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Jüdische Zeitung · 1908-04-15 · 16-17 (15.4.1908) · p. Seite 16

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
16-17 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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Seite 16 Grosse Protestversammlung des Jüdischen Nationalvereines. Montag den 13. d. M. veranstaltete der „Jüdische Naticnalverin für - Oesterreich“ eine grosse Protestversammlung gegen die Resolution Schnöd. Der Obmann des Nat Ver. Gg.' Doktor Lanzer eröffnet« die Versammlung mit-.einigen zündenden Worten. RRA. Dr. Mahler wies auf den schmachvollen Vorgang im Budgetausschusse hin, in welchem der Antrag Schmid angenommen wurde; der bezwecke, uns Jud in von den Stätten der Bildung und des Wissens auszuschliessen, und fahr fort: Oder soll vielleicht der Antrag die Tendenz verfolgen, die Bildung und das Wissen bei den mcht jüdischen Völkern dadurch zu heben, dass man uns Juda; die Quellen der Bildung veri schliesst? Ich glaube, dass diese Absicht so ab-! solut dem ganzen Programm der christlich- I sozialen Partei widerspricht, dass daran zu j glauben sehr naiv wäre. Der Antrag besagt doch nichts weiter, als dass unter allen Nationen Oesterreichs keine sich an Bildungsbedürfnis mit uns Juden messen kann. Dieser Antrag besagt, dass bei dem Streben, die Juden von der Bildung auszuschalten, die christlichsoziale Partei an den Juden einen unüberwindlichen Gegner findet dem man nur durch Ausnahmsgesetze betkoni.nen kann. Die Juden beginge,, einen Fehler, deT den Vorzügen des jüdischer Volkes entspringt, dass sie in ihrem grenzenlosen Idealismus dachten, dass die Idee allein durch die ihr in .©wohnende Macht siegen werde. Und daraus entsprang die Indolenz der Juden. Denn — taten sie bsher, was sie tun konnten? Boten sie nicht gespalten und zerklüftet, einen schmählichen Anblick? Redner spricht sodann über die vom Jüdischen Club angeregte Sitzung aller jüdischen Abgeordneten nd über die Schmach, dass Abgeordnete, die steh deutsch-freiheitlich nennen, auch für die Resolution Schmid gestimmt haben und schliesst mit den Worten: „Wir können, uns jedoch auf niemand verlassen. Wo immer, die Judenfreunde und Judenfeinde sich finden mögen, für uns gäbt es nur eine Möglichkeit: Sich auf sich selbst besinnen, das eigene Gewissen prüfen, das Volk befreien von dem niederen Druck, ein kraftvolles Judentum schaffen, welches einen Sieg bedeutet für die Menschheit und die Kultur. (Stürmischer Beifall.) RRA. Stand (lebhaft akklamiert) sagt, es -sei ein offenkundiger Bruch mit der Staatsverfassung versucht worden, Wenn die Juden geeinigt sein werden, so wird die Resolution an ihrer Einmütigkeit zerschellen. Die Juden haben alle bösen Geister überdauert, sie w'erden auch diese Resolution überleben. Redner spricht über die demnächstige Versammlung des jüdischen Gemeindebundes, der die Pflicht habe, die grossen nationalen und kulturellen Fragen zu erörtern. Redner spricht gegen die sogenannte jüdische Presse, wrdche jüdischen Fragen gegenüber sich ärger verhält, als die gegnerische Presse. Es sei Pflicht aller Juden, sich zusammenzuschliessen. Redner fordert unter stürmischem Beifall die Anwesenden aus, dem Jüdischen Nationalverein beizutreten. Hierauf wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: „Die am 13. April 1908 im Saale des Hotel „zuin goldenen Widder“ tagende jüdische Volksversammlung weist den kulturfeindlichen, nicht nur den Statsgrundgesetzen, sondern auch Ellen Menschenrechten Hohn sprechenden Anrtag des Abg. Schmid mit tiefster Entrüstung zurück und erklärt, dass sie mit aller Kraft zu ihren jüdischen Abgeordneten stehend, dieselben in ihrem Kampfe für die Menschen- und Staatsbürgerrechte unterstützen wird.