Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 2 (1908)
- Issue
- 15 (10.4.1908)
- Date
- 1908-04-10
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 JÜDISCHE ZEITUNG 5 Kommilitonen! Ihr steht vor der Inskription für das Sommersemester! In diesem Momente müssen wir unsere Forderung nach Anerkennung der jüdischen Nationalität an den österreichischen Hochschulen nachdrück liehst wiederholen. Mit den blossen Versprechungen der Minister, unsere Forderungen zu prüfen und den problematischen Sympathieerklärungen der akademischen Behörden, geben wir uns nicht mehr zufrieden. Es gilt den Nachweis unserer Stärke und Solidarität den kompetenten Behörden zu erbringen. Jeder selbstbewusste jüdische Student fülle die Rubrik: Muttersprache in seinem Nationale mit »lüd 1 s c h« a u s. Es ist nationale Pflicht und jeder, der es unterlässt, begeht ein Verbrechen an seinem Volke. Nicht um sprachliche Forderungen handelt es sich uns derzeit und wollen wir auch dadurch kein Präjudiz schaffen. ' - . Unsere jetzige Aktion hat demonstrativen Charakter. Wir müssen vor den akademischen Behörden stark dastehen! Das Exekutivkomitee wird während der Inskriptionen in Permanenz sein und sofort bei den akademischen Behörden intervenieren, falls irgend einem Kommilitonen bei der Inskription Schwierigkeiten bereitet würden. Wir sind fest entschlossen, selbst die äussersten Massregeln in Anwendung zu bringen, falls in der offiziellen Statistik nicht »Jüdisch« ausgewiesen wird. Es von sehr grosser Bedeutung, dass das Exekutivkomitee im Besitze sämtlicher Namen und Adressen der Kommilitonen ist, welche die Rubrik Muttersprache mit »Jüdisch« ausgefüllt haben. Es ist Pflicht dem Exekutivkomitee (Wien, 1X|i, Porzellangasse 22, Cafe Jägerhof) Namen und Adresse bekanntzugeben. Kommilitonen, lasse sich niemand leiten von kleinlichen Bedenken! Jeder sei eingedenk seiner Verantwortung vor seinem Volke! Das Exekutivkomitee zur Anerkennung der jüdischen Nationalität an den österreichischen Hochschulen. Vereins- und Versammlungs- Nachrichten. Voranzeigen. Wien. Anfangs Mai veranstaltet der Verein „Poale Zion“ anlässlich des Geburtstages Theodor Herzis einea Herzlabend, für welchen die Teilnahme Hermann Bahrs gesichert ist Die Gesinnungsgenossen werden schon heute auf diese interessante Veranstaltung aufmerksam gemacht Wien. (Verein „Poale, Zion“) Samstag den 1L April, um 8 Uhr abends, findet im Vereinslokale, H., Stefaniestrasse 2' *.afä Stefanie) ein Vortrag des Koll. Leo Goldhammer über „Otto Bauer und die Judenfrage“ mit Bezugnahme' auf dessen bekanntes Werk „Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie“ statt Gäste herzlich willkommen. Wien. (Hebräischer Konversationsklub.) Bei der nächsten Zusammenkunft Samstag, den 11. Apri, präzise 7 Uhr abends, (Cafö Brammer, IX., Liechtensteinstrasse 1), wird Herr Schriftsteller A. Lubetzky einen Vortrag über „Neue Strömungen in der jüdischen Literatur“, halten. Gäste herzlich willkommen. Wien. Samstag den 11. d. M. veranstaltet der akad. Verein „Jüdische Kultur“ im Lokale der Toynbee-Halle, XX., Othmargasse *6, einen Vortragsabend mit anschliessenden Vorlesungen aus den Werken jüdischer Dichter. Thema: „Ein Volk und seine Dichter. Referent: Herr M. Geyer. Beginn präzise 7 Uhr abends. Entree frei. Gäste herzlichst willkommen. Wien. Samstag den 18. d. M. veranstaltet der akad. Verein „Jüdische Kultur“ im Festsaale des Hotel Zentral, H., Taborstrasse 8, einen Jüdisch - literarischen Abend zugunsten des .Goldfaden-Preises“, unter Mitwirkung bekannter Kunstkräfie. Ausführliches Programm wird demnächst bekanntgegeben werden. Zu demselben Zwecke werden ähnliche Abende in der Feiertagswoche in Genf und Paris, nnter Mitwirkung des. berühmten jüdischen Dichters Scholem Alejchem, veranstaltet. Karten k K 2, 1 unä K 0.50 sind im Vereinslokale, IL, Fiossgasse 9/6 zu haben. Wim. Im „Museum für jüdische Altertümer“,- H. PraterstrasBe 23, hat oer Maler S. Benischmehrere Portraits ausgestellt, die daselbst noch für kurze Zeit zu sehen sind., Zu besichtigen Samstag und Sonntag von 11 bis 1 Uhr. Stryj. Jüngst, fan<J