Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 28 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Stadt verlegt werden. Zum ersten Male ist damit'überhaupt ein Kindergarten im Innern der Stadt eröffnet worden. Besonders bemerkenswert und ein sehr bedeutsames Zeichen für den Fortschritt, den das moderne Erziehungswerk in Palästina macht, ist es, dass unter den neu Aufgenommenen sich allein 110 Knaben befinden, die in früheren' Zeiten den Gheder besucht hätten. Aus dieser Schar wird die moderne Schule das beste Schülermaterial erhalten. Die Segnungen, die die moderne Schule und das Fundament, auf dem der Hilfsverein der Deutschen Juden sie aufbaut, der Kindergarten, für die junge Generation mit sich bringt, werden von der Bevölkerung von Tag zu Tag mehr empfunden und gewürdigt. * * * Eine Kolonie amerikanischer Juden. Die Vereinigung Aschusath Nachla, die gegründet wurde zum Zwecke der Erwerbung und Unterhaltung einer Kolonie in Palästina, ist nunmehr als amerikanische Gesellschaft unter dem Vorsitz des Mr. Harry Fischei gesetzlich . eingetragen worden. Zweck der Gesellschaft ist die Erwerbung von 4000 Dunam Land in Palästina, um. es nach einer gewissen Zeitperiode in gleichen Abschnitten unter die Mitglieder des Vereins zu verteilen. Jedes Mitglied hat zehn Jahre lang 300 Dollars jährlich in die Vereinskasse zu zahlen, so dass sein Anteil nach zehn Jahren 3000 Dollar beträgt Die Gesellschaft wird zunächst besondere Sachverständige nach Palästina entsenden, die dort das geeignete Land aussuchen sollen, und die Geschäftsführung in Palästina in die Wege leiten. Später soll in New-York ein Bureau mit einem bezahlten Sekretär eingerichtet werden. Das zu erwerbende Land soll in hundert gleiche Teile eingeteilt werden, von denen jeder einzelne entweder ganz mit Orangen oder teilweise mit Orangen und teilweise mit Oliven und Mandeln bepflanzt werden soll. Orangenzucht soll jedenfalls in erster Linie betrieben werden, weil die Orangenpflanzungen, z. B. Petach Tikwah, sich als sehr profitabel erwiesen haben und anderseits die palästinensischen Orangen in Europa an Ruf gewinnen und den italienischen bereits ernsten Wettbewerb bereiten. Ausserdem ist Orangenzucht möglich nicht nur in der Nähe von Strömen, sondenn auch, mittels Bewässerungsanlagen in trockenem Gelände. Die Einzahlung des ersten Jahres (30.000 Dollars) soll ausschliesslich zum Bodenerwerb verwendet werden. Sollte dieser Betrag nicht ausreichen, um genügend gutgelegenes Land anzukaufen, so soll die Einzahlung des zweiten Jahres ganz oder teilweise noch dazu herangezogen werden. Die Raten der folgenden Jahre dienen der Bodenbepflanzung. Vom achten Jahre ab rechnet man, dass der Ertrag der Pflanzungen genügen wird, um die Unterhaltungskosten zu decken. Vom Ende des zehnten Jahres ab hören die Zahlungen der Mitglieder auf, der Ertrag der Pflanzungen soll indessen noch fünf Jahre lang den Pflanzungen selbst zugute kommen. Nach fünfzehn Jahren sollen demgemäss die Anteilinhaber im Besitze einer Landparzelle sein, die ihnen zwischen 3000 und 10.000 Francs Einkommen jährlich bringt. Die Parzelle ist dann Eigentum des betreffenden Gesellschafters, mit der er nach Belieben verfahren kann. Dabei ist wohl zu beachten, dass der Erwerb und die Bepflanzung von 40 Dunam durch eine Einzelperson 7000 bis 8000 Dollar kosten würde, während sie nach diesem Plan bereits über 3000 Dollar möglich wird. Die Bodenbearbeitung geschieht durch die Geschäftsführung der Aschusath Nachla in Palästina, die unter der Kontrolle der Anglo-Palestine-Gompany und des Palästina-Amtes arbeiten soll. Als Arbeiter sollen nur Juden angestellt werden, Einunddreissig Mitglieder der neuen Gesellschaft haben 'die erste Anzahlung bereits geleistet Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Taschen., Am 22. d. M abends Vj9 Uhr, findet im Saale‘des .Hotels „Zentr albalihhof“' die von dem; zion. Frauen- und Mädchen verein „R u t h“ veranstaltete Herz 1- G e d e n kfeie r statt, b!ei welcher'Herr cand. theol. phil' Gustav Kohri aus M.