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Jüdische Zeitung · 1908-08-28 · 35 (28.8.1908) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Säte 6 Nr. 35 Verbot der jüdischen Theater. Petersburg. Der Ausweisung der jüdischen Künstler aus Petersburg, wie überhaupt aus allen Orten ausserhalb des Ansiedlungsrayons, ist nun eine weit radikalere Massregel gefolgt. Wie soeben bekannt wird, beabsichtigt man im Ministerium die Theateraufführungen im Jargon (jüdisch-deutsche r Mundart) ganz zu verbieten. Es sollen bereits Anweisungen an die Gouverneure ergangen sein. — Man braucht die Jargontheater nicht für einen Kuituriaktor zu halten und muss doch dieses Verbot sehr 'beidauern, denn es macht eine grosse Zahl von Schauspielern brotlos und beraubt die ohnehin gedrückte jüdische Bevölkerung ihrer fast einzigen Zerstreuung und Erholung. * * * Die Parlaments wählen und die Juden. Jerusalem. Däe Nachrichten von der Gewährung der Verfassung durch den Sultan hat hier bereits zu mancherlei Kombinationen über die Beteiligung der Juden an den Wahlen tür das zukünftige türkische Parlament Veranlassung gegeben. Die Zahl der Judenin Jerusalem, weiche türkische Staatsangehörige sänd, ist so gross, dass ihre Stimmen bei den Wahlen ins Parlament entscheiden# in die Wagschale fallen werden. Es werden bereits jüdische Kandidaten für das zukünftige Parlament genannt, aber all diese Meldungen sindnatürlich verfrüht Steher scheint nur soviel zu sein, dass die Juden energisch vop dem ihnen durch däe neue Verfassung gewährten Wahlrechte Gebrauch machen werden. Jerusalem. Vor -kurzem wurde hier in der Nähe des Stadtteiles „Giwat-Saul“ ein Grundstück von 75.000 Quadratelkn« erworben. Es soll in 60 Teile für je ein Haus geteilt werden und jeder Tefl itn Ausmasse von 1200 Quadratellen zum Preise von 220 Francs im Laufe des Jahres abgegeben werden. Der Boden ist noch bfillig gekauft worden, denn für angrenzendes Land hat man bereits mehr als das Doppelte des vor einem Jahre für Giwat-Saul gezahlten Badenpreises gezahlt — Eine kleine Couvertfabräk die von zwei Juden 'betrieben wird, ist in der Nähe der buahartsdien Kolonie eröffnet worden. Bisher s:nd alle in Palästina gebrauchten Couverts vom Auslande bezogen worden. * # * Jaifa. Während für junge Leute, die als Endaubeäter tätig sein wollen und ebenso für tüchtige Handwerker in Palästina noch Beschäftigung vor-' haniden äst, haben Leute, die keinen bestimmten Beruf haben, ebenso wie Buchhalter, Kontoristen etc. keine Aussicht auf Existenz. Es muss deshalb üfringemd davor gewarnt werden, dass Laute, die in Europa gar keinen bestimmten Beruf haben, oder lediglich Buchhalter- und Kontoristenkenntnisse haben, hierher kommen. Jaffa, toi hebräischen Gymnasium haben jetzt vor Beginn der Sommerferien die allgemeinen Jahresprüfungen stattgehmden. Der Aiujsfall zeigte die befriedigenden Fortschritte der Schüler. Das Gymnasium zählt in 3 Vorberedtungs- und 3 Hauptklassen zirka 130 Schüler und Schülerinnen. Jaffa. Bei einigen Kolonisten von Petach Tikwiah besteht die Absicht, eine Anzahl von arablsohen Arbeitern aus Aegypten nach Petaoh- Tdkwah zu bringen, da diese Aibe&ter angeblich zu sehr niedrigen Löhnen arbeiten un(d! auch in der Kultur der 'Baumwolle, die sich in Petach-Tdkwtah äuszubreiten beginnt, erfahren sind. Gegen diesen Plan wandten sich däe jüdüschen Anbeter in einer Protestversammlnng, die am ersten August ün Jaffa stattfand. Die Redner forderten in den schärfsten Worten die Aufgabe des Planes und verlangten, dass alle jüdischen Organisationen ihren Einfluss in diesem Sinne geltend machen sollen. * * '* ■ Heuer boten alle Getreidearten einen ausgezeichneten Ertrag. In den Kolonien von Judäa brachten die Felder einen 25fachen Ertrag; in Galiläa einen 35 fachen, in manchen Oi len sogar einen 40 fachen, ln Chedera trug das Feld eines Kolonisten 50 mal soviel als er gesät halte. JÜDISCHE ZEITUNG Parteinachrichten. Bekanntmachung. Da die Besorgung der Arbeiten des Bukowinaer Zion. Distrikts-Komitees von der jüd.