Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 19 (8.5.1908)
- Date
- 1908-05-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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1$ <4’ Zeitnn Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., (ftäflteostFasse 9 Telephon Nr. 14.199. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr vormittags. Wochenschrift. Erscheint jeden Freitag. Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Z eitungsbur eau Goldschmiedt, I., Wollzeile Nr. 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Abannementspreiss: In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.— . In Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—, Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15.— - _^ d Vertretungen In der Provinz In Brünn : Zeitungshureau, Ferdinandgasse. — ln Prag: Zeitungsverachleiss Wlczek, Graben 33. — ln Lemberg: Karl Bachstab. Bachhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 19. Wien, Freitag, den 8. Mai 1908. II. Jahrgang. Ussischkin kontra Warburg. Im Märzhefte der hebräischen Monatsschrift „Haschiloach“ ist ein Brief U s s i s c hk i n abgedrückt, in welchem die zionistische Zentralleitung scharf kritisiert wird. Unter anderem wird auch — zum erstenmal seit seiner zionistischen Wirksamkeit — Prof. .W äcb u r g angegriffen. Ussischkin bezeichnet Oelbäumspende und Pflanzungsverein .-als „Kinderspielereien“, prophezeit, dass die Development Company (P. D. C.) keine Dividende zahlen wird und lässt durchblicken, dass die ganze Tätigkeit des Palästinaressorts nichts tauge. Da wir es für nötig halten, die Kämpfe um prinzipielle, taktische und praktische Fragen innerhalb unserer Partei durch öffentliche Diskussion auszutragen, damit der nächste Kongress eine klare Situation vorfinde, haben wir. schon.-bei,.eineni..früberen Anlass gegen die Prätensionen der Chowewe Zion Stellung genommen. (Siehe Art. Palästinaamt und Palästinarat in Nr. . 15 d. Bi.) Wir können auch diesen neuerlichen Vorstoss der Chowewe Zion—denn nichts anderes bedeutet Ussischkins Angriff auf Prof. Warburg — nicht unwidersprochen und die Odessaer Freunde nicht im Unklaren über die Stellung der österreichischen Landmannschaft lassen. Wir wollen dabei gar kein Gewicht darauf legen, dass Ussischkin bisher stets in Tönen höchsten Lobes von der Palästinakommission gesprochen hat, dass er z. B. in der Sitzung, in welcher Prof. Warburg den Pflanzungsverein vorschlug (Jahreskonferenz vom 30. August 1906), sich äusserte: „ Die Palästinakommission verdient unser vollstes Vertrauen, ihre Arbeit ist überaus anerkennenswert“; dass er ebenso in der russischen Delegiertenkonferenz in Haag die Tätigkeit Warburgs sehr gelobt hat (siehe „Welt“ Nr. 33, 1907, Seite 7). Wir wollen auch nicht darauf hinweisen, dass Ussischidn bis August 1907 im Engeren Aktionskomitee sass und für alles, was bis dahin geschah oder unterlassen wurde, mitverantwortlich ist. Denn wir wissen sehr gut, dass er deshalb unzufrieden ist, weil er, und damit die massgebende Richtung der Chowewe Zion, aus der engeren Leitung ausgeschaltet wurde und zweitens, weil er ein Gegner des Projektes des P. D. C. ist. Es gäbe aber für ihn nur ein Mittel, um wieder mehr Einfluss auf die Leitung zu erlangen, nämlich den, auf legalem Wege die cM[3jprität .jder Orgapisajpg^ zu .seinen.Ansichten zu bekehren. ' ' l/as kann jedoch nicht durch Kritiken geschehen, welche sich, wie die vorliegende, als reine Nörgeleien darstellen. Ussischkin hätte in der Berliner Aktionskomiteesitzung sehr wohl Gelegenheit gehabt, sich und seine Ansichten zur Geltung zu bringen. Speziell hätte er die Gründe seiner Gegnerschaft zur P. D. C. darlegen und versuchen können, seine Kollegen im A. C. und darüber hinaus die zionistische Oeffentlichkeit zu seiner Meinung zu bekehren. Ussischkin hat aber in jener Sitzung kein Wort gesprochen. Wir sind daher auch nicht in der Lage, jene Gründe nachzuprüfen. Die Gegnerschaft seiner Gruppe gegen FEUILLETON. Beim Fakir. Von J. L. P e r e z.. In' die Klause eines Fakirs tritt ein Mann, dessen Aeusseres zu beschreiben schwer fallt. Er ist barfüss, Lumpen bedecken die hagere Gestalt und doch ist jede Bewegung sicher, fast stolz zu nennen.