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Jüdische Zeitung · 1908-05-15 · 20 (15.5.1908) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
20 (15.5.1908)
Date
1908-05-15
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I . . ■ _ I Redaktion, Administration und ‘ Inseratenaufnahme: IX.,f>äFl<eostpasse ßfr. 9* Telephon Nr. 14.199. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr vormittags. n'.■" " " n Wochenschrift. Erscheint jeden Freitag. Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Z eitungsbur e au Goldsch^niedt, L, Wolizeile Nr. 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Abinnementspreise: [ In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.— hatbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, balbjabr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. Im übrigen Aasland ganzj. Frcs. 15.—. □ --D Vertretungen in dpr Provinz In Brünn: Z e i t u n g s b u r e a u, Ferdinandgasse. — ln Prag: Zeitungsverschleiss Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Bnchstab. BuchhSndlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 20 Wien, Freitag, den 15. Mai 1908. II. Jahrgang. Ein Jahr „Jüdische Zeitung“. Am 11.- Mai 1907 erschien die erste Nummer der „Jüdischen Zeitung“. Wir standen vor den; Reichsrats wählen und die •Jüdische Nationalpartei kandidierte im Wahlkreis Leopoldstadt I den Gg. Dr. Isidor S c h a 1 i t. Hatten wir schon bei anderen Anlässen, namentlich bei der Kultuswahlkampagne im Herbst 1906 den Mangel eines wirklich zionistischen und jüdischnationalen B'attes recht schwer empfunden, so machte er sich bei der Reichsratswahl umso schmerzlicher fühlbar. Das innerösterreichische Distriktskomitee, das sich mit der Frage der Gründung eines solchen Blattes schon einige Zeit beschäftigt hatte, entschloss , sich, in jenen Tagen, trotz der grossen Schwierigkeiten mit der Herausgabe eines Blattes zu' beginnen, um wenigstens noch knapp vor dem Wahltag ein Agitationsmittel zu schaffen. Die erste Njummerv der „ Jüdischen Zeitung", die ausschliesslich; den' Reichsrats wählen gewidmet war, . wurde in 10.000 Exemplaren verbreitet. Seither ist ein Jahr verflossen. Es steht uns nicht än, selbst darüber zu urteilen, was die „Jüdische Zeitung14 inzwischen geworden ist und welche Stellung sie in der jüdischen Presse einnimmt; Wir wollen auch nicht die überaus günstigen Urteile von hervorragenden Parteigenossen zitieren, welche ihren Wert sehr hoch.eingeschätzt haben. Wir wollen nur so viel sagen, dass unsere Zeitung eine treue Dienerin der zionistischen Idee und des jüdischnationälen Bewusstseins war FEUILLETON. »— — * Literarische Spaziergänge. Von A. Loubetzky. Jakob Dinesohn. Der Name' Dinesohn ist in der jüdischen Literatur nicht unbekannt. Es gab sogar eine Zeit — sie ist nicht lange her — wo Dinesohn in Mode war, das heisst, nicht seine Schreibweise oder seine Bücher, sondern sein Name. Es war damals mcdern, über Dinesohn zu sprechen oder zu schreiben. Sogar westeuropäisch-jüdische Snobs referierten über ihn und gewährten ihm einen Platz neben. Smolenski, Perez und Rosenfeld — die einzigen Namen die der westeuropäische Snob im Munde führt. Aber alle Artikel und geschriebenen und gesprochenen Referate berichteten bloss über Dinesohns Persönlichkeit über sein Verhälnis zum Volke. Vom Künstler Dinesohn, von seiner künstlerischen Manier vergass man zu sprechen. So blieb die künstlerische Individualität Dinesohns dem Publikum und den Kritikern unbekannt und unverständlich. Nicht, weil Dinesohn noch nicht betretene Kunstpfade wandelt, nicht darum, weil er neue Formen geschaffen hat, mit denen sich der gewöhnliche Geschmack nicht befreunden kann, blieb er unbekannt, sondern weil unser Publikum und äiich unsere Kritiker noch nicht an eine und ist Dass sie die Stjmme jener Partei ist, die mit hellem Kampfruf die Juden zur Einheit und Selbstwehr ifufrüttelt. An ihren Erfolgen hat sie ein redjich Teil. Deshalb konnte ihr kein schönerer Lohn werden, als dass ihr Eintritt in den zweiten Jahrgang unter dem Zeichen eines bedeutsamen Erfolges unserer Idee steht: der Anerkenn-« ng der jü di sichen Sprache und'der'jüdisch-eh Nationalität a n d e r W i e n e r U n i v e r s i t ä t! Und wie die „Jüdische Zeitung* den Kampf unserer wackeren Studentenschaft für dieses Ziel kräftigst unterstützte hat, so wird sie auch für die nächsten Aufgaben unserer Partei: Festigung der Organisation, Vertiefung und Verbreitung unserer Ideen, Erweckung des Interesses für Palästinaarbeit (namentlich. für. die Landjentwicklungsgesellschaft), Ero b er ub.g,L der W i euer KhTt-asgemeynde.