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Jüdische Zeitung · 1908-08-14 · 33 (14.8.1908) · p. Seite 6

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
33 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 33 sdhiaffen, der für die Zukunft von Nutzen sein kann. Allerdings muss man von diesem Umscinvunge erwarten, dass er nun den Beginn dessen darstellt, was man dm Sänne einer genügenden Entwicklung von ihm erhoffen muss. Jedenfalls dürfen wir die sichere Hoffnung hegen, dass sich die Leistungsfähigkeit uhd das Selbstvertrauen unserer Gesinnungsgenossen in Russland infolge unserer letzten Bemühungen bedeutend steigern werden. Günstige Anzeichen eines neuen Erwachens zionistischen Geistes in Russland zeigten sich schon während der Rase des Präsidenten und "lassen sich jetzt überall dort andauernd wahrnehmen. Palastinaressort-Palästinaamt. Das Hauptmerkmal unserer Arbeit innerhalb der Organisation bildete die Einrichtung mehrerer neuen Parteiinstitutionen, die die Arbeitsmöglichkeiten und Erfolgaussichten der Bewegung beträchtlich vermehren. An Stelle der vormaligen Palästinakommissian trat das Palästinaressort, über dessen Arbeit Ihnen ein besonderes Referat vorliegt. Als eine der wichtigsten vom Palästmainessort vorgenommenen Arbeiten und zugleich als eine der bedeutsamsten der von uns geschaffenen neuen Institutionen dürfte das Palästinaamt zu Betrachten sein, das gemäss dem Kongressbeschluss in Palästina eingerichtet wurde Nachdem Herr Dir. Ruppin bereits vor dem Kongresse in unserem Aufträge nach Palästina gegangen Avar und dort in fünfmonatlichem Aufenthalte die einschlägigen Verhältnisse studiert hatte, übertrugen wir ihm die Leitung des Palästinaamtes, in dessen Arbeiten er sich gemeinsam mit dem Sekretär Herrn Doktor Thon teilt Seit Juni befindet sich das Amt in voller Tätigkeit, ein gesonderter Bericht über seine Arbeiten liegt Ihnen vor. Abänderung des Bankmemorandums. Der Kongress hatte beschlosen, die Erledigung dar. Abänderung des Bankmemorandutns dem Ei. A. C. und einer vom Kongresse gewählten Kommission von 3 Juristen zu überlassen. Die .Gutachten der Juristen waren nicht übereinstimmend. Die vom englischen Richter an geordn ete Abstimmung dar Aktionäre, hatte das Ergebnis, dass sich eine grosse Mehrheit für die Abänderung aussprach. Für die Abänderung stimmten: 16.000 Aktionäre mit 50.117 Aktien, dagegen nur 2487 Aktionäre mit 9426 Aktien. Das Gericht kam indessen zu einem ablehnenden Bescheide, es wies die Statutenänderung ab und legte der Bank sämtliche Kosten auf. Wir haben von Anfang an 'keinen Zweifel darüber gelassen, dass wir die Durchführung der Abänderung nicht für notwendig halten. Der Begriff des Zionismus ist so klar„ der Wille der überwiegenden 'Mehrheit der Zionisten ist so eindeutig auf Palästina gerichtet, und die Organisation unserer Bank ist derart, dass niemals gegen den Willen der Mehrheit der Zionisten eingreifende Aendamngen in den Prinzipien ihrer Geschäftsführung durchgieführt werden können, so dass es unseres Erachtens keiner Aenderung der Statuten bedürfte. Selbstverständlich aber fügten wir uns dem ausgesprochenen Wällen des Kongresses. Nachdem die juristischen Gutachten zu einer einheitlichen Meinung nicht gelangt waren, hielten wir uns für verpflichtet, den Prozess bis zur endgültigen Entscheidung weitemgdhen zu lassen. Auch haben wir alles getan, was im Interesse der Durchführung des Prozesses dienlich erschien. Die Kosten der versuch- . ten Abänderung des Bankmemorandums betrugen insgesamt 1661 Pfund Sterling (39.864 Kronen). Für den Fall, dass das Memorandum nicht abgeändert würde, hatte der letzte Kongress beschlossen, dass die Statuten der Bank derart ergänzt werden sollen, dass sie eine Beschränkung des Geschäftsbereiches der Bank auf Palästina und die Nachbarländer ausdrücken. Eine entsprechende Resolution ist vom Aufsichtsrate bereits gefasst worden und wird der in diesen Tagen hier; stattfindenden Generatversammlung der Bank voagelegt werden. ■ Palästinaarbeit. Im allgemeinen kann mau konstatieren, dass innerhalb der Organisation seit dem