-nat. Verbindung „Hebron i a“ übernommen wurde,, wird ersucht sämtliche für dieses Distriktskomitee bestimmte Zuschriften und Sendungen an 'die Adresse dier gefertigten Verbindung zu richten.. Jüd.-nat akad. Verbindung „H «e >b r o n i a“ f. id. Distriktskomitee Czemowitz, Stefameg. 10.. Aufruf. Kommilitonen! W6e beretis verlauibart, feiert der Ferialverein jüdischer Hjchschfller „jiskaläh“ m Prossnitz am 7. und 8. September d. J. sein zehnsemestriges Stiftungsfest. Der gefertigte Arbeitsausschuss erachtet es als bunde Sb rü de rli ohe Pflicht, der genannten Korporation, idie in der kurzen Zeit (ihres 'Bestandes immer mit den misslichsten lokalen Verhältnissen kämpferid, für unsere Sache Vieles geleistet hat die wärmste Unterstützung angedeihen zu lassen, und hat daher beschlossen, den diesjährigen ' Stuüententag mit der nachstehenden Tagesordnung für den 7. September nach Prossuitz einzuberufen: 1. Begrüssung. 2. Wiabl des Bureaus. ' 3. Die allgem. Lage im Zionismus. 4. Die Ausbildung des zionistischen Studenten. 5. Der jüdisch nationale Student und die Volksbildung. 6. Der Unterstützungsv-erein für jüdische Hoch-. schüler aus Mähren und Schlesien. 7. Eventualia.; Anmeldungen zu den Referaten, Anregungen und Anfragen sind an die „G i s k a 1 a h“ in Prossmtz, oder an Herrn JUC. Hermann L ö w, Mähr.-Ostrau, zu richten^ Kommilitonen! Die Wichtigkeit der angeführten Verhandlungsgegeusfände sowie unser Wunsch, der „Giskalah“ bei ihrem ersten Jubelfeste unsere Sympathien in ausdrucksvoller Weise zu bezeugen, rechtfertigen es, wenn wir dringeridl an euch appellieren, den Siudententag und das Stiftungsfest möglichst stank zu beschicken.. Der Arbeitsausschuss der mähr.-schles. (Ferialverbindungen. Die jüdisdh-natioriale' Stu-dentejnschaft ' hat S Jahre hindurch mit einer ganz ausserordentlichen Zähigkeit und, wie sie sich auch rühmen kann, zielbewusst und einheitlich den Kampf um d i e Anerkennung der jüdfts c!he n Nationalität a.nden österreichischen Hochschulen geführt. Im vergangenen Semester hat sie auch einen grossen Erfolg zu ver- ‘ zeichnen gehabt, der aber nur ein Teilerfolg ist. Es gilt den Kampf mit allen Mitteln fortzusetzen. Eine lebhafte Agitation muss bei den erst Ufie Hochschule beziehenden Kommilitonen eingelöitet werden, damit sie in ihren Nationalien der Rubrik „Muttersprache“ die Nationalitätenk 1 a u s e 1 hinzufügen. ■Vom Exekutivkomitee ist beschlossen worden, eir. Memorandum auszuarbeiten, Sn dem der ganze Komplex der jud.-uationalen Fragen unter besonderer Hervorhebung der idie Hochschulen tangierenden Punkte behandelt werden soll. Das Memorandum wird in Druck gelegt werden und allen Rektoren, akademischen Senaten, dem Unterrichtsministerium, Parlamentariern und Zeitungen zugehen. Der Kämpi gilt der Errichtung von Lehrkanzeln für jüdische Geschichte und Literatur an den Hochschulen. > Doch die Agitation kostet viel Geld und die akademischen Korporationen' sind ausser Stande die Mittel dafür aufzubringen. Wir vvend'en uns an alle Juden, die für unsere Bestrebungen Sinn haben, mit der Bitte, dem Agitationsionds des Exekutivkomitees zur * Aner kennung der jüd. .Nationalität an den österreichischen. Hochschulen in Wien B ei t r ä g e zuführen zu wollen. Die „Jüdische Zeitung“ (Wien, IX/1, Türken- Strasse 9) nimmt Beiträge entgegen und weist sie aus. Das Exekutiv-Korri.tee; J. U. C. Hermann L ö w (Ivria), cand. big. Moses F r e u n d l i ch «(iMakkabäa), cand. nied. Theodor Ko Ihn (Unitas), cand. jur. Moses Stöckl (Bar Kochba), phil. Sigfr. Schindler (für die Finkensohaft). ■Die jüdischen «Blätter werden um Abdruck dieses Aufrufes gebeten. Zionistische Jahreskonferenz in Köln. 