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Jüdische Zeitung · 1908-12-25 · 52 (25.12.1908) · p. Seite 8

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
52 (25.12.1908)
Date
1908-12-25
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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sei, auch sei im Vorwürfe der Mitarbeit eines Juden an antisemitischen Blättern und der Koalit'on mit den Antisemiten keine Beleidigung enthalten, da diese Vorwürfe nur bedeuten, dass für d:e antisemitischen Blätter Material geschafien wurde durch das, was in den oppositionellen Versammlungen gesprochen und in der ' „Jüdischen Zeitung“ geschrieben wurde. Hiefür wurde in eventu der Wahrheitsbeweis angeboten. Vergebens bemühte sich der Klagevertreter Herr Dr. Krassiiy und der Privatkläger Herr Dr- Z w e i g, dem Richter klarzumaciien, dass durch die versteckten Angriffe d e Kläger als Führer der Opposition getroffen werden sollten, das Urteil lautete auf Freispruch, weil das Strafgericht mit vagen Ausdrücken wie „e'ne Partei“, „die Opposition" nicht hantieren könne. Demgemäss entfiel auch der Wahrfe:tsbewe:s. Dieses freisprechende Urteil mag Juristisch einwandfrei sein, Jedenfalls hat es den Herrn Kultuspräsidenten, der sich hinter die Einwendung der mangelnden Klagslegitimation geflüchtet hat, moralisch gerichtet. E. Z. Das zehnte Semester des Vereines „Theodor Herzl“ in Wien. Der Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl" tritt in sein zehntes Semester. Der Verein wurde zu einer Zeit gegründet, als unmittelbar nach dem Tode Herzls der Zionismus sein sichtbares Haupt verloren hatte. Damals erkannte eine Schar Junger Studenten den tieferen, den eigentlichen Sinn einer Jüdischen Studentenorganisaticn. Der Zionismus hatte im Osten und Westen die Geister geweckt, Bücher, Broschüren, Programme waren erschienen, an die grundlegenden Probleme des neuen Gedankens hatten sich grüblerische Gelehrte herangewagt, aber es fehlte die Uebersicht, die ordnende Hand, der kritische Geist und — vor allem ein vermittelndes Organ. Dies alles sollte der neue Verein gewähren: Eine Sammlung all dessen, was im Zionismus zur Erkenntnis gereift war, ein Studium dessen, was den Zionisten bisher nur Wunsch und Hoffen war, eine Vermittlung ostjüdischer Kulturschätze und ein gründliches Erfassen Jüdischer Art und völkischen Wesens. Um diese Arbeit in ein System zu bringen und das Gewonnene wohlgeordnet zu .bewahren und zu vermitteln, wurde ein Seminar gegründet, das Abend für Abend die Mitglieder zur gemeinsamen Arbeit vereinte. Das Resultat zehnsemestrigen Fleisses will der Junge Verein der zionistischen Oeffentlichkeit vorlegen. Der Verein hat ausser der Kulturarbeit unter seinen Mitgliedern auch die Aufgabe auf sich genommen, die Gedanken, die in seiner Mitte gereift waren, der Oeffentlichkeit zu vermitteln und den Geist nach aussen zu tragen, der seine Mitglieder beseelt Denn kein selbstsüchtiges Ziel hat seine Arbeit geleitet, kein Selbstzweck war seine Gründung und kein Selbstzweck soll die Feier sein, die sein zehntes Semester einleitet. Die Natur des Vereines bringt es mit sich, dass sich seine Mitarbeiterschaft auf einen kleinen Kreis gleichgesinnter Kameraden beschränken muss, mit den Veranstaltungen aber, die fetzt geplant sind, will er allen Jenen, die guten Willens sind, Gelegenheit geben, mit ihm ein Stück gemeinsamen Weges zu gehen. Vielleicht geht mancher dann denselben Weg allein weiter- Vor allem wird die Tätigkeit des zionistischen Seminars durch ein im Laufe des Monates J äinner erscheinendes Jahrbuch der Oeffentlichkeit unterbreiten. Dieses Jahrbuch enthält ausschliesslich wissenschaftliche Aufsätze von Vereinsmitgliedern, u. a. der Herren Dr. Daniel Pasmanik, 'Dr. Josef Meist, Dr. Ernst Müller, Dr. Ignaz Schipper etc. Der Umfang des Buches wird zirka 120 Druckseiten betragen. Die Aufsätze behandeln Themen, die im Semirar bearbeitet wurden. Preis K 2.40- Vorausbestellungen werden schon jetzt entgegengenommen und sind an die Adresse Hugo Eben, IX-, Währingerstrasse 26, Tür 24 zu richten. Ferner finden im Laufe des zehnten Semesters folgende grössere Veranstaltungen statt: Am 31. Jännef 1909 veranstaltet der Verein im Saale des ■, Hotel C o n t i ne n t a 1 einen Perez-Abend, um weitere Kreise iür die jüdische Literatur zu interessieren und ihnen einen der besten Vertreter in seinen Werken vorzuführen. Ihre Mitwirkung haben hervorragende Kunstkräfte zugesagt. Den einleitenden Vortrag über Perez wird Herr Martin B u b e r halten- Näheres in kurzer Zeit aus den Programmen. Diesbezügliche schriitliche Anfragen beantwortet Siegfried Schmitz, IX., Schulz-Strassnitzkygasse 6, Tür 11. Damit allen Zionisten Gelegenheit geboten werde, den für uns so wichtigen Fragen der Palästinakunde näherzutreten, finden in der Zeit vom 20. bis 24. Februar 1909 in einem - Hörsaale einer Wiener Hochschule wissenschaftliche! Palästinakurse statt, in welchen alle in die zionistische Interessensphäre fallenden Fragen über Palästina und den Orient von Fachmännern behandelt werden. Zur Abhaltung dieser Kurse haben sich bis Jetzt bereit erklärt: Prof, der Koiisularakademie Regierungsrat Dr. Josef Q r u n z e 1, Prof, der orientalischen Akademie Dr. Obermeyer, Universitätsprofessor Dr. E. Oberh u m m e r, Dozent Dr. .Karl Uli mann, Dr. Michael Berkowicz, Dozent Dr. D. Pasmanik, kais. Rat Wilhelm Schwarz ua. m. Die Inskriptionsgebühr (für ca. 28 Stunden) wird für; Studenten K 5.—, für Nichtstudenten.K 10.— betragen. Schriftliche Anmeldungen für die Inskription nimmt Leo Goldhammer, IX„ Brünnlgasse 6, entgegen. Die Vereinsleitung bittet die Gg., an dieselbe Adresse auch Name und Adresse solcher Personen angeben zu wollen, an, welche die demnächst erscheinenden ausführlichen Prospekte für diese Kurse mit Erfolg zu senden wären. ■Den Abschluss der Veranstaltungen bildet eine am 23. Oktober 1909 im grossen Musikvereinssaa 1 e stattfindende Herzlfeier, die in erhebender Weise das Andenken des grossen Mannes ehren soll, dessen Namen der Verein trägt. Alle auf diese Veranstaltungen bezüglichen schriftlichen Fragen und Wünsche werden vom Vereinspräses Georg Weiner, IX., Bindergasse 6, beantwortet. Telephonische Auskünfte werden täglich erteilt Telephonnummer 18451. Mündliche Auskünfte von 7—9 Uhr abends im Vereinslokale, VII., Alserstrasse 7, parterre. Die Vereinsleitung. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Oaffentliche KuUusvorstandssitzung. Wien. Sonntag, den 27. Dezember 1908, 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde, I, Seitenstettengasse 4, eine öffentliche Sitzung statt. Gegenstand: Festsetzung der Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben des israelitischen Kultnsgemeinde Wien, sowie sämtlicher unter der Verwaltung der Kultusgemeinde stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1909. Wien. (Verein Poale-Zion.) 'Samstag, am 26. d. 11. findet im eigenen Lokale (II., Grosse Pfarrgaese 12) um 8 Uhr abends ein Vortrag von Gen. . L. Goldhammer über,Kautskys Ursprung des ChriBtentumes“ statt Gäste herzlich willkommen. Wien. (Verein jüdischer Hochschüler „Chej ruth“.) Freitag, am 25. ds. findet im eigenen Lokale (IL, Grosse Pfarrgasse 12) eine interne Makkabäerfeier statt- Die Festrede hält Gen. Wattenberg. Ausserdem musikalische .und vokaliache Vorträge. Anfang präzise 8 Uhr. Eintritt gegen Einladungen. Wien. Das Vereinslokal des akad. Vereines „Jüdische Kultur“ befindet sich ab 15. Dezember d. J. Schreygässe 9, Parterre. Die jüdischen Sprachkurse werden wie früher jeden Dienstag und Donnerstag von halb 8 bis halb 9 Uhr abends abgeha'lten. Wien. Der Brigittenauer Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein veranstaltete Sonntag den 13d. M. in den Lokalitäten des Brigittenauer israelitischen Kindergartens seine 13. ordentliche Generalversammlung. Die Präsidentin des Vereines. Frau Dr. Emilie Weiss, eröffnete als Vorsitzende die Versammlung, konstatierte die Beschlussfähigkeit und begrüsste die Mitglieder sowie die zahlreich erschienenen Gäste. Hierauf erstattete Herr Josef Ko hn den Tätigkeitsbericht für das abgelaufene Vereiusjahr, welcher mit einigen Worten und Ziffern das Werk des Vereines im Jahre 1908 schilderte. Er wies darauf hin, dass für die Armenpflege int 20. Bezirke der ansehnliche Betrag von K 15.507 verausgabt wurde, dass zusammen mit dem unter der erspriessliehen Leitung des verdienstvollen Obmannes Herrn Heinrich Weiner stehenden Vereine „Die Brüder“ und mit dem Israel. Unterstützungsverein die stattliche Anzahl von 368 armen Schulkindern im 20. Bezirke mit vollständiger warmer Winterkledung und guten Schuhen beteilt wurde, dass dank des Verbandes zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen 216 Wöchnerinnen, d. i. mehr als 35 Prozent aller in ganz Wien von dem genannten Verbände unterstützten Wöchnerinnen, mit einem Auiwande von K 8171 bedacht wurde. Der Brigittenauer israel. Frauenwohltätigkeitsverein sieht in diesem Verbände, welchem die meisten israel. Frauen-Wobltätigkeitsvereine unter vollständiger Wahrung ihrer Autonomie angehören und der unter dem segensreichen Präsidium der hochherzigen Frau Baronin Charlotte Königswarte r und Frau Rosa Zi ff e r e r so ruhmvoll wirkt, ein hervorragendes Beispiel gedeihlichen Zusammenwirkens zu einem grossen edlen Zwecke. Redner stattete sodann allen Mitgliedern und Gönnern den Dank für' ihre Förderung ab, hob insbesondere die Subvention der Kultusgemejnde von K 800 und ausserdem eine solche von K 600 zur Anschaffung von Schuhen hervor- Herr Kohn gab eine kurze Uebersicht über die bisherige Tätigkeit des Vereines, der iür die öffentliche Armenpflege im 20. Bezirke bisher den Betrag von K 126.544 aufgewendet hat. Hierauf verlas die Kassierin Frau Anna Goldner den Gebarungsausweis pro 1908, indem sie hervorhob, dass der Verein, welcher eine Thesaurierung seiner Einnahmen, die Zweckspenden ausgenommen. grundsätzlich vermeide, bloss mit e:nem Saldo von K 15 ins neue Vereinsjahr''trete und mit grosser Besorgnis dem enormen Andrange Notleidender entgegensehe, der sich von Jahr zu Jahr durch die Ansiedlung zahlreicher armer Familien aus dem Osten der Monarchie ausserordentlich steigere. Sodann ergriff die Kontrollorin Frau Katharina Kohn das Wort zum Kontrollberichte und richtete an die Anwesenden einen warmen Appell, die Interessen des Vereines nach besten Kräften zu fördern. Reichlicher Beiiall lohnte die trefflichen Ausführungen der Rednerin. Nun hielt Dr. Heinrich Schreiber einen geistreichen Vortrag über „Wesen und Begriff der Armut und Wohltätigkeit“. Nachdem die Präsidentin dem bewährten Redner unter dem Beifall aller Anwesenden gedankt hatte, schloss sie die Versammlung. Radautz. Auf Initiative der Vereine „Poale und Poalos Zion“ hatten die Radautzer Juden Gelegenheit, die bekannte Agitatorin Frau B. Pewsner aus New York zu hören. Frau B- Pewsner hielt hier drei Vorträge, die lebhaftes Interesse sogar in den Assimilantenkreisen erweckten. In gelungener Weise schilderte die Rednerin in ihrem zweiten Vortrage die Bedeutung der türkischen Revolution iür den Zionismus. In ihrem dritten Vortrage „Strömungen im jüdischen Proletariat“ wies die Rednerin in vortrefflicher Weise nach, wie verblendet und verführt das jüdische Proletariat von unseren assimilatorischen Internationalen wird, die geradezu darauf losgehen. die Existenz einer Jüdisch-proletarischen Partei zu vernichten. Leibhafter Beifall belohnte die Rednerin für ihre überaus gelungenen Ausführungen. Bitte! Viele hundert israelitische Kinder in der Brigittenau sind der bittersten Not preisgegeben. Sie leiden Hunger und frieren. Wir bitten unsere Glaubensgenossen: Nehmet euch dieser armen, zarten Kinder an und heliet nach euren Kräften, damit die im Lokale XX„ Kluokygasse Nr. 7, bereits begonnene Ansspeisung ■ im notwendigen Umfange fortgeführt werden könne. Spenden nimmt entgegen: Das gefertigte Komitee für die Verköstigung israelitischer Kinder in der Brigittenau und die Kassa der Israelitschen Kultusgemeinde in Wien, I-, Seitenstettengasse 4, I. Stock. Dr. Alfred Berger Heinrich Weiner Kultusvorstand Obmann d. Vereines „Brüder“ L. Judenplatz 8. IX.. Pramergasse 1.

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