Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 31 (31.7.1908)
- Date
- 1908-07-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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U -; Redaktion, Administration ■„ und Inseratenaufnahme-: IX., ^ürlieostEasse $v. 9. Telephon. Nr. 14.199. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr vormittags. □- - Wochenschrift. Erscheint jeden Freitage Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Zeitungsbureau Goldschmied t, I., Wolizeile Nr. 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Li - ' C Abrnnementspreise: In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.— balbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. In Deutschland: Ganzjäbr. Mk. 10.—, halbjäbr. Mk. 5.—. Vierteljahr. Mk. 3.—. Im übrigen Ansland ganzj. Frcs. 15.—. □_ =._ _ - - -□ if-' Vertretungen irr der Provinz In BrflnniZ e it u ng sb u r e a n, Ferdinandgasse. — In Prag: Zei tungs verschleiss Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Bachstab. Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 31 Wien, Freitag, den 31. Juli 1908. ft. Jahrgang. ftus den) jobalt«: Der heilige Diplomatius. Von R. Stricker, jaden ist der Eintritt verboten 1 Jüdische Ärzte als deutschnationale Handlanger. Sie - „ Arbeiterzeitung'1 - als - Schätzerin der Täuflinge. Pack schlägt sich! . . Der Antisemitismus in Ungarn. Von Dr. K. 50jähriges Jubiläum der Gleichberechti- . gong der englischen Juden. Jüdische Wanderung und Wandererfürsorge Von Pastor Eberhard (Kotelow). Ein Notschrei ans der; Wiener jüdischen Versorgungsanstalt. , Feuilleton: Frauenarbeit in Palästina. Von ' Dr. Kabel S t r a u s s (München). Liste der Uebe^äufer. Korrespondenzen Vereinsnachrichten und Parteinachrichten. Zionisten! Es ist unbedingte Pflicht jedes Gesinnungsgenossen, die »Jüdische Zeitung« zu abonnieren und für sie unablässig Werbearbeit zu leisten! FEUILLETON. Frauenarbeit in Palästina.*) Von Dr. med. Kahel Strauss in München. Ein moderner Schriftsteller, der über die Kolo-• nisation in Canada schreibt, verlangt, von einem fähigen Kolonisten, vor allem zweierlei: Erst prüfe er sich selbst, ob er imstande ist, als Kolonist in die Ferne zu ziehen, und dann . frage er, was weit wichtiger ist, sein Weib, ob sie mit ihm ziehen will. Will sie es gerne, dann kann er es wagen, will sie nicht, dann lasse er es gleich bleiben; denn es wird ihm doch nicht gelingen. Diesen Ausspruch erzählte nur ein Verwalter einer Kolonie in Galiläa. Wir sprachen aber von Palästina. Und gerade dort sahen wir es auf Schritt und Tritt — ohne die willige, freudige Mitarbeit der Frau geht es nicht in der Landwirtschaft und mancher ist eben seiner Frau wegen wieder ins alte Heimatland zurückgekehrt. Es ist ja wahr, die Frau hat es am schwersten bei dem neuen Leben. Sie ist wohl von Nälur etwas .konservativer und *) Wir entnehmen diesen interessanten Ar-' tikel der Zeitschrift „Palästina“, deren Abonnement wir allen Gesinnungsgenossen wärmstens ' empfehlen. ' "; Juden! Hinaus aus dem „Deutschen Schul verein!“ Der Ehrenpräsident des „Deutschen Schulvereines“, Abg. Dr. Steinwender, die Ehrenmitglieder und Funktionäre dieses Vereines, die Abg. Sylvester, Hoffmann, Weidenhoffer u. a. haben in der Parlamentssitzung vom 26. Juni 1908 für den Antrag des Christlichsozialen Schmid, das heisst: für die Vertreibung der jüdischen Kinder aus den österreichischen Schulen gestimmt. Unter scheinheiligen liberalen Fräsen entlockt man Euch Geld für die Errichtung deutscher Lehranstalten und arbeitet gleichzeitig an Gesetzen, die Eueren Kindern den Eintritt in diese Schulen verwehren soften. trotz dieses .frechen- und niederträchtigen Vorgehens ift' einer Gemeinschaft mit solchen Leuten verweilt, handelt gewissenlos! Er tritt seine Mannesehre mit Fussen! Er belädt den jüdischen Namen mit Schande! Er beleidigt seine Kinder und untergräbt ihre Zukunft! Juden! Hinaus aus dem „ Deutschen Schulverein! “ hängt mehr am Heimatsorte mit seinen Freunden und Verwandten. Der Mann findet sich draussen eher zurecht — und dann: er weiss doch, warum er sein Heim verlassen, er hat die Idee, die ihn begeistert, die