im Vereine „Zion“ vor einem zahlreichen Auditorium,, der erste hebr. literarische Abend des „Jbriah“ Clubs statt. Der Zweck der Veranstaltung, die hebräische Sprache weiten Volkskreisen zugänglich zu machen »scheint in glänzender Weise erreicht. Es mögen viele gewesen sein, die das Hebräische nicht verstanden, gewürdigt haben sie es alle. Nach einer kurzen hebräischen Eröffnungsansprache des Herrn W e i t z, hielt der bekannte hebräische Schriftsteller M. Kleinmann, einen vorzüglichen Vortrag (zuerst hebräisch und dann deutsch) „über die Sprachen' des jüdischen Volkes“. Er wies der hebräischen Sprache den Ehrenplatz in unserer Literatur an, bewies in scharfsinniger Weise, wie falsch es sei, wenn man annehme, die hebräische Sprache sei nicht lebensfähig. Eine Sprache, die hunderttausenden von Juden als das einzige Verständigungsmittel dient, kann nicht als tot betrachtet werden. Den besten Beweis lieferten die znm Vortrag gebrachten hebräischen Gedichte von Bialik, die von einem zehnjährigen Knaben ’ hinreissead vorgetragen, auf die Zuhörer einen mächtigen Eindruck machten und am Schlüsse einen minutenlangen Beifallssturm auslösten. Das Publikum spendete allen Darbietungen lebhaften Beifall. Prossnitz. (Einzelverein Prossnitz des „Zion“.) Die Generalversammlung des Einzeivereines Prossnitz des „Zion“ hat die Herren Friedrich L ö w zum Obmann, Salomon Steckier, Fritz Pollak, Siegfried K u r z in den Ausschuss wieder- und Herrn Adolf Schmeidler für den nach Olmütz übersiedelten Herrn Felix B e r g 1 neugewählt. Eywanowitz. (Zionistischer Frauen- und Mädchen verein „Ruth“.) Am 17. ds. veranstaltete der Frauen- und Mädchenverein „Ruth“ einen Purim-Abend, zu welchem Zwecke Frau Berta Alt ihre Wohnung zur Verfügung stellte. Ein gut gespielter Einakter und eine lustige Ensemble-Szene trugen viel zur Erheiterung der Gäste bei. Der Abend nahm einen sehr animierten Verlauf und ergab ein ziemliches Reinerträgnis durch Verkauf von Gebäck und Getränken, gespendet von den Mitgliedern des Vereines. Krakau. In den Ausschuss des Vereines jüdischer Hochschüler „Przedfiwit-Haschachar“ wurden für das.Sommersemester gewählt: stud. iur. Adolf Bienenzucht, Präses, cand. iur. Dr. Hirsch Her st ein, Vizepräses und stud. vxiur. Sigismund Gutmann, Schriftführer. Taraow. Die neugewählte Verwaltung des „Kaufmännischen . Hilfsvereines“ veranstaltete Sonntag, den 22. März a-c. ein Bankett, welches von allen Gesellschaftskreisen Tarnows besucht war. Unter anderen waren anwesend: Der Vizebürgermeister Herr Dr. G o 1 d h a m m e r, der Kommerzialrat Herr David Zins und der Kultuspräsident Herr Josef Maschler. Nachdem der Obmann vig. Herr Elias Baron, der sich um diesen Verein besondere Verdienste erworben hat, die Feier mit einer sachlich gehaltenen Rede eröffnet hat, erklärte Herr Dr. Gold-: hammer als leitender Direktorder Eskompter gesellschaft, dass er dahin streben werde, aass der Verein seinen humanitären Zweck, die Gewährung von Krediten an die Kleinhändler und Gewerbetreibende voll erfülle. Auch der Vizepräses der Kultusgemeinde Herr Dr. Räpa- Dort sicherte dem Vereine materielle Hilfe seitens der allgemeinen Kreditanstalt hier, zu. Es ist mit fkeude zu begrüssen, dass die sonst abseits stehenden Personen nunmehr dem Vereine nähertreten und ihre Sympathie kundgeben. Aussig a. E. Am 22. März fand in Aussig a. d. Elbe eine Wanderversammlung des Jüdischen Volksvereines „Zion“, Teplitz, statt, die erste zionistische Veranstaltung, die in Aussig abgehalten wurde. Der Referent des Abends Herr Ernst Bechert aus Teplitz, behandelte vor einem mehr als 150 Köpfe starken Publikum das Thema „Wesen und Ziel des Zionismus“. An den ausgezeichneten Vortrag knüpfte sich sodann eine lebhafte Debatte. Als erster Redner ergriff Herr Dr. Löbel (Aussig) das Wort. Er äusserte sich als Gegner, gab aber zu, dass das Wirken der Zionisten jeden Juden, dem die Zukunft seines Volkes nicht gleichgültig, sympathisch sein müsse. Sodann kam unser Gg. Herr Df. Emil Margulies (Trautenau) zu Wort. In einer längeren, sachlich und formell glänzenden Rede