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Jüdische Zeitung · 1908-04-03 · 14 (3.4.1908) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
14 (3.4.1908)
Date
1908-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., (ftäriiensfrasse $f. 9« Telephon Nr. 14.199. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr vormittags. =□ Zeiiun Wochenschrift. $ V Erscheint jeden Freitag. Verkaufs^eilen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Z eitungsbureau Goldschmiedt, I., Wollzeile Nr. 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Abannementsprais»: [| In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. In Deutschland: l Ganzjähr. Mk. 10.—, I halbjähr. Uk. 5.—, Vierteljahr. Mk. 3.—. | Im übrigen Aasland ganzj. Frcs. 15.—. □ . - □ Vertretungen ln der Provinz ln Brünn : Zeitungsbureau, Ferdinandgasse. — In Prag: Zeitungsverschleiss Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl Buchstat). Buchhändlerische Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 14. Wien, Freitag, den 3. April 1908. II. Jahrgang. Unsere geehrten Abonnenten, deren Bezugszeit am 31. Märac 1908 abgelaufen ist, bitten wir um rechtzeitige Erneuerung des Abonnements damit in der Zustellung des Blattes keine Unterbrechung eintritt. Der heutigen Postauflage liegen Erlagscheine bei, welche zur Ueberweisung. des Abonnementsbetrages benützt werden mögen. Die Expedition „Jüdische Zeitung“. Politische Konzentration der Juden in Oesterreich. Die Zionisten wagten es zum ersten Male, eine Wahrheit auszusprechen, der man bisher, — allerdings ohne zu wissen warum — ausweichend aus dem Wege gehen zu müssen glaubte. Die Zionisten erst hatten den Mut, eine seit Jahrtausenden feststehende Tatsache zu konstatieren und zu sagen: Wir Juden sind ein Volk und wollen es auch in Zukunft bleiben. In deP blossen Konstatierung dieser Tatsache liegt schon das ganze zionistische Programm. Wenn wir ein Volk sind, so müssen wir uns auf eigener Scholle frei ausleben können. Wenn wir ein Volk sind, so müssen wir die Sprache unserer Väter pflegen und sie zum Gemeingut aller in der Diaspora lebenden Juden machen. Ja, wenn wir ein Volk sind, so muss auch unsere Gegenwartspolitik in den Golusländern von echt jüdischem Geiste erfüllt sein, so darf sich auch diese Politik nicht auf fremden Bahnen bewegen. Als Konsequenz der unurastösslichen und logisch begründeten theoretischen Wahrheit ergab sich natürlich von selbst die Notwendigkeit zur Tat zu übergehen und die nationale Doktrin in praktische nationale Betätigung umzusetzeu. , Während aber die allgemeinen kulturellen Bestrebungen unserer Bewegung und die Palästinaarbeit naturgemäss den Charakter einer Weltorganisation tragen, so kann das in Bezug auf die nationale^ und wirtschaftlichen -Postulater Staaten, die eine.kompakte, einzelne Gebiete bewohnende jüdische Bevölkerung haben, nicht gesagt werden. Das zionistische Gegenwartsprogramm darf nur insofern ein einheitliches genannt werden, als es überall die gleichen Ziele, die Anerkennung der jüdischen Nationalität, die wirtschaftliche und kulturelle Hebung des jüdischen Volkes, die Verwirklichung seiner politischen Gleichberechtigung erstrebt. Jedoch in der Wahl der Mittel, die zu diesem einheitlichen Ziele führen, also in der innerpolitischen Betätigung, müssen in jedem Lande andere Wege eingeschlagen werden. Denn nicht nur die allgemein-politischen, sondern auch die verschiedenen lokal-jüdischen Verhältnisse innerhalb eines jeden Staates müssen hierbei in Betracht gezogen werden. Den Juden Oesterreichs, die für die Geltendmachung jüdisch nationaler Ansprüche die relativ besten Bedingungen haben, da sie auf einzelnen Gebieten einer konstitutionellen Monarchie in ziemlich festgefügten Massen Zusammenleben, oblag die Pflicht, bahnbrechend voranzugehen und als erste den Kampf um die nationale Regeneration des jüdischen Volkes aufzunehmen. Wir österreichische Juden waren uns auch dieser Pflicht bewusst, wir schraken nicht davor zurück, als Avantgarde voran zu marschieren, uiid als wir den Zeitpunkt für gekommen sahen, uns