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Jüdische Zeitung · 1908-07-17 · 29 (17.7.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
29 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redaktion, Administration und . . Inseratenaufnahme: IX., ^ÜFl<«osbassc 9* Telephon Nr. 14.199. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr vormittags. n r- Wochenschrift. Erscheint jeden Freitag. Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Zeitungsbureau Gold schipiedt, I., Wollzeile Nr. 11. Einzelne Nummer^ 20 Heller. Ab jnnementspreis»: In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—. Vierteljahr. Mk. 3.—. Im übrigen Ansland ganzj. Frcs. 15.—. Vertretungen iq dqr Provinz In Brünn : Zcitunfsbur eau, Ferdinandgasse. — ln Prag: Zeitungsvergchleiss Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Bachstab. Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Qtto Klemm in Leipzig. Nr. 29. ---— v' - -r- Wien, Freitag, den 17. Juli 1908. II. Jahrgang. $las den) $i)ba1te: V Herzl-Gedenkfeier. Theodor Herzl. Von Robert Stricker. Wolffsohn bei Stolypin and Iswolsky. Vom Jüdischen Klub. Wirtschaftliche Gegenwartsarbeit im Zionismus. Von Reichsratsabg. Dr. A. Mahler. Gesetzwidriges im Wiener Knltusstatnte. Von Dr. J. Z i p s e r. Die neueste Blamage des Wiener Hahals. Von Dr. E. Zweig. Feuilleton: An diesem Tage. Von Beda. Herzl. Von D. Rothblum. Liste der Ueberlänfer. Parteinaohiichten,, Korrespondenzen^. and Zionisten! Es ist unbedingte Pflicht jedes Gesinnungsgenossen, die »Jüdische Zeitung« zu abonnieren und für sie unablässig,Werbearbeit zu leisten! FEUILLETON. An diesem Tage. An diesem Tage wird in fernen Zeiten Durch einen träumerischen Zedernhain, Ein Heer von wehmutsstillen Menschen schreiten1 Zu einem weissen Stein. Es werden Männer sein mit breiten Rücken In deren . Augen dunkle Flammen glüh’n Und Frauen, die wie milde Blumen blicken, So auf den Bergen blüh’n. Sie werden keine Prunkgeschenke bringen, Nur heisse Tränen, Tränen ohne Zahl . . . Und eines Toten Seele hebt die Schwingen Zum heimatlichen Tal. Beda. Herz! Gedenkfeier. Sonntag, den 19. JuÜ (20. Thamuz) jährt sich zum vierten Afale der Todestag unseres Herzl. Um 9 Uhr vormittags findet im. Tempel, 1., Seitenstettengasse eine Trauergedenkfeier statt. Um ’ljll Uhr erfolgt der gemeinsame Besuch des Grabes Herzls am Döblinger. Friedhofe. Wir erachten t s als selbstverständlich, dass alle in Wien weilenden Zionisten sich an der Gedenkfeier beteiligen werden. Das innerösterr. Distriktskomitee. —^heodaf-*^jrzt. Als er starb wuchs an dem Grabe die Trauer wie eine Märchenblupae, in nie . geschauter Schönheit erstand sie, duftige Wunder atmend, in kosenden Lüften sang sie lieblich verschlungene sinnige Rätselweisen. Weitab vom Leben sitzen in engen Staben lernende Greise; trübe Augen suchen Gott, in alten Zeichen sehnsüchtig seine Spuren, in oft gekündeten Wundern sein nie erfasstes Wesen, die Brust verdorrt in langer, heisser Inbrunst und den Rücken gebeugt von der Last der Sehnsucht. Tot ist die Welt ringsum und nur heilige Wünsche leben und ringen. — Und sie erheben sich und wanken an das Grab and weinen! Da unten aber liegt Einer, der nie ihres Weges gewandelt. Hell war sein Auge und suchte die Menschen; sein Wunsch ging nach Leben, er war kein Gottsucher. Warum weinen die Frommen an diesem Grabe? Das Elend ist eine furchtbare Mutter, die ohn’ Ende zeugend, das Weltall erfüllt. Ihre Geschöpfe sterben an der Liebe der Mutter. Glühend zärtlich umweht sie der Hauch ihres Mundes und welkend fallen die Blumen von den Wangen, ihr Arm umschlingt sie, wild und erdrückend, und die Kinder vergehen in der Mutter Liebe. Segnend senkt sich die Hand auf das Haupt und zermalmt de» Gedankensie legt sich auf das. pochende Herz und tötet den Mat and die Hoffnung. Hässlich und schwach and mutlos und krank sind die Kinder des Elends. — Und es regt .