Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1908-11-13 · 46 (13.11.1908) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2438141-2438167-2438213--0849-2440398
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdische Zeitun □ 0 Redaktion, Administration und Wochenschrift. 3 □ Abonnementspreise:! Inseratenaufnahme: - In Oeaterreich-Ungarn: IX., (gtärlteostpasse $f. 9* Erscheint jeden Freitag. — Ganzjähr. K 10.—, halbjähr. K 5.—, v.erteljähr. K 3.—.! Telephon Nr. 14.199. In Deutschland: j Verkaufsstellen in Wien: Admistration, Türkenstrasse Nr. 9. Ganzjäbr. Mk. 10.—, . | Sprechstunden täglich von 10 —12 Uhr Zeitungsbureau Goldschmied t, I., Wollzeile Nr. 11. halbjähr. Hk. 5.—, Vierteljahr. Hk. 3.—. J vormittags. n r Einzelne Nummern 20 Heller. Im übrigen Ausland ganz}. Fres. 15.—.1 □ O Manuskripte werden nicht zurttckgestellt. Vertretungen in der Provinz:" Manuskripte werden nioht zuruckgestellt. ln Brünn: Zeitungsbureau, Ferdinandgasse. — ln Prag: Zeitunsverschleiss Wlzek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Baehstab. Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 46 Wien, Freitag, den 13. November 1908. II. Jahrgang. $Vus den) Jobalte: Deutsche Akademiker als Pogromhelden. DasMemorandum der zionistischen Studenten* Gibt es jüdische Hetzpfaffen? Die bosnischen Spaniolen und der Landtag. Gali zische Landtagswahlreform und die Juden. Radikalismus und Opportunismus. Von Dr. D. Pasmanik Aus dem jüdischen Leben: Assimilanten- Dorado. Dine Erbschaft. D. Wolffisolm in Paris. Antisemitismus in Galizien etc. Die Wiener Kultuswahlen: Gesetzwidriges im Wiener Kultusstatute. Oppositionelle Versammlungen. Zur Warnung etc. Feuilleton: Ausklang. Von .Otto Abeies. Liste der Ueherläufer. Vereinsnaohrichten. Parteinaohriohten. Jüdische Mitbürger! Kultuswähler! Wählet bei der am 22. November 1908 slaUfindenden Wahl in den Wiener Kultusvorstand die Vertreter des demokratischen Programmes, die Kandidaten der vereinigten Opposition! A. Für die Mandate mit sechsjähriger Funktionsdauer (weisser Stimmzettel): Adolf Böhm, Fabrikant, 16. Bez., Wilhelminenstrasse 28. Adolf Brecher, Börsenrat, 9. Bez., Kolingasse 5. Emil Fried, Oberingenieur der k. k. Staatsbahnei), 9. Bez., Elisabethpromenade 33. Sigmund Kohn (Inh. der Fa. S. Kohn), Seidenwarenhändler, 1. Bez., Kohlmessergasse 10. Dr. Isidor Margulies, Hof- und Gerichtsadvokat, 7. Bez., Mariahilferstrasse 60. Max Markus, Disponent, 3. Bez., Disslergasse 8. Dr. Isidor Schaiit, Arzt, 9. Bez., Währingerstrasse 3. Dr. iosef Zipser, Hof- und Gerichtsadvokat, 1. Bez., Wollzeile 11. B. FürdasMandat mit zwei j ähriger Funktionsdauer (grüner Stimmzettel): Dr. Egon Zweig, Hof- und Gerichtsadvokat, 1. Bez., Schulerstrasse 18. Gesinnungsgenossen! Am 22- November wird in Wien die Kultuswahlschlacht geschlagen. Es gilt, den geiährlicnsten Schlupfwinkel volksfeindlicher Assimilation zu' stürmen und so das Vermächtnis unseres grossen Herzl zu erfüllen. Wen lockt diese Aufgabe nicht? Mögen unsere und des Volkes Feinde immerhin ihre Soldknechte loslassen, wir vertrauen der bewährten Kraft, die uns aus der Begeisterung und dem Opfermut unserer freiwilligen Agitatoren strömt. Jeder Gesinnungsgenosse, ob Mann, ob Weib, der sich der Partei noch nicht zur Verfügung gestellt hat, melde sich unverzüglich in unserem Hauptbureau, IX-, Türkenstrasse 9. Ebenda sind sofort die Listen der für unsere Sache bereits gewonnenen oder, durch Berufung auf den Empfehler noch zu gewiitnenaen Wähler abzugeben. Hier sind auch die Sammelbogen und ihr Erlös für den Kuituswahifonds abzuführen. Gesinnungsgenossen! Die Zeit drängt. Wer von Euch will die Verantwortung auf sich laden, an unserem Kumpf und Sieg keinen Anteil gehabt zu haben? Die Partei erwartet, dass jeder seinePflicfattut! * * Das KuitusgemeiiKleprogramm der Opposition wurde in einer Auflage von 20.000 Exemplaren hergestellt und wird allen Wählern zugehen. In der nächsten