Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 34 (21.8.1908)
- Date
- 1908-08-21
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 34 Denn es darf nicht übersehen werden, dass die Massnahmen und Verfügungen der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, der grössten und bedeutendsten in Oesterreich, als Muster und Exempel von den anderen Kultusgemeinden angesehen werden. Die eingangs angeführten Beschlüsse des Kultusvorstandes sind aber nach ünserer Meinung auch gesetzlich nicht begründet. Die sogenannte Judengesetzgebung der früheren Jahrhunderte in den österreichischen Ländern regelt nämlich bloss die rechtliche Stellung der Juden in bürgerlichen Angelegenheiten. In bezug auf die Religionsübungen wurde in den .Judenordnungen* bloss das Auftreten nach aussen verboten, also: keine öffentlichen Synagogen, keine öffentlichen Tempel, keine öffentlichen Bethäuser; dieMinjanim, das religiöse „Privat-Exerzitium der Juden, waren in Oesterreich derzeit gestattet. So haben „Judenordnung“ vom 29. Oktober 1723, die „Neue verbesserte Judenordnung“ vom 5. Mai 1764 und das Patent vom 2. Jänner 1782. zwar das gemeinsame Beten in Synagogen verboten, dieMinjanim jedoch, die .Privatexerzitien für die Religion“, d. h. das Beten im Minjanwar ausdrücklich ges tattet Die Judenpatente für Böhmen (Patent vom 3. August 1797) und Galizien (Theresianische Judenordnung vom 16. Juli 1776, das Patent vom 27. Mai 1785, betitelt „Zweites allgemeines Judengesetz“, das Patent vom 7. Mai 1789 und das Patent vom 19. November 1798) und alle diese alten gesetzlichen Bestimmungen, welche noch gegenwärtig als subsidiäresRechtneben dem Gesetze vom 21. März 1890, R.-G.-Bl. Nr. 57, G e 11 u n g haben, enthalten bezüglich des Betens die Bestimmung, dass die gesamte Judenschaft in AusübungihrerväterlichenReligion und angeerbtenGebräuche, soweit solche mit den gegenwärtigen Gesetzen und den allgemeinen Landesgesetzen nicht im Widerspruche stehen, „durchaus frei und unbehindert sein soll.“ Auch in Niederösterreich und speziell in Wien waren den „tolerierten“ jüdischen Familien die Minjanim gestattet, sie waren der staatlichen Aufsicht nicht unterworfen. Was aber unter dem Worte „Minjan“ nach der österreichischen Gesetzgebung zu verstehen ist, besagt die Allerhöchste Eutschliessung vom 19. November 1798 für Westgalizien. Darnach ist unter Minjan: c) „jüdische gemeinschaftliche Andachtsübung im eigenen Hause — im Gegensätze zu den von der Kultusgemeinde erhaltenen Synagogen und Bethäusern — an Wochen oder Sabbattagen mit oder ohne Thora.“ Ein Verbieten freiwilliger Bet Vereinigungen war somitnach dem Stande der älteren österreichischenGesetzgebung nicht statthaft und ist auch gegenwärtig mit den Vorschriften der österreichischen Gesetze nicht in Einklang zu bringen. Achtung! Für die Kuituswahlen! Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde erlässt folgende Kundmachung: Nach dem behördlich genehmigten Statute der Wiener israelitischen Ivultüsgemeinde sind u. a. vom aktivem Wahlrechte für den Kultusvorstand jene Kultussteuerträger ausgeschlossen, welche am Tage des Ablaufes des kundgemachten Walil-Reklamationstermines, diesen Tag mitgerechnet, für das laufende Jahr die Kultussteuer nicht bezahlt haben. Im Hinblicke auf die in diesem Jahre statlfindenden Wahlen werden die P. T. Steuerträger, welche mit der Kultussteuer noch im Rückstände sind, eingeladen, diese bis zum angegebenen Zeitpunkte, d. i. bis spätestens 24. September 1908 zu entrichten, da andernfalls die Aufnahme ihrer, Namen in die Liste der Wahlberechtigten im Hinblicke auf die oben zitierten statutarischen Bestimmungen unzulässig wäre. * * * Es ist eine höchst pikante Selbstverspottung, dass der löbliche Kultusvorstand verlautbart, kraft seines Statutes gehe das Wahlrecht unter anderem verloren, wenn, als ob ein Wahlstatut dazu da wäre, das Wahlrecht zu nehmen und nicht vielmehr, es zu geben!- Für die kommende Kultuswahl müssen wir uns freilich noch mit dem geltenden Statut abfinden. Kein Zionist darf darum säumen, die ihm für heuer vorgeschriebene Kultussteuer sowohl selbst sofort zu entrichten, als auch auf diese Entrichtung bei all' seinen Bekannten zu dringen. Den nichtbesteuerten Gesinnungsgenossen sei überdies bei diesem Anlass wärmstens ans Herz gelegt, die sogenannte „freiwillige Kultussteuer“ von K 10.— zu erlegen, einmal um sich so für die übernächste Kampagne das Wahlrecht zü sichern und andererseits, um den Kahalniks den Mund zu stopfen, die das Ausbleiben der freiwilligen Steuern als „Beweis“ dafür auszuschreien belieben, dass die Plebs politisch unreif und darum jeder Ausdehnung des Kultuswahlrechtes unwürdig sei. E. Z. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Wien. (Verein Poale Zion.) Samstag, den 22. August um 8 Uhr abends referiert 6g. Kaplansky- Kaplan im Cafe Stefanie. II., Stefaniestrasse 2, über „Die Ergebnisse der letzten Jahreskonferenz“. Die Parteigenossen werden ersucht, vollzählig zu erscheinen. GSding. (Jüdiscb-akademische F e r i a 1verbindung „Gamal a“.) Ergebnis der Cbargenwahlen für das Jahr 1908/9 phiL Oskar Saht X ing. Julius Goldschmidt XX F-X phil. Karl Telle r' XXX Friedek. (Jü<L-akad. FerialVerbindung „H a sm'onäa.) Chargenwahlen: J. U. C. Leopold Lüscliner X, med. Emil Tramer X Xj iur. Artur R e i k X X Xr Radautz. (Herzl-Gedenkfeier.) Sonntag, den 2. August, um 5 Uhr nachmittags, veranstaltete die jüdisch-akademische Ferialvereinigung „Chermonia“ im hiero’rtigen Tempel eine Herzl-Gedenkfeier, die überaus gut besucht war und einen würdigen Verlauf nahm. Als erster Redner sprach der Präses der „Chermonia“ cand. iur. Jakob Lapajowker, der in längerer, beifällig anfgenommener Rede die Persönlichkeit H e r z 1 s würdigte. Darauf trng Oberkantor Bogomolny in wirkungsvoller Weise das „El mule rachamim“ vor. Als zweiter Redner sprach cand. phil. et theol. Isak Menscher über „die Bedeutung des Zionismus“. Der Iffliche Inhalt der Rede machte einen guten Eindruck. Janöw bei Trembowla. Dank der -Mithilfe des Vereines „Tikwatli-Zion“ in Lemberg ist es endlich gelungen, auch liier einen Verein unter dem Namen „Tikwatk-Zio n“ zu gründen. Bei der konstituierenden Generalversammlung, welche am 19. v. M. stattfand, wurden folgende Herren in den Ausschuss gewählt: Obmann Jakob R e i s s, Sekretär Moses P q r 1, Kassier Simon Fr iedm an n, Kontrollor Herscli Weis sm a n n, N. F. Referent Moses L a z a v u s. Bei dieser Gelegenheit wurde auf dem Namen des Vereines ein Oelbaum gespendet. Skole. Auf Veranlassung der akademischen Verbindung „Hasmonea“ zu Lemberg und des hiesigen zionistischen Vereines „Dorscbei Zion“ fand Sonntag am 9. August in Skole im grossen Gemeiudesaale ein Herzl-Abend statt. Die Festrede hielt Dr. S p i n d 1 aus Kalusz. Nach einer Deklamation des Gg. Margulies und nach einem glänzend gelungenen Geigenspiel des Herrn Prochn i k, folgte der höchst interessante Vortrag des Herrn Josef Gerstmann ans Lemberg über „Unsere Tätigkeit in Palästina“. Die Ausführungen des Referenten verfehlten ihre Wirkung nicht; eine von ihm sogleich eingeleitete Sammlung ergab 4-4 Kronen für den Herzlwald. Nach dem Vortrage kam der Einakter „Ojlom hatoe“ zur Auflührung. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruss für die Verbindung „Hasmonea“: Felix H. Kormus X XXX ÜÜaityftydstelle des Düdiscbei) ßtaiioi)a1foi)ds tat» ©estemicb, Wien, IX., Türkenstrasse 9. Eintragungen ins Goldene Buch: Teplitz B.: Per Löwy: Jüd. Volkaverein „Zion“ zur Eintragung ins Goldene BuchDr. Theodor Herzl anl. des vierten Todestages.. 240— Allgemeine Spenden: Asch B.: Per Löwy: Gustl ges. von Jul. Fischer 1.—, Philipp Reichler 1.— . . . 2— Gustl ges. unt. Nichtzioriisten: Bella 2.—, Hannes, Ernst, Arier Sohann ä Bielitz M.: Per B. Rabinowitz: Smlg. bei einer intimen Unterhaltung in Bystraj. Dr. J. W e r n e r . ... 5.— Buczacz. S. G.: Per N.-F.-K. B. Last: Smlg. Frl. Heger und Hirschhorn bei ' Herzlabend 2.62, Smlg. Weinstock auf Hochz. Stern-Funkenstein 11.43, Smlg. Grossfeld a. Verl. Drattler-Andermann 1.70, Smlg. M. Weinreb und Frl. Hersas a. Hochz. Hecht-Geller 9.06, auf Verl. Nüssen Jägendorf L—, Frl. Horowitz verl. Wette 0.20, zus. 26.01; Statt Telegramm zur Hochz. Reich, Skala: Fr. Frankel, Eilendmann, Fried, Zuckermann, Löwi, Rabinowicz, Familie Edelstein, Wurmann, Schapira, Weinreb, Schorr, Pohoryle, Natansohn, Horn 5 52. ab Porto 0.33. Vereine _Zion“, „Rachel“, „Poale Zion“ ä 10.40-.31.20 Boryslaw. S. G.: Per Schmer: Smlg. Pinkas Moldauer beim Feste des Vereines „Ivria“.'.13.60 Czernowitz Bu.: iur. K. Schapira, Abitur. M. Schapira, phil. Bretschneider, iur. Herzan, Abit. Schächter, Ungar, Grat. Prof. Samson Tyndel zu seiner Vermählung .. 2.50 Gablonz B.: Per Löwy: Leop. Singer . . 1.60 Zahntechniker Kmoche 1.56, Fr. Bohrer 0.60, Taussig 0.20 . 2 36 Anl. der Konstituierung d. Vereines „Theodor Herzl“: Lizitierung von drei Jubil.-Kronen durch A. Roniger 9.— , L. Hoilascb 2.—, L. Singer 1.— .... 12.— Gesellschaft Libotz 2.40, Rud. König u. Ludw. Fischl 1.44 ....... . . . . 3.84 Grossdorf B.: Per Löwy: Ludw. Rachwalsky.10— Grzymalow Pod.: Smlg. Philipp Kornstein auf Hochz. Czaczka-Margulies, Wolic-i 10.—, auf Hochz. Sehwarzmann-Mindes 2.30 ..12.30 Per Joachim Parnass: Smlg. Feldmann und Nagler a. Hochz. Berger. 2.12 Habern B.: Per Löwy: Ad. Eisner .... 2.— Horazdowitz B.: Per Löwy: Josef Ehrlich .. . . . 2.— Jagielnica Pod.: Per Dr. Nussbaum : Smlg. N. Fischbach am 9. -Ab: Bilgraj 0.22, Rudolf, Ochsfcorn, Frl. Kohn, Frl. Täuber, Schnitzer, Raucher, Knischbach,' Ochsborn, Herzog, Raucher, Heliczer, Schnitzer, Presche], Bilgraj, Ramler, Schnitzer ä 0.20, 12 & 010, Div. 0.28, zus. 4.90, Smlg. Samuel Leib Goldstein 2.72. I. p o d o 1. Distriktskomitee . 7.62 Jamnitz M.: Dr. M. Wertheimer ..... 1.20 Jezierzany Pod.: Per Dr. Nussbaum: Smlg. M. Schauber am 9. Ab: Pohoryles, Tenenblatt, Alpern ä 0.25, Schauber. Grosser, Knoll, Kleiner, Seidmann, N. N., Gelband, Flecnner, Hollenberg, Garfunkel, Pachtmann, Filstiner, Bolchower, Grosser, Trembowler k 0.20, 19 ä 0.10. 1. podol. Distriktskomitee . 5.65 Sammlg. Pohoryles, Feldschuh und Grosser: Grat. H. Jak. Wachstein zur Vermählung mit Frl. Gingold. I. podol. Distrikskomitee. 2— Jungbunzlau B.: Per Löwy: Hermann Fischer 5.—. anl. d. Pessach-Befreiungsf.-stes 5.—, Tnoraspende 2.— und 2.— : 14 — Kaltenleutgeben I -Oe.: Max Markus grat. zur Verl. Böhm - Lemberger. Dr. E. Zweig.. 2. — Karlsbad B.: Per Löwy: Dr. Wilhelm Samisch .... . .. 5.— Per Löwy: Jüd.-akad. Klub statt Chargenanzeige 3.—, Quodlibet, Pomponius, Troll und Brinz 1.-, Steiner und Elben 1.20 Jüd.-akademischer Klub . . .. 5.20 Kopyczynce Pod.: Per Dr. Nussbaum : Seidner, Weissmann und Feldmann ges. bei „Kinoth“. I. podol. Distriktskomitee .. 10.— Kladno B.: Per Löwy: Sammlg. beim Vorirage Stein .. 2’97 Könighof B.: Per Löwy: E. Oplatka anst. Telegramm zur Hochzeit Bergmann- Fants .•.1 —