Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 3 (1909)
- Issue
- 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Redaktion, Administration Inseratenäufnahme: und I*., Lieehtensteinstrasse 11 Telephon 12.299. SneeistaoieB läglich tob 11—12 u&r Tormittags mH—5 Ohr naclinittass. Manuskripte werden nlcbt zurückgestellt. WOCHENSCHRIFT. — Erseheint jeden Freitag. — Verkaufsstellen in WIEN: Administration, IX.; Liechtensteinstr. 11, Zeitungsbureau Goldschmfiedt, L, Wollzeile 11. Abonnementsprefse: ln Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10'- halbjähr. K 5 -, Vierteljahr. K 3- In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10'— halbjähr. Mk. 5’- , Vierteljahr. Mk. 3- , Einzelne Nummeni|20 Heller. Im übrigen Ausland ganzj.. Frcs_. lö--, Vertretungen in der Provinz: In Brünn: Zeitungsbureau, Ferdinandsgasse. — In Prag: Zeitungsverschleiß Wlczek,- Graben 33. — ln Lemberg: Karl Buchstab. - - Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 2. Wien, Freitag den 8. Jänner 1909. III. Jahrgang. AUS DEM INHALTE: Die Feinde sammeln sich!. Allpolnischer und panmagyarischer Antisemitismus. .Galizischer Brief. Schneiders Jünger. Gedicht von Beda. Aus dem jüdischen Leben. Feuilleton : Am Grabe Davids; Heinrich Heine über die.Taufe. Ueberläufer. Vereinsnachrichten. Infolge technischer Schwierigkeiten, diedurch die Herstellung der Zeitung in-einer anderen Druckerei entstanden sind, wird fliese Nummer um einen Tag später ausgegeben. | M akkab äeffeier g Sonntag, den 10. Jänner 1909 im ** Hotel Sayoy, VI., Mariahilferstr. 81. Festrede: Reichratsabgeordneter ■"* Prof. Dr. Artur Mahler. Vorlesungen eigener Dichtungen Beda (Dr. Löhner). Musikalisch-deklamatorische Vorträge und Tanz. -■ ■ ■ ■ Beginn 8 Uhr abends. —- ■ Einzelkarten K 1.50, Familienkarten (gütig für 4 Personen) K 4.—. Für reservierte Plätze ist an der' Kasse, für Entreekarte K 1.—, für Familienkarte K 2.— zu entrichten. Das Reinerträgnis fällt dem Baufond des jüdischen Studentenheimes zu. Karten zu haben bei allen KomiteemitgUedern und ln folgenden Verkaufsstellen: Cafe Mariahilf, VI., Mariahilferstraße 89 Cafe Westend, VH., Mariahilferstraße 126 Cai& Boulevard, VI.; Mariahilferstraße 127 Cafe Schwenderhof, XIV., Mariahilferstraße 189 Restaurant Reisz, VH., Mariahilferstr. 124 Restaurant Epstein, VII., Zollergasse Gaf6 Marienbrücke, I., Rothenturmstr. 31 Cafö Jägerhof, IX., Porzellangasse 22. Das Exekutivkomitee. Innerösterreichischer Distriktstag. Der Distriktstag vom 13. Dezember 1908, der sich auf vier Wochen vertagt hatte, wird am 10. Jänner 1909 fortgesetzt. Die Herren Delegierten und Vertrauensmänner werden eingeladen, sich pünktlich um halb 10 Uhr vormittags im Bureau des Zionistischen Zentralvereins, IX., TfirkenstraBe.Q, einzufinden. : Die provisorische Leitung des D.