'In der Na ch tsä t z u n g vom 13. d. M. unterbreitete Herr Prof. Dr. Warburg der Jahreskonferenz folgenden Bericht des Palästinaressorts. ‘ v \ Der letzte Kongress hat bekanntlich bezüglich der Palästinaarbeit eine Reihe von Resolutionen gefasst und bezweckte damit, derselben eine grössere Intensität zu verleihen. Damit diese Resolutionen nun aber nicht wieder, wie es so häufig bei Kongressbeschlüssen der Fall ist, wertvolle Anregungen bleiben, glaubte der Kongress noch beschllessen zu sollen, dass 25 Prozent aller Einnahmen des A.-C., sofern sie nicht filr andere Zwecke bestimmt sind, sofort nach Eingang dem Palästinaressort beim Jewish Colonial Trust zur Verfügung gestellt werden. Man durfte demnach wohl erwarten, dass die Palästinaaiibeit jetzt . einen Aufschwung nehmen würde. Es zeigte sich aber bald, dass infolge des geringen Sohekeleinganges einerseits, urtd anderseits, weil die Kosten des neugeschaffenen Palästinaamtes dem Palästiniaressort belastet wurden, die letzterem tatsächlich zur Verfügung gestelltem Summen geradezu minimal waren; die im Laufe des Jahres vorn ,der Zentrale dem Palästinaressört überwiesenen Mk. 2000 konnten natürlich bei weitem nicht genügen, um «die Wünsche des Kongresses ausführen zu können. Als erschwerender Umstand kam noch hinzu, dass als indirekte «Folge der Kongressbesohilüsse die privaten Hilfsquellen des Palästinaressorts allmählich versiegten, weil die Föderationen sich dem Glauben hdrogaben, das Ressort verfüge über genug Mittel; somit hörte dann der an sich schon spärliche Eingang des Palästinaschekels und der Palästinaspenden «mit der Zeit so gut wie glanz auf. Aus diesen Gründen sah sich das Ressort gezwungen, seine Tätigkeit zu beschränken, sowohl - was däe Agitation und 'Belehrung betrifft, als auch bezüglich der Subventionierung «der palästinensischen Unternehmungen. Zu unserem grossen Bedauern mussten wir vor allem auf d'ie Wetterführung unserer Zeitschrift „Palästina“ verzichten, da sie uns ein jährliches Defizit von ca. 2000 «Mark gebracht hatte; um so dankbarer «müssen wir Herrn Theilhaber In München sein, der seit Aufhören unserer. Zeitschrift eine Monatsschrift gleichen Namens, wenn auch von geringerem Umfange, aus eigener Initiative herausgibt. Mag auch die Kritik einiges an dem Blatt auszusetzen haben, so sollte mail doch bedenken, dass Niederreissen leicht, Auf bauen dagegen sehr schwer ist, and: dass, wirklich aussergewohnlicher Mut dazu gehört, bei unserem Publikum, das an niedrige Preise und unpünktliche Zahlung gewöhnt ist, ohne Subvention ein derartiges Blatt herauszugeben. Wir glauben, dass das Blatt allseitige Unterstützung verdient. Aus dem gleichen Grunde konnte das Ressort dem hebräischen Gymnasium und dem Bezalel d'e in Aussicht gestellte Subvention leider nicht« überweisen, was um so schmerzlicher gewesen ist, als es'sich bewusst war, dass an grössere Sammlungen unter den Zionisten für diese Institutionen nicht zu denken ist, solange die Föderationen angeblich mit dem Sammeln des Parteftfonds beschäftigt sind. So« bestand denn die Haupttätigkeät des Res- , sorts darin, den Verkehr mit Palästina und den

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