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Jüdische Zeitung · 1908-07-24 · 30 (24.7.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
30 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., (ftärlteosfrasse '-'Uv. 9« Telephon Nr. 14.199. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr vormittags. “I I Erscheint jedfn Freitag:. ■ -:—ir Verkaufstellen in Wien: Admini^ration, Türkenstrasse Nr. 9. Zeitungsbureau Goldschpaiedt, I., Wollzeile Nr. 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Atu nnementspr eise: In Oesterreich-Dngsrn: Ganzjähr. K 10,— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. ' In Deutschland: Ganzjahr. Hk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Hk. 3.—. Im flbrigen Ausland ganxj. Frca. 15. □ ' ■ 0 Vertretungen ln <jer Provinz In Brfinn : Z eitunp sb u r ea u, Ferdinandgasse. — In Prag: Zeitungsver-schieiss Wlozek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Kocüstati. Buctihgndlerlsche Vertretung für Deutschland; Otto Klemm in Leipzig. •SB=SBS—B=aaggB--S=gS8-B=g--==BBB—. iS— ■ . L- T" /• --==== . ■ Nr. 30. Wien, Freitag, den £4. Juli 1908. II. Jahrgang. &qs den) Präsident Wolffaohn in Petersburg. Die Beise Wolffsohns nach BusslantL Gesetzwidriges im Wiener Knltusstatute. Von Dr. J. :Z ip's er. . Der Markomähne. ’ Von B e d a. Die Taufbewegung in Wien. Bin historischer Kolonist, VonD. Trietsch, Jaffa. Offener Brief an den Präsidenten des Wiener Knltnsvorstandes. Feuilleton: Im Bezalel. Von Dr. E. Müller. Korrespondenzen und Vereinsnaohriohten. Es, ist unbedingte Pflicht jedes Gesinnungsgenossen, die , »Jüdische Zeitung* zu abonnieren und für sie unablässig Werbearbeit zu leisten! Präsident Wolffsohn in Petersburg. Der totgesagte „pqlitische“ Zionismus hat wieder einmal ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben: Präsident Wplffsohn ist von der russischen Reeiernng nach Petersburg berufen and dorr vom Minister des Aeussern Is wolsky. sowie vom Ministerpräsidenten Stolypiij mit grosser Auszeichnung behandelt worden. Wichtige Konferenzen fanden statt und die russischen Minister gaben ihrer Sympathie für das . zionistische Ideal Ausdruck. Als praktisches Ergebnis zeitigte die Unterredung das Versprechen der Regierung: der zionistischen Arbeit in Russland Leinf Eündernisse mehr zu bereiten. ' ‘ Es ist schwer, dieses bedeutsame Ereignis rein verstandesgen{ä3s?u werten. Die Tatsache der Berufupg Wolffsohns naeh Petersburg beweistztinjindest, dass, dfe’-an cler 'Judenfrage am meisten interessierte Macht, unsere Organisation' als die politische Sachwalterin des jüdischen Volkes ansieht. Diese neuerliche Bestätigung der Anschauung früherer russischer Kabinette — welche ja auch von den englischen nnd türkischen Regierungen stets geteilt wurde — ist für das Ansehen unserer Bewegung von grosser Bedeutung. Denn die Zweifler und Nörgler behaupten immer, dass nur die einzigartige Persönlichkeit Herzls es war, welche die verschiedenen Regierungen zu Unterhandlungen mit der zionistischen Organisation bewog. Diese Ansicht war natürlich ein grober Irrtum, denn Regierungen handeln nicht aus Schwärmerei, sondern nur anf Grund sehr nüchterner Erwägungen. Sie hätten auch mit einem Herz! nicht unter- ' handelt,, wenn er nicht der Führer einer jüdisch-politischen Bewegung von ansehnlicher Stärke gewesen wäre. Aber bisher konnten wir nicht an Hand unleugbarer Tatsachen jenen Irrtum ad absurdum führen. Heute, nach den UnterhandlungenWolffsohns in Stambul und in Petersburg gibt es keinen Zweifel mehr darüber, dass die zionistische Organisation als solche von den massgebenden Faktoren nicht als eine, sondern als die politische Organisation der gesamten Judenschaft angesehen wird. Der gesamten: denn sonst würde ein Stolypin nicht einen Juden, der deutscher Untertan ist, aus Köln berufen, um mit ihm über Fragen, welche als intern russische angesehen werden müssen, zu verhandeln. ■ v Die Konferenzen Wolffsohns mit den ri^isehenr^^äEstem' werfen, niaa-^fcgatdien unserer Organisation sowie das Selbstbewusstsein in unseren Reihen mächtig steigern, sie werden den Juden aller Welt wieder einmal zeigen, wer eigentlich die Sache des jüdischen Volkes führt und schliesslich werden sie der Ausbreitung der Bewegung namentlich in Russland selbst sehr förderlich sein. Das ist zweifellos schon sehr vieL Fragen wir aber nach dem inneren Werte jener Konferenzen, so tut es not, die Sachlage ganz ruhig und ohne Selbsttäuschung zu beurteilen. Es ist höchste Zeit, dass wir -uns die romantische Ueberschwänglichkeit gänzlich abgewöhnen und die Politik mit FEUILLETON. Im „Bezalel“. Von Dr. Ernst Müller, Jaffa. ln einem ziemlich verborgenen Gässchen Jerusalems war es, hinter einem kleinen Gärtchen, wo noch vor wenigen Monaten eine hebräisch und deutsch bezeichnete Aufschriflstafel die Kunstgewerbeschule „Bezalel“ anzeigte. Einige wohlbekannte junge Gestalten gingen' hier aus und ein und drinnen in den nicht allzuweiten Räumen herrschte, ein emsiges Leben,, über dem mit väterlichem Auge der liebenswürdige Wirt und Meister des Hauses wachte. Damals lag in und um den, Bezalel * herum eine gewisse Beklemmung — dem schon zur Zeit des Kongresses fast abgeschlossenen Ankauf eines würdigen Hauses schienen plötzlich Hindernisse in den Weg gesteht und dies sowie jede geringste von aussen stammende Stockung im Fortschritte des Werkes ergriff der scheeläugige, nimmermüde Neid, der gerne alles Neue und Eigene noch vor der Geburt ersticken möchte ... . Und eben wurde das Haus, dem Nationalfonds gehörig, das heisst ein nationales Haus eingeweiht, mit Wort und Wunsch, mit Licht und Gesang. Auf einem weithin sichtbaren Platze des neuen Jerusalem steht es, einer Festung ähnelnd. Und gleich nach dem Feste, wie es sich für ein Haus der Arbeit geziemt, und wieder das rege und emsige Weiterschaffen. Wer und was ist der „Bezalel“? Die Frage „wer“ ist nicht unberechtigt bei einem Institute, dessen Gründer und Leiter so innig damit verwachsen ist, wie Professor Schatz. Denn er ist nicht nur selbst Künstler, der in seinem „Mathisjahu“ makkabäisches Heldentum und in seinen Gestalten der jüdischen Mütter die Tiefe des jüdischen Gemütes plastisch gestaltet hat, sondern in erster Linie die beseelende Kraft, die zugleich lehrt, organisiert, gründet, erzieht und alle Fäden nach aussen und innen webt. Er kennt das ganze alte und neue Jerusalem und will aus ganz Palästina Schätze der Natur und der Erinnerungen sammeln. Und hinter allem steckt noch ein menschensammelndes und erziehendes Prinzip : Arbeit, nicht Frohnarbeit, sondern die von Hand der freien Kunst gesegnete. Manche Pläne, Träume, Zukunftsgedanken tauchen vor uns auf. Es gibt Leute, die darum Professor Schatz einen Phantasten nennen, sie vergessen aber, was Künstlerphantasie schaffen kann; sie vergessen den unermüdlichen und energischen Realisten. Und greifbar, and siehtbar ist auch das bisher Geschaffene, .das in einem Zeiträume von zwei Jahren Geschaffene. Die für dgn Anfang wichtigste Abteilung des hier gepflegten Kunstgewerbes bildet die Teppichfabrikation. Der orientalische Teppich stellt seit jeher einen Artikel dar, in dem Gebrauch und Luxus, Notwendigkeit und Schmuck sich vereinigen. Wesentlich ist, dass diese Vereinigung auch stilvoll sei und ein freikünstlerisches Element ins tägliche Leben bringe — ein Prinzip, das heutzutage in aller Art von Kunstgewerbe durchgeführt wird. Für dieses künstlerische Element ist im „Bezalel* eine Art neuen Stiles geschaffen worden: das freie Ornament, das in phantastischer, an die realen Dinge nur erinnernden Weise, die Linien- und Farbenmannigfaltigkeit des Teppichs bedingt, wird aus jüdischen, respektive palästinensischen Elementen gebildet, in Linie, Bildmuster und Farbe. Aehnlich wie in der arabischen Kunst die arabischen Schriftzeichen, so werden hier die hebräischen Buchstaben in den Elementen ihrer Linien frei behandelt, in mannigfachen Stellungen, Umformungen und Verschlingungen. Zunächst wurde dies in ganz selbständiger Weise durchgeführt; zu Namenswidmungen, bei jeglicher Art von Aufschriften, wo überhaupt schöne charakteristische Buchstaben zur Geltung kommen sollen. Das ganze bildet dann irgend einen symbolischen Gegenstand oder bloss die symbolische Nuance eines Gegenstandes, einer Menorah, einer Blüte. Ebenso auf dem Teppich selbst Zu gleicher Stilisierung dienen aber auch Blüten nnd Schmetterlinge. Für die grösseren Teppichmuster dienen gemäldeartige Entwürfe, von denen die heilige

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