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Jüdische Zeitung · 1908-10-23 · 43 (23.10.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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G Z Redaktion, Administration und Wochenschrift. J Atunnementspreisa: "l Inseratenaufnahme: ■ ln Oesterreich-Ungarn: IX., ^äfltensfrasse ßjp. 9. Erscheint jeden Freitag. Ganzjähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Telephon Nr. 14.199. In Deutschland: _ Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Ganzjähr. Mk. 10.—, "'Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr Zeitungsbureau Goldschmiedt, I., Wollzeile Nr. 11. halbjähr. Mk. 5.—, vierteljähr. Mk. 3.—. vormittags. -1—-:-:-r Einzelne Nummern 20 Heller. Im übrigen Ausland ganzj. Eros. 15.—. □ . -.^--D Manuskript« werden nicht lurülckgestellt. Manuskripte werden nioht znrückgeatellt. Vertretungen in der Provinz ln Brfinn : Zeitungsbureau, Ferdinandgasse. — in Pros: Zeitungsverachleiss WUiek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Bncbatab. Buch händlerische Vertretung für Deutschland: Otto.Klemm in Leipzig. Nr. 43 Wien, Freitag, den 23. Oktober 1908. II. Jahrgang. Aas den) $oha1te: Eine nette 'Vertragskomödie. Jude nnd Betyar. Erzwungene Lieb’. Zis und Trans. Die Wiener Kultus wählen: Die erste Versammlung. Der Kultusminister prüft das Statut. Die Offiziellen an der .Arbeit. Aus dem jüdischen Leben: Baub im Kamen Gottes; Fremde Juden; Eigentümliche Logik; Die Metamorphose eines Ehrenmannes; Bosenfeld-Abend. Palästina; Wahlvorbereitungen; Aufruf des Dr. Levy; Das Sjrnan Protestant-College von Dr. Buppin. Feuilleton: Jerusalem von Dr. Martin Buber. —. Der Jude vor dem Christusbild von Morris Bosenfeld. Liste der 'Überläufer. Vereinsnachxiohten. Parteinaehriohten. An unsere Abonnenten. Wir ersuchen diejenigen Abonnenten, deren Bezugszeit am 30« September* abgelaufen ist um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements, da sonst eine Unterbrechung in der Zustellung des Blattes unvermeidlich ist. Kultuswähler Wienäf Am 22. November 1908 finden die Neuwahlen ki den Vorstand der Wiener Kultusgemeinde statt. Zur Besetzung gelangen neun Mandate. Das oppositionelle Wahlkomitee hat die Aufstellung folgender 'Kandidaten beschlossen : Adolf Böhm, Fabrikant; Adolf Brecher, Börsenrat; Dr. Salomo« Ehrnuum, Universitätsprofessor; . Max Frank, Fabrikant , Dr. Isidor Margulies, Hof- und Gerichtsadvokat; Max Markus, Disponent; Dr. Isidor Schallt, Arzt; Dr. Josef Zipser, Hof- und Gerichtsadvokat; Dr. Egon Zweig, Hof- und Gerichtsadvokat. Rundschau. Eine neue V er tr agskomödte. Eine Konferenz der Mächte ist so gut wie beschlossen. Die illustren Vertreter aller europäischen Reiche werden vor den Augen der ehrfürchtig staunenden Welt beraten, beschliessen, Gesetze verfassen und. „heilige“ Verträge schliessen, eitel Salbung, Würde und Wohlwollen auf den Lippen; und Selbstsucht, lauernde Falschheit im Herzen. Glanzvoll und grossartig wird die Versammlung I sem, hohles Gepränge, das im leisesten Hauche der Wähnheit vergeht. Ein armseliges Jüdtein aus’ Rumänien brauchte im Namen des guten Rechtes: vor die hochmögenden Herren zu treten und sie müssten beschämt von dannen schleichen, vor diesem Blutzeugen ihrer Heuchelei und Unaufrichtigkeit weichen, Schamröte im Antlitz. Sind’s doch die Vertreter derselben Machte, -dievor wenigen Jahrzehnten den Berliner Vertrag geschaffen haben, und in diesem Vertrag einen Artikel, welcher Rumänien zwingt, all seinen Bewohnern gleiches Recht zu gewähren. Mit heiligen Eiden haben Monarchen und