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Jüdische Zeitung · 1908-03-27 · 13 (27.3.1908) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
13 (27.3.1908)
Date
1908-03-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Redaktion, Administration und Inseratenaufnahme: IX., üßäpliensfrasse 9' Telephon Nr. 14.199. Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr vormittags. Zeitun Wochenschrift. Erscheint jeden Freitag. Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Zeitungsbureau Goldschmied t, L, Wollzeile Nr. 11. Einzelne Nummern 20 Heller. Abannementspreise: In Oesterreich-Ungarn: Ganzjähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.— ln Deutschland: Ganzjähr. Mk. 10.—, halbjähr. Mk. 5.—. Vierteljahr. Mk. 3.- Im übrigen Ausland ganzj. Frcs. 15.—. Vertretungen ln det Provinz ln Brünn : Z e i t u ng s b ur e a u, Ferdinandgasse. — In Prag: Zeitungsverschleiss Wlczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl ßuchstan. Buchhändlerlsche Vertretung für Deutschland: Otto Klemm in Leipzig. Nr. 13 Wien, Freitag, den 27. März i908. I. Jahrgang. Wagen des christlichen Feiertages, durch Vielehen die Drucklegung sich verzögerte, erscheint diese Nummer verspätet. Gesinnungsgenossen! Mit 1. April tritt die „ J ü d i s c he Zeitung“ in das zweite Quartal ihres zweiten Jahrganges. Die „Jüdische Zeitung“ wird heute bereits allgemein -als das führende Organ der jüdischnationalen und zionistischen Bewegung in Oesterreich anerkannt. Durch ihr geistiges Niveau, ihren reichen Inhalt, durch die Fülle ihrer Informationen und Orignialar tike}, durchs «ihre grosse Verbreitung, die 'Selbstständigkeit ihres Urteils und die konsequente Vertretung der jüdisch-nationalen und demokratischen, Prinzipien hat die „Jüdische Zeitung“ sich unter der gesamten jüdischen Presse eine angesehene Stellung errungen. . In der soeben beginnenden neuen Session des Reichsrates wird die „Jüdische Zeitung“, wie sie es bisher als ■das einzige jüdische Blatt getan hat, vollständige und authentische Berichte über die parlamentarische Tätigkeit des Jüdischen Klubs bringen, und die bedeutsameren Reden der jüdisch-nationalen Abgeordneten wortgetreu wiedergeben. Wer sich den Zusammenhang mit dem modern-jüdischen Leben bewahren will, wer die hohen Ziele des Zionismus fördern will, wer jüdisch-national und demokratisch empfindet, abonniere die „Jüdische Zeitung“. Der Abonnementspreis der „Jüdischen Zeitung“ beträgt: für 1 Jahr 10 K 1/ K i> /* » ’’ fl » V* » 3 „ Kritifc. In den Nachrufen für Rudolf Nassau, ist man einer seiner hervorragendsten Begabungen zu wenig gerecht geworden/ jener für Kritik. ■Mit scharfem Blick, mit unfehlbarer Sicherheit fand er bei Freund und Feind die schwachen Punkte der Argumentation, die Fehler in Beobachtung und Auffassung heraus und wusste sie durch seine klare und geistvolle Darstellung den Augen aller offenbar zu machen. «Man hat es ihm zuweilen übel genommen, dass er diese Kritik auch an unserer Leitung geübt hat und insbesondere seine unumwundene Besprechung der Vorgänge am achten Kongress, hat ihm und der „Jüdischen Zeitung“, in welcher dieser Artikel erschien, seinerzeit mancherlei Vorwürfe zugezogen. Diese waren aber vollkommen ungerechtfertigt, denn es lag ihnen eine gänzlich unrichtige Auffassung der Struktur unserer Organisation und der Aufgaben unserer Presse zugrunde. Es ist vollkommen verfehlt, die zionistische Organisation als eine „Partei“ zu betrachten undvon der zionistischen Presse zu verlangen, dass sie alles, was unsere Leitung tiut, verherrliche oder beschönige, damit es nach aussen nicht den Anschein habe, dass in unseren Reihen Uneinigkeit herrsche. Der Zionismus ist eine Volkszusammenfaasuiig, innerhalb welcher es eine ganze Anzahl von verschiedenen Gruppen und Strömungen gibt. Der Kongress ist nicht dem Parteitag einer einzelnen Partei vergleieh- '■baKsondern einem VöBcsparlament, in