Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 5. Der D.-T. lehnt schon jetzt rundwegs jedes Kompromiß mit den bisherigen Machthabern der Wiener Kultusgemeinde ab. 6. Der D.-T. fordert das D.-K. auf. die alte Institution der monatlichen öffentlichen D.-K.- Sitzungen wieder ins Leben zu rufen. * * * Hochschulkurse für Palästinakunde, veran- •staltet vom Verein „Theodor Herzt“ in Wien. Da die Anmeldungen für die in der Zeit vom 20. bis 24. Februar stattfindenden Kurse sehr zahlreich einlaiifen und nicht mehr Karten ausgegeben werden •können, als der verfügbare Raum gestattet, werden die Interessenten (vor allem die jüdischen Korporationen) ersucht, ihre Anmeldungen möglichst rasch ■zu vollziehen.' Von Mittwoch, den 13. Jänner ab werden die provisorischen Legitimationskarten mit Platznummer im V e r- ■e i n s 1 o k a 1 e, VIII., A 1 s e r s t r a ß e 7, P a r t e r r e, t ä g 1 i c h (mit Ausnahme Sonntag) in der Zeit von 7 bis 9 Uhr abends gegen Erlag •einer Angabe ausgegeben. Der Umtausch derselben gegen die zur Teilnahme an den Kursen berechtigenden. nur persönlich gütigen Eintrittskarten erfolgt 14 Tage vor Beginn der Kurse. Wir bitten nochmals um Angabe von Adressen -an die wir unsere bereits fertigen Prospekte mit Aussicht auf Erfolg versenden könnten. Die Vereinsleitung. Brief aus Palästina. Von unserem Korrespondenten. Jaffa, am 4. Jänner 1909. Der jüdische Nationalfonds hat einen Teil seines Besitzes in Chulda. in der Nähe von Ramleh vorläufig an kaukasische Bergjuden verpachtet. Bekanntlich ist die Besitzung für den Herzlwald ausersehen und in kurzem wird schon ein Gebäude des Nationalfonds dort errichtet werden. * * * Unmittelbar an den Grenzen von Gederah wird ein Bodenstück von 8000 Dunam. von einem AFabeF verkauft, u. zw. um den äußerst billigen Preis von 25 Francs pro Dunam. Die Kolonisten von Gederah bemühen sich für eine dadurch ermöglichte Erweiterung ihrer Kolonie Propaganda zu machen. * * * Der seit längerer Zeit gehegte Plan einer i n n e r j ii d i s c h e n O r g a n i s a t i o n in Palästina soll endlich zur Ausführung gelangen, nachdem der bisherige, ziemlich willkürlich zusammengesetzte Palästinarat kaum eine nennenswerte Arbeit geleistet hat. Die neue Organisation soll durch allgemeine Wahlen ihre Delegierten erhalten u. zw. aus den größeren Städten entsprechend ihrer Bevölkerungszahl, Delegierte der Kolonien, ferner Vertreter der verschiedenen an der Palästinakolonisation beteiligten Gesellschaften. * # Das seiner Vollendung nahe, neue großangelegte Gebäude der Mädchenschule in Jaffa ist bei dem letzten heftigen Sturme zum Teil eingestürzt. Um diesen Bau ist zwischen der Arbeiterpartei „Poalei Zoir“ und den Leitern des Baues ein Streit entstanden, weil ausschließlich arabische Arbeiter verwendet wurden, obwohl die „Poalei-Zoir“ mit Recht auf die große Zahl jüdischer Bauarbeiter in Jerusalem (besonders unter den Jemeniten) aufmerksam gemacht hatten, in der letzten Zeit wurden jüdische Arbeiter vereinzelt herangezogen. Gegen die jüdischen Arbeiter wurde der Vorwurf erhoben, daß sie durch einen Streik die rechtzeitige Vollendung des Baues verhindert hätten. Eine Baukommission hat jedoch als Ursache des Einsturzes technische Fehler im Baue nachgewiesen. * * * Jerusalem war vor kurzem der Schauplatz eines Druckerstreiks. Der Anlaß war ■ein geringfügiger; doch kanten darin