Mächte den Pakt beschworen. Was tut man in Rumänien? Die Juden werden geknechtet, gemartert, verfolgt, ausserhalb jedes Rechtes gestellt als „Fremdlinge“ und „Eindringlinge“ von übermütigen Bojaren gequält, trotz aller Verträge. Man hat die Grossmächte so oft und eindringlich gemahnt den armen rumänischen Juden ihr Wort einzulösen, und sie haben nicht den Finger gerührt. Und jetzt soll die grosse Staats- und Konferenzkomödie wiederholt werden. Wer will, gaffe FEUILLETON. Der Jude vor dem Christusbild."’) Sonett. Von Morris Rosenfeld. (TJebertragung aus dem Jiddischen von Dr. Th. Weltsch.) Ans Kreuz geschlagen, bleich im Angesichte, Voll wilden Schmerzes die gequälten Glieder, Blickst nieder Du auf sie — die Bösewichte — Die sich — mit Unrecht — nennen Deine Brüder. Aus tiefstem Jammer qualvoll tönt Dein Lallen: „Mein Gott, mein Gott, Du liessest es geschehen ...?!* Doch Dein Gebet, der Wind scheint’s zu verwehen — Und tropfend lässt Dein Blut zu Boden fallen *) Herr Dr. Th. Weltsch, Advokat in Prag, welcher sich um die Verbreitung der Rosenfeldschen Gedichte grosse Verdienste erworben' hat, hatte . die Freundlichkeit, uns dieses bisher unveröffentlichte Gedicht zum Abdruck 2m übersenden. — Auf kalten Boden ach! — Dein Leib, Dein reiner . . . An Deinen übermenschlich bittren Leiden Sich höhnend. Deine grimmen Hasser weiden, Und Spott nur hörst Du, Trost doch wird Dir keiner. Und— irrend — schweift mein Bück von Dir auf mich: »Ist Dein dies Bild? Ich schaudre . . . Das bin ich!“ Jerusalem.*) Von Martin^Bnber. - Es geschah zu Zeiten, dass den Baalschein des Nachts Stimmen aus der Tiefe aufriefen und sein Ohr. wurde hell und wach, obgleich der Schlaf auf seinen Sinnen lag. Er unterschied alsdann mit grosser Klarheit, wie von undenklicher 'Feme der Laut aus dem Munde vieler uralter Dinge auf der Wanderschaft zu ihm war und ein einiges Getön von ungeheurem Weh sein Lager umgab. Er fühlte, dass ein Wille hier hundert getrennte Stimmen zu einer verflochten hatte. Die. *) Aus dem vortrefflichen Buche „Der Basischem“ mit Genehmigung des Verlages Bnetten und Loehning, Frankfurt a. M. Stimmen langten an sein Herz und weckten es auf. Aber sie waren von allzuweit, und das Hera verstand den Sinn ihres Wortes nicht. Es konnte nur die grosse, ferne Not ahnen, die es anrührte, und war von dieser Zeit an zu allen Tagen und Nächten im Gleichmass seiner Schläge erschüttert Aber in einer Nacht waren die Stimmen ganz nah an des Meisters Ohr, zitternd von der Müdigkeit der langen Wanderung. Er erkannte sie, und woher sie ihm kamen, und er erkannte Eines, das ihm fremd gewesen war bis zu dieser Stunde. Denn es war das alte Land, das zu ihm sprach aus der nie erlösten Schande des Verfalles. Es war der alte Weinberg, nun zur fahlen Steppe geworden, die die Herden fremder Wandervölker mit verhassten Hufen traten Jahr für Jahr, die begrabenen Mauern unter der Erde, das verschüttete Erz, das mitdröhnte unter der Last des unermesslichen Schuttes, der versteinerte Hang, der einmal den leuchtenden Wald getragen hatte, und der verdorrte Wasserquell. Sie schrien aus der letzten Not, die fühlt, dass der Schlaf unversehens in den Tod sich hinüberschleichen will, jetzt und jetzt, von Atemzug zu Atemzug, wenn die Hand nicht kommt, die aus dem Dunkel aufreisst und die Seele befreit, die müde geschlagene Seele des alten Landes. ' Und die Stimmen reden zu Baalschem: „Komm komm und säume nicht. Da bist der Erwartete, dessen Atem das Gestein von unseren Gräbern heben.wird wie der Früblingswind den

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