“ -Mit Dankeswrorten an .die Abgeordneten und die Erschienenen schloss der Vorsitzende die imposante- Versammlung.. JÜDISCHE "ZEITUNG Nr. 16 Zionisten! Es ist unbedingte Pflicht jedes Gesinnungsgenossen, die . »Jüdische Zeitung« zu abonnieren und für sie unablässig Werbearbeit zu leisten. Korrespondenzen. Präsident Wolffsohn in London. London. Anlässlich der Anwesenheit unseres Präsidenten David W o 1 i f s o b u fand am 5. d. ein Massenmeeting statt, dem Gg. Rev. Dr. G a s - t e r präsidierte. P, r ä s i 4 e n t W, o 1 i i s o h n hielt eine ernstflndige Rede, in welcher er die Grundgedanken des Zionismus auseinandersetzte, die Unmöglichkeit darlegte, durch Philanthropie der Judennot zu steuern und auch die Aussichtslosigkeit des Ternitorialismus bewies. Dem gegenüber charakterisierte er den Zionismus als eine Volksbewegung mit ausgesprochen demokratischem Charakter in allen seinen Einrichtungen, hob hervor, dass a'le seine Aktionen in voller Oeffentldch- •keit vor sich gingen und dass der Zionismus einen festen Plan habe. Er erklärte, in der Lage zu sein, viel b estimmter als früher damit rechnen zu können; dass die Türkei-mit unseren Plänen einverstanden sei. Die türkische Regierung" kommt immer mehr zur Ueberzeugung, dass die Besiedlung Palästinas •mit Juden nicht nur für die Juden, sondern auch für de Türkei sehr vorteilhaft sei. Es hängt jetzt alles von uns ab, dass das jüdische Volk seine Pflicht tue. Wolffsohn spricht von dem Uebenniass der Kritik das an den Führern geübt "werde, und frägt seinerseits, ob die Organisation ihre Pflicht getan habe. Namentlich bemängelt er, dass in Russland und Oesteneich für den" . Parteifond noch nichts geschehen sei. Auf die Arbeit in Palästina übergehend; kmstatiert Redner, dass das Interesse für Palästina nie so gross und stark gewesen sei, wie jetzt. Er weist darauf hin, dass der Leiter des Deutschen Hilfsvereins in Palästina zur Ueberzeugung gekommen sei, dass für die dortigen jüdischen Schulen das Hebräische die geeignetste Unterrichtssprache sei und begeistert für praktische Arbeit in Palästina eintrete. Sodiann geht Redner zur Darlegung der Leistungen der zionistischen Organisation in Palästina über und bespricht namentlich die segensreiche Wirkung der A. P. C., ferner das Palästinaamt, die P. L. D. C. und die Hausbaugenossenschaft. Präsid .nt Wolffsohn bezeichnet den Vorfall in Jaffa als einen Uebergriff eines Polizeibeamten, wie er überall Vorkommen könne. um das Ziel zu erreichen, d. h. eine öffentlichrechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu erlangen. Die Aenderung der Kolonialbank-Statuten. London. Einem aus London eingetroffenen Berichte über die Gerichtsverhandlung betreffend die Aenderung der Kolonialbaukstatuten entnehmen , wir folgendes: Die Aktionäre, welche die Aenderung verlangen, waren durch Dr. Bentwich, die Gegner der Aenderung durch Israel Zangwill vertreten. Nach durchgeführter Verhandlung, deren Höhepunkt die Rede Zangwills darstellte, erklärte der Richter, dass er das Urteil schriftlich bekanntgeben werde, da ihm die Angelegenheit für die interessierten Kreise äusserst wichtig erscheine und das Urteil erst nach reiflicher UeberlegUDg gefallt werden könne. Kunstverein. Wien. Ein interessantes künstlerisches und literarisches Unternehmen wird demnächst ins! Leben gerufen. Es handelt sich, wie wir vernehmen, um die Gründung eines „Vereines [für jüdisches Theaterwesen. und