längst JÜDISCHE ZEITUNG. schlummernde gesellschaftliche Gegensätze zum Ausbruch. Die Partei der Arbeitgeber verbot den Arbeitern jegliche Teilnahme; an einer der bestehenden Organisationen, worauf die Arbeiter mit einem Streik antworteten, der auch über die Drucker hinausgriff. Insbesondere beteiligte sich daran eine Gruppe jüngerer Jerusalemer Elemente der Organisation „Chewrat Achim“, welche gegen die Rabbinerpartei kämpfen. Merkwürdigerweise schlossen sich der letzteren auch die offiziellen Vertreter des deutschen Hilfsvereines und der Alliance an, während die Zionisten einen Ausgleich herbeizuführen suchten. Es kam zu einer Konferenz zwischen den Führern der einander gegenüberstehenden Parteien in der die Arbeiter offiziell nachgaben. ♦ * * Im Bezalel, wo in letzter Zeit sehr hübsche Silberfiligranarbeiten hergestellt werden, ist jetzt eine neue Abteilung für Kupferziselierung eingerichtet worden. Diese Industrie, welche in Damaskus im großen Maße gepflegt wird, wird von einer Damaszener jüdischen Familie im Bezalel begonnen. . * * * In Jerusalem wird eben von zwei jüdischen Unternehmern aus Deutschland eine allgemeine Buch- und Kunsthandlung eröffnet. In letzter Zeit hat sich auch ein Komitee zur Gründung eines hebräischen Gymnasiums gebildet, dessen vorbereitende Kurse bereits eröffnet wurden. Palästina. Die Kolonie der zionistischen Landentwicklungsgesellschaft. Jaffa. Einem Briefe, den Dr. Jakob Thon, Sekretär des Palästina-Amtes, anläßlich des zehnjährigen Jubiläums seiner Verbindung „Emunah“ in Lemberg an seine Bundesbrüder gerichtet hat, entnehmen wir folgende Schilderung: „Die Palästina-Landentwicklungsgesellschaft hat ihre Arbeiten auf dem von dem jüdischen Nationalfonds gekauften Boden begonnen. An der Stelle, wo der Jordan den Genezarethsee verläßt, einem der landschaftlich schönsten Punkte Palästinas, hat sic die Kolonie „Kinereth“ begründet. Die neue Kolonie läßt in Anbetracht der in den ersten sechs Monaten erzielten Erfolge die besten Resultate erhoffen und verspricht eine Musterkolonie zu werden. Die Gesellschaft ist bestrebt, immer größere Landstrecken zu erwerben und sie dermaßen vorzubereiten, daß neu ankommende Kolonisten eine bereits hergerichtete Wirtschaft finden und sie mit Hilfe eines ihnen gewährten Bodenkredites erwerben können. Außerdem erzieht die Gesellschaft in ihrer Kolonie „Kinereth“ eine Anzahl geschulter jüdischer Feldarbeiter, an denen jetzt in Palästina Mangel ist.“ * * * Errichtung einer Wasserleitung in Jerusalem. Jerusalem. Am empfindlichsten hat die Bevölkerung Jerusalems unter dem Mangel an gesundem Wasser zu leiden. Bekanntlich wird hier das Regenwasser in Zisternen für das ganze Jahr aufgesammelt. In den seltensten Fällen jedoch sind die Zisternen so gebaut, daß sie genug Wasser halten und immer sauber bleiben können. Sie sind vielmehr meistenteils in unsauberem Zustande, und jede Zisterne ist ein gefährlicher Herd von Malariabazillen. Nur so läßt sich die starke Verbreitung des Maiariafiebers in Jerusalem erklären, welches zirka 800 m über dem Meeresspiegel gelegen, an sich durch ein gesundes Klima und trockene, gute Luft auszeichnet. Wenn gegen das Sommerende der Wasservorrat in den Zisternen zur Neige geht und die ersten Regentage auf sich warten lassen, tritt das Fieber geradezu epidemisch Seite 7 auf. So ist dies gerade in den letzten drei Wochen hier