welchem verschiedene Parteien aufeinanderstossen, weil sie das alle einigende Ziel — das Wohl der Volksgesamfcheit — auf verschiedenen Wegen verfolgen1 zu müssen glauben. Und wie eine Opposition gegen eine Regierang, nicht die Opposition gegen den Staat ist, so ist der Kampf gegen diese oder jene Leitungsmaximen kein Verrat am Zionismus, am jüdischen Volke, sondern ein Kampf um die — nach der Auffassung der betreffenden Partei — richtige Führung der zionistischen Politik durchzusetzem. Und ein solcher Kampf muss sich einstellen, wo wirklich Leben und damit Wille ist. Blinder „Kadavergehorsam“ würde nur von einem Absterben der Bewegung zeugen. FEUILLETON. Literarische Spaziergänge. Von A. Loub etzky. J. L. Perez. in. Anfänglich, besonders in der Haskalah- Zeit, beschäftigte sieh die hebräische Literatur nur mit Juden. Dasselbe taten und tun noch heute — alle Literaten, die über das jüdische Leben auch in anderen «Sprachen schreiben. Den „Menschen“ im „Juden“ übersehen sie ganz. Die Hjauptsaehe war für sie die spezifisch jüdische Seite. Wie diese Judaika-Literatnr anssieht, erfährt man aus der ganzen westeuropäisch-jüdischen Belletristik, der Franzos, Kompert, Kohn, Bernstein e tutti quanti, die nie Menschen därgestellt haben, weil sie es nicht verstanden und nicht wollten. Ihre Juden sind darum.leblos und ohne Kunst gezeichnet: Karikaturen. Anders konnte es auch nicht sein. Ein „Jude“ ohne den Inhalt „Mensch“ ist eine Karrikatur. Weil die westjüdisc-he Literatur diese Eigenart beibehielt, ist sie selbst zur Karikatur geworden. Die hebräische und die jüdische Literatur hat sich von diesem Fehler emanzipiert -und ist dämm lebenskräftig geworden. Das Erwachen des jüdischen Nationalbewusstseins halt aiuch auf die hebräische und jüdische Literatur gewirkt, bevor sieh noch sein Einfluss im wirklichen Leben geltend machte. Alle Schriftsteller behandelten nun den „Menschen“' im „ Jtuden“. Auch. Perez ist diesen neuen Weg gegangen. Freilich ist er noch nicht so weit gekommen, wie die Jüngeren, er arbeitet noch immer mit den äusserliehen „jüdischen Kennzeichen“, aber er hat auch für das allgemein Menschliche Verständnis. Speziell interessiert ihn das allgemein Menschliche bei den einfachen Golusjulden, die anscheinend nichts anderes sind als „Juden“. Dieses Bestreben des Perez .wäre sehr zu loben, wenn nur Perez den „Menschen“ als „Juden“ oder „den Juden“ als „Menschen“, oder richtiger gesagt, wenn er uns die natürliche Vereinigung und Verschmelzung zwischen „Jud“ -und „Mensch“ darstellen würde, derart, dass es schwer fiele, den Uebergang vom „Menschen“ zum „Juden“ zu finden. Dies ist aber Peres nicht gelungen. Nur wenn er sich mit seiner chassidisehen Stimmungsmalerei beschäftigt, gelingt es ihm, ohne Gezwungenheit und Mühe die natürliche Vereinigung und Verschmelzung so gut au treffen, dass die Grenzen des Ueberganiges ganz verwischt sind. Und darum ist er in der chassidisehen Stimmungsmalerei ein wahrer, schaffender Künstler. Lebe» und Lebenskraft spricht da aus jeder Zeile und aus jedem Wort. In seinen anderen Skizzen und Dramen ist ihm dies nicht gelungen. Ma* spürt in ihnen den unnatürlichen, unverrrittelten Uebergang, mau fühlt die zwei Ideenwelten „Jud“ und „Mensch“, deren Vereinigung unmöglich ist. Die jüdische Kritik hat Perez total verdorben. Das Lob, mit dem man ihn beständig überschüttet, hat ihm geschadet. „Perez hat ein Herz für die Juden, er liebt sein Volk, er fühlt sieh eins mit den Armen und Ausgestossenen“ — so erscholl es von allen Seiten. Und Perez gelüstete es, ein Dichter vom und für das Volk, ein Erzähler der und für die Armen zu werden und rasch zündete er seine Laterne an und zog in die jüdischen Kellerwohnungen,; um das jüdische Armeleut-Leben zu beleuchten. | Vom Volk und vom Leben der armen Leute hat er wohl erzählt und darüber gedichtet, aber für

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