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Jüdische Zeitung · 1908-06-04 · 23 (4.6.1908) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
23 (4.6.1908)
Date
1908-06-04
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite. 5 Nr. 23 i:ung zwischen den 'deutschen Zionisten überbrückt. Das Ergebnis ttJSer Tagung war denn auch ein schnelles Anwachsen der agitatorischen Tätigkeit sowie eine; Stärkung -des inneren Lebens, .vieler' Ortsgruppen. Dementsprechend brachte das Winterhalbjahr 1906/07 unserem Bureau wesentlich mehr Arbeit als bisher. Wir haben uns bemüht, der allgemeinen Stimmung entgegenzukommeh, indem :wir den Ortsgruppen, wie dies auch " in früheren Jahren geschehen war, immer neue Agitationsmitte! zur Verfügung gestellt haben. Die sichtbare 'Folge der verstärktenTätigkeit der Gruppen war die Vermehrung der Söhekeleingänge, sowie das Anwachsen der Sammlungen für den. Nationalforids und andere palästinensische Institutionen. Die deutsche Landesorganisation konnte daher zum 8. Kongress im 'Haag im Sommer 1907 30 Delegierte entsenden. Der 8. Kongress hat für die 'Gesamtpartei das geleistet, was der Zionismus in Deutschland dem Delegiertentag in Hannover zu danken hat. Die prinzipielle Diskussion über die Tätigkeit der Partei wurde für Jahre hinaus durch ein fast einstimmiges Votum des Kongresses in der Palästinafrage geschlossen. Ausserdem wurde die Arbeitsfähigkeit der Parteileitung durch die Einschränkung der Zahl ihrer Mitglieder wesentlich gefördert. Die deutschen Delegierten haben zu diesem guten Ergebnis' sehr viel beigetragen, und so war es denn auch erklärliejh, dass insbesondere sie nach dem Kongress sich von neuem eifrig der Agitation widmeten. Wir können mit Befriedigung konstatieren, dass die Tätigkeit der Gruppen auch im vergangenen •Winterhalbjahr nicht nachgelassen hat, obwohl der mächtige Ansporn eines nahe bevorstehenden Kongresses fehlte. Ziffenimässige Ergebnisse vorzulegen, sind wir leider nicht in der Lage, da die Schekelsammlung für das laufende Jahr noch nicht beendet ist, das Rechnungsjahr vielmehr noch bis zum 30. Juni läuft. Für unser Bureau haben wir einen Bericht für 2 Rechnungsjahre zu geben, da im vergangenen Jahre ein Delegiertentag nicht stattgefunden hat. In das Bureau wurde Herr Rechtsanwalt Gronemann im August 1907 'kooptiert. Zur Förderung der Propaganda haben wir eine Reihe neuer Broschüren herausgegeben. „Die jüdische Volksbewegung“ von Herrn Dr. Alfred Nossig ferner die von Herrn Dav. Trietsch verfasste Broschiibe „Wirtschaftliche Tätigkeit in Palästina“ und einezweite Broschüre von Herrn Dr. Alfred Nossig „Die jüdische Realpolitik“, ln den letzten Wochen ist es uns auch gelungen, das „Zionistische A-B-C-Buch“ fertig zu stellen. Das Werk wird einem allgemeinen Bedürfnis abhelfeu, indem es zum ersten Male in gedrängter Form eine umfassende Darstellung aller den Zionismus betreffender Themata gibt. Die Palästinapropaganda insbesondere haben wir durch Anschaffung von 150 Lichtbildern mit palästinensischen Sujets, die wir den Ortsgruppen zusammen mit einem von Herrn Dr. Ruppin ausgearbeiteten Vortrag zur Verfügung stellen, zu fördern gesucht. Wir hoffen, dieses Propagandamittel noch weiter ausbauen zu können. Zwei Flugblätter gedenken wir noch im Laufe dieses Sommers herauszugeben. Auch wird die Herausgabe einer Sammlung zionistischer Lieder mit Noten vorbereitet. Das Flugblatt des A.