-Ostrau, Präses des Vereines „Theodor Herzl“ in Wien'die Tendenzrede halten wird. . : Traitenai’. („Zionistischer Volksveiein Theodor ‘Herz.bh.y.iAjn 25. Juni d. J. fand im Hotel Union die konstituierende Generalversammlung statt. Nach erfolgter Wahl des Vorstandes hielt -Herr. D r. Ba p p ap o r teinen kurzen Vortrag über das Verhältnis, der "neuen zionistischen Organisation zu den lokalen Faktoren, den nichtjüdischen, wie den jüdischen. Er betonte hierbei, dass der Zionismus,. welcher das freimütige Bekenntnis zu dem Volke" bedeute, dem man durch Abstammung und Schicksal angehöre, das Verhältnis der Judenschaft zu ihrer Umgehung nicht nur nicht stören könne, sondern sogar geeignet. sei, es zu verbessern. Judenhass habe es immer gegeben; aber der Antisemitismus in seiner heutigen Gestalt sei eine Reaktion jener jüdischen Assimilationsbestrebungen, welche einem Sicheindrängen in fremde Kreise zum Verwechseln ähnlich sehen. Der Zionismus wolle auf der Basis gegenseitiger Aufrichtigkeit das Verhältnis zu einem ehrlichen Und gesunden machen. Was die Juden deutscher Zunge an das deutsche Volk binde, sei nicht die falsche, von niemandem ernstgenommene Illusion, als wären sie eines Stammes und eines Blutes, sondern die Gemeinschaft von Sprache und Kultur. Und es ist ein vielversprechendes Zeichen, dass, wir bei der arischen Bevölkerung überall geneigtes Verständnis für unsere iin letzten Ziele auf die Schaffung einer Heimstätte für alle Heimatlosen gerichteten Bestrehupgpn jfindep, und kfisgyerständnisse gewollte; und ungewollte nur bei' Juden. — Referent besprach dann noch das Verhältnis zur offiziellen Repräsentanz der. Judenschaft, die wir naturgemäss zu kräftigen und mit neuem Leben zu erfüllen bestrebt sein werden und schloss seine mit wiederholtem Beifall akklämierte Rede mit einem Appell an die Frauenwelt. — Herr Doktor Margulies beantwortete verschiedene auf Palästina und Palästinäarbeit bezüglichen Fragen, die insbesondere vom Herrn Emanuel Nowak gestellt wurden und Herr Nadsclieradetz forderte zur Propaganda für die Idee auf. Damit schloss dea sehr angeregt verlaufene Abend, die erste Veranstaltung dieses Vereines, der bereits gegen 70 Mitglieder zählt. — Am 2. Juli konstituierte sich sodann der neugewählte Vorstand des Vereines und wählte Herrn Doktor Hugo Rappaport zum Obmann, Herrn Doktor Ignaz Mautner zum Obmannstellvertreter, -Herrn Heinrich Pick zum Kassier, Herrn Rudolf Kohn zum I. Schriftführer, Herrn Emst Goliath zum IL Schriftführer, Herrn Oskar Rix zum Bibliothekar und Herrn Hugo Nadseheradetz zum Nationalfondskommissär, während die Herren Julius E cks t ei n, Jakob Kraus, Max L ö w y, Siegmund M ü 11er und Wilhelm W e i s s als Beisitzer fungieren. — Der Verein veranstaltet aus Anlass der Wiederkehr des Todestages Theodor. Herzls am 16. d. M. in Johannishäd und. am 18.'-d. M. in Trautenau Trauerfeiern, bei iyeljSben Dr. Emil,M ar gulies die Festrede halten", wird. ' | gedenket des ^Cerzlvaldes! | Wiederum naht der Tag, an dem der Kalender auch Nichzionisten das Andenken Theodor Herzls in- Erinnerung bringt. Uns Zionisten ist nie eine schönere Gelegenheit zur Äusserung unserer Dankbarkeit gegeben, als die, an der Errichtung jenes Denkmals für unseren Führer zu arbeite, das die Natur selbst jedes Jahr erneuert, am H e r z 1 w a 1 d. Gesinnungsgenossen! Werbet am Herzltagemit all Euren Kräften für den Herlwald! Denn es ist eine Pflicht der Dankbarkeit gegen unseren toten Führer, ihm in dem Lande, wohin er unsere herumirrenden gehetzten Brüder bringen wollte, ein ewig grünes Denkmal zu errichten”. Dazu mögen durch Eure Werbearbeit auch die Juden beitragen, die sich sonst abseits von .unserer Bewegung halten. Werbet fürDlbäume im Herzlwald! Denn es ist eine Pflicht gegen unser L a n d; endlichs ollen vom Gelde der jüdischen : Gesammtheit dort Anlagen errichtet werden, die; in ihrem Ertrag wieder der jüdischen Gesamrntheit zu gute kommen. Durch den Herzlwald werden allgemeine jüdische Kulturinteressen gef ordert. , Wir erwarten,, von jedem einzelnen Gesinnungsgenossen;; nicht nur einen persönlichen Beitrag, sondern auch eine lebhafte, zielbewusste. Agitation für den’Herzlwald. v.'