Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 48 (27.11.1908)
- Date
- 1908-11-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 Kommilitonen! Unsere Mensa academica, eine vor* nehmlich von jüdischem Gelde erhaltene Institution ist durch den Terrorismus der deutschnationalen Studentenschaft gesperrt und dadurch eine grosse Zahl jüdischer mittelloser Studenten hart betroffen worden. Der Unterstützun.gsverein für jüdische Hochschüler aus. Mähren und Schlesien Willi hier helfend eingreifen und hat beschlossen, bis zur Wiedereröffnung der Mensa allen Kommilitonen deren Mensamarken abzulösen. Amtsstunden täglich von 5—6 Uhr nachmittags im Caf6 „Jägerhof“, IX., Porzellangasse Nr. 22. Für den Unterstützungsverein fiir jüdische Hochschüler aus Mähren und Schlesien: Cand. ing. Otto Krasny. Liste der Überläufer vom 18. bis 25. November 1908. Pauline Fischer, 1880 Wien, ledig, XVI., Ganglbauergasse 36. Adolf Grossmann, 1893, Wien, ledig, Handeispraktikant, *11., Novaragasse 16. Moriz Steinfeld, 1875 Brünn, gesch., Kaufmann. 11., Stuwerstrasse 19. Pauline, geb. Magaziner, Jozefi, 1881 Wien, verh-, Beamtensgattin, II., Kaiser Josefstrasse 23- Franziska Goldfeld, 1875 Breslau, ledig, Private. 111., Hanselgasse 6- Margit Scheer, 1883 Budapest, ledig. Private. XIV., Sechshauserstrasse 74. Heinrich Jalowetz, 1882 Brünn, ledig, Kapellmeister, IX., Säulengasse 11. Marie Spoliansky, 1886 Odessa (Russland), ledig, Privat, I., Singerstrasse 2. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Der Erste Zionistische Frauenverein veranstaltet am Nachmittag.des 20. Dezember 1908 Im Hotel Central, Taborstrasse, e'ne „C o n versa zi o n e“ zum wohltätigen Zweck, mit musikalischem und deklamatroischem Vortrag. Erstklassige Kunstkräfte haben bereits ihre Mitwrrkung zugesagt. Beginn 4 Uhr. Entree K 1.50. An deer Kasse K 2.—. Karten sind zu haben im Vereinslokal Cafe City, Porzellangasse, Kongressbureau IX., Türkenstrasse 9. Restaurant Reiss, VII., Mariahilferstrasse 144, Frau Dr. Kahn. VII-, Neubaugasse 11. Frau Rappaport, II., Rote Sterngasse 6. Frau Direktor Weiss, I., Schottenring 15. Wien. Donnerstag den 3. Dezember 1908, präzise halb 5 Uhr nachmittags, findet im Darr.en- Salon des Cafe City, IX., Porzellangasse, ein Vortrag des Herrn Dr. Fritz Löhner (Beda) statt Thema: Rezitation eigener Dichtungen. Gäste herzlich willkommen. Wien. Montag den 30. November 8 Uhr abends findet im Cafe Jägerhof, IX.. Porzellangasse 22, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des . Unterstützungsvereines jüdischer Hochschüler aus Mähren und Schlesien statt. Anmeldungen von Mitgliedern werden noch vor der Generalversammlung täglich im Cafe Jägerhof entgegengenommen. Wien. (Hebräischer Verein „Ivria“.) Samstag den 28. d- M., 8 Uhr abends, wird im Lokale der jüdischen Lese- und Redehalle, Grüne Torgasse 34. Gg. Dr. T a r t a k o w e r sein Referat über Palästina fortsetzen. Gäste willkommen. Wien. (Verein zionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“.) Das Vortragsprogramm des Seminars für die Zeit vom 28. November bis "9. Dezember ist folgendes: Samstag den 28. November: Dr. Paul Weisen grün: Zur Soziologie des Judentums. I. Teil. Dienstag den 1. Dezember: Dr. M. Berkowicz: Talmudjudentum. Mittwoch den 2. Dezember: Dr. Ch. Tartakower: Palästinakunde, II- Teil. Freitag den 4. Dezember: H. Nagler: J. L. Perez’ Goldene Kette. Samstag den 5. Dezember: Dr. Paul W e i s e n g r ii n: Zur Soziologie des Judentums, II. Teil. Mittwoch den 9. Dezember: Leo Goldhamm e r: Kautskys Ursprung des Christentums- Beginn der Vorträge präzise halb 8 Uhr abends. Ort: Ver'einslokal, VIII., Alserstrasse 7. Gäste stets willkommen! Wien. Die jüdisch-akademische Verbindung „Ivria“ veranstaltet am 3. Dezember 1. J. im ■ Saale des „Bayrischen Hof“ einen Festkommers ‘mit anschliessendem Tanzkränzchen, zu dem alle Gghöflichst eingeladen werden. Entree pro Person K 3.02. Familienkarte K 7.10, Studenten- ' karte K 1.02 inklusive Nationalfondssteuer. Beginn 9 Uhr abends. — Reklamationen wegen nichterhälterier Einladungen sind an die Adresse: IX.. Glasergasse 4 a. zu richten. Wien. (.Jubiläumskonzert des ..Kaiser Franz Josefs-Ferienheim“-) Für das Samstag den 28. d. M. in den Soiiensälen stattfindende Jubiiäumskonzert zugunsten des „Kaiser Franz Josefs- Ferienheim“ gibt sich .ein lebhaftes Interesse in allen Kreisen der Gesellschaft kund und ist rt.r mehr eine geringe Anzahl von Karten veriügbar. An dem Abend, welcher ein überaus reiches künstlerisches . Programm bietet, werden Kammersängerin Selma Kurz. Hofopernsängerin Laura Hilgermann.. Elsa üalaires vom Deutschen Volkstheater. die Klaviervirtuosin Olga Samarcfi, der königl. sächsische Kammersänger Karl Burrian, Hofschauspieler Otto Tressler, Hofopernkapeilmeister Josef Bayer, Fräulein Hermine Gerzhnfer und Paula Hoyer von der Hofoper mitwirken. Das Komiteelokal befindet sich IX.. Türkenstrasse 17. . Pressnitz. (Voranzeige.) Die jüdischnationalen Vereine veranstalten * am 19. Dezember eine Makkabäerfeier unter Mitwirkung der Herren k. k. Hofschauspieler Konrad L o e w e und Dr. Fritz Löhner. Böhmisch-Leipa. Sonntag den 29. d. M. findet über Einberufung des zionistischen Rayonkomitees für Ostböhmen im Cafe Central um halb 5 Uhr nachmittags eine Versammlung statt, in der Herr Dr. Emil M a r g u 1 i e s. Trautenau, über Mittel und Wege zur Lösung der Judenfrage referieren wird. Im Anschluss daran Diskussion. Eintritt jedermann frei. Reichenberg. Sonntag den 22. d. M. h eit d:e ziomstische Idee endlich auch in unserer Gemeinde ihren, wir dürfen ruhig sagen, siegre chen Einzug. Das zionistische Rayonkomitee für Ostböhmen in Trautenau und der Jüd,:sohe Volksvere n Zion in Teplitz-Schönau hatten für diesen Tag eine öffentliche Versammlung einberufen, welche der Erörterung der Judenfrage und ihrer Lösung durch den Zionismus gewidmet war. Vor d:cht gefülltem Saal eröffnete Herr Dr. Hugo Rappaport aus Trautenau die Versammlung namens der Einherier, indem er seiner Freude über das lebendige Interesse an jüdischen. Fragen, welches in dem zahlrexhen Besuche sich dokument erte. Ausdruck gab. Herr Dr. Emil M a r g ü 1 i e s, Trautenau. referierte sodann über den politischen Zionismus: er ging von der Lage der Juden in allen Ländern der Erde aus. wies nach, dass sie alle und überall unter einem Drucke, unter, wenn auch ungeschriebenen, darum, aber intensiver fühlbaren Ausnahmsgesetzen leben, dass dieser Druck im Wesen überall der gleiche, mag auch die Form und äusserliche Schärfe differieren, dass d:e Wurzeln dieses Druckes, die Ursachen dieser abnormen Verhältnisse überall d:e gleichen sind, und darin bestehen, dass die Juden ein Volk ohne Land, ohne Möglichkeit einer freien normalen Entwicklung für das Volksganze wie für den Einzelnen sind. Am akutesten aber trete dieser Mangel e:ner Heimat in Erscheinung angesichts der entsetzlichen Lage der Millionen osteuropäischer Juden, welche aus dem eigenen Lande vertrieben, von dem anderen nicht aufgenömmen werden: diese Verhältnisse müssten jeden fühlenden Juden von der Notwendigkeit überzeugen, für diese heimatosen Massen eine gesicherte Heimstätte zu schaffen. Das sei das Programm des Zionismus, der dieses Ziel jedoch nicht auf dem. Wege der Philanthropie, sondern der nationalen Selbsthilfe und der nationalen Organisation zu verwirklichen suche. Darum sei es Pflicht jedes jüdisch Fühlenden, diese auf Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte gerichte en Bestrebungen zu unterstützen und sich der zionistischen Organisation anzuschlfessen. Der Vortragende, der dann auch noch die Mittel zur Erreichung des zionistischen Zieles und die zionistischen Institutionen besprach und die Eignung Palästnas als des einz'g in Frage kommenden Landes hervorhob. fand bei der Versammlung stürmischen fanganhaltenden Beifall für seine Ausführungen. Es entwickelte sich eine längere, eingehende Debatte, in der vom gegnerischen Standpunkt aus die Herren Dr. Ernst Neustadt!. Jerusalem, Dr. Munk und Schulhof, von z:on:stischer Se:te die Herren Ludwig Steiner und der Referent sprachen. Die Stimmung der Versammlung war durchaus auf Seiten der letzteren und das Schlusswort des Referenten, in dem er eingehend alle Einwendungen widerlegte, sowie sein Versprechen, dass d eser monistischen Versammlung sehr bald eine zweite folgen solle, weckte begeisterte Zustimmung. So wird auch unsere Stadt, die bisher als die der zionistischen Idee unzugänglichste gegolten hat. in nicht zu längere Zeit einen Verein haben, der alle Freunde einer Zukunft des jiidschen Volkes in fester Organisation um das * Baseler Programm vereinen wird. 'Kladno. Der neugegründete „J. V. Zion“ in Kladno hielt am 1. November seine konstituierende Generalversammlung ab. Der Obmann des vorbereitenden Komitees, Herr Salus, teilte zuerst die hauptsächlichsten Vorarbeiten dieses Komitees mit. Darauf folgte eine kurze Wiedergabe des Inhaltes der Statuten. Herr 8tud. jur. Ernst K o r e f (Ver. jüd. Hochschüler „Bar Kochba“, Prag) sprach über „Die Entwicklung des Zionismus in der Weltorganisation und in Böhmen“, und ernteten lebhaften Beifall. Herr stud. jur. Argelo Goldstein („Bar Kochba“, Prag“) ergänzte in gehaltvoller Rede die Ausführungen des Vorredners. Besonderer Hervorhebung bedarf noch die Rede des Herrn Rabbiners J. H. Schwarz, der in einer durchdachten launigen Rede den neuen zionistischen Verein begiüäste und ihm die herzlichsten Glückwünsche auf seinen weiteren Weg mitgab. Darauf erfolgten die Wahlen mit nachstehendem Resultat: Herr Salus, Obmann; Herr David Löwner, Obmannstellvertreter;Herr Heinrich Freun d, Kassier; Herr Emil Gerber, Schriftführer; Herr