ihn vieles ertragen lässt. Aber wie selten hat die Frau Teil an diesem Denken, und fremd steht sie ihm gegenüber, nun da es zur Tat wird. Da kommt die schwere Aufgabe, sich in der neuen Umgebung zurechtzufinden, den neuen Anforderungen zu genügen. Das ungewohnte Klima, das Krankheiten mit sich bringt, die veränderte Nahrung; der Wassermangel, alles erschwert das Sicheinleben, ganz abgesehen von der neuen Arbeit in Haus und Feld. Kaum eine der Frauen, die hinüber gekommen sind, hat einen ländlichen Haushalt gekannt; etwas ganz Neues wird plötzlich von der Frau gefordert. Sie werden mir sagen: vom Manne auch! Ja, aber diese Frauen^die da kommen, bringen die Anschauung von Hause mit, dass schwere körperliche Arbeit etwas erniedrigendes sei. Eine jüdische Frau, die in den Stall geht, und Kühemelkt, die den Hühnerhof besorgt, die den Garten bebaut 1 Das waren für ihre Begriffe ungewöhnliche Dinge. Und plötzlich verlangt man diese von ihr! In Wirklichkeit hat sie auch versagt. In: allen Kolonien hört man noch hier und da klagen über die: jüdischen Männer,; die-nicht arbeiten wollen und ihr Feld von den. Arabern' bestellen lassen, aber überall, und immer ‘ hörten wir klagen über die Frauen, die sich nicht an ihre neuen. Pflichten gewöhnen Der heilige Diplomatius. »Der Gesandte Graf X. gedenkt nächster Woche vom Semmering nach Marienbad zu reisen, wo er, wieuns von vertrauenswürdiger Seite mitgeteiJt wird, den Botschafter Y. zu besuchen gedenkt. Die Begegnung ist für die Beziehungen beider Staaten von höööchster Bedeutung!“ »Botschaftsrat Marquis N. hat anlässlich eines Frühstücks bei der Komtesse M. unserem Mitarbeiter Aufklärungen gegeben, welche das Verhältnis von Japan zu Amerika in neuem Lichte erscheinen lassen.“ etc. Mit stupidem Ernste tischen seit jeher die einflussreichsten und bedeutendsten Blätter ihren Lesern diesen allzubekannten „auswärtigen“ Kohl auf und vom heiligen Schauer totaler Verständnislosigkeit gebeutelt schlackt ihn die intelligenteste Abonnentenkanaille herunter, kritiklos und muckst nicht. An den heiligen Diplomatius wagt sich eben keiner heran, Yiieht di© Radikalsten, nfeht die Rücksichtslosesten, nicht einmal die Sozialdemokraten, noch irgend eine moderne revolutionäre Partei. In diese Diplomatenatmosphäre aus Boudoirdnnst, Vorzimmer odeur, chambre separee und Stallgeruch gefügt, hat noch die frechste Nase nicht hinemgeschnüffelt. Der heftigste Bekämpfer aristokratischer Ueberhebung, altadeliger Borniertheit und feudaler Impotenz schleicht sich scheu um das Diplomatenkrätzel herum. Vor der Diplomatie hat alles einen Heidenrespekt! Man lässt sie ungestört „Völkergeschicke fabrizieien“ Heilig! Heilig! Heilig! Nun hat die minder respektvolle Tageswollen. Man zeigte uns in Rosch Pinah voller Stolz einen gut gepflegten Gemüsegarten, den die Frau mit den Töchtern allein bestellte! Man zeigte ihn, das sagte genug! — Sicher ist, dass einzelne Gebiete direkt von der Frau allein übernommen werden müssen, und dass es die Frau ist, die wesentlich zum Wohlstand des Hauses beitragen kann. Ich denke da an die Milchwirtschaft, an Geflügelzucht und Gemüsebau. Ist es nicht ein Jammer für uns, dass die Araber und die deutschen Kolonisten reich werden durch die jüdischen Städter und Kolonisten, die ihnen Milch und Butter, Eier und Gemüse für teures Geld abkaufen müssen! Und für diese Dinge kann der Mann nicht sorgen. Wo Landwirtschaft besteht, ist es die Frau, die die körperlich leichtere Arbeit übernehmen muss, und auch die jüdische Bäuerin muss ihrem Mann die Gefährtin bei der Arbeit werden. Ganz eigenartig liegen die jüdischen Verhältnisse in den Städten. Ich meine damit vor allem die Städte, in denen Massen unseres Volkes schon seit langem wohnen: Jerusalem, Saffed, Tiberias. Die neuaufblühenden Städte- 'Jaffa, Haifa können wir getrost aus diesen Betrachtungen ausschliessen. Die Familien, die hier zuziehen, bleiben im Handel oder Gewerbe; ihr Leben ist nicht so von Grund aus verändert, und die Frau die heute mit ihrem Manne hinüberzieht, ist entweder der härten Notgefolgt und ist froh und dankbar für das gastliche Land, oder si© teilt seine Liebe zum