widerlegte er einige Bedenken, die Herr Dr. Löbel gegen den Zionismus geäussert hatte. Nach ihm sprach Herr Riethof aus Teplitz. Herr Riethof, der in der hiesigen Gegend gewissermassen als privilegierter Antizionist bekannt ist, sprach zwar sehr geläufig und lange, trotzdem schlecht. Seine Gegenargumenten sind eigentlich sehr naiver Natur, zudem Herr Riethof den Eindruck macht, als sei es mit unseren Ideen ziemlich vertraut. Trotzdem haben wir seine Anwesenheit in der Aussiger Versammlung als ein uns günstiges Omen anzusehen, ist doch Herr Riethof derjenige, dessen kräftige Opposition wir das Aufblühen des Zionismus in Teplitz zu verdanken hatten! Nun, da er es sich nicht nehmen lässt auch in Aussig unsere Diskussionen zu beleben, werden wir auch hier bald der Gründung eines neuen Zionsvereines beiwohnen können. Nachdem noch der Referent, Herr B e c h e r t, und einige andere Redner kurz gesprochen katten, wurde die Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Taschen. Am 8. März d. J. fand hier unter zahlreicher Beteiligung aller jüdischen Kreise ein Purim-Kräuzchen statt, dessen namhaftes Reinerträgnis dem Fonde zur Errichtung einer Toynbee-Halle in Teschen zufloss. — Für den N. F. wurde gesammelt. Das Jubiläum des Haschachar. Krakau. Der zweite Abend der Jubiläumsfestlichkeiten war unserer Palästinaarbeit gewidmet. Mittwoch, den 11. März fand im Hotel Klein ein Vortrag des Gg. Böhm aus Wien über die „Zionistische Palästinapolitik* statt. Nachdem Gg. Bienenzucht auf den Zusammenhang des vorherigen Jubiläumsabendes, welcher der Landespolitik gewidmet war und des jetzigen hin wies, ergriff der Referent das Wort und : Schilderte Tn meinem längeren sachlichen Vorträge die Verhältnisse in Palästina, seine wirtschaftliche und kulturelle Lage und widerlegte die verschiedenen Gerüchte, die über das Land ’ verbreitet sind. Er bezeichnete die verschiedenen Entwicklungsmöglichkeiten, die in Palästina vorhanden sind> und die Ziele, die von jüdischen, vor ‘ allem von der zionistischen Organisation anzustreben sind. Die zionistische Organisation hat bis nun in Palästina vieles getan. Sie hat die Bank, das Industriesyndikat und den Bezalei usw. begründet und das wichtigste unternimmt sie jetzt. Sie beginnt nämlich das Land zu kolonisieren. Die bisherigen Versuche haben gezeigt: wo kein falsches System zur Anwendung gelangte, würden treffliche Resultats erzielt. Mit den Worten : „Wenn wir jetzt die Landentwicklungsgesellschaft unterstützen, so werden nach weiteren 25 Jahren nicht mehr 7000, sondern 70—100.000- Juden in Palästina angesiedelt werden. Nur müssen alle Zionisten und Nichtzionisten, die die schreckliche Lage der Juden einsehen, an .der Entwicklung dieser Gesellschaft kräftig mitarbeiteten“, schloss der Redner. Das über 500 ■ Menschen zählende Publikum hatte mit grösster Aufmerksamkeit den ausgezeichneten Ausführungen des Referenten gelauscht und belohnte ihn durch stürmischen Beifall. Dem Vortrage folgte die Produktion von Lichtbildern palästinensischer Landschaften. Samstag den 14. März fand der Festkommers statt. Er wurde von Gg. Dr. Feldblum eröffnet, der die Vergangenheit des Vereines schilderte. Als zweiter ergriff das Wort der jetzige Präses des Vereines, Gg. Bienenzucht. Gg. Dr. Thon begrüsste die Mitglieder des Vereines „Przedswit-Haschachar“ und drückte sein Bedauern aus, dass nicht die ganze jüdische Jugend in seinen Reihen sich befindet. Er hofft, es aber beim nächsten Jubiläum zu erleben. (Beifall) - Im Namen der älteren Kollegen sprach Gg. Dr. Goldwasser, der. die Erinnerungen der ersten Jahre des Vereines äüffrischte. Dann sprachen die Delegierten der verschiedenen zionistischen Vereine. Im Namen der Partei „Poale-Zion* überbrachte dem Vereine die Glückwünsche Gg. Dr. J. Margulies. Zuletzt sprach noch über das Verhältnis fies Einzelnen zum Vereine Gg. Dr. Schipper, wonach der Versitzende den offiziellen Teil schloss. ' Sonntag den 15. März versammelten sich die Mitglieder, 80 an der Zahl, in dem festlich geschmückten Saale des Vereines 'zu einem feierlichen JubilänmBkonvent. Kol. Dr: K ü n s t-