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Jüdische Zeitung · 1908-08-21 · 34 (21.8.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Q-:-Z Redaktion, Administration und Wochenschrift. LJ— " ' -- •' □ Abjfinementspreise: Inseratenaufnahme: In Oesterreich-Ungarn: IX., ^uritensfrasse 9. Erscheint jeden Freitag. Ganzjähr. K 10— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Telephon Nr. 14.199. & In Deutschland: Verkaufetellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Ganzjähr. Mk. 10.—, Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr Z. eitun g s bur eau Golds chm iedt, I., Wollzeile Nr. 11. halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. vormittags. n - --r t Einzelne Nummern 20 Heller. Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15.—. -1. . .... r\ Manuskripte werden uioht zurückgestellt. Manuskripte werden nloht zurückgestellt. Vertretungen in der Provinz In Br&nn : Zeitungs bur eau, Ferdinandgasse. — In Prag: Zeitungs verschleiss Wlozek, Graben.33. — In Lemberg: Karl Buchatab. Buchhändlerlscbe Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 34. Wien, Freitag, den 21. August 1908. II. -Jahrgang. ftus de Ti) jobalte: Die Jungtürken über den Zionismus. Ein Interview. Von Dr. D. Pasmanik, Genf.' Zur politischen Lage. Zionistische Jahreskonferenz in Köln. Aus dem jüdischen Lehen. „Jüdisch“. Von Beda. Gesetzwidriges im Wiener Kultusstatute. Von Dr. Zipser. Achtung! Für die Kultuswahlen! | Liste der Ueberläufer. Vereinsnachrichten. Die Jungtürken über den Zionismus. Von Dr. Daniel P. a;sman.ik. (Genf.) ' y, (Ein.Inter vi e w.) . Wie bekannt, haben die jungtürkischen - Emigranten ihr Zentralquartier früher in Paris gehabt. Jetzt kehren sie in die Heimat zurück und fast alle nehmen in Genf mehrtägigen Aufenthalt. Dank der Liebenswürdigkeit des türkischen Konsuls in Genf, der für den Zionismus immer lebhaftes Interesse bekundete, bot sich mir Gelegenheit, in einer längeren Unterredung die Ansichten der massgebendsten Führer der Jungtürken über den Zionismus kennen zu lernen. Ich will hier nur einen Teil der Unterredungen wiedergeben und bürge für die Genauigkeit des Vorgebrachten. „Wie verhalten Sie sich zum Zionismus?“, befragte ich einen, der mir als Journalist und künftiger Parlamentarier vorgestellt wurde. ■ „Ja, was verstehen Sie jetzt Unter Zionismus?“ „Deutsch lese ich nicht, ausser türkisch nur französisch, deshalb bin ich mit den Protokollen ihrer Kongresse nicht vertraut. Ich habe aber alles gelesen, was über den Zionismus französisch geschrieben wurde, insbesondere im „Echo sioniste“, solange diese Zeitung erschien. Und nun haben ich und meine Freunde den Eindruck gewonnen, dass der Inhalt des Begriffes „Zionismus“ sich zeitlich und örtlich sehr geändert hat. Wenn Zionismus das Streben nach einem unabhängigen jüdischen Staate bedeutet, so werden wir das nie zulassen. Der erste Punkt unseres Programmes betrifft die Unteilbarkeit des türkischen Reiches. Bedeutet aber Zionismus^ die Besiedelung Palästinas mit Juden und Bildung einer jüdischen Majorität im Lande, so haben wir absolut nichts dagegen. Die Türken leben schon Jahrhunderte mit, den Juden in den allerfreundlichsten Beziehungen und wir, betrachten sie als die verlässlichsten, Bundesgenossen. Von,,allen Einwanderern sind sie uns - die Erwünschtesten. Sie brauchen Land und Freiheit, wir brauchen Menschen, die die Türkei nicht schwächen, sondern, stärken wollen, ergo passen wir sehr gut zueinander. Aber verlangen sie von uns nicht die Lostrennung Palästinas. Darin würden wir nie einwilligen.“ „Uebrigens wäre das nicht zu ihrem Nutzen,“ unterbrach ihn: ein anderer der .Anwesenden, der mir als gewesener Offizier vorgestellt wurde. „Ein kleines selbstständiges Palästina würde bald die Beute irgend einer der Grossmächte werden, vielleicht sogar derjenigen, die Ihnen am feindlichsten gesinnt ist. Aber eine Türkei, die von allen sie bewohnenden Nationen unterstützt wird, kann man nicht so leicht verschlingen.* „Ganz richtig I“ begann wieder der Vorredner „Sie brauchen das gar nicht. Soweit ich den Zionismus verstehe, ist sein Ziel die Erlösuug der jüdischen Masse -von den fortwährenden Verfolgungen, denen sie in den christlichen Staaten unterworfen ist und ihre wirtschaftliche und geistige Regeneration. Dies alles werden sie in Palästina finden. Erstens müssen wir ja zugeben, dass die Türkei immer die kulturelle Selbständigkeit aller sie bewohnenden Nationen anerkannt hat. Zweitens aber, können sie wohl sicher sein, dass wir dieses richtige Prinzip weiter entwickeln werden. Wir begreifen wohl, dass die Befriedigung der gerechten Forderungen der verschiedenen Nationalitäten im Interesse der Türkei hegt. Wir werden schon zu Anfaug uer Parlamentstätigkeit ein Gesetz über die Selbstverwaltung der Provinzen ausarbeiten, wobei wir uns alle Mühe geben werden, die territoriale Einteilung mit den ethnographischen Verhältnissen in Einklang zu bringen. Folglich werden auch die Juden, wenn sie die Mehrheit in Palästina bilden, die volle, Selbstverwaltung geniessen — in allen Fragen der Kultur, der Provinzialwirtschaft und überhaupt in allen Fragen des inneren Lebens Palästinas. Selbstverständlich werden sie zu gleicher Zeit Repräsentanten im Reichsparlament haben und somit an der Entscheidung in allen Reicbsfragen mitwirken.“ , „Erlauben Sie mir eine kurze Bemerkung: Ihre zivile Gesetzgebung, die ja vorläufig für das ganze Reich obligatorisch ist, er- , schwert speziell die landwirtschaftlicher Kolonisation im höchsten Grade. Einerseits ist sie ein Ausfluss der Korans, anderseits ist sie den Grundbesitzverhältnissen, die sich bei ihnen geschichtlich entwickelt haben, angepasst.“ „Wir kennen das,“ antwortete er mir. „Der ,Koran Hat damit nichts za tun, seine Tendenz ist nicht gegen den Fortschritt gerichtet. Schon in der nächsten Zeit werden wir unsere Agrargesetzgebung reformieren müssen, denn die Türkei ist vor allem ein Agrikulturstaat. Wir haben wohl keine Agrarfrage wie in Russland, aber wir hatten zn lange eine faule Bureaukratie, die nichts getan hat, um die Lage unseres Bauern zu verbessern. Wir werden einen ausgedehnten Agrarkredit, Meliorationskredit schaffen, die Wakufgesetze ändern müsseD, sowie auch die Gesetze über die Reichsdomänen. Nein, ich sehe keine Hindernisse für eine massenhafte Kolonisation der Jaden in Palästina. Kommt ins Land, kauft Boden, baut Fabriken, Schulen, erlangt Konzessionen auf verschiedene Verkehrseinrichtungen und bemüht euch so schnell als möglich, eine Majorität im Lande zn bilden. Das ist alles, was ich sagen kann.“ „Sie wissen wohl, dass die anderen Staaten, die Immigranten brauchten, diesen in vielen Beziehungen entgegenkamen; der; Staat gab den Immigranten Boden, baute ihnen Verkehrswege, befreite sie für mehrere Jahre von den Steuern. Glauben Sie, dass die neue‘Türkei ebenso Vorgehen wird?“ „Das glaube ich kaum. Die Türkei ist arm und wir werden viele Jahre arbeiten und sparen müssen, um unsere Reichsfinanzen za verbessern. Uebrigens wissen Sie wohl, dass alle Versuche der verschiedenen Immigrationsstaaten mit der Gratisverteilung des Bodens an Immigranten fehlschlugen. Was die Verkehrswege betrifft, werden wir sie auf unsere Kosten nicht bauen, weil man sie uns sowieso bauen wird. Gerade in der heutigen Nummer des „I k d a m s“ wird berichtet, dass nur während der letzten Woche mehr als 40i> Konzessionsgesuche emgereicht worden sind, in weichen nicht die geringste Kapitalgarantie verlangt wird. Europa vertraut uns jetzt und wird pns Bahnen, Häfen, Tramways, Telephone etc. bauen. Nehmen sie die Konzessionen in Palästina und bauen sie. Es gibt ja reiche Juden. Aber vor allem müssen sie eines machen: Sie müssen in Konstantinopel eine zionistische Presse begründen. Wir, die in Europa längere Zeit gewohnt haben, sind wohl mit dem Zionismus bekannt. Aber unser sind sehr wenig. Der türkischen Bevölkerung sind Euere Ziele und Pläne vollständig unbekannt. Ich kann Sie versichern, dass Sie bei unserer Bevölkerung mehr Sympathien begegnen werden, als bei den Pariser Juden. Nur eines: Gebrauchen Sie nicht das Wort „Autonomie*. Der Türke kann dieses Wort nicht vertragen. Er glaubt sofort, dass die „Giauren“ (die Ungläubigen) ein Stück Land losreissen wollen. Sprechen Sie von Selbstverwaltung: das wird jeder verstehen und gutheissen. Uebrigens haben auch die Armenier, sowie die Mazedonier unser Programm mit< Wohlwollen aufgenommen, da es allen Nationen die' volle innere Selbstverwaltung, wenn auch nicht die souveräne Autonomie verbürgt. In dieser Beziehung 'n

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