Woche erscheint eine Extraausgabe der „Jüdischen Zeitung“, gleichfalls in 20.000 Exemplaren, die ausschliesslich die Kultuswahlen behandeln wird. Das oppositionelle 'Wahlkomitee* * * * Als Wahllokale wurden bestimmt: Innere Stadt: Sektion A bis K, L bis Z 1., Seitenstettengasse 4. Leopoldstadt: Sektion A bis F II., Schiftamtsgasse 15; G bis K II-, Leopoldsgasse 29; L bis R II., Malzgasse 16; S bis Z II., Tempelgasse 3. Landstrasse und Simmering: III-, Untere Viaduktgasse 13. Wieden, Margareten und Favoriten: V., Siebenbrunnengasse 1. M a r i a h i 1 f und N e ub a u: VI., Schmalzhofgasse 3. J o s e f s t ad t und Alsergrund: Sektion A bis K, IX., Müllnergasse 21; L bis Z IX., Seegasse 9. Meidling, Hietzing, Rudolfsheim und Fiinfhaus: XV. , Turnergasse 22- O 11 a k r i n g u. Hernals: XVI. , Hubergasse 8. Währing und Döbling: XVIII-, Sdhopenhauerstrasse 39. Brigittenau: 11., Malzgasse 16. Floridsdorf: XXI.. Holzmeistergasse 12. Rundschau. Deutsche Akademiker als Pogromhelden- Ein deutsdhnationaier Couleurstudent rempelt einen Zionisten, ein Mitglied der Verbindung „Kadimah“, roh an. Der Kadimahner verlangt Satisiaktion und erhält die bekannte Antwort: Ein echter teutscher Mann gäbe „Saujuden" keine Genugtuung. Nun erteilt der beleidigte Jude seinerseits die einzig richtige Antwort, indem er den brutalen Feigling ohrieigt. Die beteiligten Gruppen sind ungefähr gleich stark, die wichtigste Vorbedingung deutsch-antisemitischen Heldentums, die zehnfache Uebermacht, ist also nicht gegeben, so entiernen sich die Deutschnationalen sang- und klanglos, ihre tatkräftige Entrüstung für eine günstigere Gelegenheit sparend. Die Gelegenheit ist bald geschahen. Am Montag sammeln sich die Deutschnationalen, durch Ob»;istlichsoziaie verstärkt. zirka 1000 Mann stark, vor der Universität und überfallen einzelne aus den Vorlesungen kommende ahnungslose jüdische Hörer und misshandeln sie in brutalster Weise. Auch zwei gänzlich unbeteiligte jüdische Studentinnen werden von der Horde attackiert, geschlagen und gröblich beschimpft. Damit nicht zufrieden, verteilen sich die Sprösslinge des deutschen Edelvolkes in den umliegenden Gassen und fangen, ganz nach russischer Pogrommanier, jüdische Passanten, darunter alte Männer, ab und. prügeln sie, bis Blut fliesst. Jetzt sieht sich der löbliche Universitätssenat veranlasst, einzuschreiten und verhängt, man höre und staune, über die „K a d i m a h“ das Verbot des Farbentragens! Um sich vor den feigen Massenangriffen zu schützen, besetzen am Dienstag die Jüdischnationalen die Universitätsrampe. Eine zehnfache antisemitische Uebermacht umlagert sie. Die Angreifer werfen, wie es sich iiir ritterliche Akademiker ziemt, Sterne und Stinkbomben und spritzen mit Schwefelsäure (!)• Die Juden harren mutig und ruhig aus. Auf Zureden und Versprechungen des Vertreters der akademischen Behörde, des Kanzleklirektors Blamauer, geben sie endlich ihre Position auf und wollen abziehen. Den Augenblick nützen die Deutschnationalen feig aus und stürmen die gelösten Reihen. Zum Unglücke bricht das massive steinerne Rampengeländer und die jüdischen Studenten fallen in die Tiefe. Aui die unter schweren Trümmern begrabenen wehrlosen Juden drischt nun der Pöbel barbarisch los. so dass der Platz bald mit Verletzten bedeckt ist- Die Polizei wahrt „wohlwollende“ Neutralität. Die Deutschnationalen und Christlichsozialen besetzen triumphierend den Kampfplatz und verkünden, dass sie audh in Hinkunft den deutschen Boden der Alma mater vor fremdem Volke „schützen" werden! So hat sich der aufsehenerregende Vorfall abgespielt. Die Wiener Tagesblätter, die den Zionisten nichts weniger als freundlich gesinnt sind, konnten nicht umhin, ihn in gleicher Weise zu schildern und der Empörung über die feige Roheit der deutschen Akademiker lebhaften Ausdruck zu verleihen. Einen grossen Teil der Schuld an diesen Vorgängen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.