Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 44 (30.10.1908)
- Date
- 1908-10-30
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE ZEIToEG Nr. 44 Die „Neue Freie Presse“ gegen den Kultusvorstand. Es geschehen Zeichen und Wunder! Die „N- F. P.“, diese Gottheit der deutschliberalen Kahalniks, wendet unwillig das Antlitz von seinen bisherigen Lieblingen in der Seitenstettengasse ab. So stand im Leitartikel der letzten Dienstagnummer zu lesen: „Die Wahlordnung für den Reichsrat hat als massgebenden Grundsatz für alle Länder mit Ausnahme von Galizien festgesetzt, dass jede Listenwahl ausgeschlossen sei und in sämtlichen Wahlbezirken immer nur ein Abgeordneter gewählt werden könne. Was tut jedoch der niederösterreichische Landtag? Er besch'iesst für Wien das Listenskrutiniuin, so dass, um ein Beispiel anzuführen, jeder Wähler der Inneren Stadt sechs Namen auf den Zettel zu schreiben hat Damit ist die Möglichkeit noch geringer geworden, dass Minoritäten in den einzelnen Stadtteilen sich zur Geltung bringen, und dieser gewaltsame, von der Wahlordnung des Reichsrates prinzipiell ausgeschlossene Druck herrschender Parteien wurde in Niederösterreich ohne Widerspruch zugelassen!“ Wie man sieht, wird hier eigentlich die Wahlordnung für den Landtag, dieses Werk der reaktionären Christlichsozialen, gebrandmarkt. Diese Brandmarkung aber trifft zugleich die Wahlordnung für den Kultusvorstand, obzwar sie von erleuchteten Freiheitshelden geschaffen worden ist; denn hier haben wires nicht bloss mit einer Listenwahl nach Bezirken zu tun, sondern mit einer Listenwahl für das ganze Gemeindegebiet der Stadt Wien, so dass der einzelne Wähler sogar in die Lage kommen kann, 24 Namen auf einen Zette! schreiben zu müssen. Da dieses Monstrum eines Wahlsystems nicht einmal durch Proportionalwahl gemildert ist, bleibt die Minorität — solange sie sich eben nicht zur Majorität verwandelt, jeder Möglichkeit beraubt, einen Vertreter ihrer Meinung in die Kultusstube zu bringen. Sind doch bei den letzten Kultuswahlen der regierungstreuen Majorität mit 52 Prozent der Wählerstimmen sämtliche Mandate zugefallen, der Opposition mit 48 Prozent der Wählerstimmen kein einziges. Die „N. F. P.“ meint, dass „verfälschte und verkrümmte Wahlen kein Spiegel der Oenentlichkeit sind und dass die innere Fäulnis selbst dann wahr bleibt, wenn das Netz der Abhängigkeiten noch weiter ausgespannt w'ird und der heimliche Ekel aus Furcht vor Bedrängnis noch ängstlicher verborgen wird“. Ausnahmsweise stimmen wir mit der „N. F- P.“ überein. sfc -jj Jj: Jeder dritte jüdische Landtagswähler ist Kultuswähler! Die Christlichsozialen haben, wie die liberalen, und sozialdemokratischen Blätter so beweglich klagten, das Landtagsw'ahlrecht durch die Normierung einer dreijährigen Sesshaftigkeit und andere Kniffe auf das schamloseste eingeengt, so dass in Wien bloss 355.571 Wähler übrig blieben. Da nun die Juden 8,8 Prozent der Gesamtbevölkerung von Wien bilden, sind — nach dem gleichen Prozentsätze gerechnet — unter den hiesigen Landtagsw'ahlberechtigten 31.290 jüdische. Das Kultuswahlrecht aber ist nur 11.000 Juden zuerkannt worden, d. h. von je 3 Juden, welche Dr. L u e g e r für das Wahlrecht reif befunden, hat Dr. Stern ihrer 2 für unwürdig erkannt und erklärt. Auf diese Weise wird von den Kahalniks •das jüdische Selbstbewusstsein geweckt und das Interesse für jüdische Angelegenheiten befeuert! Liste der Überläufer. Vom 21. Mai bis 28. Oktober. 1908. Karoline Kraus, 1883 Grasütz (Böhmen), ledig, Private, II., Czerningasse 15- Alice Bardach, 1880 Wien, led., Private, II., Ulrichgasse 1. Olga Brillant, 1883 Wien, ledig, Private, I., Salztorgasse 5. Rudolf Schwarz, 1888 Prag, ledig, Universitätshörer, I., Zelinkagasse 6- Bernhard Steinitz, 1888 Bielitz (Schlesien), ledig, Studierender d. Philosophie, VIII., Schlösselgasse 18. Adoliine Blatt, 1875 Troppau, led-, Privatlehrerin, IV., Trappelgasse 4. Rosa Gross, 1893 Wien .... laut Zuschrift aus Chrzanow'. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Theodor Herzl-Abend. Wien. Am '6. Dez;mber 1908 findet im Festeaale des Hotel Continental, II., Taborstrasse eine von der „Poale Zion“ veranstalteter Herzl-Abend statt, für welchen die Mitwirkung der Herren Hermann Bahr, Felix Salten und Direktor Weisse bereits gesichert ist. Wir machen schon heute auf diese interessante Veranstaltung aufmerksam. Präsidialkonferenz. Die Präsidien der dem Arbeitsausschüsse der mähr.-schJ eis. Fotialverbindungen angehörenden FerialVerbindungen wenden zu einer Präsidialkonferenz für Montag den 2- November, halb 9 Uhr abends, ins Cafe Jägerhof eingeladen. Wien. (Hebräischer Konversationsklub.) Samstag, präzise Vj8 Uhr abends, spricht Dr. Tartakower im Klublokale Cafä Brämmer, IX., Liechten stein strasse 1, über Palästina. Gäste herzlich willkommen. Wien. Dar akad. Verein „Jüd. Kultur“ veranstaltet einen Zyklus von drei Vorträgen über .Die Geschichte der jüd'schen Literatur“, welche im Vereinslokale (II., Flossgasse 9/1) an den Tagen: Samstag, 31. Oktober, Dienstag, 3. November, Donnerstag, 5. November, abgehalten werden. Beginn 7'/, Uhr abends. Gäste herzlicbst willkommen. Wien. Der akad. Verein „Jüdische Kultur“ hält auch heuer seine jüdischen Sprachkurse ab. I. Kurs (für.Anfänger) : Elemente der Sprache, Lektüre leichterer Erzählungen. II. Kurs (für Fortgeschrittene): Lektüre der bedeutendsten Werke aus der Literatur der jüdischen Sprache, Literaturgeschichte, ’ Grammatik usw., E’ymologie. Der erste Kurs wird nur daun stattfiaden, wenn sich eine genügende Anzahl für denselben meldet. Die Kurse sind unentgeltlich. Die nähere Zeit wird bekanntgegeben werden. Die Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich im Vereinslokale (H, Flossgasse 9/1) j;den Dienstag und Donnerstag voq 7—8 Uhr aoends einzubringen. Sämtliche Anmeldungen werden am 10. November abgeschlossen. Wien. („Poale-Zion“.) Samstag, den 31 Oktober findet im Vereinslokale, II. Stefaniestrasse 2 (Cafd Stefanie), ein Vortrag des Dr. Berkowicz über .Sozialethik; in der Bibel und im Talmud“ statt. Beginn präzise 8 Uhr abends. Gäste willkommen. Wien. (,Bar-Kochba“, VIII., Langegasse 5 —7.) Samstag, den 31. Oktober spricht das Vereinsmitglied cand. iur. ■ Pinkas Adlersberg über „Nietzsche über das Judentum“. Beginn präzise 7’/2 Uhr. Gäste willkommen. Wien. (Unterstützungsverein jüdischer Hochschüler aus Galizien.) Die IV. ordentl. Plenarversammlung findet Donnerstag den 5- November um 7 Uhr abends im Vereinslokale der „Bar-Kochba“, VIII., Langegasse 5—7, statt. Wien- (Vereinzionistischer Hochschüler „Theodor Herzl“, VIII.,. Alserstrasse 7, III. Stiege.) Die Vortragsordnung des zionistischen Seminars vom 29. Oktober bis 7. November ist folgende: Freitag den 30. Oktober: Oswald Löbl: „Die Persönlichkeit des Sabbatai Zewi“. Samstag den 31. Oktober? Siegfried Schmitz: „Der Weg des Juden zum Zionisdmus“. Dienstag den 3. November: Jüdischer Leseabend (intern). Freitag den 6. November: „Josef Laszkowitz: „Die Arbeiten des „Bezalel“. Samstag den 7. November: Diskussion über die Beschlüsse der jüdischen Sprachkonferenz. (Einleitendes Referat: Feiwel Sternberg.) Krakau. Die Generalversammlung des Vereines jüd. Hochschüler „Przedswit-Haschachar“ fand am 21. Oktober 1. J. statt. Den Tätigkeitsbericht über das abgelauiene Jahr erstattete Kol. B i e n e n w e 11, worauf dem abtretenden Ausschüsse das Absolutorium erteilt wurde. In den neuen Ausschuss wurden gewählt: rig. iur. Samuel Pfizer. Vorsitzender; rig. iur. Simon Hoffman n. Vorsitzender-Stellvertreter; stud. iur. .1. Br oder, Sekretär; stud. iur. Sa 1 z m a n n, Kassier; rig. iur. Fink. Bibliothekar; stud. iur. Leser, ZeitungsVerwalter; stud. med- Gruszk i e w i c z, Oekonomie. — Der. neue Ausschuss^ hat schon