-K. über den Parteifond und das neue Nationalfond-Flugblatt haben uns bei der Agitation für beide Institutionen wesentliche Dienste geleistet. Wir haben auch diesmal durch die Versendung von Rundschreiben und Veröffentlichungen unserer 'Mitteilungen in der „Jüdischen Rundschau“ versucht, in ständigem Kontakt mit unseren Gruppen und Vertrauensmännern zu bleiben. Es sind in den beiden Berichtsjahren den Ortsgruppen und Vertrauensmännern insgesamt 32 'Rundschreiben, die eine grosse Zahl von Anregungen und Mitteilungen enthielten, zugegangen. Wir können konstatieren, dass dieselben im wesentlichen ihren Zweck erfüllt haben. In der Berichtszeit ist es uns auch gelungen, eine Anzahl, von Rednertoumees zu veranstalten. Insbesondere danken wir den Herren Dr. Bloede, Sokolow und Dr. Lewin für ihre Bereitwilligkeit. Im übrigen haben wir aber leider nach wie vor mit einem grossen Mangel an Rednern zu kämpfen, so dass wir die berechtigten Wünsche der Ortsgruppen nach dieser Richtung nicht immer befriedigen könnten. Nur die Herren Dr. Elias Auerbach und: Dri Heinrich Loewe haben eine grössere Anzahl von Vorträgen gehalten. 'Die Sammlungen für zionistische Zwecke haben einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. Insgesamt sind im Jahre 1906/Ö7 für den Nationalfond, palästinische Institutionen usw. 32.438 Mk., im Jahre 1907/08 (10 Monate) zirka 29.998 Mk. eingegangen. Im einzelnen wird auf den Bericht der Nationalfonds-Verwaltung hingewiesen. Insbesondere ist es die Oelbaumspende, welche sich steigender Aufmerksamkeit erfreut. Auch für die neugegründete Palestine Land Development Co. sind in Deutschland 800 Shares gezeichnet worden. Für den vom 8. Kongress beschlossenen Parteifond sind bisher zirka 24.900 Mark eingegangen. Unsere Sammlungen haben somit den vom Kongress ’ geforderten Minimal-, betrag erreicht. Wir hoffen aber auf das Bestimmteste, dass diese Summe sich bis zum' 9. Kongress verdoppeln wird. Zur Stärkung der Propaganda für den Nationalfond ist eine besondere Propagandastelle in Breslau unter Leitung von Herrn Zahnarzt Hugo Schachtel eingerichtet worden. Auch die Briefmarkensamnielstelle, welche von Herrn Dr. Julius Löwenheim in Berlin verwaltet Wird, kann allmählich zur Erhöhung der Einnahmen des Nationalfonds in grösserem Masse beitragen. Dagegen ist die Einführung von „Palästinabeiträgen“ nicht geglückt, da nur wenige Gruppen die von uns 'herausgegebenen Palästinabeitragshefte benutzt haben. Die Sammelstelle von Materialien für den Nationaffonds hat ihre Tätigkeit unter der Leitung von Frau Dr. Margarete Joel in Lübeck in gewohnter Weise fortgesetzt und befriedigende Resultate erzielt. Die Shareklubzentrale hat bis zum 1. April d. J. 146 Aktien und Sharemarken im Werte von 547,30 Mk. abgesetzt. Die' stärkere Versendung; von, Broschüren, sowie die Versorgung unserer Gesinnungsgenossen mit zionistischer Literatur überhaupt, ist uns nur durch ständige gemeinsame Arbeit mit dem Verlag „Jüdische' Rundschau“ möglich gewesen. Wir wollen an dieser Stelle konstatieren, dass sich . der Leserkreis unseres Parteiorgans auch in den letzten Jahren vermehrt hat. Der Verlag war daher in der Lage, die Zeitschrift in besserer Ausstattung als bisher herzustellen. Auch durch den „Jüdischen Verlag“ haben wir reiches Agitationsmateral bezogen. Wiederholt haben wir die Frage einer Vereinigung der Welt mit der Jüdischen Rundschau, des „Jüdischen Verlages“ mit dem Verlag Jüdische Rundschau und dem A.-K. erwogen. Leider haben diese Fusionsbestrebungen bisher zu keinem Ergebnis geführt. Unsere Finanzlage hat sich nicht befriedigend entwickelt. ■Wir legen zunächst die abgeschlossenen Etats für die Jahre 1905/06 und 1906/07 vor: Die Einnahmen betrugen für 1905/06 5443.— Mk. Die Ausgaben 3802.55 Mk. Die Einnahmen betrugen für 1906/07 5573.70 Mk. Die Ausgaben 5413.64 Mk. Aus unseren Etats ergibt sich, dass die Einnahmen aus 'Landesbeiträgen nicht gewachsen sind. Wir sind aber auf eine Verstärkung dieser Einnahmen angewiesen, da wir Abzüge von den Schekelgeldern nicht mehr machen dürfen, während wir früher 25 Prozent und dann 15 Prozent einbehalten durften. Eine Verringerung unserer Ausgaben, die im laufenden Jahre bereits jetzt ca. 5600 Mk. betragen, ist auch schon dieshalb nicht möglich, weil die Zahl unserer Korrespondenten von Jahr zu Jahr wächst So stehen wir jetzt mit Vertrauensmännern in 170 Orten