-K.: Alfred Brecher, Siegfried Beer, Dr. Max Jerusalem. Die Feinde sammeln sich! Der Rumänenklub des österreichischen Parlaments, bestehend ans den Abgeordneten Landesregierungsr»^.; Graf B e ft eg a r d e, Landesgerichfsrät Konstantin I s opescü 1, Großgrundbesitzer Baron Hormuz a k i, LandesgerichtsratS i m i on o v i ci und Bezirkshauptmann. R. von O n z i u 1, hat bei der christlichsozialen Vereinigung das Hospizium angemeldet, das heißt: die G esamtvertretung eines österreichischen Volksstammes ist in den Schoß der christlichsozialen Partei eingegangen. Die üblichen FEUILLETON., Am Grabe Davids. Von Davis Tr ie tsc h. Vor Jahren war ich einmal am Grabe unseres Königs David in Jerusalem. Es war am Tage des Schebuoth-Festes, und viele Juden waren gekommen, um gleichfalls das Grab zu sehen. — Einige sagten mir, es sei sehen, daß die Türken den Besuch gestatteten — andere sagten, der Tag hätte nur den Vorzug, daß k heute kein Eintrittsgeld erhoben würde, aber die paar Pfennige, die sonst verlangt würden, kämen bei der armen Bevölkerung Jerusalem einem Verbote gleich. — In der Burg und im Vorsaal des Grabes drängte sich die Menge, und auf dem schmalen Treppchen, das an der einen Saalwand in das obere Gemach hinaufführt, stand einer an den anderen gepreßt, bis der obenstehende Soldat wieder eine kleine Anzahl einließ. In dem oberen Zimmer ist nahe der Treppe ein Fensterchen; mit einem Gitter, durch das man in ein „Vorbehalte“ wie: eine gewisse Unabhängigkeit v.on Klubbeschlüssen, Selbständig? keit bezüglich der Behandlung nationaler Fragen u. dgl. m. wurden natürlich gemacht. Wer aber die Entstehungsgeschichte: der*christlichsozialen Partei kennt, weiß, daß dies alles nur leere Formalitäten ui$ die guten Rumänen von nun ab als faktische und organisierte Luegerianer zu betrachten sind. Wie viele haben sich schon mit „Vorbehalt“ der christlichsozialen Partei angeschlossen, waren sie aber einmal drin, so ist keinem eingefallen, von (fiesem -„Vorbehalte“ auch nur den bescheidensten Gebrauch zu machen! Für uns Juden ist übrigens die Frage, ob diese Verklausulierungen ehrlich gemefst sind oder nicht, schon gar nicht von Belang, denn _ bezügjieh der antisemitischen Prögrämmpünkte wurden seitens der- Rumänen überhaupt keine einschränkenden Bedingungen gestellt, gegen di^.Juden -v tun sie allezeit frisch, fromm und fröhlich mit. Und daß diese neugeworbenen christlichsozialen Rekruten in dieser Richtung nicht nur wacker mittun, sondern manchen anderes Zimmer hineinsieht. Dort steht ein riesiger Sarg mit Tüchern verhangen, auf _ denen nach arabischer Art Stickereien angebracht sind. Der Sarg in diesem oberen Gemach ist nur eine Nachbildung des “ Sarges, der an derselben Stelle tief unter der Burg in einer Felsenkammer ruht, und den die Türken ehrfürchttg und eifersüchtig behüten. Aber das Volk, das nur den oberen Sarg kennt, sagt: dies ist das Grab Davids. Der Besuch des Grabes bestand darin, daß man durch das Gitter hindurch den Sarg betrachten durfte. Eine türkische Militärwache sorgt dafür, daß niemand zu lange den Platz vor dem Gitter versperrte. Es wollen j‘a viele heran. Aber wer da wollte, durfte noch eine Weile in dem Zimmer bleiben und —- den Blick auf das Gitter gerichtet — beten . . . Das taten viele. Unter den Anwesenden bemerkte ich eine sehr alte Frau, hochgewachsen, eine prachtvolle alte Judenfrau. Sie konnte sich kaum von dem Gitter trennen, blickte tränenden Augen hindurch und schluchzte und betete, alles zu gleicher Zeit. Sie stand mit erhobenen Händen, und berührte mit den Fingern ihre Augen, und küßte die