seine Arbeit begonnen. Am 23. ds. wurde: ein öffentlicher Vortrag des Gg. Dr. F e 1 d b 1 u m „Ueber die jetzige Situation im Zionismus“, der' sehr gut besucht war, veranstaltet. Am 1. November findet ein literarischer Abend zu Ehren Scholem-Aleichems und am 15. November ein öffentlicher Vortrag des Gg. Dr- Thon „Ueber die Kultur des gegenwärtigen: Judentums“ im Saale des Hotel K l.e i n statt Trauienau. Morris Bosenfeld wird am 31. Oktober in Trautenau in einer Veranstaltung des dortigen zionistischen Volksvereines „Theodor Herzl“ und in Gablonz a. N. in einer vom dortigen zionistischen Verein »Theodor Herzl“ gemeins m mitder Kultusgemeinde veranstalteten Versammlung vortragen. Die Konferenz hält in beiden Fällen JUDr. Emil Margulies, Trautenau.- Freudenlhal, Oesterr.-Schlesien. Am 11. Oktober fand hier die gründende Versammlung des jüdischen Volksvereines „Zion“ für Freudenthal und Umgebung statt. Dieselbe war gut besucht. Nach den glänzenden Ausführungen des Referenten Herrn Dr. Fritz Eckstein aus Troppau traten fast alle Anwesenden dem neuen Vereine bei. Zu Funktionären wurden einstimmig gewählt : Herr Max K o n s t a n d als Obmann, Herr lag. Max Schwener, Schriftführer, Herr- Max Goldberger, . Kassier. H-irr Erwin Marburg, Obmannstellvertreter, Frau Agnfs- Ber 1, Beirätin, Frau Aurelie Goldberger, Beirätin. Wien. Akad. Verein „Jüdische Kultur“. Die Chargenwahl für das Wintersemester 1908/09ergab folgendes Resultat: Gand..ing. Joset Gottlieb, Präses, stud. techn. Michael Hellmann„ Schriftführer, canding. Baruch Schajowicz, Bibliothekar, cand. med. Abraham Katz, Kassier.. Wien. (Akad. Verband „Kadimah“) Freitag,, den 23. Oktober 1908, fand auf der Bude der „Kadimah“, IX, Porzellangaase 36 der erste Vortrag in diesem Semester statt. Es referiei le- Dr. Löhner über „Zionismus und jüdischer Nationalismus“, über welches Thema sich anschliessend eine rege Diskussion entspann. Die akad. Verbindung „Kadimah“' ei öffnet hiermit einen Zyklus von Vorträgen, die jeden zweiten Freitag stattfiaden sollen. Gäste willkommen.. Wien. Die Ausschusswahlen für das XVIII. Semester in der Vereioigung jüdischer Hoch— schüler aus Galizien „Bar-Kochba“ ergaben folgendes Resultat: J. U. C. Menachem Schmorak, Präses, cand. med. Viktor Kreisberg, Vizepräses, stud. ing. Lasar Tennenbäum, Schriftführer, J. U. C. Rubin Besen, Schriftführer, canding. Josef Abend, Kassier. Briefkasten. 1. Z. Adresse „Jüdischer Student“ uns unbekannt, „Jüiische Turnzritung“, Berlin,. Charlot— tenburg, Leibnitzjrstrasse 26. Hauser, Lubaczow. Das zionistische ABC-Buch ist durch das „Zionistisches Zentralbureau“, Berlin, Charlottenburg, Bleibtreustrasse 49 zu beziehen. Rosner, Oberiyn. Der Amnestieerlass erstrecktsieb nur auf Unbescholtene. Haschachar 4. Herzlbilder sind zu beziehen durch die österr. Sammelstelle des N.-F. Wien, IX., Türkenstrasse 9. Unterstützungsverein für jüdische Techniker, Brünn- und andere. Morris Rosenf-ld wohnt in Wien im Hotel National, II/l Taborstrasse 18. Grubsr, Gorlice. Hillsverein für d. notleidendejüdische Bevölkerung in Galizien, Wien, IX/b Berggasse 4. j§>an)n)e1stdle des jüdisch et) $atioi)alfot)ds tfii* ©eskmicb, Wien, IX., TUrkenstrasse 9. * * * Golden-Buch-Eintragungen. Oswiecim W. G.: Samuel Goldberg, Sohndes Saul und Malke Goldberg, Chaja Sara Goldberg Tochter des Jeoheskiel und Estera Reich tragen Dr. Moritz Goldberg und Frl. Augusta Chajas anlässlich deren Vermählung ins Goldene Buch ein . . . . 250.— Allgemeine Spenden: Borszczow Pod.: Per Josef Jäger: Smlg. am Erew Jom Kippur durch Frau Friedrike Jäger, Israel Grünhaut und Isidor Kalb . . . 7.— Brody O. G.: Per J. Prives: Smlg. Herr . J. H. Rokach: In der neuen Synagoge am Hoschana raba 3.03, im Vereine „Poale Zion“ 2.27. Sei. Is. Hammermann . 5.30- Brzesko O. G.: Per Philipp: K- Klappholz grat. H. W. Goldhammer zur Verlobung seiner Tochter. 0.5CP '.JHP.*'.