in Verbindung. Für das laufende Rechnungsjahr können wir einen Etat noch nicht vorlegen, da dasselbe, wie i schon gesagt, erst mit dem 30. Juni schliesst. Für , das Jahr 1906/07 ist unser Rechnungswesen, einf schliesslich der Nationalfondsverwaltung, durch f Herrn. Dr. Hans Heymann als Revisor geprüft worden. Die Tätigkeit des Zentralbureaus hat sich somit in der zum Bericht stehenden Zeit im grossen und ganzen in demselben Rahmen bewegt, wie in den Vorjahren. Wir haben uns im wesentlichen darauf beschränken müssen, den Ortsgruppen das Agitationsmaterial zur Verfügung zu stellen und allgemeine Anregungen für die Propaganda zu geben. Dagegen ist es uns nur in seltenen Fällen möglich gewesen, neue Gruppen zu schaffen. Nach dieser Richtung waren wir vollkommen auf die Initiative einzelner Ortsgruppen und: Vertrauensmänner angewiesen. Abhilfe tiesse sich nur schaffen, wenn ein besoldeter Parteisekretär angesteiit werden könnte oder wenn wir sonst in grösserem Masse Gelder für die Gründung neuer Ortsgruppen verwenden könnten. Die Frage der Erhöhung unserer Einnahmen ist umso dringender, als Wir ja auch jetzt mit denselben nicht mehr auskoonrcen. Wir schlagen daher vor, dass die bisherige Verpflichtung der Ortsgruppen zur Aufbringung der Landesbei-träge dahin erweitert wird, dass jede Ortsgruppe in Zukunft so viel Landesbeiträge abzuführen hat, als die Zahl der Schekelzahler beträgt. Bisher war diese Verpflichtung nur auf diejenigen Schekelzahler beschränkt, welche Mitglieder der Ortsgruppen sind. Die nunmehr geforderten Mehrleistungen werden zum grossen Teil von den Ortsgruppen dadurch gedeckt werden können, dass überall darauf hingewirkt wird, dass auch die nichtorganisierten Schefcelzahler den Landesbeitrag entrichten. Soweit dies nicht gelingt, würden allerdings die Ortsgruppen zu den Kosten der Zentrale geringe Zuschüsse aus ihrer Kasse leisten, oder für ihre Mitglieder die Laudesbeiträge erhöhen müssen. 'Dann glauben wir in der Lage zu sein, auch diejenigen Wünsche zu befriedigen, welche wir bisher aus Mangel an Mitteln nicht erfüllen konnten und unsere propagandistische Tätigkeit weiter auszubauen. Grorteroann. Hantke. Leszynsky. Wollsteiner. * * * Konferenz der galizischen Nationalfondskommissäre. Anlässlich der Anwesenheit des Präsidenten des jüdischen NatkmalQnuids, des Gg. Dr. Bodenheimeir, in Lemberg, findet am 13. Juni eine Konferenz der galizischen Nationalfondskommissäre statt, um über verschiedene Pläne für eine intensivere und erfolgreichere Agitation für den Nationalfonds zu beraten. Palästina. Hilfsverein und Alliance. Soeben erschienen die Jahresberichte des Hil f svereins der deutschen Juden und der deutschen Konferenz-Gemeinschaft der Alliance. Wir haben daraus schon anlässlich der Generalversammlungen dieser Vereine Auszüge gebracht. Nachstehend tragen wir einiges nach, was sich auf die Tätigkeit der beiden Vereine in Palästina bezieht, woraus hervorgeht, dass sie dort nach ganz verschiedenen Anschauungen arbeiten: Während der Hilfsverein dadurch, dass er von den praktischen Bedürfnissen ausgeht und keiaerlei Tendenz verfolgt, durch seine Hilfstätigkeit im Oriente immer mehr im Sinne einer nationalen Renaissance der dort ansässigen Juden arbeitet und die hebräische Sprache zur Grundlage der Schulbildung macht, fahrt die Alliance fort, Juden in Palästina zu frankisieren sie für Canada, Paris etc. auszubilden und dahin zu exportieren. Der Hilfsverein der deutschen Juden unterhält selbständig oder unterstützt ■ bei einem Aufwand von insgesamt nur Mk. 77.000 in Palästina folgende Schulen: In Jerusalem: 3 Kindergärten mit zusammen . . 305 Zöglingen Mädchenschule, sechsklassig, bisher dreiklassig, eröffnet mit ... 121 , Lämelschule, achtklassig (Subvention Mk. 5000) . . ,. 244 Handelsrealschule 1907, eröffnet (an die Lämelschule angegliedert) .17 ,

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