VIII. Kongress ein frischer und lebendiger Geist herrscht Das Palästinaressort und das Palästinaamt Sn Jaffa ent- / falteten eine lebhafte Tätigkeit. Die neugegxündqte Palestine Land Development Company, die berufen sein soll, für die Kolonisation in Palästina vorbildlich zu wirken, hat ihren Arbeitsplan aufgestellt und hat ihre Tätigkeit schon begonnen. Es ist zu : hoffen, dass die Zeichnungen für die Gesellschaft den im Prospekt bestimmten Betrag bald erreicht haben werden. — Bemerkenswert ist das wachsende Interesse* das sich allenthalben ni jüdischen und nicfctjüdischen Kreisen für Palästina 'zeigt. Weitere Kreise der Judenheit, die unseren Bestrebungen bisher ablehnend gegenüber standen, interessieren sich heute lebhaft für die jüdische Wiederaufrichtung Palästinas. Anglo Palestine Company. Auch sonst hat die Konsolidierung der jüdischen Verhältnisse in Palästina erfreuliche Fortschritte gemacht. Insbesondere wächst sich die Anglo Palestine Company mefer und mehr zu der bedeutsamsten Stütze des jüdischen Elementes in Palästina aus*. Mit ihrer tatkräftigen Mithilfe war es im verflossenen Jahre trotz der Einwirkung der allgemeinen wirtschaftlichen Depression nicht nur möglich, die bestehenden Erwerbs- und Wirtschaftsorganisationen in Palästina zu ernalten und auszubauen, sondern es haben sich auch unter ihrer tätigen Mitwirkung kn Inlande wie im Auslande eine Reihe neuer jüdischer Organisationen zum Zwecke dier wirtschaftlichen Hebung und Ausbeutung des Landes gebildet Unsere Bankinstitute. Die Lage unserer Banken ist eine durchaus befriedigende. Trotz der besonders schwierigen Umstände, unter denen der Geschäftsgang im verflossenen Jahre zu leiden hatte, und die durch die wirtschaftliche Krise dieses Jahres bedingt waren, haben beide Banken sehr günstig abgeschnitten. Der Jewish Colonial Trust ist in der Lage, für das verflossene Jahr eine Dividende von 6 Pence auszuschütten, und auch die Anglo Palestine Company at für das abgelaufeme Jahr eine Dividende van 9 Pence verteilen können. Nationalfonds. Die Neueinrichtung des Nationalfonds, die nunmehr zum Abschluss gelangt ist, beginnt bereits sich zu bewähren. Ein besonderer Bericht darüber wird Ihnen vom Vorsitzenden des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds vorgelegt werden. Zionistisches Zentralbureau. Das Zionistischen Zentralbureau in Köln hatte im Berichtsjahre eine Fülle der verschiedenartigsten Aufgaben zu lösen. Die vielfachen Neueinrichtungen, die .getroffen wurden und für die das Zentralbureau in Köln die eigentliche Zentralinstanz bildet, von wo aus die Anrejgungen ausgehen oder geprüft werden, und der auch die Ueberwachung des Betriebes der einzelnen Parteiinstitutionen obliegt, vermehrten selbstverständlich die Menge der zu erledigenden Arbeiten in der mannigiachsten Weise Die ausgedehnte Agitation für den Parteifonds, die vom Zentralbureau betrieben wurde, wie auch die Redaktion der beiden offiziellen Organe, die nunmehr vom Zentralbureau ausgeübt wurde, und die Leitung und Geschäftsführung des Jüdischen Verlags stellten an seine Arbeitskraft hohe Ansprüche. Das Zentralbureau war'bemüht, die Verbindung mit den Landesorganisationen möglichst eng zu gestalten, eine Aufgabe, der die Landeskomitees leider nun wenig gereoht wurden. Auch wurden durch die Bemühungen des Zentralbureaus die Landiesorganisationan in mehreren Bezirken reorganisiert und in den Stand gesetzt, ihre Arbeiten in verstärktem Masse wieder aufzunehmen. Die „Welt“. Die Entwicklung der „Welt“ war durchaus befriedigend.. Der neuen Leitung des Blattes ist es gelungen, den Ausgabenetat ganz beträchtlich zu vermindern. Während in der ersten Hälfte des Geschäftsjahres dar vom Aktionskomitee zu lastende Zuschuss noch rund Mk. 8500 betrug, war er in der zweiten Hälfte des Jahres, in der die Vorteile der Neueinrichtung erst zur Geltung kamen, nur mehr in der Höhe von rund Mk. 3000 erforderlich. „Ha-Olam“. Die Verbreitung unseres hebräischen Zentralorgans hat im Laufe des letzten Jahres eänige Fort-, schritte gemacht. Die Abonnentenzahl nahm in manchen Ländern, ganz besonders in Galizien* bedeutend zu. Dank der grossen Ausbreitung unserer Nationalsprache drang das Blatt in die entferntesten Länder und verschaffte sich Eingang in die" bis jetzt ganz unzugänglichen Kreise unserer sephardischen Brüder. Es stellte sich jedoch im Laufe der Zeit heraus, dass das Blatt in seiner Jetzigen Einrichtung die Erwartungen nicht erfüllen kann, de an sein Bestehen geknüpft worden sind, weil die Möglichkeit eurer sicheren und regelmässigen Verbreitung in Russland fehlt Denn trotz aller Bemühungen ist es wegen der bestehenden Zensur uns nicht gelungen, eSne regelmässige Lieferung des Blattes nach Russland zu sichern* Wir werden einen Modus erwägen, in welcher Weise das Blatt in einer billigerem und praktischeren Einrichtung vermittels der Zentrale in Wilna sein Erscheinen sichern und mit Erfolg fortsetzen kann. Der jüdische Verlag. zeigte leider nach wie vor eine nicht befriedigende Entwicklung. Aus diesem Grunde sind wir an eine umfassende Reorganisation des Unternehmens geschritten, die wir mit Hilfe einer neu angestellten, büchhändlerisch geschulten Kraft zu einem guten Resultat zu führen hoffen. Im Laufe des Jahres haben wir einige Werke neu aufgelegt und demgemäss die im Verlag investierten Mittel erhöht. Finanzielle Lage. Die finanzielle Lage des Aktionskomitees ist nicht günstig. Infolge der verschiedenen Neueinrichtungen haben sich die Ausgaben wesentlich erhöht Die in unserer Bilanz ausgewiesenen Einnahmen aus Schekelgeldern, sind nicht unwesentlich geringer als die des Vorjahres, eine Erscheinung, die in erster Linie auf das verspätete Einsetzen der Schekelsammlung, das in diesem Jahre besonders stark beobachtet werden konnte, zurückzuführen ist. Tatsächlich sind noch Schekelgelder aus verschiedenen Ländern zu erwarten, die bisher dir« diesjährigen Schekeleinnahmen überhaupt noch nicht an uns abgefühnt haben; andererseits konnten infolge Schlusses des Rechnungsjahres verschiedene nachträglich eingelaufene Beiträge in die Bilanz nicht mefcr auf genommen werden. Immerhin ist ein solches Hinausschieben der Schekelsammlung auf die Dauer unzulässig und muss die regelmässige Geschäftsführung durchaus behindern. Wir werden Ihnen daher Vorschläge maohen, die darauf ausgehen, ein früheres Einsetzen der Schekelsammlung überall zu gewährleisten. ■ Parteifonds. Gleföh nach dem Kongresse sind wir in eine ausgedehnte Agitation für den Parteifonds eingetreten. Wenn nun der Erfolg sehr weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist, so ist dies in ersteir Linie dem Umstande zuzuschreiben, dass die grosse Mehrzahl der Landsmannschaften höher die Agitation für den Parteifonds nur lässig oder verspätet betrieben oder überhaupt gar nicht eingeleitet hat Wir müssen «dies auf das lebhafteste be-, klagen. Die grosse Masse der Zionisten, hat sich der Idee des Parteifonds .durchaus nicht abgeneigt gezeigt. Ueberall dort, wo die lokalen Leitungen sich, dafür einsetzen, sind gute Ergebnisse erzielt worden. In Oesterreich z. B. brachte Böhmen, wo man energisch iür den Parteifonds tätig.war,-'mehr als das ganze übrige Oesterreich. Galizien und die Bukowina zusammengenommen. Aehnliche Beispiele fanden, wir in Amerika und Russland. Unter diesen Umständen können wir nur mit Nachdruck die Forderung aufstellen, dass diejenigen Landesorganisationen, die den Betrag, den sie gemäss der Anzahl ihrer Schekelzahler zu erbringen hatten, bisher nicht abgelieiert haben, nunmehr das Versäumnis gut machen und mit Eifer und Ausdauer daiür ©intreten, dass dieser Betrag jetzt noch erreicht werde. Anträge des Engeren Actionskomitees, i Die in Köln versammelte zionistische Jahreskonferenz begrüsst freudig die von Sr. Majestät dem Sultan gewährte Verfassung. Die zionistische Organisation gibt der Hoffnung Ausdruck, dass es dem jüdischen Volke möglich sein wird, durch eipe gedeihliche Besiedelung Palästinas und durch die Schaffung der Bedingungen einer öffentlich rechtlichen Heimat an der Wiederbelebung und an dem kulturellen Aufschwünge des ottomanischen Reiches tatkräftig mitzuwirken.

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