-sictuia.den Gefilden der Not und von dem Lager der Qualen hebt es sich und sie kommen an das Grab und weinen. Da unten aber liegt Einer, dem die Sonne des Genusses süss gelacht, der in kostbarer Schönheit und in schimmernder Freude sein Leben einherging. Warum weinen die Kinder des Elends an diesem Grabe? Es erstand ein Geschlecht im wilden Trotze des freien Gedankens, das Geschlecht des kämpfenden Begehrens, das Geschlecht der Stürmer. Sie langen verwegen nach ihrem Rechte, ans der Hand des alten Hüters reissen sie es, sie reissen es vom Throne der Könige und holen sich’s aus geweihten Himmeln herunter. Sie wollen den Anteil am Leben, sie wollen ihn immer und wollen Herzl. Von-D. Rothblum. Da sich der Tag jähren sollte, an dem er plötzlich, mit einer feuiiletonistisch-künstlerischen Wendung, für ewig von uns Abschied nahm, wanderte ich an einem schönen Abend, als die Sonne zur Rüste ging, zu'seiner einsamen Ruhestätte, dem einfachen Grabe auf dem Döblinger Friedhofe. Zu diesem Grabe wallfahrtet man am besten allein. Es ist ein fein Ding um die tiefe Trauer, in die man abgründlich bodenlos gerät, aus. der dann' die Seele klar hervortaucht, wie ein Sonnenstrahl aus Meeresfluten. Und wo die Worte und Klagen und weisen Reden anderer den Zauber nicht vernichten, der die Gruft umgibt und den stillen Mann mit dem schwarzen Bart darin. Und wo die lauten Reflexionen den Hauch nicht verscheuchen, der auf leichten Füssen vom Wiener Wald hergejagt, die losen Blätter bewegt. Und wo ein Toter einen niederzwingt und beherrscht und den Staub des Alltags von einem schüttelt und ihn in ungeahnte Lüfte hebt. Es ist ein fein Ding üm die tiefe Trauer und darum wahlfährtet man zu diesem Grabe am besten allein. Man setzt sich auf den Grabesrand, lässt das dumpfe Geräusch der fernen Strasse, ersterbend an sich vorüberschallen und fragt sich: Was war dieses Mannes Kraft? Wodurch hat er es vermocht, ein Volk aus seinem Schlaf zu rütteln und es auf einen hellen,-weissen Weg zu drängen? Was war in ihm, das seine Umgebung mit Ehrfurcht füllte, die ihn kannten, zwang, zu ihm emporzuschauen, ihm Pfade bahnte in Königspaläste, Zutritt verschaffte zu Papst und Tyrann und des ärmsten Mannes Herz? Worin lag das Rätsel seines Wesens, das Märchen seines Lebens? Denn sein Leben war ein Märchen. So schön und zaubervoll, dass es die Nachkommen einander in stillen Nächten erzählen werden. Sie werden Kränze um sein Haupt winden, sein Leben mit tiefen Geheimnissen umschleiern und doch nicht in seinen Werdegang dringen und wissen, wie er plötzlich gekommen, gezaubert und verschwunden. Die, die ihm so nahe gestanden, wissen es schon nicht mehr. Worin lag seine Kraft? Die Sehnsucht nach -dem. verheissenen Lande schlummerte wie ein Dornröschen einen tausendjährigen Schlaf. Dichter, über deren Harfen der Hauch vom Berge Hermon strich, vermochten sie. nicht zu wecken. Die heissen Gluten des Glaubens vertieften nur ihren Schlaf. Das Blut der Gemordeten und Gemarterten rüttelte sie nicht aus ihrer Ruhe. Die Tränen der Entrechteten langten nicht, um die verwunschene Prinzessin zu erlösen. Da kam dieser Prinz, schlicht und einfach, wie der „Arme, der den Esel reitet* und erlöste sie. Es war, als wenn er sie auf die blasse Stirn küsste, leise, leise, bis sie zu Leben kam und zu Kraft und ein ganzes Volk ergriff... . Mit alltäglichen Worten: Er hat die Schablone des Zionsideals mit lebendigem Geiste gefüllt und zwar in ihrer höchsten und edelsten Form. Er hat

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