- Die runzelige Pergamenthaut des Gesichtes verrät, dass der Mann all, sehr alt ist, doch sprüht aus dem Blick seiner grossen schwarzen Augen eine ungebändigte Jugendkraft. SeineLippen sind bläulich und gesprungen und auf den Mundwinkeln spielt ein sehnsüchtiges, ironisches und doch' so gütiges Lächeln. Der Fakir erhebt sich und geht dem Eintretenden entgegen, um ihn zu empfangen. Diese Ehre erweist er selbst den Mächtigsten und Reichsten sehr selten. »Ich will Dich um etwas bitten“, sprach der Gast. . •»j>Bringe Deine Bitte vor““, entgegnet der » Wirst. Din meine Bitte erfüllen?“ '! jiWeiin ibh wollen“ “ und lächelnd hinzulugend:2'J5ünd wenn ich können werde““ sägte ■ •" ' :' ';v: »Du kannst es, das weiss ich“ sagt der Gast und seine Stimme klingt immer heller und ernster, »ich sah Dich schon oftmals ähnliches vollbringen, aber nicht umsonst . . .“ »»Und Du kannst nicht bezahlen? . . .““ »Vielleicht . . . doch . . .“ ,,Womit?““ fragt der Fakir und mustert noch einmal den zerlumpten stolzen Gast. »»Mein Kind . . . hast Du nicht irgendwo . . »Gestohlen? Nein. Ich will Dir auch kein Geld geben . . . Ich will Dir meine Geschichte erzählen.“ »»Ist sie so wertvoll? Kann sie mir nützen?““ »Wertvoll . . . Nicht jedem ... Ob sie Dir nützen wird, weiss ich nicht ... doch kann sie Dich von Qual und Marter befreien . . .“ ,,Aiif welche Weise?““ »Mein Erscheinen, meine Person haben auf dich Eindruck gemacht..Deine Neugierde ist erregt. . . Wenn ich nun ohne zu erzählen Weggehen sollte, würdest Du nicht versonnen die Frage stellen: Wer war er? Was wollte er? . . . Und die Zeit eines Fakirs ist kostbar, seine Gedanken noch kostbarer! Und Zeit und Gedanken erhalten einen Fakir beim,.Leben!“ Der Fakir.denkt eine Weile nach, er prüft sich, ob er wirklich für den Gast Interesse besitze und ob er nachher -an ijin denken werde. Diese Zeit benützt der ,Gast und fahrt fort: »Fakir, Du hist alJt, seh^ alt *. . Deine Gefühle die P. D. C. wird immer nur auf Andeutungen darüber gestützt, dass gewisse „Fachleute“ gesagt haben sollen, die Gesellschaft werde keine Dividenden zahlen, ohne dass man aber erfahren könnte, wer diese Fachleute sind und worauf sie ihre Behauptungen stützen. Die Chowewe Zion sind gewiss ein wichtiger Bestandteil unserer Organisation. Sie haben auch eine rühmliche Vergangenheit. Aber gerade die Geschichte ihres Werdeganges sollte sie belehren, dass sie deshalb scheiterten, weil ihre Arbeitsmethoden falsch waren. Das ist durch zwölf lange Jahre bis zum Ueberdruss testgestellt und wiederholt werden, und der politische Zionismus hat die Verwerfung ihrer Methode zu einem seiner Axiome gemacht. Daran hat sich nichts geändert. Es ist ein grosser Irrtum der Chowewe Zion, zu g 1 aju.ben, dass der politische Z t o~n i sä-s,- d ii'r c b »• d & a Entschluss inPalästina praktisch zu arbeiten, den Standpunkt der Chowewe Zion nunmehr zudem seinen gemacht hätte und diese infolge ihrer Erfahrungen, die Berufensten für die Leitung dieser Arbeit wären. Das Gegenteil ist der Fall: Gerade hei der Arbeit in Palästina muss der politische Zionismus sein Axiom, nicht nach den Methoden der Chowewe Zion arbeiten zu wollen, das früher nur eine theoretischprinzipielle Bedeutung hatte, in die Praxis umsetzen. Der ganze Unterschied der beideD sind erstorben .... Dein Her/, erfreut sich an keinem Dinge mehr. Du lebst bloss mit Deinem Kopfe . . . Dein Gehirn ist das einzige Organ, das nicht bloss aus Gewohnheit lebt: nur Dein Hirn hat noch Leiden und Freuden, es denkt und will wissen . . . Erfreue Dein Gehirn, lass es noch einen Eindruck empfangen, bevor es zu denken aufhört . - ,,Es sei!“" sagt der Fakir. Sie nehmen Platz und der Gast erzählt: * * * »Als kleines Kind lustwandelte ich mit meinem Vater auf den Matten unter ' dem Schlosse . . .“ »»Ihr wohntet in einem Schlosse?“* »Ja. Wir scheuchten einen Adler auf, der pfeilschnell zum Himmel emporschoss. .Auch ich möchte so fliegen' dachte ich laut. .Das wirst du auch/ entgegnete der Vater, ,aber nicht in der Luft, denn sie ist nicht unser Element. Wir können nicht in ihr und darum auch nicht von ihr leben : . .Doch fliegen wirst du', sagte er weiter, ,bis an den Himmel' — das sind die blauen, seidenen, mit goldgestickten Sternen besäten Tapeten des königlichen Palastes ... , Bis an die Sonne, das ist der König selbst. Die Strahlen seiner Gnade sind1 licht und warm, doch leuchten sie picht jedem, sie leuchten nur wenigen' . . Diese Worte , berichtete ich, hernach meinem Lehrer.. Er war ' ein Pak'ir ,wig. Dü. Spine Züge, ver^derted sieh