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Jüdische Zeitung · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · p. Seite 7

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Sr. 46 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 7 Opposition auf- Hierauf wurde von der Versammlung, die' aus vielen Hunderten von Kultuswählern bestand, unter lebhaftem Beifalle eine Resolution einstimmig angenommen, in der den bisherigen Vertretern im Kultusvorstande das Misstrauen und die schärfste' Missbilligung ausgesprochen und zur einmütigen Wahl der oppositionellen Kandidaten aufgefordert wird. * * * Donnerstag fanden in Rudo'lisheiui and in der B r i g i 11 e n a u gut besuchte Versammlungen statt Fürdienächste Woche sind in folgenden Bezirken Versammlungen in Aussicht genommen: Innere Stadt Leopoldsta'dt, Margareten, Mariahilf, Alsergrund, Döbling, Währing und Floridsdorf. Zu diesen Versammlungen ergehen spezielle Einladungen. * * * Zur Warnung! Vor zwei Wochen schon hat Herr Dr. S. R- Landau, um die Todesschwäche und Uneforlichkeit der von ihm so intim gehassten Zionisten zu entlarven, beim goldenen Widder die wundersame Mär verkündet, dass auf der oppositionellen Kandidatenliste sogar ein Namen stehe, dessen Träger nicht einmal wahlberechtigt sei. Den Namen wollte Herr Dr. Landau trotz allseitigen Verlangens und des Zurufes „Lüge“ nicht nennen, man solle bis zum Erscheinen der Wählerliste warten. Trotzdem nun unser Dr. Zweig bei der nächsten' Versammlung verlautbarte, dass ihm neuerdings vom Kultussteueramte die Wählbarkeit aller oppositionellen Kandaditen bestätigt worden sei, unterstrich die „Neue Nationalzeitung“ die Behauptung des Herrn Dr. Landau mit der höhnischen Bemerkung, die Zionisten müssten doch ■wissen, welcher ihrer Kandidaten die Kultussteuer schuldig geblieben sei. In der letzten Nummer der „Nationalzeitung“ wird nun endlich das Geheimnis gelüftet: „Dr. Schallt sei der Steuerpreller, der Kandidat ohne Wahlrecht-“ Doch noch nie wurde eine Unwahrheit rascher Lügen gestraft als hier. Die eben ausgegebene Liste der Kultuswähler führt unseren wackeren Gg. Herrn Dr. Isidor Sc ha fit, Zahnarzt in Wien, IX., Währmgerstrasse 3, auf pagina 95 in aller Ordnung an. Um weiteren Einstreuungen schon -von vornherein zu begegnen, wird hiermit betont, dass .unsere weiteren Kandidaten, die Herren: Adolf Böhm auf Seite 83 Adolf Brecher v» n 84 Emil Fried >9 V» 86 S. Kohn »♦ V* 90 Dr. Isidor Margulies V f» 105 Max Markus Vf 53 Dr. Josef Zipser »f fj 20 Dr. Egon Zweig » »» 20 Kultuswählerlrste fein säuberlich verzeichnet •stehen! Parteinachrichten. Westgalizische Distriktskonferenz in Tarnöw. (O riginalbericht.) Am 1. November fand in Tarnöw die diesjährige Distriktskonferenz der westgalizischen Zionisten statt- Ausser dem Obmann des Tarnöwer Kreiskomitees und den 7 Mitgliedern des D.-K. haben auch der Präsident des galizischen K.-K- Gg.. Dr. Brau.de und in Vertretung des Jüdischen Klubs R.-A'bg. Gg. Dr. Gabel an den Beratungen teilgenommen. Der Distrikt war durch 33 Delegierte aus 15 Ortschaften vertreten. Zum Präsidenten des D.-T. wurde Gg. Dr. H i 1 f s tei n, zu Vizepräsidenten die Gg. Ing. Leuchter und P a m m gewählt- Nach einem ausführlichen Kassenberichte des Gg. Dr. Wahrhaftig referierte Gg. Dr. Bulwa in jüdischer Sprache über die allgemeine Tätigkeit des D.-K. im Berichtsjahre. Aus seinem Berichte wäre hervorzuheben: Die Gründung eines Turnvereines und die Organisation der Träger in Krakau, ferner -die Kreierung von hebräischen Schulen in Krakau und in anderen Städten des Distrikts sowie die Belebung einiger bereits bestehender, aber untätig gewesener Vereine. Aus dem N.-F.-Reierate des Gg. Dr. Hilistein ist die erfreuliche Tatsache zu entnehmen, dass die N.-F.-Spenden im westgalizischen Distrikte im verflossenen Jahre eine bedeutende Steigerung erfahien haben. Besonders gut bewährt hat sich die sogenannte „Neuiahrspost“ in Krakau und es wäre zu wünschen, dass die dort erzielten Erfolge zur Nachahmung anspornen. Die Nachmittagssitzung wird mit einer ausgezeichneten Rede des Z.