Ku nst“. Der Plan, für den sich in den beteiligten Kreisen grosses Interesse kundgibt, dürfte, falls sich keine nennenswerte Schwierikeiten in den Weg steilen, hoffentlich bald seiner Erfüllung entgegengehen. Zionistische Studenten! Die Unterzeichnetein gehen daran, im Sommer— semester einen allgemeinen akademischen zionistischen Verein zu gründen. Sie treten daher an alle zionistischen Studenten mit dem Ersuchen heran, diese Gründung, mit allen Kräften zu unterstützen. Sie wenden sich, besonders an Jene Kollegen, die noch gar keiner Organisation in Wien angehören und daher kein'; Betätigungsfeld für ihre zionistische Gesinnung. | haben. | Ein soCches soll mit-diesem Verein auch für nichtschlagende Studenten geschaffen werden. Die bestehenden Vereine sind meist Landsmamn-; schäften,^,, mit „Ausnahme .des „T^ieqdp[,..Herzl“. j Dieser‘nimmt jedoch nur eine beschränkte Anzahl i von Mitgliedern auf. Daher ist die Gründung eines; allgemeinen Vereines eine Naturnotwendigkeit, um . jedem Zionisten die Möglichkeit zu bieten, seine : Kräfte in dem Masse, als es seiner Neigung enti spricht, zu widmen. Ohne Organisation gibt es kein erfolgreichem Wirken. Nu® geeint können wir unsere gerechte» Forderungen durchsetzen, unser jüdisches Denken- und Fühlen verteidgen. An alle zionistischen Akademiker, die noch keiner der bestehenden Korporationen angehören, richten wir daher die. Aufforderung, dem neu zu gründenden allgemeinen Verein beizutreten. Mit Zionsgruss! tag. Samuel Berthauer; med. Hugo Fischer;: med. Oskar Fischer; jur. Adolf G r ii n f e 1 d; jur. Erwin Haas; jur. Eugen Wo-1 liier- Ueber die praktische Arbeit sagt Wolffsohn folgendes: „Die Leitung der zionistischen. Organisation steht noch heute, wie früher, auf dem Standpunkt, den Herzi so klar und deutlich zum Ausdruck gebracht hat, dass wir uns nicht bei Nacht und Nebel in Palästina einschleichen wollen. Das, was wir in Palästina wollen, muss öffentlich sein und auf Recht basieren. Auf diesem Standpunkte stehen wir noch heute. Aber ebenso, wie wir die türkische Regierung auf unsere Pläne vorbereiten müssen, und wiewir das Volk durch kulturelle Arbeit, durch Verbreitung der hebräischen Sprache nsw. für unsere zionistische Zukunft vorbereiten müssen, ebenso und vielleicht noch viel mehr müssen wir das Land vorbereiten undl kennen lernen: „Wenn wir alle unsere Pflicht "tun, dann hoffe •ich, dass wir mit unseren eigenen Augen die Rückkehr nach Zion sehen werden.“ Nach, dem 'Dank an Präsidenten W o 1 f f - "sohn wnirde eine Resolution angenommen, in welcher die inaugurierte praktische Arbeit in Palästina begrüsst und ausgesprochen wrd, dass, alle Gesinnungsgenossen. ihre Kräfte konzentrieren müssen, Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. (Verlagsgesellschaft m. b- H. „Poale-Zio nu.) Die Generalversammlung^ der Verlagsgesellschaft „Poale Zion* findet Donnerstag den 23. April, ’/*8 Uhr abends, im Cafö Stefanie QI., Stefaniestrasse 2} statt. Stimmberechtigt sind alle Mitglieder, die Anteilscheine gezeichnet haben. Für das Gründungs- I komitee: Hahn, Kaplansky. Wien. (Verein Mirjam.) Samstag den 25. d. M„ um “1,8 Uhr abends hält Herr Doktor Emil Zweig im Saale des Zentralvereines, IX., Türkenstrasse 9, einen Vortrag über „Hervorragende Frauen in der jüdischen Geschichte.* Gäste herzlich willkommen! Wien. (Erster zionistis ch er Frauenverein) Generalversamlung 27. April,, präzise ’/, 5 Uhr nachmittags, mit Vortrag Dr. Egon Zweig. Thema: „Schach der Taufe.“ O r t: Damen-Salon im .Cafd-City-Gäste* willkommen.

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