als politische Partei zu organisieren, da begründeten wir auf der ersten Konferenz in Krakau im Juli 1906 die jüdische Nationalpartei als deren erster "sichtbarer Ausdruck der j ü d rsrc'h e Nationalverein für Oesterreich ins Leben gerufen wurde. Was die Partei in der kurzen Zeit ihres Bestandes geleistet hat, das ist männiglich bekannt. Die Revolutionierung der Geister im indifferenten Galizien, die kühnen Wahlschlachten, die alten und erfahrenen politischen Riesen geliefert wurden, der Jüdische Klub und dessen glänzende parlamentarische Tätigkeit, das sind Erfolge, deren sich politische Parteien nach jahrzehntelanger Tätigkeit auch nicht zu schämen brauchten. Was wir aber noch immer nicht erreicht haben, das ist dem jüdischen Volke das Bewusstsein beigebracht zu haben, dass wir uns auf halbem Wege FEUILLETON. Briefe aus Amerika. III. iSc-hon in meinem ersten Briefe ans Amerika tat ich der jüdischen Bühne in New- York Erwähnung und hob hervor, dass sie nach .jeder Kiehtung hin die Erwartungen übertrifft, die wir in unserem anerzogenen Vorurteile gegen alles, was mit dem ,.Jargon"' zusammenhängt, hegen. Damit sollte aber nicht gesagt sein, dass sie auf der wünschenswerten Höhe steht. Und es wäre ja auch ein Wunder, wenn sie bei ihrer Jugend, bei der unheimlichen -Geschwindigkeit, mit welcher das neue jüdische Kulturgebiet in New-York entstand, und bei dem schädigenden Einfluss der allgemeinen Kulturverwüstung in diesem Lande so hoch emporgekommen wäre. Am siegreichsten ans dem Kampfe über alle diese Schwierigkeiten ist die Kunst der Schauspieler selbst hervorgegangen. Ja, wenn man nach den genialen Erscheinungen allein urteilen dürfte, so müsste eigentlich aller verdammende Tadel verstummen. Die Zahl dieseT bedeutenden Erscheinungen 'ist sogar so gross, dass ich s;e nicht alle nennen kann, — umsomehr, als ich nicht Gelegenheit hatte, alle genügend oft zu sehen. So konnte ich zum Beispiel den Charakterdarsteller und Komiker Margolescu, der jetzt in Tomasohewskvs l’eople-Theater spielt, nur in -kleinen oder wenig belangvollen Köllen -sehen -— als Papos in Goldfadens .,Bar Kochba" und als gut- und altjüdischer Schwager des russischen Börsen- und Titeljuden in Goldfadens letztem Stücke ..Ben Ami“. In der zweiten Rolle iliess er mich schon seine Grösse ahnen, den Humor der feinen Linie und der geistvoll lächelnden Seele. Eines guten Namens erfreut sich Jakob Adler, der Direktor des Grand-Theaters. Man erzählte mir von seinem Shylock, mit dem er auch auf der englischen Bühne — im englischen Ensemble der Einzige jüdisch sprechend — einen gewaltigen Erfolg errungen habe. Audi ich sah manches von ilhm, was auf ersten Rang Anspruch machen darf : So den Tischler in Gordins ,.Ez hadaass“. eine Figur, die mit dem alten Vater der Hebbelsohen ..Maria Magdalena“ viel Verwandtschaft hat. Der fromme Yaterglaube an die gebildeten Kinder, die urwüchsige Gediegenheit des Charakters uüd die ausbreehende Wildheit des Getäuschten wuiden mit grosser Kraft und Sicherheit dargestellt, und ich hatte an dieser und anderen Rollen zu erkennen Anlass, wie sieh Adler in langer Künstlerlaufbahn gewisse macht, schönheits- und wirkungsvolle Ausdrucksfornien für die verschiedenen Seelemzustände herausgeschnitzt hat. David Kessler, der jetzt im Thalia-Theater auftritt, hat ungefähr dasselbe Gebiet wie Adler. Er ist um eine Note derber, dafür aber auch um eine Note ursprünglicher. Sein Bezahl Rappaport in GordLns ..Sehen ite“ zum Beispiel ist eine grosse, künstllerische Leitung. Wie er den herrsch- und genussüchtigen chassidischen ..Nogkl“ (Reichen), den Mann von strotzender Kraft und ohne Rücksichten, der den Franen so leicht Schicksal werden kann, darstellt, das ist selber urwüchsige, ungewollte, unerzogene Kraft. Von den weiblichen Darstellern sah ich zuerst Frau Adler, die mir in Gordins „Golus. Galizien“ als Frau des abtrünnigen Rebben eine gute Leistung zu vollbringen schien. Es gelang ihr. den Typus der bedenkenlosen, au3 schleichender Katzen rücke und aufdringlicher

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