^ \ : ' ' . Möge j e d e r r e i n z e l n e r, j e d e r VerOin, j edes IVüstrikt die ander en z u ü b ÖTflü g ejn^jtta c;h t e n. )ge{leiikeUes)(erzlwaläes!| Liste der Überläufer. ' . (Vom 2. bis 9. Juli 1908.) . Klementine Anna Katharina, geh. Laudisch,, verw. Widakovicz, Wesel, 1848, Budapest, Witwe.. Louise Wesel, 1888, Wien, ledig, Privat,. I., Bäckerstrasse 18. Siegfried Stern, 1858, Wien, ledig, Architekt,.. I., Köllnerhofgasse 1. Marie Bentheim, 1877, Treffen (Kärnten),, verw.-, Pfaidlerin, VI., Joanelligasse 6. Leopold Connard-Connard, 1860, Fünf- Mrchen (Ungarn), verh., Schauspieler, VI., Worell- ■ strasse 2. Anna Marie Connard, 1864, Bild, Preussen,,. verh., -VI., Worellstrasse 2. Julius Fechner, 1857, Wien,- ledig, k. k.'. Rechnungsrat im Finanzminist., II., Pratersr, 27. Frida Chatiner, 1889, Galatz, Rumänien led.,. Gymnasiastin, IX., Garnisongasse 3. Emil Neufeld, 1873, Wien, verheiratet,.'. XIV. , Fenzlgasse 1. Elsa Pich, 1885, Wien, ledig, Modistin XV. , Karmeliterhofgasse 7. Wilhe.m Suschitzky, 1877, im,v ,h;'r:tet.. X., Raaber'nahngasse;8. . Adele, geh. Bauer, Suschit zky, 1878, Brünn verh., X., Raaberbahngasse 8: Hans Mendel Felsenburg, 1885, Wien, Schriftsteller, II., Zirkusgasse 47. Johann Banger, 1889, Wien, Tapezierergehilfe, XX., Meldeamtsstrasse 27. Ella Schick, 1884, Wien. Mitteilungen dar Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds für Oesterreichs I. Die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds hat mit der k. k. priv. Länderbank zu Wien, wegen Erzeugung und: Vertriebes zionister Streichhölzerein Abkommen getroffen, das in kurzer Zeit in Kraft treten soll. Da wird unserseits die- Verpflichtung übernommen haben, unserer Kontrahentin das Adressenmaterial bis zum. 20. Juli zur Verfügung zu stellen, ergeht auch an dieser Stelle an alle Einzelvereine und V er tr au en smänner des N ationalfonds in der'-rganzeni österreichisch-ungarischen Monarchie samt Bosnien und der Herzegowina die ' Aufforderung, uns bis 18. Juli die Adressen derjenigen Kaufleute ihrer Stadt anzugeben,, die geneigt sind, den Reisenden unserer Kontrahentin Aufträge für zionistische Streichhölzer zu erteilen respektive solche Zusagensich schriftlich fixieren zu lassen und uns die Schriftstücke einzusenden. Gleichzeitig bitten wir alle Gesinnungsgenossen, in allen Tabaktrafiken, Restaurationen, Kaffeehäusern und Hotels, in denen sie verkehren, zionistische Streichhölzer zu verlangen. Schliesslich teilen wir mit, dass der Preis unserer Streichhölzer im Einzelverkauf nicht höher sein wird, als der anderer Sorten. Mit Zionsgruss für die Sammelstelle des Jüdischen Nationalfunds für Oesterreich Wien, IX., Türkenstrasse 9 gez.: Kolliner. Personalnachrichten Unser geschätzter Mitarbeiter Herr Joachim. Neiger hat seinen Wohnsitz nach Tariröw, Mtynärska 2 verlegt. Unser geschätzter Korrespondent und Mitarbeiter Herr Anselm Kleinmann, Lemberg,, hat sich mit Frl. Mina Fried aus Kolomea. verlobt.. In dem Bericht über den Brünner Parteitag, ist der Wortlaut der vonDr. Margulies (Trautenau) zur 2. Palästinathese beantragten Resolutiph ungenau wiedergegeben. Dieses (vom Parteitage abfelehnte) Amendement lautete wörtlich: „Der ionistentag geht ‘dabei . von; der Voraussetzungaus, dass Land der Palästina Land-Development, niemals ins Privateigentum'übergehen, wird“: