitätenhetze in Böhmen beigetragen zu haben, sitzt jetzt Herr Perutzsicher und geborgen in seinem Prager Kontor. Die Kosten dieser Heldentat bezahlen die Juden, welche als Kaufleute, Aerzte und Advokaten draußen auf dem Lande von tschechischer Klientel und Kundschaft leben. Ihre ohnehin so schwankenden Existenzen werden durch solche Dummheiten eines satten, und übermütigen Prager Spießers noch mehr erschüttert Es ist wahrlich genug, daß unsere patentierten „deutschen“ Vertreter im Parlamente, der K ir r a ffd a, die Täuflinge Licht und Redlich, uns tagtäglich kompromitieren, indem sie trotz aller Fußtritte den deutschen Antisemiten nachlaufen und unter ihrem Kommando die Slaven sinnlos anbellen, unseren guten jüdischen Namen in diesem durch und durch faulen Streite zwischen Deutschen und tschechischen Geschäftspolitikem engagieren. Wenn jetzt noch, ä la Perutz, Stimmen aus dem jüdischen Publikum in den häßlichen Chor einfallen, so ist es hoch an der Zeit, daß die anständige jüdische Oeffentlichkeit eine energische Abwehr einleitet. In dem Kampfe zwischen Deutschen und Tschechen haben wir Juden strenge Neutralität lukajuden* abzutun pflegt. Ein „Chalukajude“ erscheint der Phantasie des europäischen Stammesgenossen als arbeitsscheuer fanatischer Geselle, der jeder produktiven Arbeit, wie jedem Wissen abhold ist. Was mich betriftt, so freue ich mich, aus eigener Anschauung die vorgefaßte Meinung gründlich revidiert zu haben. Mag den ersten Begründern der Chaluka die Absicht vorgeschwebt haben, einer gewissen Anzahl von frommen Juden die Existenz so weit zu sichern, daß sie eben nichts tun brauchen, als Thora zu lernen und gottgefällig leben täten, so steht fest, daß die Chaluka an so ein Ziel nicht denkt, noch denken kann; denn sie müßte über unermeßliche Schätze verfügen, um alle Anwärter zu berücksichtigen. Freilich gibt es einige Juden, die ihr ganzes Einkommen von der Chaluka beziehen, das sind aber immer nur ganz alte alleinstehende Personen oder noch ganz junge, eben verheiratete „junge Leute“, die sich ganz dem Thorastudium an den „Z i j u n i m“ (Grabmäler der alten geistigen Helden des Judentums), widmen wollen. Aber, wie gesagt, die Zahl solcher Talmudjünger ist sehr gering. So umfaßt der Zijun von Rabbl-Simon-bar-Jochai, vielleicht der größte im Lande, ungefähr fünfzig askenasische Jünger. Ein zweiter berühmter Zijun ist der von Rabbi-Meir-baal-haneß bei Tib e rias.