der Fall. Es gibt wenige Familien ohne Kranke, in vielen Schulklassen fehlt oft ein Drittel der Schulkinder und noch mehr. Das von der einige Kilometer von Jerusalem entfernten Bitterquelle gebrachte gute Wasser wird zu hohen Preisen verkauft, so daß ärmere Familien sich diese Ausgabe nicht leisten können. So ist die Beschaffung guten Wassers für die Bevölkerung Jerusalems eine Existenzfrage im vollsten Sinne des Wortes. Es gebührt dem jetzigen Gouverneur Jerusalems, Sabhi Bey, das Verdienst, mit einer Energie dieser Angelegenheit sich angenommen zu haben, die auch einen guten Erfolg erwarten läßt. Die Regierung ließ das ihr vorgelegte Projekt, von der Aruba-Quelle (zwischen Bethlehem und Hebron) das Wasser nach Jerusalem zu leiten, durch Wasseringenieure prüfen und es wurde festgestellt, daß diese Quelle zirka 2000 Kubikmeter Wasser per Tag liefern kann. Die Bevölkerung Jerusalems betragt etwa 80.000. Wird der tägliche Wasserverbrauch im Durchschnitte mit 25 Liter per Person angenommen, so kann die Aruba-Quelle ganz Jerusalem mit Wasser versorgen. Die Kosten der Errichtung der Wasserleitung werden auf etwa 2 Millionen Francs veranschlagt. Diesen Betrag will die Jerusalemer Stadtverwaltung durch eine zu 5 6 Prozent verzinsliche und in dreißig Jahren amortisierbare Anleihe, deren Rückzahlung durch Verpfändung des Grundeigentums der Stadt Jerusalem gesichert werden soll, aufbringen. Zur Finanzierung des Unternehmens soll sich eine Aktiengesellschaft bilden. Man hofft auf einen leichten Absatz dieser Aktien nicht allein in Jerusalem, sondern auch im Auslande, zunächst unter jenen Konfessinnsgemeinschaften, die größere Kolonien in Jerusalem unterhalten. Die Juden mit ihrer großen Majorität unter der Jerusalemer Bevölkerung haben naturgemäß das lebhafteste Interesse am Zustandekommen dieses Werkes. In der französischarabischen Beilage des „Haschkafa“ wendet sich Direktor Levy mit einem warmen Appell an die Einwohner Jerusalems, durch Zeichnen von Aktien das Unternehmnn zu fördern. * * * Eisenbahnverkehr. Jaffa. Der Eisenbahnverkehr in Palästina hat durch die Einführung des täglichen Personenzugverkehrsauf der Strecke Haifa-Damaskus eine bedeutende Verbesserung erfahren. Eine weitere Verbesserung ist dadurch herbeigeführt worden, daß jetzt die Personeuziige. auf der Strecke Jaffa- Jerusalem in jeder Richtung nicht nur einmal, sonder zweimal täglich verkehren. Des morgens und mittags wird ein Zug in jeder Richtung abgelassen. Man kann also jetzt in einem Tage von Jaffa nach Jerusalem und zurück fahren, was bisher trotz der relativ kurzen Entfernung (86 Kilometer) nicht möglich war, was für den Verkehr der Hafenstadt Jaffa mit der heiligen Stadt und den dazwischenliegenden Kolonien ein nicht zu unterschätzender Fortschritt ist. Ein interessanter Brief. Gelegentlich der Gründung derP.L.D.C. zeichnete ein Herr Sachsen 5 Pfund Sterling für diese Gesellschaft. Nach einigen Monaten sandte der Betreffende aus eigenem Antriebe weitere 10 Pfund Sterling für denselben Zweck. Ohne zu ahnen, daß dieser Herr ein Christ ist, wandte vor einigen Wochen das Palästina-Ressort sich an ihn m t der Anfrage, ob er sich vielleicht an der in Gründung begriffenen und überaus chancenreichen Terraingesellschaft „Haifa“ in. b. H. beteiligen würde. Hierauf erhielt das Palästina-Ressort vom Adressaten folgende höchst bemerkenswert Antwort: