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Jüdische Zeitung · 1908-02-21 · 8 (21.2.1908) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
2 (1908)
Issue
8 (21.2.1908)
Date
1908-02-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
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□-:-:-—Z Redaktion, Administration und Wochenschrift. j- -ij! Ab j nnementspreise: Inserätenaufnahme: In Oesterreich-Ungarn: IX., <f>cir1<ei)stFasse &i>. 9» Erscheint jeden Freitag. Ganz)ähr. K 10.— halbjähr. K 5.—, Vierteljahr. K 3.—. Telephon Nr. 14.199. In Deutschland: Verkaufstellen in Wien: Administration, Türkenstrasse Nr. 9. Ganzjahr. Mk. 10.—, Sprechstunden täglich von 10—12 Uhr Zeitungsbureau Goldsptimiedt, L,WollzeüeNr. 11. halbjähr. Mk. 5.—. Vierteljahr. Mk. 3.—. vormittags. n ■ - - - - - - -r Einzelne Nummern 20 Heller. [Im übrigen Ansland ganzj- Fns. 15.—. J, - . — --C Vertretungen In Sier Provinz ln Brfinn : Zeitungsbnreau, Ferdinandgasse. — In' Prag:*Zei tungaver s chleiss Wiczek, Graben 33. — In Lemberg: Karl ßnchstab. Buchhlndlerlscbe Vertretung Jür Deutichland: 011 o K1 e m m in Leipzig. Nr. 8. Ausländische Israeliten. Herr Eoköwzew, der russische Finanzminister, weilte vor einigen Monaten in Paris, zum Vergnügen, wie er sagte und ein Dutzend Journalisten in die ganze Welt hinaustelegraphieren liess. Die Finanzleute zweier Kontinente hielt sich damals ahnungsvoll die Taschen zu und klagten über die schlechten Zeiten. Dann erschien aus Berlin Herr Bankier Mendelssohn der längst gewässerte, selbstverständlich auch nur vergnügungsbalber, unterhieltr sich einigemale eingehend mit seinem »Freunde“ Kokowzew und reiste nach Hause. Jetzt stöhnte kein Finanzmann mehr. Ein Wort und ein Grift von .Herrn Mendelssohn und die Stahltreso^Dehtschlands ergossen ihren Inhalt,;Hun^mES$TOn|B9&li0neii,;?über dietxnsmsChe ’ Grenze, -in’die Hände der/':schmutzigsten Verwalfjong" Europas. Für Mendelssohn war das . ein?Beweis seines ' allmächtigen Einflusses auf das deutsche Kapital. Die Reihe der Juden, die es im Reiche draussen zn Macht und Ansehen brachten, ist ziemlich stattlich, die Juden, die heute noch seihst oder deren .Väter Kultussteuer zahlten. Da ist Herr Ballin, der besondere Vertrauensmann des deutschen Kaisers, der Grossverfrachter des Millionenverkehrs zwischen dem mächtigsten und reichsten Wirtschaftsgebiete unseres Kontinentes und .den Milliarden Amerikas. Da sind noch die Dernburg und Bleichröder und das ganze Bataillon jüdischer Kommerzienräte, Kaufleute und Industrieller, Industriekapitäne Und Generaldirektoren, Wien, Freitag, den 21. Februar 1908. - - — — ■ ■ - - . deren Rührigkeit Tausedden von Poletariem Arbeit schafft und Millionen Mark durch die Wirtschaftskanäle Deutschlands treibt. Und hier darf die grosse Schär der Juden nicht vergessen werden, die all Gelehrte, Künstler, Journlaisten, Politiker, Schriftsteller und als Beamte in den verschiedensten Privatbetrieben arbeiten für sich und mittelbar für die Macht, den Reichtum, die Fortentwicklung, das soziale*'Glück des Landes, in dem man ihnen bei Gelegenheit zu verstehen gibt, dass sie — Fremde seien. Und der glänzenden Fassade Deutschlands, mehr noch des Greater-Deutschland, geben nicht die selbstgefälligen, so nichtssagenden leeren Durchschnittsphysiognomien der preussischen Regierungsleute in Amt und Würden, sondern jedenfalls mehr als diese? und ganz gewiss 'ihekr-als so mancbe—ääetkaantenationale Grösse der Gegenwart 'die feinen Hebräerköpfe dieser Juden das individuelle Gepräge. Warum das Heraufbeschwören dieser schönsten. Gaukelbilder aus dem Assimilationsghetto? Weil wieder einmal die entsetzliche Probe auf das Exempel des israelitischen Staatsbürgers gegeben wurde. Anlässlich der Beratung des Budgets des Ministeriums des Aeusseren stand am 12. Februar d. J. in der österreichischen Delegation Graf Dzieduszycki auf und interpellierte den Minister des Aeusseren Freiherrn von Aehrenthal über den Fall der Ausweisung des österreichischen Ingenieurs Benno Kohn aus Königshütte in Preussen. Der Fall ist bekannt und bildete bereits den Gegenstand einer von unserem Abg. Straucher im II. Jahrgang. Juni 1907 im Abgeordnetenhause eingebrachten Interpellation: Der Ingenieur Benno Kohn aus Ungarisch-Brod war Ende Herbst 1906 nach Königshütte gekommen und wartete dort auf einen ihm für die allernächste Zeit in sicherste Aussicht gestellten Posten. Anfang Dezember erhielt er den Ausweisungsbefehl und auf seine Rekrimination von einem dortigen Polizeimenschen die verblüffende Antwort, er brauche als österreichischer Staatsbürger mosaischer Konfession zum Aufenthalte auf preussischem Gebiete die besondere Erlaubnis der Behörde; Diese wurde ihm nicht erteilt. Der Ingenieur Benno Kohn zog ab. In der österreichischen Delegation ereignete sich aber anlässlich dieser Interpellation ein Schauspiel von schreiender Tragikomik. Nachdem Lfcaf- Bgedasayekfe - aeme^ .InteEpellation vorgebracht — wer legte sie ihm wohl auf die Zunge? — stand; Freiherr von Aehrenthal auf und gab folgende Ungeheuerlichkeit von sich: „EU ist im Verlaufe der Debatte viel von den Ausweisungen gesprochen worden. Seine Exzellenz Graf Dzieduszycki bat einen Fall als besonders wichtig bezeichnet, den des Benno Kohn, und bat die Besorgnis geäussert, das» die Besprechung dieses Falles in der österreichischen. Delegation vielleicht in Ungarn übelgenommen werden könnte, weil’ er angenommen hat, dass Kohn ein ungarischer Staatsangehörigen sei; nun er ist bloss au» Ungarisch-Brod (Heiterkeit), also österreichischer Staatsangehöriger. Was die Frage der Behandlung österreichischer oder ungarischer Staatsangehöriger israelitischer FEUILLETON. Briefe aus Amerika. x Von Mathias Acher. ■ ii.. ■ ■ V‘ ■ New York den 7 Februar. 1908. Naehdrnck. verboten. Die ungeheure Mehrheit der: New Yorker Juden bevölkert hauptsächlich drei Komplexe: die berühmt gewordene Ostseite der Unteren -.Stadt (Down town), wo sich auch das. jüdisch-künstlerische und jüdisch-literarische Leben konzentriert; eine Reihe von Strassenzügen der Ostseite der Oberen Stadt (Up town), hauptsächlich das sogenannte; Harlem-Viertel; schliesslich Brownsvilie, genannt das amerikanische Jerusalem, einen Teil Brooklyns, den ich noch nicht gesehen habe und der an charakteristischem Gepräge Down town noch übertreffen soll. Diese Bevölkerung ist durchaus ostjüdisch. Der Gegensatz zwischen Ost- und Westjuden ist vielleicht nirgends in der Welt den Ersteren so stark zum Bewusstsein gekommen, wie in New York. Nur, dass sie sich hier besondere technische Ausdrücke dafür zurecbtgelegt haben. Sich selber nennen sie Jiden . (die »Lutwaken“ sprechen und die Zeitungen schreiben: »fjdenj, die anderen, die Westjuden — Jahudim- (Einzahl. Jahudi). Mit diesem Worte, das gelegentlich Westjuden angewendet haben,, um den Begriff »Jude“ nach der Richtung des Salbungsvollen zu stilisieren, soll offenbar der Mangel an Volkstümlichkeit, das Judentum der Phrase statt der lebendigen Wirklichkeit, das . (natürlich reform-) synagogale Salonjudentum gekennzeichnet werden. Es ist ein Spottwort, aber immer mehr und mehr verliert es - diesen Charakter und wird zum ernsten Kampfrufe. Man kann keine jüdische Zeitung lesen, in keine jüdische Versammlung kommen, ohne diesem Rufe zu begegnen*. Die Parteien wechseln, der Ruf bleibt: Jahudim! Emanzipation von den Jahudim! Los von ihrer Vormundschaft! Vor allem auf dem Gebiete der Wohlfahrt! »Unsere“, die uns verstehen, die in unserer Sprache mit uns sprechen, die nicht auf uns herabblicken, sollen uns helfen, die früher ganz den »Jahudim“ überlassen waren. Man sucht ihnen die Krankenpflege, die Einwändererfürsörge und die führende Rolle in den Bildungsbestrebungen zu entwenden. Es gibt hier eine »Educational Alliance*,, ein mächtiges Institut mit einem grossen Gebäude, in dem' die mannigfachsten Anstalten zur Erziehung der Erwachsenen und Kinder getroffen sind. Und man kann nicht leugnen, dass die Leiter des Instituts das Beste leisten, um ihre Mission, wie sie sie nun einmal auffassen, zu erfüllen. Dennoch aber ist es ihnen nicht gelungen, Bas Vertrauen der Bevölkerung zu erringen. Und erst jüngst hat der jüdische Dramatiker Jakob Gordin in öffentlicher und feierlicher Versammlung unter dem stürmischen Beifall der anwesenden Massen das Gebinde der »Educational Alliance* als eine fremde Zwingburg bezeichnet, die man uns da in »unsere“ jidische Stadt hineingestellt hat. Und derselbe Gordin ist einer der Gründer und eines der tätigsten Mitglieder der »Educational League“, eines Unternehmens, welches das »jidische“ Gegenstück zu der »jahudischen“ »Educational Alliance* darstellt und das wirklich Vorzügliches leistet, um eine Bildung zu verbreiten, die nicht vom Judentum wegführt. Auf dem Gebiete des EinwanderUngsweseus ist es wieder die »Jewish Immigrant Aid Society *, welche den neuen Emanzipationsknrs der ostjüdischen Bevölkerung bezeichnet. Je grösser, selbstbewusster und anspruchsvoller die New Yorker Ostjudenschaft wurde, desto mehr fühlte sie die ihren Zuzüglern geleistete Hilfe als mangelhaft. Die Klagen über die* Verständnislosigkeit und Kühle, mit welcher den ostjüdischen Einwanderern von seiten der »jahudischen“ Fürsorger begegnet werde, wurden immer lauter und führten zur Gründung des genannten Vereines. Ich sah seine Beamten dranssen in Ellis Island, svo die Einwanderer, soferne sie verschiedene Prozeduren glücklich überstanden haben, landen. Auf den Dienstkappen dieser Organe sind die Worte »Jüdische Gesellschaft“ zu lesen, und. die unglücklichen

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