-. tritd * Unschäd- Tichmachung der "jüdiseheit^Ge^. s c h ä f t s p r e s s e eine, unerschrockene Vorkämpferin sein. Das letztgenannte Ziel betrachten wir als eines der allerwichtigsten. Es gibt nichts Verwerflicheres als das Treiben einzelner gegnerischer Individuen, welche zur Förderung ihrer eigenen Geschäftsinteressen das jüdische Volk in seinem Befreiungskampf hemmen, indem sie ihre Feder dazu benützen, Ve r wir r u n g in die Schlachtreihen zu tragen, um im Trüben fischen zu können. Die ohnmächtige Wut und der giftige Hass, die jetzt in der wirklich ästhetisch-künstlerische Würdigung gewöhnt sind. Halsbrecherische Kunststücke — das gilt bei uns als hohe Kunst; für eine einfache, natürliche Kunst, die sich vor Saltomortales in Acht nimmt, hat man bei uns keine Augen und kein Herz. Und Dinesohns Missgeschick ist es eben, dass er als Künstler die Kunst der zweiten- Kategorie pflegt, und darum hat man vom Künstler Dinesohn bisher so wenig vernommen. Und gerade Dinesohn, der Künstler, und nicht der Mensch soll in den nachfolgenden Zeilen analysiert werden. Mendele mocher sforim ist ein Plastiker, Perez ein Musiker, Dinesohn steht zu diesen beiden grossen Künstlern nur in loser Beziehung und hat in der jüdischen Literatur seinen eigenen Platz — er ist ein wirklicher Erzähler, was man jetzt nicht nur in der jüdischen sondern auch in anderen Literaturen so selten findet. Einzelne Momente, merkwürdige Seelenzustände herauszugreifen — das ist nicht seine Art Er erzielt seine Effekte nur mit den Mitteln der erzählenden Kunst. Stimmung, Beschreibung, grübelerische Reflexionen, mit Absicht herbeigezogene unnatürliche Bilder — derlei Dinge findet man bei ihm nicht, denn Dinesohn erzählt bloss. Seine Darstellung fliesst breit wie ein Strom dahb, sie ist nicht in klebe Arme zersplittert und steht mit der Handlung im innigsten Kontakt. Man hat bei ihm stets den Ebdruck von etwas Ganzem. Sebe- Personen leben keb „Stillleben* für sich, sondern erst durch die Handlung werden sie belebt and erst dann ist der Leser jüdischen Presse gegen unsere Partei, unsere Führer und unser Blatt laut werden, beweisen am besten, wie mächtig unsere Partei unter der jetzigen Führung fortschreitet und welche Bedeutung unser Blalt erlangt hat. Die „Jüdische Zeitung* dient keinem Einzelinteresse. Ihre materielle Fundierung stammt ausschliesslich von Mitgliedern der zionistischen Organisation und der Jüdischen. Nationalpartei. Die „Jüdische Zeitung* wird herausgegeben, redigiert und verwaltet von Funktionären der Partei, sie wird von einem Presskomitee überwacht, in welcher die Anteilscheinbesitzer (also lauter Gesinnungsgenossen), das zionistische Distriktskomitee und die Jüdische Nationalpartei ihre Vertreter entsenden. Im Verwaltungsrat sitzen unter anderem drei Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees (davon sind zwei Abgeordnete, Mitglieder des Jüdischen Klubs), der Obmann des zionistisch en Distrikt skomitees und der..Ohman.n „des Nationalvereines. Wir stellen dies einmal fest, damit sich die Geschäftspresse nicht weiter in der Illusion wiegt, einem Unternehmen gegenüberzustehen, welches ähnlichen schmutzigen Interessen dient, wie sie selbst, und unsere Gesinnungsgenossen — soweit sie es noch nicht waren — darüber informiert werden, dass unser Blatt nicht dem Willen eines Einzelnen, oder einer Gruppe, sondern der gesamten Parteiorganisationen untersteh t. imstande, sich eb Bild von ihnen zu machen. Durch diese Eigenschaften hätte Dinesohn verdient, unseren jungen Erzählern als Muster zu dienen. Es ist eine Tatsache, die jedem sofort auffallt: unsere jungen Literaten sind Maler, Bildhauer, Musiker, Psychologen — aber keine Erzähler. Es fehlt ihnen für die erzählende Kunst sowohl Sinn als auch Fähigkeit. Das Einzeimoment tötet bei ihnen das Ganze. Die grübelnden Reflexionen einerseits und die Sucht alles Einzelne plastisch zu gestalten andererseits, unterbindet und vernichtet den Fluss der Erzählung. Die wirkliche Erzählung, welche einen fortlaufenden Zeitraum umfasst und nicht in zerstückelte Episoden nach der Punkt-Manier der Portraitmalerei zerfallt, — die echte Erzählung, welche den Handelnden mit dem Objekt vereinigt und beide durch die Handlung belebt — sie fehlt in unserer Literatur. Einstweilen ist Dbesohn der einzige Vertreter dieser Richtung. Dbesohn ist kein Maler, keb Bildhauer, keb Musiker, keb moderner Psychologe — das ist seb Vorzug. Er ist ein Erzähler, nichts mehr, aber auch nichts weniger. Wo bei Dinesohn das Erzählende zur Nebensache wird und andere Elemente b den Vordergrund treten, sind sebe Erzählungen unter aller Kritik. Die schmachtende Pose, die müde Haltung und die geheimnisvolle andeutende Art unserer anderen Koryphäen widersprechen sebem Wesen. Aber wenn er nur seiner natürlichen Ver-

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