Graf, Ausschussmitglied; die Herren Hermann und Böhm, Revisoren; die Herren Löwner Siegfried, Lissan und Lebenhart, Schiedsgericht. Als Delegierte zum Distriktstage werden gewählt die Herren Salus und- Siegfried Löwner. Darauf beantragt Herr Lebenhart, dem Vereine jüdischer Hochschüler „Bar Kochba“ in Prag, durch dessen Mitwirkung vor allem die Gründung dieses neuen Vereines ermöglicht wurde, den wärmsten Dank auszusprechen, was unter stürmischem Beifall einstimmig angenommen wurde. Die erste grössere Aktion des neuen Vereines ist die Aufstellung einer eigenen Kandidatenliste für . die Wahlen in die Knltusgemeinde, die in nächster Zeit stattfinden. Teschen. Der zionistische Frauen-und Mädchenverein „Ruth“ und d:e Ortsgruppe Teschen des Poalei-Zion-Vereines erlauben sich die Mitteilung zu machen, dass vom 11. November d. J. angefangen jeden zweiten Mittwoch allgemein zugängliche Vortrags- und Diskussionsabende in der „Jüdischen Lesehalle* (Deutschegasse 3, 1. Stock) stattfinden werden. Beginn 8 Uhr abends. Wien. (Erster Wiener Jüdischer Turnverein-) Mit Rücksicht auf die Ueberrül'ung der bisherigen Turnzeit und uni weiteren Kreisen die Teilnahme am Turnen zu ermöglichen, wird nunmehr in zwei Turnzeiten geturnt, und zwar Montag und Donnerstag von halb 7 bis dreiviertel 8 Uhr und von 8 bis viertel 10 Uhr abends. Anmeldungen werden am Turnplätze des 1. Wiener Jüdischen Turnvereines, Wien, 1X„ Liechteusteinstrasse 20. entgegengenommen. Wien- Montag den 23. ds. hat der Seniorenrat der jüdisch-akademischen Vereine die erste Sitzung in diesem Semester abgehaiten. in der Kollege Werner den Bericht über die Tätigkeit erstattete. An den Bericht schloss sich eine Diskussion über die Aufgaben und Ziele des Seniorrates. Dem abtretenden Ausschüsse wurde das Vertrauen ausgesprochen. Die Neuwahl ergab folgendes Resultat: J. U. C. Schmorak Vorsitzender. J. U- C. Werner Stellvertreter, M. U. C. Wucher Schriftführer. Der Seniorenrat beabsichtigt in der nächsten Zeit einen Zyklus von wissenschaftlichen und literarischen Vorträgen zu veranstalten. Die Herren Dr. Berkowicz, Böhm. Dr. C o r a 1 n i k, Dr. W a c h - stein. Dr. Weisen grün ua. haben bereits ihre Mitwirkung versprochen. „Getaufte und Baldgetaufte.“ Satiren von Beda. Löbliche Redaktion! Ich bitte um liebenswürdige Aufnahme folgender Zeilen: Ueber Aufforderung meiner Freunde habe ich meine Gedichte, die in der „Jüdischen Zeitung“ erschienen sind, zu einer Sammlung vereinigt, die unter dem Titel „Getaufte und B a 1 d g e t a u f t e“ diese Woche die Druckerei verlassen hat. Der satirische Künstler der „Muskete“, Karl Josef, hat mir für das Biicblein eine köstliche Umschlagzeichnung geschaffen, die den „M arkomanne n“, die „Frau H o f r a t“ und „Maurice P i n e 11 von den Dreier-Husare n“ als sympathisches Trifolium darstellt. Da nur eine begrenzte Anzahl von Exemplaren des Büchleins derzeit gedruckt wird, bitte ich al'e Gesinnungsgenossen und Freunde, die sich ein Exemplar der „Getauften und B a l d g e t a u f t e n" änschaffen wollen, u mgehend den Betrag von 1 K 20 h an die „Jüdische- Z e i t u n g“ senden zu wollen, woraui Ihnen das Buch innerhalb einer Woche kostenlos zugeschickt wird. . Mit Zionsgrtiss Beda.