-K.-Präsidenten Gg. Dr. Brande, an die sich e:ne lebhafte Diskussion knüpft, eingeleitet. Die Delegierten B r a n d.s tätter, Unger und P i 1 z e r werfen dem Z.-K- Untätigkeit vor. Letzterer unterzieht auch die galizische Parteipresse einer scharfen Kritik. Das „Tagblatt“ befasse sich zu wen'g mit Palästinafragen und der „Hamizpe“ bekämpfe sogar offen den Zionismus. Redner macht ferner das Z.-K. für die angebliche Unpopularität des Parteifonds und den Rückgang in der diesjährigen Schekelsammlung in Galizien verantwortlich. Gg. Dr. 'Hilfst ein nimmt das D.-K. in Schutz und sagt in bezug auf die Presse, dass das D.-Kauf dieselbe keinen Einfluss habe und daher jede Verantwortung nach dieser Richtung hin ablehnen müsse. Dr. Braude gibt zu, dass das Z.-K- bisher keine intensive Tät gkeit entfaltet hat, findet das aber infolge vollständigen Mangels an Mitteln, erklärlich. Schliesslich wird dem D.-K. das Absolutorium erteilt und es ergreift das Wort zu seinem Referate über „Die gegenwärtige Lage des Zionismus und die nächsten Aufgaben desselben“ Gg. Dr. S. F e l d - ■b 1 u m. In einer fast einstiindigen Rede bespricht Redner sämtliche Gebiete der zionistischen Arbeit und stellt hierzu mehrere Anträge und Resolutionen, von denen einige lebhaften Widerspruch hervorrufen und zu einer langen erregten Debatte, an der sich auch ür. Braude ..und R.-Abg. Dr. Gabel lebhaft beteiligen, Anlass, geben. Dr. Feldblum befürwortet eine. Resolution, wonach von N.-F-- Geldern keinerlei Kredite — auch nicht auf Hypotheken — gewährt werden sollen. Diese Resolution wird von Dr. Bulwa und Doktor Braude bekämpft; schliesslich aber mit knapper Majorität angenommen. Eine noch schärfere Kritik ruft der Antrag des Referenten, dem Chassidismus offiziell den Krieg zu erklären, hervor und wird auch von der Konferenz abgelehnt. Endlich kommt es im Laufe der Debatte über den Antrag Dr. F eldblums: Der D.-T. möge die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses mit den " P o a 1 e i - Z i o n aussprechen, zu einer erregten Kontroverse zwischen dem Referenten Und Dr. Braude und der Antrag wird mit einem Amendement Dr. Bulwa in milderer, auch von Dr. Braude akzeptierten, Fassung angenommen. Auch die übrigen Anträge Dr. F e 1 d b 1 u m s gelangen mit geringfügigen Abänderungen zur Annahme. Nachdem das Budget angenommen wurde, ergreift Gg. Abg. Dr. Gabel das Wort und führt aus: Der Kampf, der gegen das Judentum wegen seiner oppositionellen Haltung geführt wird, ist noch lange nicht zu Ende. -In der Drangsalierung ist zwar gewissermassen ein Stillstand eingetreten. Dieser ist aber nur als eine Beobachtungspause, die uns unsere Feinde gönnen, aufzufassen und man möge für einen erneuerten Angriff vorbereitet sein. Es sei daher Pflicht der Juden, fest zusammenzuhalten und jeder Parteiabbröckelung beizeiten vorzubeugen. Doch um stark zu sein, müssen wir an unseren Prinzipien festhalten, dürfen daher keine Kompromisse schliessen, sondern rm Zeichen des ausgeprägtesten Radikalismus um unsere Rechte kämpfen. (Beifall.) Hierauf wird zur Wahl des neuen D.-Kgeschritten. Gg. Dr. Hirstein erklärt, infolge beruflicher Ueberbürdung eine Neuwahl nicht annehmen zu können, was jedoch nicht als Zurückziehung aus dem Parteileben aufzufassen sei, denn er wolle als N.-F.-Kommissär auch weiter fungieren und sich überhaupt nach Kräften für den Zionismus betätigen. Es wird somit Gg. Doktor Wahrhaftig zum Obmann und die Gg. Doktor Feldblum, Pitzele, Dr. Her stein, Leistner, Unger und Dr. Thon zu D.-K-- Mitgliedern gewählt. Vor Schluss der Konferenz spricht dieselbe dem Delegierten Chaskel Brands t ä 11 e r (Tarnöw), der sich zu dauernder Niederlassung nach Palästina hegibt, als mutigem Pionier die herzlichsten Glückwünsche aus. Zu Ehren der Delegierten wurde noch ein Kommers im Hotel Soldinger veranstaltet. Chen. Präsident Wolffsohn in Paris. Paris. Vorige Woche begab sich Präsident Wolffsohn nach Pars, wo er mit Herrn J. H- Kann und Dr. N. Katzeneisohn eine Zusammenkunft hatte. Die Herren benützten diese Gelegenheit, um in Anwesenheit der Herren Dr. Mar Nord au und Dr. Alexander M a r m o r e k und der aus London eingetroifenen Herren J. Co wen und J. L. Greenberg die durch tfe gegenwärtigen Ereignisse gegebene Lage nach allen Richtungen gründlich zu erörtern. Paris. Einer Meldung aus Berlin nach, soll Präsident Wolffsohn in Paris eine längere Unterredung mit Baron Edmund v. Rothschild gehabt haben. Ueber den Verlauf der Unterredung liegen noch keine offiziellen Nachrichten vor. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Jüdische Finken 1 Donnerstag, den 19. November findet in den unteren Lokalitäten des Cafe Gartenbau präcise 8 Uhr abends eine allgemein zugängliche Versammlung jüdischer Finken statt. Erscheinet in Massen! Der Einberufer: cand. ing. Ernst Buchbinder. Wian. (Jüdischer Snrachkurs.) Der jüdische Sprachkurs II. Teil (für Fortgeschrittene) des akad. Vereines „Jüdisihe Kultur“ beginnt am Dienstag den 17. d. M. um 7,8 Uhr abends im Vereinslokale ([[., Flossgasse 9/1). Wien, (scnalom Ale chem-Abend). Anlässlich des 25jährigen Schrift'-tellerjubilänms des berühmten jüdischen Volksdichters nehalom Aleichem, veranstaltet der akad. Verein „Jüdische Kultur“ Samstag den 14. d. M. im Saale des „Goldenen Widder“ (II., Taborstrasse) einen grossen Schalom Aleichem- Abend mit folgendem Programm: 1. Eröffnung. 2. Vortrag über Schalom Aleichem von Dr. Abraham Coralnik. 3. Vorlesungen über Schalom Aleichem von St Josef Grob. 4. Rezitation von Gedichten Schalom Aleichems. 5. Vortrag von jüdischen Liedern dnreh H. Kantor drob. 6. Vorlesungen ans den Werken Schalom Aleii hems von Bb. Josef Gottlieb. 7 Vortrag jüdischer Lieder durch St Kantor Grob. 8. Vorlesungen ans iten-Werken Schalom Aleichems. Beginn 7*/, Uhr. Gäste willkommen. Wien (Akad. Verb. .Kadi in ah“.) Die akad. Verb. „Kadimah“ hat, nm einem Bedürfnisse Rechnung zu tragen anf ihrer Bude einen Kars für hebt äische Sprache eröffnet, den Herr ehern. Finkeistein leiiet. Hochschüler, die an dem Unterrichte teilnehmen wollen, sind hiemit freundlich eing-laden, sich Montag. M'ttwoch der Freitag nm 8 Uhr abends anf der Bude, Porzellangasse 36, einzufinden. Wien. Der „Isr. humanitäre Unterstützungsverein der Kolomeaer“ veranstaltet Sonntag den 15. d„ 8 Uhr abends, im. Saale des Hotel Zentral, II, Tabo~strasse 8, eine Wohitätigkeitsakademie mit Tanzkränzchen (kein Toilettezwang). Mit Rücksicht auf den eminent wohltätigen Zweck haben folgende namhafte Künstler ihre gefällige Mitwirkung bestimmtest. zngesagt: Salcia Weinberg, Liedersängerin vom poln.-jüd. Ensemble; Frl. Bosa Schneider, jüngste Soubrette, der tiegenwart; Frl. Alice Gero'd, Konzertsängerin; die Herren M. W. Testa, Rezitator vom Raimandtheater; Jos. Altmann, Opernsänger; Wiesental, Charakterdarsteller; Edm. Weiss vom M.-Ostraner Stadttheater; Wagner. Humorist und „Maximow“, russisches Trio. Dem Festobmann Herrn Kriedr. Krnh gelang es, sich anch die Mitwirkung des Herrn Oherk *ntors Gi ob zu sichern, der speziell für diesen Abend eine Reihe berühmter jüdischer Lieder vortragen w rd. Ara Klavier: Frl. Melitta Heim. Artistischer Leiter: Herr “erm. Weinberg. Tanzarrangeur: Herr Sign». Rechnitzer. Musik. Kapelle Wegner. Karten im Vorverkauf ä K 1 50, an der Abendkasse K 2.— sind zu haben un Vereinslokale Caiö Stefanie, II.,Stefaniestrasse 2, im Hotel Zentral, II., Taborstrasse 8 (beim Portier) und bei den Komiteemitgliedern. Wien. In der letzfon Si'zung des hebräischen Vereines „Ivria“ worden folgende Mitglieder in die Leitung des Vereines gewählt: Dr. Chaim Tartakover, Präsident; Gg. Rndnik, Vertreter; Gg. Tenenbaum (stad. med.), Sekretär; Gg. Berger (stud. med.). Kassier; Gg. Chalfen (stud. med), Verwalter. — Der Verein wird von non ab seine Sitzungen und Versammlungen im Lokale der jüdischen Redeand Lesehelle, JX., Grünetorgasse 34, abhalten. Die nächste Sitzung findet Samstag, den 14. d. M„ l,8 Uhr abends, wobei Dr. Tartakover s in Referat über die „Materielle und kulturelle Lage Palästinas“ fortsetzen wird. Gäste willkommen.

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